Stan & Ollie (2018)

England 2018
Mit Steve Coogan, John C. Reilly, Rufus Jones, Shirley Henderson, Nina Arianda u.a.
Drehbuch: Jeff Pope nach dem Buch „Laurel & Hardy – The British Tours“ von A.J. Marriott
Regie: Jon S. Baird
Dauer: 98 min

Vorbemerkung:
Stan Laurel & Oliver Hardy, im deutschsprachigen Raum auch bekannt als „Dick und Doof“, waren gegen Ende der Dreissigerjahre auf der Höhe ihres Ruhmes. Obwohl sie grosse Stars waren, schlug sich das nicht auf ihrem Lohnkonto nieder, denn Produzent Hal Roach beteiligte seine Stars nur ungenügend an den Einnahmen ihrer Filme, während er selbst sich an ihnen eine goldene Nase verdiente. Stans Bemühungen, sich selbstständig zu machen, scheiterten, und so landeten sie nach ihrer Kündigung bei Hal Roach schliesslich im Fox-Studio, wo Stan seine gesamte künstlerische Freiheit abgeben musste – an rigide, vorgefertigte Drehbücher, was in einer Reihe sehr schwacher Filme resultierte. Danach sank Laurel & Hardys Stern rapide.

Inhalt:
Der Film Stan & Ollie setzt in den 50er-Jahren ein, als das Duo längst passée war, es aber noch einmal mit einem Film versuchen wollte. Ein Produzent in England hatte ihnen ein Projekt in Aussicht gestellt, und um dies zu bewerben, liessen sich die zwei alten Herren zu einer Bühnentour durch England überreden. Diese nur unter eingefleischten Fans bekannte Tour bildet das Zentrum von Jon S. Bairds Film.

Wie ist der Film?
Als eingefleischer Laurel & Hardy-Fan finde ich es schwierig, zu abstrahieren: Ist Stan & Ollie für ein Kinopublikum interessant, welches das Komödiantenduo kaum oder gar nicht kennt? Für die Laurel & Hardy-Fans und -Spezialisten gibt es viele Anspielungen, Wiedererkennungseffekte und Nostalgie-Momente; sie machen einen Grossteil des Charmes und des Reizes dieses Streifens aus. Doch der Rest des Publikums? Erkennt er und weiss es zu schätzen, wie nahe Steve Coogan und John C. Reilly mit ihrem grandiosenen Spiel dem Komödianten-Duo kommen? Weht etwas vom Zauber Laurel & Hardys von der Leinwand herüber, was den ignoranten Teil der Zuschauer animieren wird, sich die alten Filme einmal anzusehen? Ich fürchte nicht.
Faktisch wird zwar alles akkurat wiedergegeben, das Spiel der Hauptdarsteller ist grandios – das wird Leute, die Laurel & Hardy-Filme mögen zweifellos begeistern. Aber ich vermute, den vielen anderen wird Bairds Film wenig sagen. Dafür ist er zu bieder inszeniert, zu konventionell, zu ungeschickt. Auch das Drehbuch, das im Episodenhaften stecken bleibt, überzeugt nicht.
Der grösste Fehler jedoch, den die Filmemacher begehen, ist der Versuch, klassische Laurel & Hardy-Nummern nachzustellen. Da fällt Stan & Ollie so richtig schmerzhaft flach. Das geht so schief, dass sich Laurel & Hardy-Neulinge garantiert fragen werden, was denn da überhaupt komisch gewesen sein soll. Dafür wird in diesen Sequenzen eines überdeutlich: Das (echte) Duo Stan Laurel & Oliver Hardy war pure Kinomagie. Ihr Zusammenspiel und ihre Leinwandpersönlichkeiten lassen im Kino einen Zauber entstehen, den niemand sonst – auch nicht so talentierte Schauspieler wie Mr. Coogan und Mr. Reilly – wiederholen oder rekonstruieren kann. Wo Coogan & Reilly als Privatpersonen Laurel & Hardy agieren, überzeugen sie; sobald sie in deren Film-Alter Egos schlüpfen müssen, werden die Probleme dieses Projekts schmerzhaft sichtbar.
Erst im letzten Drittel, wo sich der Film thematisch zu einer Studie über die letzten Dinge des Lebens verdichtet, verlässt er die engen Grenzen des Privaten und bekommt eine Gültigkeit, die über das private Leben der zwei Leinwandikonen hinaus geht.
Fazit: Stan & Ollie ist leider „nur“ ein Film für die Fans geworden. Seine Magie entsteht einzig und allein dank der Strahlkraft der beiden Portraitierten: Mr. Stan Laurel & Mr. Oliver Hardy. Und dies auch nur, nur wenn man die beiden kennt.
Da gibt es nur eins: Sich die alten Original-Filme anzusehen.

Bewertung:
Die Regie: 6 / 10
Das Drehbuch: 7 / 10
Die Schauspieler: 9 / 10
Gesamtnote: 7 / 10

Zum weiterlesen – Das sagen andere Blogger zu Stan & Ollie:
Fluxkompensator

Verfügbarkeit:
Stan & Ollie läuft ab heute in den Kinos.

Der Trailer:


…und hier noch ein Fundstück zum Thema – mit den echten Stan & Ollie
: Eine Kinowochenschau aus der Zeit, die der Kinofilm Stan & Ollie umreisst.

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