1941 – Wo bitte geht’s nach Hollywood (1979)

USA 1979
Mit Bobby Di Cicco, Dan Aykroyd, John Belushi, Dianne Kay, Nancy Allen, Ned Beatty, Christopher Lee, Toshiro Mifune, Treat Williams, Robert Stack, John Candy, u.a.
Drehbuch: Robert Zemeckis und Bob Gale
Regie: Stephen Spielberg

Vorbemerkung:
Nach zwei bemerkenswerten Kino-Grosserfolgen (Der weise Hai und Unheimliche Begegnung der dritten Art) landete Steven Spielberg mit seinem nächsten Werk seinen ersten und wahrschenlich grössten Flop: 1941. Vor allem die Kritiker liessen kein gutes Haar an Spielbergs erstem Versuch im Komödienfach; trotzdem mauserte er sich nach und nach beim Publikum zum Kultfilm.

Inhalt:
Als die Japaner im Jahr 1941 in Pearl Harbor landen, bricht in Amerika die Panik aus. Der Film spielt in irgendeiner kalifornischen Kleinstadt. Ein japanisches U-Boot, dessen Ortungsgeräte defekt sind, taucht vorerst unbemerkt an der Küste auf. Dass sie sich nicht in Pearl Harbor befinden merken der Kapitän (Toshiro Mifune) und seine Crew bald. Die Mannschaft beschliesst – wenn man schon keine Ahnung hat, wo man ist – einen Angriff auf Hollywood. Freilich ohne genau zu wissen, wo und was das eigentlich ist. Und wo es genau liegt.
Parallel dazu wird die Geschichte des Wettbewerbtänzers Wally (Bobby Di Cicco) und dessen Flamme Betty (Dianne Kay) erzählt, verwoben mit den Erlebnissen der Soldatentruppe um Sergeant Tree (Dan Aykroyd) – und einer Vielzahl weiterer Figuren.

Wie ist der Film?
Das Vorgängerprojekt der beiden 1941-Drehbuchautoren, Robert Zemeckis und Bob Gale, hatte ich auf diesem Blog vor ein paar Monaten zerpflückt: Von ihrer Komödie I Wanna Hold Your Hand war ich wenig begeistert. Die ein Jahr später erschienene, ebenfalls von ihnen verfasste Komödie 1941 trägt erkennbar dieselbe Handschrift: Hysterie und Überdrehtheit sind auch hier Trumpf. Zudem steht praktisch dieselbe Hauptdarsteller-Crew hier erneut vor der Kamera. Doch im Unterschied zu der von Robert Zemeckis selbst inszenierten Satire auf die 60er-Jahre sorgt im Falle von 1941 ein wirklich fähiger und höchst talentierter Regisseur für inneren Zusammenhalt und Stringenz in der episodenhaft aufgefächerten Geschichte- zwei Vorzüge, die I Wanna Hold Your Hand völlig abgehen.
Die mal mehr, mal weniger gut gelungenen Gags und Witze werden von Steven Spielberg so wirkungsvoll wie nur möglich inszeniert – und entfalten damit maximale Wirkung, ja, werden teils sogar aufgewertet. Von wegen, Spielberg könne keine Komödie! Sein komödiantisches Timing ist von traumhafter Sicherheit, was 1941 trotz Überlänge durchgängig unterhaltsam macht. Aber nicht nur das: Spielberg schafft mit seiner visuellen Fantasie zahlreiche Bilder, die inzwischen zu Ikonen geworden sind – John Belushi mit Fliegerkappe und kalter Zigarre zwischen den zusammengebissenen Zähnen im engen Cockpit seines Jagdflugzeugs – das Bild kennt jeder. Auch der General, der sich im Kino Disneys Dumbo ansieht und dabei wie ein Kind heult, ist legendär. Ebenso das sich im Luna-Park verselbständigende Riesenrad. Die Idee, die beiden Weltstars Toshiro Mifune und Christopher Lee in ein japanisches U-Boot zu stecken, ist unbezahlbar. Als wenn dann noch Slim Pickens (in der Rolle eines Weihnachtsbaumverkäufers) dazukommt, ist der Spass perfekt!
Viele Sequenzen, allen voran die Massenszenen, sind derart lebendig, dynamisch und rhythmisch inszeniert und geschnitten, dass es eine reine Freude ist. Spielberg klotzt hier so richtig – das Film-Budget war riesig – aber er tut das derart gekonnt, lustvoll und augenzwinkernd, dass man kaum anders kann, als sich darüber zu freuen. Selten sieht man einen derart lauten, grobhumorigen Film, der derart hervorragend gemacht ist! Für Filmfans gibt es Anspielungen auf Der weisse Hai und den ersten Star Wars, doch auch wer diese nicht bemerkt kann seinen Spass haben.
Am Ende läuft alles darauf hinaus, dass nicht die „bösen Japsen“, sondern die Amerikaner selbst in ihrer patriotisch verblödeten Hyperaktivität allen Sachschaden zu verantworten haben.
1941 ist wunderbar komisch, mit unzähligen meisterhaft in Szene gesetzen Slapstick-Einlagen; von der Kritik wurde er kaum zur Kenntnis genommen. Weil es „nur“ eine Komödie ist? Ich sehe den Film als eine von Spielbergs grössten inszenatorischen Leistungen.

Bewertung:
Die Regie: 10 / 10
Das Drehbuch: 8 / 10
Die Schauspieler: 8 / 10
Gesamtnote: 9 / 10

Verfügbarkeit:
Der Film lief 1980 unter dem deutschen Titel 1941 – Wo bitte geht’s nach Hollywood? in den deutschsprachigen Kinos.
Er ist auf DVD und Blu-ray erhältlich – Sprachversionen: Deutsche Synchronfassung / englische Originalfassung mit zuschaltbaren deutschen Untertiteln.
Gestreamt werden kann er kostenlos hier, in der Originalversion mit zuschaltbaren deutschen (und vielen weiteren) Untertiteln. Achtung: Die Seite arbeitet mit Pop-up-Werbung (moderat). Ein Ad-Blocker schafft diesbezüglich rasch Abhilfe.

 

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