Norma Talmadge

THE SOCIAL SECRETARY (1916)

USA 1916
Regie: John Emerson
DarstellerInnen: Norma Talmadge, Kate Lester, Gladden James, Herbert French, Erich von Stroheim u.a.
Drehbuch: John Emerson und Anita Loos
Dauer: 52 min

So, nun kommen wir mal zu einer echten Rarität, einer (zumindest unter herkömmlichen Filmfans) wenig bekannten frühen Filmkomödie aus dem Jahr 1916. Trotz ihres Alters greift sie erstaunlich moderne Themen auf. Doch davon später.

Mayme, eine kluge, gewitze und hübsche Sekretärin (Norma Talmadge) hat genug von ihren männlichen Vorgesetzten, die sie ständig mit Annäherungsversuchen belästigen. Deshalb meldet sie sich auf eine Stellenausschreibung einer reichen Familie, die ausdrücklich eine „für Männer unattraktive“ Schreibhilfe sucht, und macht sich so hässlich wie möglich. Sie erhält die Stelle, doch der Sohn des Hauses kommt nach einer nächtlichen Sauftour hinter ihr Geheimnis…

Man staunt: Ein Film von 1916, welcher die Probleme der Frauen, ja die Frauen selbst vollkommen ernst nimmt und in den Mittelpunkt des Geschehens stellt! Das gab’s tatsächlich, und dank Grapevine Video ist der schöne Film der Allgemeinheit überhaupt noch zugänglich. Das Drehbuch ist wunderbar, witzig, unvorhersehbar und mit schönen Seitenhieben auf die feine (männliche) Gesellschaft gespickt.

Die Darsteller sind allesamt erste Klasse, allen voran Norma Talmadge, die hier sogar Erich von Stroheim (in einer Paraderolle als schmieriger Sensationsreporter) an die Wand spielt. Ihre Wandelbarkeit und ihr engagiertes und nuanciertes Spiel beleben diesen Film ungemein, der von der Regie her leider etwas statisch geraten ist. Noch war der Stummfilm nicht überall soweit, dass auch die Bilder beredt waren und Geschichten erzählten – obwohl D.W.Griffith die Filme bei Triangle selbst überwacht haben soll. Hier jedenfalls werden dieselben etwas nichtssagenden Kameraeinstellungen etwas gar zu oft wiederholt, die Geschichte wird allein vom Spiel der Schauspieler und vom Drehbuch getragen. Das reicht allerdings aus, die Betrachter 50 Minuten lang bestens zu unterhalten.

Die DVD-Ausgabe: Der Film wurde von Grapevine Video 2004 auf DVD-R herausgebracht, zusammen mit „The Forbidden City“, einem weiteren Norma-Talmadge-Film (Details siehe hier). Der Transfer wurde von einer guten, viragierten 16mm-Kopie gemacht.
Die Bildqualität ist für DVD-R zufriedenstellend; wer höchste Ansprüche stellt und nur restaurierte Fassungen bevorzugt, sollte lieber verzichten. Der Film ist weder restauriert noch in sonst irgendeiner Form aufgemöbelt. Aber hier geht es in erster Linie um die Verfügbarkeit, und Grapevine ist der einzige Anbieter, der diesen Film im DVD-Angebot hat.

Musikalisch wird der Film auf einer Kinoorgel begleitet, was ein ganz annehmbares (wenn auch nicht berauschendes) Ergebnis erzielt.

Die DVD, welche The Social Secretary enthält heisst Norma Talmadge Double Feature und enthält ausserdem den Stummfilm The Forbidden City (1920). Erschienen bei Grapevine Video, für $14.95; Versand nach Europa $4!

THE FORBIDDEN CITY (1918)

USA 1918
Regie: Sidney Franklin
DarstellerInnen: Norma Talmadge, Thomas Meighan, E. Alyn Warren u.a.
Dauer: 62 min

San San (Norma Talmadge), die Tochter eines chinesischen Mandarin, verliebt sich in dessen Schüler, den amerikanischen Diplomaten John Worden (Thomas Meighan). Doch diese Liebe wird vom Kaiser, von dessen Gunst San Sans Vater abhängig ist, nicht toleriert: San San wird zum Tod verurteilt. Jahre später macht sich ihre inzwischen erwachsene Tochter Toy (ebenfalls von Talmadge gespielt) auf die Suche nach ihrem unbekannten Vater. Auf den Philippinen kommt es zur dramatischen Reunion…

„The Forbidden City“ bietet in erster Linie etwas fürs Auge. Als Ausstattungsfilm ist er noch heute beachtlich; die Innenräume sind liebevoll und mit sichtlichem Effort um Authentizität eingerichtet, ja regelrecht vollgepfercht mit allerlei „authentischen“ Gegenständen. Dadurch wirken viele Einstellungen wie Gemälde. Sidney Franklins statische Inszenierung unterstreicht den Tableaucharakter zusätzlich.
Leider geschieht dies auf Kosten der Dynamik und der Spannung. Die Figuren erhalten dank einer heute merkwürdig anmutenden Bewegungsökonomie etwas Puppenhaftes und somit Lebloses. Die Handlung entwickelt sich über grosse Zeiträume zähflüssig, ohne vom Fleck zu kommen, um sich plötzlich in abrupten Sprüngen vorwärts zu bewegen. Dadurch wirkt der Film heute etwas befremdend und unausgereift.

Fazit: „The Forbidden City“ ist nicht wirklich schlecht, aber man fühlt sich beim Betrachten nicht wirklich wohl oder angeregt. Der Film ist auch für Stummfilmfans oder Verehrer von Norma Talmadge kein „must“.

Die DVD-Ausgabe: Der Film wurde von Grapevine Video 2004 auf DVD-R herausgebracht, zusammen mit „The Social Secretary“ (Beschreibung siehe hier). Der Transfer wurde offenbar von einer eher mittelmässigen 16mm-Kopie gemacht. Die Bildqualität lässt bisweilen zu wünschen übrig (leicht verschwommenes Bild); eine atmosphärisch stimmige, mit der Zeit aber etwas eintönige Klavierbegleitung untermalt das Geschehen.
Die DVD, welche The Forbidden City und The Social Secretary enthält heisst Norma Talmadge Double Feature .
DVD erschienen bei Grapevine Video, für $14.95; Versand nach Europa $4!