John Barrymore

Napoleon vom Broadway – 1934

EIN VERGESSENER FILM:
TWENTIETH CENTURY

USA 1934
Mit John Barrymore, Carole Lombard, Walter Connolly, Roscoe Karns, Charles Lane, Etienne Girardot u.a.
Drehbuch: Ben Hecht, Charles MacArthur, Gene Fowler und Preston Sturges (die letzen beiden ungenannt) nach dem gleichnamigen Theaterstück von Hecht und MacArthur, welchem das nie aufgeführte Bühnenstück „Napoleon from Broadway“ von Charles Bruce Millholland zugrunde liegt.
Regie: Howard Hawks
Studio: Columbia
Dauer: 92 min
Im deutschsprachigen Raum kam der Film nie in die Kinos. Er wurde 1973 erstmals im deutschen Fernsehen ausgestrahlt, unter dem Titel Napoleon vom Broadway

Vorspann:
Howard Hawks drehte 1934 diese seine erste Tonfilmkomödie – und setzte damit Massstäbe, die bis heute gelten. Dass der Film bei uns praktisch unbekannt ist, mag erstaunen, ändert aber nichts an der Tatsache, dass Twentieth Century ein Meilenstein der Filmkomödie ist. Hawks erfand damit nichts weniger als die Screwball Comedy.
Inhalt: Sie heisst Mildred Plotka (Lombard), ist gelerntes Mannequin und steht plötzlich auf den „Brettern, die die Welt bedeuten“. Der berühmte Broadway-Impresario Oscar Jaffe (Barrymore) hat ihr Talent fürs Theater entdeckt, nun quält er sie durch die Proben seines neusten Stücks. Mit Erfolg, wie sich zeigen wird. Mit so grossem Erfolg, dass Miss Plotka, die nun Lili Garland heisst, schliesslich dem Zugriff ihres Chefs und Liebhabers Jaffe entflieht und in Hollywood Karriere macht. Was den ohnehin nicht besonders besonnenen Theaterlöwen zur Raserei bringt. und ihn in den Ruin treibt, denn ohne seinen Star will ihm nichts mehr gelingen. Im Zug „Twentieth Century“ treffen die beiden unverhofft wieder aufeinander – und die Fetzen fliegen…

Der Film:
John Barrymore kommt in diesem Blog immer mal wieder zur Sprache – kein Wunder, er gehört zu meinen Top-Ten-Lieblingsschauspielern. Der ehemals gefeierte Stummfilmstar verlor im Tonfilm leider sukszessive an Reputation, bis er nur noch in kleinen Nebenrollen zu sehen war. Dabei hatte er eine hervorragende, angenehme und kultivierte Sprechstimme, im Umgang soll er ein überaus angenehmer, zuvorkommender Mensch gewesen sein. Den Kopf kostete ihn – eine Todsünde im alten Hollywood – seine Alkoholsucht, die er gegen Ende seiner Karriere immer weniger kontrollieren konnte. In Howard Hawks‘ Twentieth Century spielte Barrymore noch einmal gross auf, spielte auf Teufel komm ‚raus und legte damit die wohl denkwürdigste Leistung seiner gesamten Karriere hin. Es sollte sein letzter grosser Film werden. Und sein liebster.
Für Carole Lombard hingegen bedeutete Twentieth Century den Startschuss zum Filmruhm. Sie freundete sich während der Dreharbeiten mit dem ihr mit Rat und Tat zur Seite stehenden John Barrymore an und drückte später durch – da war sie schon ein Superstar – dass er in ihrem Film True Confession eine prägnante Rolle bekam.
Die beiden verstarben im gleichen Jahr, im Abstand von drei Monaten.

Das Zusammenspiel der beiden in diesem Film gehört zu den grossen Momenten der Kinokomödie und ist das beste an Twentieth Century. Howard Hawks soll Barrymore zur Mitwirkung an diesem Film gewonnen haben, indem er ihm verriet: „It’s the story of the biggest ham on earth and you’re the biggest ham I know.“ („Es ist die Geschichte des grössten Schmierenkomödianten der Welt; Du bist der grösste Schmierenkomödiant, den ich kenne.“) Daraufhin soll Barrymore spontan zugesagt haben.
Zuerst ist es nur Barrymore, der „schmiert“, genüsslich, aber nie zu viel. Jede Regung Oscar Jaffes ist Theater, alles ist Geste, unecht bis ins Mark. Sein Leben ist ein einziges grosses Theater, er spielt es, als wäre es ein Stück von ihm und die ganze Welt seine Bühne. Barrymore dabei zuzusehen ist ein unerschöpfliches Vergnügen. Jede kleinste Regung sitzt genaustens; Jaffes überkandideltes Gehabe ist „gespieltes Spiel“ – zum niederknien!
Als dann die Lombard auch noch damit anfängt – etwa in der Mitte des Film, wo ihre Figur schon berühmt ist – potenziert sich das Vergnügen. Da beide so präzise spielen, wird es nie zuviel – jeder lässt dem anderen seinen Raum. Es ist ein Ereignis! Man merkt, wie gut sich die beiden privat verstanden.

Hawks mit Lombard & Barrymore

Hawks mit Lombard & Barrymore

Die Lombard war bis zu diesem in verschiedener Hinsicht bahnbrechenden Werk eine passable Schauspielerin, die in glamourösen Kleidern gut aussah. Hawks erlebte sie einmal an einer Party -und begriff sofort, wo ihr eigentliches Potential lag. Hawks war hingerissen von ihrer natürlichen Komik, die sie dort in aller Ungezwungenheit an den Tag legte. Er drückte beim Produzenten Harry Cohn ihr Engagement gegen dessen ursprünglichen Willen durch – und traf genau ins Schwarze. Am Set machte er der Lombard klar, dass sie alles tun solle, bloss nicht schausspielern. Dafür liess er ihr und ihrem Partner Barrymore Raum für Spontaneität und Improvisation (ein Inszenierungsstil, den er selbst genoss, weil er von sowas bei den Erbsenzählern von MGM nur träumen konnte). Lombard und Barrymore packten die Gelegenheit und starteten voll durch. Obwohl dem Film kein grosser Erfolg beschieden war, galt die Lombard in der Branche fortan als Comèdienne par excellence und wurde zum gefeierten Star der Screwball-Komödie. Der Erfolg hielt die ganzen acht Jahre an, von Twentieth Century bis zu ihrem Unfalltod.

Mit Twentieth Century begründete Hawks nicht nur Lombards Ruhm, er erfand mit seinem Inszenierungsstil auch noch das Genre der Screwball Comedy. Natürlich gab es schon vorher Komödien, in welchen die Reichen und Berühmten sich beknackt verhalten – das war in der Depressionszeit in den USA ein beim Publikum beliebtes Sujet. Hawks‘ Film kombiniert diese Thematik mit handfestem Slapstick, und – das Wichtigste – mit maschinengewehrsalvenschnellen Ping-Pong-Dialogen, die sich zum Teil überlappten. Was in Filmen wie Bringing Up Baby (dt.: Leoparden küsst man nicht; 1938) bereits in Perfektion vorlag, in diesem Film experimentierte Hawks erstmals damit – was umso erstaunlicher ist, da Twentieth Century Hawks‘ erste Tonfilm-Komödie war. Eine, die das Genre sofort erweiterte: Man kann mit Recht behaupten Twentieth Century sei die erste richtige Screwball-Komödie gewesen. Seltsamerweise schreiben die europäischen Filmjournalisten dieses Verdienst gerne Frank Capras drei Monate früher entstandenem Werk It Happened One Night (dt.: Es geschah in einer Nacht) zu, obwohl ihre amerikanischen Kollegen Hawks‘ Twentieth Century favorisieren. Bei Capra sind die äusserlichen Insignien zwar ausgeprägter (Depressions-Thematik plus ein Liebespaar, das sich „komisch“ verhält), doch der rasante Stil ist dort noch nicht erkennbar. Den hat eindeutig Hawks erfunden.
Die Divergenz zwischen amerikanischer und europäischer Wahrnehmung finde ich, diese Randbemerkung sei mir erlaubt, höchst interessant. Gilt Capras Film in Europa mehr, weil er an den US-Kinokassen erfolgreicher war und deshalb im deutschsprachigen Raum einen Verleiher gefunden hatte, während der andere bei uns bis in die Siebzigerjahre gar nicht zu sehen war? Oder weil die Sozialkritik Capras beim traditionell linken europäischen Filmjournalismus besser ankommt? Hier bleibt Raum für Spekulationen.

Schaut man sich Twentieth Century heute an, dann ist man vor allem vom Spiel der beiden Hauptdarsteller begeistert. Der Rest des Film hält da nicht so recht mit, was die Schuld des Drehbuchs ist. Die Handlung weist immer mal wieder Längen auf, zudem ist überdeutlich, dass die Vorlage ein Theaterstück war. Die Enge des Zuges, in dem der Film zur Hauptsache spielt, steht einer rasanten Handlungsführung, wie sie in Bringing Up Baby durchgeogen wird, buchstäblich im Weg. Und das, obwohl sich Hawks diesbezüglich alle Mühe gibt – mit Zwischenschnitten auf den dahinrasenden Zug, High Speed-Dialogen und Szenenimproviationen.
Die Thematik ist zudem weit weg vom heutigen Betrachter, ein thematischer Zugang, der über die Nostalgie hinausgeht, will sich nicht einstellen. Irgendwie läuft der Film auf nichts hinaus, die Figuren stehen am Schluss am selben Ort wie zu Beginn. Natürlich gibt es immer wieder Sequenzen, die herausragen: Die Art, wie sich Jaffe in absurder Verkleidung in den Zug schmuggelt (eine Sequenz, die Barrymore während dem Dreh selbst vorgeschlagen hatte) oder das Kuddelmuddel, das um den kleinen verrückten Geschäftsmann entsteht, der den Zug mit „Repent“-Klebern zukleistert – um nur zwei zu nennen.
Es lohnt sich auf jeden Fall, die Bekanntschaft dieser Komödie zu machen. Für Filminteressierte, weil sie Massstäbe gesetzt hat; für alle anderen wegen der beiden Hauptdarsteller.

Abspann:
Der Film erschien schändlicherweise nie bei uns, weder auf DVD noch auf VHS – ein beklagenswetrter Umstand. In den USA und in England ist er zur Zeit nur gebraucht auf DVD. Dem wird die „Warner Archive Collection“ hoffentlich bald Abhilfe schaffen.

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Film-Schnipsel

Kurzrezensionen – diese Woche gesehene ältere Filme:

Postcards from the Edge (dt.: Grüsse aus Hollywood; Mike Nichols, USA 1990) Mit Meryl Streep, Shirley MacLaine, Dennis Quaid, u.a.
Carrie Fishers (bekannt als Prinzessin Leia Organa) Querelen mit ihrer leiblichen Mutter Debbie Reynolds – ausgeführt von Meryl Streep und Shirley MacLaine. Das ist, auf einen kurzen Nenner gebracht, dieser Film. Es handelt sich dabei um die Verfilmung von Fishers literarischer Abrechnung mit ihrer Mutter, welche die Autorin mit viel Witz in ein Drehbuch umgearbeitet hatte. Das Ganze ist toll gespielt, witzig, bleibt aber etwa ab der Hälfte im Episodenhaften hängen und lässt einen etwas ratlos zurück: Die Probleme eines tablettensüchtigen Hollywood-Stars, das einen alkoholsüchtigen Hollywood-Star als Mutter hat – und nun?

Vorschau:
Als nächstes kommt hier wieder ein Filmklassiker auf den Prüfstand, und zwar Sam Peckinpahs Western Ride the High Country (dt.: Sacramento; USA 1962), in welchem sich zwei alternde Westerndarsteller aus Hollywoods Glanzzeit die Hauptrolle teilen: Joel McCrea und Randolph Scott.

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Beau Brummel – Glück und Ende des englischen Casanova

BEAU BRUMMEL
USA 1924
Mit John Barrymore, Mary Astor, Willard Louis, Alec B. Francis, Carmel Myers u.a.
Drehbuch: Dorothy Farnum
Regie: Harry Beaumont
Studio: Warner Bros.
Deutschsprachige Kinoauswertung: nur in Österreich, dort lief der Film 1925 in den Kinos, unter dem ebenso pompösen wie irreführenden Titel Beau Brummel – Glück und Ende des englischen Casanova
Dauer: 125 min

Ein Film mit John Barrymore ist eigentlich immer ein Fest. Der Akteur, der als jugendlicher Liebhaber bekannt war und oft im selben Atemzug mit Rudolf Valentino genannt wurde, konnte mehr als nur schöne Frauen anschmachten. Viel mehr! Für mich ist er einer der grössten Filmschauspieler aller Zeiten. Dieser Stummfilm zeigt exemplarisch, was Barrymore so draufhatte.
Als George Bryan „Beau“ Brummel darf er sein schauspielerisches Spektrum so richtig ausbreiten. Es ist eine Freude, ihm dabei zuzusehen, wie er sich vom verzweifelten Liebhaber zur Karikatur des modebewussten Dandys wandelt, von dort zum verbitterten Alten, um zuletzt als irrer Greis zu verblüffen.
Schon die Vorlage, ein 1889 verfasstes Bühnenstück des amerikanischen Dramatikers Clyde Fitch, ist als schauspielerisches Schaustück angelegt. Fitch schrieb es dem damals in den USA gefeierten deutsch-britischen Akteur Richard Mansfield auf den Leib, der in der Rolle des affektierten Dandys Furore machte. Wie Barrymore glänzte auch Mansfield als Robert Louis Stevensons Dr. Jekyll And Mr. Hyde – allerdings im Theater. Zur Zeit der Dreharbeiten an diesem Film waren Mansfield und sein Brummel zumindest im Showbusiness noch immer ein Begriff. Einige der Kostüme, die im Film vorkommen, soll Mansfield in der Bühnenfassung getragen haben.

George Bryan Brummel war ein Emporkömmling niederer Herkunft. Im Film fasst er den Entschluss, sich über die Adeligen seiner Zeit zu erheben, weil ihm ein solcher durch eine arrangierte Ehe seine Geliebte wegschnappt. Dank seiner (erschlichenen) Freundschaft mit dem Prinzen of Wales, dem späteren König George IV., gelangt er mittels dreistem Gebahren und kluger Ränkeschmiede am Hof zu Ruhm und Einfluss. Sein Mode-Diktat gilt in der feinen gesellschaft als höchstes Gebot; Brummel schafft die Puder-Perücken ab, führt lange Hosen und die Kravatte ein. Dem pompösen Königsanwärter klopft er auf die Schulter und erlaubt sich ihm gegenüber einige Respektlosigkeiten.

Ungestraft – bis er eines Tages zu weit geht. Und da sieht eine fallengelassene Geliebte die Gelegenheit zur Rache an dem Beau: Zusammen mit anderen betrogenen Adligen bringt sie den Prince of Wales gegen den Dandy auf und leitet dessen tiefen Fall ein. Brummel wird als englischer Konsul nach Frankreich „starfversetzt“, wo er isoliert zunehmender Armut anheim fällt. Er stirbt schliesslich mittellos und in geistiger Umnachtung in einem Armenhaus.

Eine Paraderolle in der Tat! Doch nicht nur Barrymore glänzt, auch seine Mitstreiter spielen hervorragend, und sie sind hervorragend besetzt. Der heute vergessene Willard Louis als Prince of Wales könnte das Schauspieler-Vorbild Peter Ustinovs gewesen sein. In der Rolle des Prince of Wales erinnert er – so paradox das klingt –  an den späteren Star, der zudem in der Neuverfilmung des Stoffes 1954 tatsächlich die Rolle des Prinz of Wales besetzte. Auch kleine Nebenrollen, Brummels Diener, oder dessen adelige Entourage sind glänzend besetzt und prägen sich dank ihrer prägnanten Physiognomien beim Zuschauer ein.

Und dann die Regie: Formal wenig spektakulär, doch in Konzept und Ausstattung grandios. Mit dicker Schminke und lächerlichen Accessoirs nimmt Harry Beaumont Fellini vorweg. Er zeigt den höfischen Adel als eine Bande eitler, äffischer, bisweilen hässlicher Popanzen, deren einzige Themen die neuste Mode und ihre Vorreiter darstellen. Beaumont lässt die Akteure hier bewusst übertreiben, ohne allzu heftiges Chargieren zuzulassen. Barrymore ist in diesen Sequenzen von einer wahrhaft grandiosen Lächerlichkeit – erhaben und zugleich aufs Höchste affektiert. Ein schauspielerisches Meisterstück, das ihm so schnell keiner nachmacht!
So ist dieser Beau Brummel in erster Linie ein Fest der Schauspielkunst und der Karikatur – filmisch kein grosses Werk, doch eins, das dank seinem Hauptdarsteller in bester Erinnerung bleiben wird.
9/10

Die DVD kann als Neuware in meinem eBay-Shop gekauft werden.

Vorher-nachher:
Regisseur Harry Beaumont drehte vor Beau Brummel die Komödie Don’t Doubt Your Husband (1924) und nachher Babbitt (1924, nach Sinclair Lewis) mit Willard Louis in der Hauptrolle. Seine Regiearbeiten sind heute weitgehend unbekannt.
John Barrymore stand zu jener Zeit hauptsächlich auf der Bühne; der Film, den er vor Beau Brummel drehte, war Sherlock Holmes (1922). Seine nächste Filmrolle hatte er im Folgejahr: Er war ganz kurz in Fred Niblos Ben Hur zu sehen – als Zuschauer beim Wagenrennen. Sein berühmtester Film war wohl Grand Hotel (dt.: Menschen im Hotel, Regie: Edmund Goulding), wo er an der Seite von Greta Garbo auftrat, und die Howard Hawks-Komödie Twentieth Century (dt.: Napoleon vom Broadway), den er an der Seite von Carole Lombard drehte.
Mary Astor spielte im selben Jahr in nicht weniger als sechs Filmen die weibliche Hauptrolle – mit erst siebzehn Jahren. Vor Beau Brummel war sie in The Fighting Coward (Regie: James Cruze) an der Seite von Ernest Torrence und Noah Beery zu sehen, danach in The Fighting American (Regie: Tom Forman) an der Seite von Pat O’Brien. Ihre bekanntesten Filme sind The Maltese Falcon, wo sie 1941 an Bogarts Seite die weibliche Hauptrolle spielte (dt.: Der Malteser Falke; Regie: John Huston), und an der Seite von Bette Davis und Olivia DeHavilland in Hush, Hush, Sweet Charlotte (dt.: Wiegenlied für eine Leiche; Regie: Robert Aldrich; 1964).
Willard Louis, Schauspieler und Regisseur, verstarb bereits 1926, im Alter von 44 Jahren an Typhus – das erklärt seinen geringen Bekanntheitsgrad. 1924 war er in elf Filmen zu sehen; vor Beau Brummel im bereits erwähnten Don’t Doubt Your Husband (Regie: Harry Beaumont), danach in Broadway After Dark (Regie: Monta Bell).
Dorothy Farnum hörte 1934 mit dem Verfassen von Drehbüchern auf. 1924 abeitete sie an nicht weniger als acht Filmen mit. Vor Beau Brummel schrieb sie die Story zur Bebe Daniels-Komödie Daring Youth (Regie: William Beaudine), danach drehte Harry Beaumont nach ihrem Drehbuch Babitt. Der bekannteste Film aus ihrer Feder dürfte Bardelys the Magnificant mit John Gilbert sein.

 

SHERLOCK HOLMES (1922)

USA 1922
Mit John Barrymore, Roland Young, Carol Dempster, Gustav von Seyffertitz, William Powell, Hedda Hopper, Reginald Denny u.a.
Regie: Albert Parker

Zwei Stars und ein Haufen illustrer Nebendarsteller geben sich für diese Sherlock Holmes-Verfilmung die Ehre. Einige dieser Nebendarsteller waren  damals noch unbekannt: Roland Young, William Powell und Reginald Denny kamen erst nachträglich zu Ruhm. Der Zufall brachte sie für diesen Film zusammen – Young und Powell standen hier gar erstmals vor der Kamera.
So wartet Albert Parkers Sherlock Holmes mit einer eindrucksvollen Liste klingender Namen auf – auch der Name des oesterreichischen Charakterdarstellers Gustav von Seyffertitz steht darauf oder jener des massigen Louis Wolheim, der hier nur in einer kleinen Nebenrolle zu sehen ist.
Und damit ist das grosse Plus dieser Verfilmung bereits beim Namen genannt.

Die Schauspieler machen den Film aus, sie tragen ihn. John Barrymore etwa könnte ich stundenlang zuschauen; er sagt mit einem Heben der Augenbraue mehr aus als die bisweilen geschwätzigen Zwischentitel. Er gibt den Holmes als leicht verdrehten Sonderling, einen in seiner inneren Welt Gefangenen. Meisterhaft, wie er das mit sparsamsten Gesten spürbar macht! Und das zu einer Zeit, wo andere Schauspieler vor wildem Gestikulieren fast Schaum vor dem Mund hatten.
Roland Young gibt den Dr. Watson; fast scheint es, als überliesse Young dem berühmten Barrymore bescheiden die gemeinsamen Szenen. Er bleibt zurückhaltend, aber in dieser Zurückhaltung wirkt er überaus sympathisch. Erstaunlich übrigens, dass er bei seinem ersten Engagement im Film gleich einen derart prominenten und grossen Part bekam.
Von Seyffertitz spielt den bösen Professor Moriarty lustvoll und trotzdem zurückhaltend.
Nur die damals unter D.W. Griffith zu Ruhm gelangte Carol Dempster bleibt als Komplottopfer seltsam blass und fast gesichtslos.

Der Film selbst… nun, er ist ganz unterhaltsam. Das hat er allerdings und wie bereits erwähnt, den Schauspielern zu verdanken.
Das zugrundeliegende Theaterstück von William Gilette ist aus heutiger Sicht etwas einfallslos, ebenso die Regie. Da wird minutenlang aus der selben Einstellung gefilmt, wie zwei Protagonisten plaudern. Der Inhalt des Gesprächs ist weder aus dem Kontext noch aus der Gestik oder Mimik deutbar und wird erst spät, per Zwischentitel nachgeliefert.
Mit Conan Doyles gewitzter Erzählweise hat das Stück gar nichts zu tun – Holmes zieht seine Schlüsse vom Publikum unbemerkt, seine scharfsinnigen Folgerungen finden nur einmal kurz Erwähnug.

So ist dieser Sherlock Holmes ein Schauspielerfilm, und als solcher doch von einigem Interesse. Wer allerdings Wert auf eine spannende Krimihandlung legt, ist mit späteren Verfilmungen besser bedient.

Die DVD: Die Bildqualität ist gut bis sehr gut; der Film wurde vom George Eastman House restauriert, aufgrund der schlechten Verfassung des Ausgangsmaterials fehlen allerdings immer wieder kurze Filmschnipsel, was gegen Ende zu abrupten, bisweilen verwirrenden Bildsprüngen führt. Auch scheinen mir einige Zwischentitel zu fehlen.

Die Musikbegleitung stammt von Ben Model; er spielt sie auf einer “virtuellen Kinoorgel” (midi) selbst ein. Mir gefällt sie nicht besonders; sie wirkt, wie der Film, etwas einförmig und monoton.

Reginalcode: 0

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