Hal Roach

THE BATTLING ORIOLES (1925)

USA 1925
Regie: Fred Guiol und Ted Wilde
Mit Glenn Tyron, Blanche Mehaffey, John T. Prince, Noah Young u.a.
Dauer: 54 min

Hier haben wir eine höchst interessante, vergessene Komödie aus dem Hal Roach-Studio. Interessant ist sie deshalb, weil sie Rückschlüsse auf die Arbeitsweise im Studio ermöglicht.

Zur besseren Verständlichkeit muss ich da etwas ausholen: The Battling Orioles entstand, nachdem Roachs Star Harold Lloyd das Studio verlassen hatte – und bevor Charley Chase und Laurel & Hardy dort so richtig zum Zug kamen. Der “Neue” hiess Glenn Tyron. Der Stab hingegen war derselbe wie bei vielen Chase- und Laurel & Hardy-Vehikeln: Roach selbst schrieb die Story, Regie führten Fred Guiol und Ted Wilde.

Das auffallendste an den Battling Orioles ist das fehlende komödiantische Timing. Die Gags sind zwar ganz nett, aber an der Ausführung haperts, der zündende Funke fehlt. Die Gags werden einfach abgefeuert, damit Platz ist für den nächsten “Spass”. Einige treffen, viele gehen jedoch ins Leere.

Bei Lloyd, Chase, Laurel und Hardy wurden die Gags jeweils sorgfältig vorbereitet, damit sie die bestmöglichen Wirkung erzielten. Das nennt man komödiantisches Timing, und viele Filme der oben genannten Komödianten sind hervorragende Beispiele dafür.

Was sagt uns das? Dass im Hause Roach die Hauptdarsteller das Sagen hatten, noch vor dem Regisseur.
Von Lloyd, Chase und Stan Laurel ist dies bekannt. Sie hatten das Format und das Können, einen Film zu tragen und zum Leuchten zu bringen. Dafür wendeten sie viel Zeit und Gedanken auf. Und Produzent Roach förderte die freie Arbeitsweise, bei der viel improvisiert wurde  – zumindest in seinen Anfängen.

Schaut man sich nun The Battling Orioles an, dann wird einem vor Augen geführt, was im Roach-Studio geschehen konnte, wenn ein mittelmässiger Komödiant die Filmcrew anführte. Dann fiel das Ganze in sich zusammen, denn weder die hier beteiligten Regisseure noch der Produzent besassen offensichtlich das nötige Talent, um noch etwas zu retten. Was ihre Fähigkeiten in ein wenig schmeichelhaftes Licht stellt. Interessant dabei ist:  Ted Wilde wird bei zwei von Harold Lloyds besten Stummfilmen als Regisseur aufgeführt, bei The Kid Brother und Speedy, und Fred Guiol war Regisseur des besten Stummfilms von Charley Chase – Limousine Love.

Glenn Tyron, der ganz klar nicht das Format seiner grossen Kollegen hat, weiss scheinbar nicht, was er mit dem Ausgangsmaterial anfangen soll, und es ist offensichtlich, dass es auch sonst keiner von der Crew weiss.

Das ist schade, denn der Film hätte grosses Potential gehabt – nicht auszudenken, was ein Harold Lloyd daraus gemacht hätte! Es geht um die stark gealterte Belegschaft einer einst berühmt-berüchtigten Baseballmannschaft, der Battling Orioles. Nun ist aus den ehemaligen Draufgängern ein Grüppchen missgestimmter Herren geworden, die ihren Lebensabend in einem exklusiven Altherrenklub verbringen. Der quirlige Friseur Tommy Roosevelt Tucker (Glenn Tyron) soll dem Häufchen eine Energiespritze verpassen. Durch seine Ungeschicktheit stiftet er im Klub allerdings nur Chaos und neuen Missmut.
Erst als Tuckers Geliebte entführt wird, kommt Leben in den Haufen. In höchster Not gelingt es unserem Helden, den alten Mannschaftsgeist der Greisentruppe wiederzuerwecken. In einem rasanten Finale brechen diese ins Lager der Ganoven ein und sorgen auf unzimperliche Weise für Ordnung…

Klingt gut, lohnt sich aber wirklich nicht. Mir tat es weh, all die verpatzten Gelegenheiten in aller Deutlichkeit präsentiert zu bekommen, Steilvorlagen für köstlichen Slapstick, die durch übermässiges Gehampel und haltloses Grimassieren vertan werden.
Wer sich nicht daran stört, Gags mit dem Vorschlaghammer präsentiert zu bekommen, dem sei dieser Stummfilm empfohlen. Allen anderen nicht.

The Battling Orioles führt den Beweis, dass die Stars bei Roach auch den Look des fertigen Produktes bestimmten – und dass Glenn Tyrone ein nicht ganz zu Unrecht vergessener Komiker ist.

Die DVD-Ausgabe: Für diese DVD-R wurde eine sehr gut erhaltene 16mm-Kopie verwendet. Der Bildtransfer ist recht gut, lässt aber etwas an Schärfe und Tiefenschärfe vermissen. Es gibt zwei, drei abrupte Sprünge, wo deutlich wird, dass kurze Sequenzen fehlen. Das alles reicht natürlich nie an die Bildqualität einer Kino- oder WoM-DVD heran, aber diese Scheibe von Grapevine Video ist die einzige Möglichkeit, den Film zu sehen.

Die Musikbegleitung ist anonym. Es handelt sich um eine Klavierbegleitung, die sich recht gut ins Geschehen einfügt, die aber nicht besonders positiv auffällt. Allerdings auch nicht besonders negativ.

Extras: Forty Winks, ein früher Tonfilm aus Otto Messmers Trickfilmserie Felix the Cat.

Reginalcode: 0

Bestellung: Der Film kann direkt beim Hersteller, Grapevine Video, bestellt werden. Die Bestellung ist unkompliziert, der Versand nach Europa kostet nur $ 4 und die Filme sind in der Regel eine Woche nach der Bestellung da. So schnell und billig versendet sonst kein amerikanischer Anbieter.

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WHY WORRY (1923)

USA 1923
Regie: Fred C. Newmeyer, Sam Taylor
DarstellerInnen: Harold Lloyd, Jobyna Ralston, John Aasen, Leo White u.a.
Dauer: 60 min

Harold Lloyd wird gemeinhin , so man ihn überhaupt kennt, auf einen einzigen Film reduziert, auf Safety Last, wo er unfreiwillig einen Wolkenkratzer hochkraxelt.
Ein toller Film. Doch der Mann hat noch andere schöne Streifen realisiert. Er war neben Chaplin und Keaton sogar der Komödienstar der Stummfilmzeit. Zu recht, wie ein Blick auf sein weiteres Filmschaffen zeigt.

Why Worry? zum Beispiel entstand direkt nach Safety Last und kann sich in fast jeder Hinsicht mit diesem messen. Sogar ein spektakuläres Finale ist vorhanden, das jenem in Safety Last zwar punkto Suspense nicht das Wasser reichen kann, dafür aber punkto Originalität: Wie Harold und seine Freunde mittels einer Leiter, einer Pappröhre, einer Pauke und einem Haufen Kokosnüssen eine ganze Armee in die Flucht schlagen, das muss man einfach gesehen haben!

Doch der Reihe nach:
Harold Lloyd spielt einen reichen Hypochonder, dem der Arzt eine Luftveränderung an einem friedlichen Ort verschrieben hat. Zum Hafen, wo der Luxusdampfer wartet, lässt er sich im Krankenwagen fahren, als ständige Begleiter müssen der Butler und eine Krankenschwester mit auf die Reise. Letztere ist nur dazu da, Harold zum richtigen Zeitpunkt die richtige Tablette zu reichen.

Im ruhigen, friedlichen mittelamerikanischen Ferienort bricht sofort nach Harolds Ankunft die Revolution aus. Bananenrepublik, man kennt das ja! Bis unser verwöhnter milchgesichtiger Held das allerdings merkt, vergeht fast der halbe Film. Es ist schier unglaublich aber höchst unterhaltsam, wie viele Situationen sich die Macher haben einfallen lassen, die Harold stets auf die eine oder andere Art missdeutet.
Als er endlich merkt, wo er sich befindet, ist seine Krankenschwester, die er eigentlich liebt, bereits dem bösen Revolutionsführer in die Hände gefallen. Zum Glück hatHarold inzwischen Freundschaft mit einem zahnwehgeplagten Riesen geschlossen, mit dem er sich zu einer Zweieinhalb-Mann-Armee zusammenschliesst…

Fazit: Ein toller Film, unbedingt empfehlenswert. Why Worry? gehört für mich dank grandios ausgetüftelter Sequenzen, sehr schöner Kameraarbeit und toller schauspielerischer Leistungen unbedingt zu den grossen Komödien der Stummfilmzeit, die neben den Werken von Chaplin oder Keaton durchaus bestehen kann. Natürlich ist Why Worry? leichtere Kost, aber gerade das macht seinen Charme aus. Für mich jedenfalls.

Die DVD-Ausgabe: Der Film ist in der 10-DVD-Box Harold Lloyd – The Collection im deutschsprachigen Raum erschienen. Darin enthalten sind Lloyds sämtliche Langfilme, plus einige seiner besten Kurzkomödien.
Why Worry?
(und alle anderen enthaltenen Filme) sind digital neu aufgearbeitet worden, die Bildqualität lässt also kaum zu wünschen übrig!

Die Filmmusik ist ein absoluter Hit, pfiffig, stimmig, eingängig. Sie wurde von Robert Israel extra für den Film komponiert und von einem Kammermusik-Ensemble eingespielt! Selten findet man eine derart stimmige Stummfilm-Begleitmusik auf DVD!

Die Lloyd-Box ist allemal eine lohnende Anschaffung, denn die allermeisten der darin enthaltenen Lloyd-Werke sind den Preis wert! Die Box kostet bei amazon derzeit 35 Euro (bei “verschienen Anbietern”; Info vom 22. November 2009; kann sich aber schnell wieder ändern). Bei ebay ist die Box momentan sehr günstig zu finden.