Hal Roach

Und ein stolzer Hahn dazu (1928)

FILM AB

USA 1928
Mit Max Davidson, Bert Sprotte, Martha Sleeper, Spec O’Donnell, Gene Morgan
Drehbuch: Reed Heustis
Regie: Fred Guiol

Der deutsch-jüdische Schauspieler Max Davidson gehört zu den zahlreichen vergessen grossen Komödianten der Stummfilmzeit. Damals konnte er mit seinen unter Hal Roach entstandenen Kurzfilmen einen beachtlichen Erfolg verbuchen und brachte es zu einiger Berühmtheit. Im Zuge der grassierenden politischen Korrektheit galt seine stereotypisierte Figur des jüdischen Einwanderers zunehmend als nicht mehr salonfähig und Davidson verschwand in der Versenkung.
Pass the Gravy gehört zu seinen besten Filmen. Er handelt von zwei Nachbarn, beides jüdische Einwanderer, die es in Amerika zu etwas Wohlstand gebracht haben (beide Hausptdarsteller waren gebürtige Deutsch-Juden). Als der preisgekrönte Hahn des einen (unbeabsichtigt) im Kochtopf des anderen landet, bahnt sich eine nachbarschaftliche Katastrophe an – vor allem, weil der Besitzer des Hahns zu dem Festessen eingeladen ist.
Der Film beginnt ziemlich gemächlich – doch Geduld! Was dann kommt… doch seht selbst!
Viel Spass!

 

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Snub der Erfinder (1923)

FILM AB

IT’S A GIFT
USA 1923
Mit Harry „Snub“ Pollard, William Gillespie, Marie Mosquini, Eddie Dunn u.a.
Regie: Hugh Fay
Drehbuch: Hal Roach

Dieser Kurzfilm aus dem Hal Roach-Studio ist ein schönes Beispiel für den überbordenden, verspielten Einfallsreichtum, welche die Filmpioniere zur Zeit der Stummfilmkomödien an den Tag legten – auch wenn keiner der noch heute bekannten Stummfilmstars – Chaplin, Keaton, Lloyd – beteiligt war.
Wer genau die kreative Kraft hinter dieser Kurzkomödie war, ist heute leider nicht mehr zu eruieren. Mit grosser Wahrscheinlichkeit war es Studioboss Hal Roach selbst; ähnliche Verrücktheiten kann man nämlich auch in den von ihm produzierten Stummfilmen mit den „kleinen Strolchen“ (original: Our Gang) finden.
Der heute vergessene Komiker „Snub“ Pollard spielt einen Erfinder, der sich das Leben mit allerlei skurrilen Apparaturen erleichtert. Er soll seine neuste Erfindung, einen Benzin-Ersatz in einer Treibstoff-Firma vorführen, was natürlich in einer Katastrophe endet.
Es stimmt schon, der Film klaut seine Grundidee bei Keatons The Scarecrow, er treibt diese allerdings noch auf die Spitze und ist damit ein herrliches Beispiel für den Erfindergeist und die Sorglosigkeit, mit der damals Komödien gedreht wurden.
Viel Vergnügen beim Ansehen!

THE BATTLING ORIOLES (1925)

USA 1925
Regie: Fred Guiol und Ted Wilde
Mit Glenn Tyron, Blanche Mehaffey, John T. Prince, Noah Young u.a.
Dauer: 54 min

Hier haben wir eine höchst interessante, vergessene Komödie aus dem Hal Roach-Studio. Interessant ist sie deshalb, weil sie Rückschlüsse auf die Arbeitsweise im Studio ermöglicht.

Zur besseren Verständlichkeit muss ich da etwas ausholen: The Battling Orioles entstand, nachdem Roachs Star Harold Lloyd das Studio verlassen hatte – und bevor Charley Chase und Laurel & Hardy dort so richtig zum Zug kamen. Der “Neue” hiess Glenn Tyron. Der Stab hingegen war derselbe wie bei vielen Chase- und Laurel & Hardy-Vehikeln: Roach selbst schrieb die Story, Regie führten Fred Guiol und Ted Wilde.

Das auffallendste an den Battling Orioles ist das fehlende komödiantische Timing. Die Gags sind zwar ganz nett, aber an der Ausführung haperts, der zündende Funke fehlt. Die Gags werden einfach abgefeuert, damit Platz ist für den nächsten “Spass”. Einige treffen, viele gehen jedoch ins Leere.

Bei Lloyd, Chase, Laurel und Hardy wurden die Gags jeweils sorgfältig vorbereitet, damit sie die bestmöglichen Wirkung erzielten. Das nennt man komödiantisches Timing, und viele Filme der oben genannten Komödianten sind hervorragende Beispiele dafür.

Was sagt uns das? Dass im Hause Roach die Hauptdarsteller das Sagen hatten, noch vor dem Regisseur.
Von Lloyd, Chase und Stan Laurel ist dies bekannt. Sie hatten das Format und das Können, einen Film zu tragen und zum Leuchten zu bringen. Dafür wendeten sie viel Zeit und Gedanken auf. Und Produzent Roach förderte die freie Arbeitsweise, bei der viel improvisiert wurde  – zumindest in seinen Anfängen.

Schaut man sich nun The Battling Orioles an, dann wird einem vor Augen geführt, was im Roach-Studio geschehen konnte, wenn ein mittelmässiger Komödiant die Filmcrew anführte. Dann fiel das Ganze in sich zusammen, denn weder die hier beteiligten Regisseure noch der Produzent besassen offensichtlich das nötige Talent, um noch etwas zu retten. Was ihre Fähigkeiten in ein wenig schmeichelhaftes Licht stellt. Interessant dabei ist:  Ted Wilde wird bei zwei von Harold Lloyds besten Stummfilmen als Regisseur aufgeführt, bei The Kid Brother und Speedy, und Fred Guiol war Regisseur des besten Stummfilms von Charley Chase – Limousine Love.

Glenn Tyron, der ganz klar nicht das Format seiner grossen Kollegen hat, weiss scheinbar nicht, was er mit dem Ausgangsmaterial anfangen soll, und es ist offensichtlich, dass es auch sonst keiner von der Crew weiss.

Das ist schade, denn der Film hätte grosses Potential gehabt – nicht auszudenken, was ein Harold Lloyd daraus gemacht hätte! Es geht um die stark gealterte Belegschaft einer einst berühmt-berüchtigten Baseballmannschaft, der Battling Orioles. Nun ist aus den ehemaligen Draufgängern ein Grüppchen missgestimmter Herren geworden, die ihren Lebensabend in einem exklusiven Altherrenklub verbringen. Der quirlige Friseur Tommy Roosevelt Tucker (Glenn Tyron) soll dem Häufchen eine Energiespritze verpassen. Durch seine Ungeschicktheit stiftet er im Klub allerdings nur Chaos und neuen Missmut.
Erst als Tuckers Geliebte entführt wird, kommt Leben in den Haufen. In höchster Not gelingt es unserem Helden, den alten Mannschaftsgeist der Greisentruppe wiederzuerwecken. In einem rasanten Finale brechen diese ins Lager der Ganoven ein und sorgen auf unzimperliche Weise für Ordnung…

Klingt gut, lohnt sich aber wirklich nicht. Mir tat es weh, all die verpatzten Gelegenheiten in aller Deutlichkeit präsentiert zu bekommen, Steilvorlagen für köstlichen Slapstick, die durch übermässiges Gehampel und haltloses Grimassieren vertan werden.
Wer sich nicht daran stört, Gags mit dem Vorschlaghammer präsentiert zu bekommen, dem sei dieser Stummfilm empfohlen. Allen anderen nicht.

The Battling Orioles führt den Beweis, dass die Stars bei Roach auch den Look des fertigen Produktes bestimmten – und dass Glenn Tyrone ein nicht ganz zu Unrecht vergessener Komiker ist.

Die DVD-Ausgabe: Für diese DVD-R wurde eine sehr gut erhaltene 16mm-Kopie verwendet. Der Bildtransfer ist recht gut, lässt aber etwas an Schärfe und Tiefenschärfe vermissen. Es gibt zwei, drei abrupte Sprünge, wo deutlich wird, dass kurze Sequenzen fehlen. Das alles reicht natürlich nie an die Bildqualität einer Kino- oder WoM-DVD heran, aber diese Scheibe von Grapevine Video ist die einzige Möglichkeit, den Film zu sehen.

Die Musikbegleitung ist anonym. Es handelt sich um eine Klavierbegleitung, die sich recht gut ins Geschehen einfügt, die aber nicht besonders positiv auffällt. Allerdings auch nicht besonders negativ.

Extras: Forty Winks, ein früher Tonfilm aus Otto Messmers Trickfilmserie Felix the Cat.

Reginalcode: 0

Bestellung: Der Film kann direkt beim Hersteller, Grapevine Video, bestellt werden. Die Bestellung ist unkompliziert, der Versand nach Europa kostet nur $ 4 und die Filme sind in der Regel eine Woche nach der Bestellung da. So schnell und billig versendet sonst kein amerikanischer Anbieter.

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