John Mills

Oh, what a lovely War – 1969

EIN VERGESSENER FILM:
OH, WHAT A LOVELY WAR

GB 1969
Mit John Mills, Corin Redgrave, Paul Shelley, Malclom McFee, Maggie Smith, Laurence Olivier, Michael Redgrave, Vanessa Redgrave, John Gielgud, Ralph Richardson, Susannah York, Dirk Bogarde u.a.
Drehbuch: Len Deighton
Regie: Richard Attenborough
Studio: Accord Productions
Dauer: 138 min

Vorspann:
Der Kriegsfilm als Musical – Richard Attenboroughs Regieerstling ist die Verfilmung der gleichnamigen Bühnenshow von Joan Littlewood und Charles Chilton. Bei uns ist Oh, What a Lovely War praktisch vergessen, doch in England gehört das Werk zum Kanon der britischen Filmklassiker. Kann man es heute, 47 Jahre danach, noch sehen? Unbedingt!
Inhalt: Der erste Weltkrieg als grosse Entertainment-Kiste,  the „ever popular war games – songs, battles and a few jokes“. Wir sind mit dabei, von der Ermordung des serbischen Thronfolgers bis zu bitteren Ende des Krieges. Die Smith-Family erscheint im Film stellvertretend für den britischen „everyman“, sämtlich Smith-Männer werden eingezogen und in irgendeiner Weise trans- oder deformiert von der Vernichtungsmaschinereie des Kriegs wieder ausgespuckt. Das Ganze ist als „grand guignol“aufgezogen, mit brilliant choreografierten Musicalnummern; diese basieren auf authentischen Songs, welche bei den britischen Soldaten damals populär waren.

Der Film:
Oh, What a Lovely War konzentriert sich ganz auf die britische Seite und Sicht des ersten Weltkrieges – vielleicht ein Grund, weshalb Attenboroughs Film bei uns nie so richtig Fuss fassen konnte. Vielleicht war es aber auch der spezifisch britische Humor, der damals gerade eine kräftigen Dreh‘ ins Absurde vollführte, für den bei uns die Zeit damals noch nicht reif war. Oh, What a Lovely War ist mit seinem Surrealismus und der Vermengung von Horror und Frohsinn streckenweise nah an Monty Python’s Flying Circus dran, deren lengendäre Fernseh-Serie ein paar Monate nach der Erstaufführung dieses Filmes im britischen TV Premiere hatte. Der „Python-Geist“ war in Grossbritannien allerdings schon ein Weilchen vor der eigentlichen Python-TV-Show präsent: John Cleese, Graham Chapman und Marty Feldman hatten 1967 die Sendung At Last the 1948 Show, Terry Jones, Michael Palin und Eric Idle alberten im selben Jahr in Do Not Adjust your Set in ähnlicher Weise herum. Die Vorlage des Films, die Bühnenshow von Joan Littlewood und Charles Chilton, feierte allerdings bereits vier Jahre davor, im Jahr 1963, Premiere. Es ist deshalb denkbar, dass sie eine der Inspirationsquellen der späteren Monty Phythons war. Das ist allerdings nur Spekulation.

Obwohl der Fokus des Films auf Britannien liegt, und obwohl er dort zu den grossen nationalen Errungenschaften zählt, bleibt Oh, What A Lovely War in seinen Aussagen universell und kann als Antikriegsfilm überall gesehen und verstanden werden.
Die Grunddramaturgie des Films ist so simpel wie frappant: Sämtliche Sequenzen, in denen höhere Militärs und Politiker involviert sind, spielen in einer Art wolkigen Fantasy-Zwischenwelt. Ebenso das erste Drittel des Films, in dem die Soldaten angeworben werden. Gemäss der damals allgemeinen Euphorie zu Kriegsbeginn spielt es auf einem Jahrmarkt, der den Krieg als Abenteuer anpreist, als eine Art Spiel für grosse Kinder. Die darauf folgenden Schlachtfeld-Sequenzen mit den einfachen Soldaten dagegen sind dem harten Realismus verpflichtet. Oft führen harte Schnitte von der einen Ebene in die andere, und erst im Gänsehaut erzeugenden Finale gehen beide ineinander über.

Innerhalb dieser beiden Ebenen gibt es Szenen von z.T. haarsträubender Diskrepanz: Die Musik, die wir hören, passt absolut nicht mit dem Inhalt der gezeigten Bilder überein – und doch ist das Geschehen so choreografiert, dass es mit der Musik korrespondiert. Da erklingen frohsinnige Songs zu erschütternden Bildern; einem Feldgottesdienst zur Hebung der Truppenmoral wird ein Songtext von absoluter Hoffnungslosigkeit unterlegt, welcher dem künstlichen Optimismus diametral entgegensteht und diesen als heuchlerisch entlarvt. Durch diese permanente Diskrepanz erschafft der Film eine weitere Ebene, welche für sich selbst spricht und jegliche Antikriegs-Rhetorik überflüssig macht. Im ganzen Film wird der Krieg verbal kaum je in Zweifel gezogen – eher ist das Gegenteil der Fall. Das in vielfältiger Weise angewandte Prinzip der Diskrepanz zwischen Bild und Ton ergibt die pazifistische Botschaft des Films und erzielt eine Wirkung, die unter die Haut geht. Und das tut es noch immer, auch 47 Jahren danach!

Obwohl der Film weit über zwei Stunden dauert und weder eine richtige Handlung noch eine zentrale Hauptfigur hat, lässt er einen nicht los – auch nach seinem Ende nicht. Zum einen sind die einzelnen Episoden derart abwechslungsreich und originell, dass keine Langeweile aufkommt, zum anderen ist Attenboroughs Regie bisweilen atemberaubend. Er findet Bilder, die durch ihre Direktheit, ihre Frische und Originalität, ihre Doppeldeutigkeit verblüffen und die sich – zusammen mit den unterlegten Songs – ins Gehirn einbrennen. Attenboroughs Bilder packen mit ihrer durchdachten, oftmals schwerelosen Choreografie, durch ihre Beredtheit, durch ihre innere Gestaltung; nicht selten auch durch die schiere Wucht ihrer Ausstattung. Der Film war teuer, und dass Attenborough Massenszenen liebte, sieht man schon an diesem seinem Erstling. Das Geld floss nicht zuletzt dank der grossen Namen, die der Schauspieler/Regisseur für dieses Projekt aufbieten konnte. Als Laurence Olivier zugesagt hatte – trotz gerade abgeschlossener kräftezehrender Krebsbehandlung – gab es kein Halten mehr: Gielgud sagte zu, Ralph Richardson, Michael und Vanessa Redgrave, Dirk Bogarde, John Mills, um nur einige zu nennen. Der versammelte Adel der englischen Bühne, sie alle wurden im Film als – Adlige eingesetzt. Der von John Mills grandios verkörperte Feldmarschall Sir Douglas Haigh – so etwas wie die zentrale Figur des Films – verkauft zunächst auf dem Jahrmarkt Karten für das Spektakel „erster Weltkrieg“, um dann mit zunehmender Filmdauer vom Aussichtsturm des Badepavillions in Brighton aus die Toten zu zählen und diese als „notwendige Verluste“ zu deklarieren.
Das „gemeine Volk“ wird von kaum bekannten Akteuren verkörpert.

Den absolut denkwürdigsten Auftritt – der „Jaw-dropper“ unter den zahlreichen „Jaw-droppern“ dieses Werks – hat Maggie Smith. Sie tritt auf, wie man sie wohl noch nie gesehen hat: Unvermittelt, inmitten einer Tingeltangel-Revue, erscheint sie als vulgäre Night-Club-Sängerin und lockt mit einem sexy und lasziv vorgetragenen Lied junge Männer an, sich freiwillig für den Krieg zu melden. Eine wahrhaft grosse Szene!

Attenboroughs Erstling müsste bei uns eigentlich bekannter sein. Nicht nur die inszenatorische Meisterschaft des Regisseurs gleich in seinem ersten Film verblüfft; nicht nur die hervorragend orchestrierte Musik begeistert, die subtile Choreografie, die grandiosen Schauspieler. Oh, What A Lovely War ist ein Gesamtkunstwerk, das uns ohne einen falschen Ton konstant erstaunt, überrascht und überrumpelt. Ein „Antikriegs-Gesamtkunstwerk“ sondergleichen. Es wird überall auf der welt verstanden und hat nichts von seiner Brisanz eingebüsst.

Abspann:
Oh, What A Lovely War ist trotz seiner universell gültigen Aussage im deutschsprachigen Raum nie auf DVD, Blu-ray oder VHS erschienen – dem Missstand müsste unbedingt Abhilfe geschaffen werden!

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Film-Schnipsel

Kurzrezensionen – Ein Filmklassiker auf dem Prüfstand

Lust for Life (dt.: Vincent van Gogh – Ein Leben in Leidenschaft; Vincente Minelli, USA 1956) Mit Kirk Douglas, Anthony Quinn, u.a.
Vincente Minellis vielgepriesener van Gogh-Film ist eigentlich die Verfilmung von Irving Stones Biografie – und das merkt man leider. Die Buchstabentreue und die Verkürzung auf das Wichtigste steht einer lebendigen Schilderung im Weg. Man bekommt das Gefühl des Abschreitens verschiedener Stationen in einem van Gogh-Museum, denn von einer lebendigen Künstler-Biografie. Und das, obwohl Kirk Douglas seine Sache sehr gut macht; seine van Gogh-Interpretation hat dem Lauf der Zeiten standgehalten – Minellis Regie leider nicht! Man merkt dem Film immer wieder an, aus welchem Studio er kommt; immer wieder schleichen sich MGM-Standards ein, es gibt Tableaus, die schreien geradezu „MGM“. Dieser Film hat mir deutlich gemacht, dass in diesem Studio eine Formelhaftigkeit vorherrschte, die bis zu Personen-Arrangements und einzelnen Gesten ging. Es gibt Figuren-Anordnungen, die ich bereits in anderen MGM-Filmen gesehen zu haben glaubte. Somit verunglücken die Liebesszenen zu Kitsch-Tableaus und wenn sich dann auch noch überdeutlich die für dieses Studio typischen bonbonfarbenen Studiokulissenlandschaften bemerkbar machen, ist es mit der Authentizität aus. Zudem neige ich nach der Sichtung einmal mehr zum Verdacht, dass der vielgepriesene Vincente Minelli überschätzt wurde.
Was den Film verstaubt wirken lässt, ist der zeitlich Abstand: Der Authentizitätsanspruch an das biografische Kino ist seit 1956 erheblich höher geworden. Heute gilt: Wenn schon kitschig, dann gleich richtig. Und sonst bitte gar nicht! Lust for Life wirkt heute wie ein seltsames Zwischending zwischen diesen zwei Sichtweisen.

Vorschau:
Den Abschluss meiner kleinen Reihe über die Entwicklung der frühen Film-Musicals macht eine Besprechung des vielzitierten Klassikers 42nd Street (dt.: Die 42. Strasse; Lloyd Bacon, USA 1933), mit welchem der grosse Choreograph Busby Berkeley berühmt wurde. Ein Meilenstein des Musicalfilms, dessen riesiger Erfolg Warner Bros. kurz vor knapp vor dem Ruin rettete. Mal sehen, wie das Werk heute wirkt…

 

Movie-Magazin 4: Die Nacht begann am Morgen – 1950

 

MORNING DEPARTURE
Grossbritannien 1950
Mit John Mills, Richard Attenborough, Nigel Patrick, James Hayter, Bernard Lee u.a.
Drehbuch: W.E. Fairchild nach dem gleichnamigen Theaterstück von Kenneth Woollard
Regie: Roy Ward Baker
Dauer: 98 min
Der Film lief 1952 auch in den deutschen Kinos, unter dem Titel Die Nacht begann am Morgen

Vorspann:
Das britische U-Boot „Trojan“ läuft während eines Routinemanövers auf eine seit dem zweiten Weltkrieg unentdeckt im Meer dümpelnde Miene auf und sinkt. Grosse Teile des Schiffs sind beschädigt, ein Teil der Mannschaft ist tot. Ueberlebt hat eine Gruppe von elf Männern im relativ unbeschädigten Mittelteil des Tauchbootes; acht können sich durch die Ausstiegsluken retten. Für drei reichen aber die zum Ausstieg notwendigen Geräte nicht. Sie müssen auf dem Meeresgrund bleiben und während einiger banger Tage auf Rettung hoffen – während der Sauerstoffvorrat langsam zur Neige geht.

Der Film:
Dem Film liegt ein Theaterstück zu Grunde, das merkt man. Verfasst hatte es Kenneth Woollard, ein obskurer Autor, über den rein gar nichts in Erfahrung zu bringen ist, ausser dass er dieses Stück verfasst hat. Ansonsten scheint er nichts oder nichts von Belang geschrieben zu haben. Morning Departure muss allerdings äusserst erfolgreich gewesen sein, denn es wurde vor seiner cinèmatografischen Umsetzung bereits zwei Mal, 1946 und 1948 fürs britische Fernsehen aufbereitet, als „Live TV-Play“. Danach gleich nochmals (1956). Und auch auch die Holländer machten daraus Fernsehspiel, 1959 unter dem Titel: S 14 vermist.

Für den US-Markt wurde der Filmtitel geändert

So verdammt gut, dass es gleich fünf Verfilmungen rechtfertigen würde, ist das Stück aber beileibe nicht. Es gab schon vorher thematisch und dramaturgisch ganz ähnlich geartete Filme; Morning Departure weiss der bekannten Thematik keinerlei Neuerungen oder Variationen beizufügen. Zudem bleibt die Vorlage stets an der Oberfläche, sowohl bezüglich der Figurenzeichnung als auch der Thematik. Die hoffnungslose Ausgangslage schafft ja weiss Gott Raum für tiefschürfende „letzte Fragen“, aber nein, es geht fast ausschliesslich darum, „die Haltung“ zu bewahren. Auch dramaturgisch hat das Stück nicht viel zu bieten. Dass der Autor heute nicht mehr bekannt ist, wundert mich deshalb wenig.
Auch Drehbuchautor W.E. Fairchild, dessen Identität offenbar ebenso unklar zu sein scheint wie jene Woollards, schafft es nicht, die Schwächen der Vorlage genügend zu kaschieren. Dem Film war allerdings ein beachtlicher Kassenerfolg beschieden.

Roy Ward Baker

Das Stück ist das eine, die Verfilmung etwas ganz anderes. Sie ist der Beweis, dass auch mittelmässige Vorlagen einen packenden Film ergeben können, wenn nur die richtigen Leute mit „im Boot“ sitzen. Natürlich ist Morning Departure weit davon entfernt, ein Meisterwerk zu sein; angestaubt und etwas hölzern wirkt er trotz allem, aber das geht m. E. allein auf das Konto der Vorlage. Regisseur Roy Ward Baker (in den Credits als „Roy Baker“ aufgeführt) setzt auf dem beengtem Raum ein visuell abwechslungsreiches und ansprechendes Kammerspiel um, das seine Theaterherkunft zwar nicht leugnen kann, aber immerhin mit schauspielerischen Bestleistungen glänzt. Darauf legt er sein Hauptaugenmerk, und zum Glück hatte er eine Crew zur Hand, die das Möglichste herausholte – auch in den kleinen Nebenrollen.

Den undankbarsten Part hat John Mills: Er gibt den Commander, stets korrekt, aufrecht, steif – und dadurch langweilig. Er darf sich kaum eine Regung erlauben, stellt sich ganz und gar in den Dienst der Sache und hält durch seine ruhige Art die Mannschaft auch in schwerer Zeit zusammen. Interessanter ist da die Rolle des jungen Heizers Snipe, den Richard Attenborough verkörpert. Als das U-Boot auf Grund läuft, droht Snipe durchzudrehen – der Vorfall bringt seine latent vorhandene Klaustrophobie zum Ausbruch, die er allerdings (auf Befehl des Commanders) niederzuringen im Stande ist. James Hayter gibt den gutmütigen Gefreiten Higgins, ein Prolo mit dem Herz am rechten Fleck, die komische Figur des Films, die mit ihren Sprüchen immer wieder für Entspannung sorgt. Und Nigel Patrick überzeugt als abgebrühter Lieutnant Manson, dessen sich zunehmend verschlechternder Gesundheitszustand dem Ganzen zusätzliche Dramatik verleiht. Attenborough, Hayter und Patrick füllen ihre Charaktere durch ihr packendes Spiel so mit Leben, dass das Interesse der Zusachauer permanent lebendig bleibt und man den Film trotz seiner Schwächen als positive Erfahrung bezeichnen kann.
Und irgendwo huscht mal ein junger Mann namens Maurice Joseph Micklewhite durchs Bild, der später als „Michael Caine“ zu Weltruhm gelangen sollte. In Morning Departure hatte er seinen ersten Auftritt in einem langen Spielfilm.

Der Film wäre übrigens kurz vor seinem Start fast zurückgezogen worden: Kurz vor der geplanten Premiere ereignete sich ein reales U-Boot-Unglück mit tragischem Verlauf. Die „HMS Truculent“ sank nach einer Kollision mit einem schwedischen Öltanker, 64 Menschen kamen dabei ums Leben. Nach einigem Hin und Her wurde beschlossen, Morning Departure trotzdem in die Kinos zu bringen, mit einem Hinweis auf die reale Tragödie im Vorspann und dem Zusatz, der Film sei ein „Tribut an die Offiziere und Männer ihrer Majestät U-Boote und an die königliche Marine, deren Teil sie sind.“

Abspann:
Roy Ward Baker ist heute noch vor allem für den grossartigen Titanic-Film A Night To Remember (dt.: Die letzte Nacht der Titanic; GB 1958) bekannt. Sein erstes Engagement als Regisseur hatte er Eric Ambler zu verdanken, der nicht nur Romane schrieb, sondern damals auch Filmproduzent war. Baker drehte auch vier Filme in Amerika, doch seine Titanic-Verfilmung blieb das einzige Werk, das bis heute zum Kanon der grossen Filmklassiker zählt.
Richard Attenborough – oder besser Lord Richard Attenborough – begann 1942 mit der Filmschauspielerei; 1969 wechselte er hinter die Kamera und drehte so denkwürdige Filme wie Oh! What A Lovely War (1969), Gandhi (1982) und Cry Freedom (1987).
John Mills war der englische Schauspieler überhaupt. Naja, neben Ralph Richardson, Michael Redgrave und John Gielgud und ein paar anderen vielleicht. Mills spielte – gefühlt – in jedem zweiten britischen Film mit. Über ihn vielleicht zu späterer Gelegenheit mehr.

Morning Departure ist zwar heute nicht mehr sehr bekannt, trotzdem erschien er in Deutschland auf DVD, gemäss einem amazon-User allerdings offenbar in einer billig gemachten Veröffentlichung. Sie ist inzwischen vergriffen. Die britische Ausgabe kann hier zu vernüftigen Versandkosten bestellt werden.

Rezeption:
Dem Film war in Grossbritannien ein beachtlicher Kassenerfolg beschieden. Offenbar kam er auch und besonders in Amerika gut an (dort wurde sein Titel reisserisch in Operation Disaster geändert) – jedenfalls erhielt Roy Ward Baker darauf ein Angebot, in den USA zu drehen.

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Film-Schnipsel

Kurzrezensionen – diese Woche gesehene Klassiker:

Operation Petticoat (dt: Unternehmen Petticoat; Blake Edwards, USA 1959) Mit Cary Grant, Tony Curtis, Joan O’Brien u.a.
Der zweite U-Boot-Film diese Woche war zwar amüsanter als der im Hauptteil beschriebene, aber so grandios wie sein Ruf fand ich ihn denn doch nicht. Die Abenteuer eines abgetakelten U-Boots und dessen seltsamer Crew dümpelt etwas allzu seicht durch den Pazifischen Ozean und zieht sich allzusehr in die Länge. Eine Kürzung um 30 Minuten hätte ihm gut getan. Cary Grant war zur Zeit des Drehs in seinen Manierismen erstarrt – man hat das Gefühl, er zeigte in jedem Film der späten 50er-Jahre immer dieselben paar Gesichtsregungen – was dem Film zusätzlich Drive wegnimmt. Es gibt ein paar nette Highlight wie das rosarote U-Boot und damit hat sich’s.

Ten North Frederick (dt.: Ein Mann in den besten Jahren; Philip Dunne, USA 1958) Mit Gary Cooper, Diane Varsi, Suzy Parker, Geraldine Fitzgerald u.a.
Gary Cooper drehte zwischen Billy Wilders Love in the Afternoon und John Sturges‘ Man of the West 1958 diesen Film, der heute kaum mehr bekannt ist. Das Familiendrama Ten North Frederick zeigt Cooper als einen aufrechten Gouverneursanwärter, dem eine familieninterne Angelegenheit zum Verhängnis wird und an dem er zerbricht. Schauspielerisch fällt der Film ziemlich flach: Gary Cooper ist komplett fehl besetzt – dem immer aufrechten „Jolly Good Fellow“ nimmt man den an der Skrupellosigkeit seiner Umwelt verzweifelnden alten Mann einfach nicht ab, und mit dem Abgleiten in den Alkoholismus ist Cooper mimisch schlichtweg überfordert. Aber auch das Gros der Nebendarsteller überzeugt schauspielerisch nicht. Das Drehbuch ist noch das Beste an dem Film, obwohl es einige Glaubwürdigkeitslücken aufweist. Es stammt aus der Feder Philip Dunnes, der auch (höchst konventionell) Regie führt.

Calling the Tune (Reginald Denham & Thorold Dickinson, GB 1936) Mit Adele Dixon, Sally Gray, Sam Livesey, Donald Wolfit u.a.
Dieser gründlich vergessene britische Film um die Entstehung der Schallplatte stellt zwei konkurrenzierende Schallplattenhersteller und deren Sprösslinge ins Zentrum. Die Handlung schleppt, die Dekors variieren bis zum dramatischen Höhepunkt wenig und die Darstellerinnen sind von unterschiedlicher Güte. Das Ende ist deutlich von Hitchcock inspiriert und bringt einige visuelle Glanzlichter, die der Film bis dahin fast vollständig vermissen liess. Vin historischem Interesse sind die immer wieder eingeschobenen Auftritte britischer Musik- und Schauspielergrössen, die beim Aufnehmen von Schallplatten zu sehen sind.

Kurzrezensionen – diese Woche gesehene zeitgenössische Filme:

Absolutely Anything (dt.: Zufällig allmächtig, Terry Jones, GB 2015) Mit Simon Pegg, Kate Beckinsale, Rob Riggle u.a.
Filme über Erdenbürger, die plötzlich Superkräfte besitzen gibt es inzwischen nicht wenige. Ich muss zugeben, dass ich bislang keinen einzigen davon gesehen habe. Ausser Absolutely Anything des Monty Python-Mitglieds Terry Jones. Jones, der praktisch für alle Kinofilme der Pythons im Regiestuhl sass, schrieb hierfür auch das Drehbuch. Und das merkt man: Absolutely Anything unterscheidet sich! Die Gags sind wirklich lustig. Vollkommen abgedreht und wunderbar kreativ. Nichts von der Stange. Kein Witz wird acht Mal wiederholt, damit ihn auch der hinterste Doofkopp kapiert.
Simon Pegg ist köstlich als Lehrer Neil, der von einer Gruppe Ausserirdischer per Zufallsprinzip auserkoren wird, Zauberkräfte zu besitzen: Alles was er sich wünscht, geht in Erfüllung. Wendet er seine Kräfte für Gutes an, wird die Erde verschont, tut er nur Böses, soll sie von den Aliens vernichtet werden. Und was macht Neil mit seiner Gabe? Eigentlich nur Blödsinn.
Das hat herrlich subversive Kraft und unterscheidet Absolutely Anything wohltuend von ähnlich gearteten, aber ungleich plumperen amerikanischen Kindsköpfigkeiten.
Robin Williams ist hier in seiner allerletzten Filmrolle zu hören: Er spricht Neils Hund, dem dieser natürlich die menschliche Sprache herbeigewünscht hat.

Augenfutter:
Der oben beschriebene Film, Morning Departure, kann hier in voller Länge und in Originalsprache (ohne Untertitel) betrachtet werden. Bei youtube ist er unter seinem US-Verleihtitel Operation Disaster gelistet.

Vorschau:
Ein weiterer Klassiker des britischen Films kommt in der nächsten Ausgabe aufs Tapet: Die grandiose Komödie Passport To Pimlico (dt.: Barrikade in London / Pass nach Pimlico) von Henry Cornelius aus dem Jahr 1949. Darin spaltet sich ein Stadtteil Londons vom Rest Grossbritanniens ab – mit unglaublichen Folgen.