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Das China-Syndrom (1979) u.a.

In der Schweiz ist der Download von Filmen aus dem Internet erlaubt (Torrents etc.). Die folgenden Filme habe ich in sehr guter bis hervorragender Bild- und Tonqualität vorgefunden und mir zu Gemüte führen können:

DAS CHINA-SYNDROM (Blu-ray)
(OT: The China Syndrome)
USA 1979
Mit Jane Fonda, Jack Lemmon, Michael Douglas, Scott Brady u.a.
Drehbuch: Mike Gray, T.S. Cook und James Bridges
Regie: James Bridges
Dauer 122 min
Drei Wochen vor dem schweren Atomunfall im US-Kernkraftwerk «Three Miles Island» im Jahr 1979 kam dieser Film in die Kinos. Viele Filmexperten rätseln, ob der Film ohne den realen Vorfall ebenso erfolgreich gewesen wäre.
Er wäre, so wage ich zu behaupten. Denn The China Syndrome bietet Nervenkitzel, einen reissfesten Spannungsaufbau, packende Charakterstudien und eine grossartige schauspielerische Leistung von Jack Lemmon. Dass der Film nebenbei die Gefahr aufzeigt, welche die Nutzung von Atomkraft gepaart mit der „Störungsanfälligkeit“ des menschlichen Handelns darstellt, ist ein willkommener Nebeneffekt. Und diese Botschaft wurde durch den Unfall im Kraftwerk von «Three Miles Island» zur prophetischen Warnung.
Michael Douglas spielt den politischen Hitzkopf, der er damals wohl war: In seiner groben Schwarz-Weiss-Zeichnung (hier die guten, wahrheitsliebenden Medienleute, dort die bösen Kraftwerkbetreiber) schiesst der von ihm produzierte Film über sein Ziel hinaus und verkommt zeitweilig zum weltbildkonform zurechtkonstruierten Propagandafilm für linke Atomkraft-Aktivisten. Den Unfall einfach zu zeigen, wäre völlig ausreichend und genügend abschreckend gewesen. Stattdessen wird die Atomlobby dämonisiert und als zynisch und menschenverachtend dargestellt. Natürlich: Für solcherart agierende Gremien gab und gibt es genügend Beispiele. Es gibt aber auch die anderen.
Immerhin hat der Film so seine Bösewichte, was gegen Ende des Films erheblich zum Spannungsaufbau beiträgt.
Viel spannender aber, auf einer anderen Ebene, sind die Wandlungen, welche zwei der Hauptcharaktere im Verlauf der Handlung durchmachen – Jacks Lemmons Kraftwerkleiter und Janes Fondas Reporterin. Beide spielen ihr «Erwachen» mit grossem Engagement und Können, Jack Lemmon liefert damit eine seiner allerbesten Leistungen ab!
The China Syndrome ist übrigens der einzige Film des Regisseurs James Bridges geblieben, der heute noch bekannt ist. Die anderen sieben Filme, die er inszeniert (und zum Teil auch geschrieben) hat, sind heute in Vergessenheit geraten.
Diesen sollte man schon mal gesehen haben!

8 / 10

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EIN BESONDERER TAG
(OT: Una giornata paricolare)
Italien 1977
Mit Sophia Loren, Marcello Mastroianni, John Vernon u.a.
Drehbuch: Ettore Scola und Ruggero Maccari
Regie: Ettore Scola
Dauer: 106 min
Der Film lief in Deutschland nicht in den Kinos; er wurde erstmals 1979 im Fernsehen gezeigt
Während einer Parade zu Ehren Hitlers in Rom kommen sich zwei Menschen in einer leere Siedlung näher. Es entspinnen sich leise und subtil zwei menschliche Dramen, zwei Menschen entdecken im ¨je anderen ihre verlorenen Träume und Hoffnungen. Gleichzeitig feiert sich der Faschismus auf der Strasse selbst (die restlichen Bewohner der Siedlung nehmen alle an der Parade teil), im Hintergrund ist permanent und in aggressivem Ton die Marschmusik, das tobende Volk und ein auftrumpfender Radiosprecher zu hören.
Dieser harte Gegensatz von zarter menschlicher Annäherung und den tobenden Hintergrundgeräuschen macht nur einen Teil der Faszination dieses Films aus. Die anderen Teile sind eine wunderbar fantasievolle und subtile Regieführung – und die beiden Hauptdarsteller. Regisseur Scola hat die Loren und den Mastroianni komplett gegen ihr Image besetzt: Die glamouröse Loren überzeugt hier als abgehärmte, verbittere Hausfrau, und Latin Lover Mastroianni gibt den homosexuellen Intellektuellen – ebenso überzeugend.
Der einzige Wermutstropfen: Der Film ist für ein italienischen Publikum zugeschnitten und die Aufarbeitungs-Thematik ist inzwischen passé.
Filmbegeisterte sollten sich Una gionata particolare aber unbedingt einmal ansehen – ein Film von seltener schöner Machart!

8 /10

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ONE CHANCE
England 2013
Mit James Corden, Alexandra Roach, Julie Walters, Colm Meany u.a.
Drehbuch: Justin Zackham
Regie: David Frankel
Dauer 98 min
Ein englischer Arbeiter-Junge, der Opernsänger werden will – das klingt verdächtig nach einem Abklatsch von Billy Elliott. Anders als in diesem wird der Junge in One Chance allerdings bald erwachsen, verliebt sich und heiratet. Der Film zeigt die Hoffnungen, Enttäuschungen, Rückschläge und schließlich den Durchbruch, den der junge Hauptprotagonist erfährt, erduldet, erleidet.
All das ist furchtbar beliebig und dramaturgisch so holprig wie ein schrottreifer Minibus auf schlechter Straße. Das Drehbuch und die Regie sind derart schwach und plakativ, da können auch die durchs Band exzellenten Akteure nichts mehr ausrichten.
Motto des Films könnte sein: Feelgood um jeden Preis!

3 / 10

BFG: Big Friendly Giant – 2016

Ein verkannter zeitgenössischer Film
The BFG
USA 2016
Mit Mark Rylance, Ruby Barnhill, Penelope Wilton,
Drehbuch: Melissa Mathison nach einem Buch von Roald Dahl
Regie: Stephen Spielberg
Studio: Amblin / Disney
Dauer: 115 min
Der Film startete 2016 auch in den deutschsprachigen Kinos – unter dem nicht besonders deutschen Titel BFG: Big Friendly Giant

Vorspann:
Es gibt Filme, deren Untergang ist vorhersagbar. Das sind jene, die derart ausserhalb des Mainstreams liegen, dass sie vom durchschnittlichen Kinogänger, der gern in Schubladen denkt, nicht erkannt werden können. Spielbergs The BFG ist einer davon.
Inhalt: Sophie (Barnhill) schleicht nach Mitternacht im Waisenhaus herum und kann nicht schlafen. Da sieht sie vom Balkon aus einen Riesen (Rylance), der die Strassen Londons entlang wandert. Bei sich hat er etwas, das aussieht wie ein seltsames Blasinstrument. Der Riese bemerkt, dass er entdeckt ist, und um sein Geheimnis zu wahren, entführt er Sophie kurzerhand ins Land der Riesen. Dass dort nicht alle nur freundlich sind, wird Sophie bald erfahren…

Der Film:
Mit wüsten Worten wurde dieser Film von der versammelten Filmkritik bedacht – es gab zwar auch Ausnahmen, doch die gingen im Chor der Nachplapperer unter. Die Quintesszenz der unisono erklungenen Schmährede: The BFG sei bislang Spielbergs schwächster Film. Er ist „herzlos“, „seelenlos“ und auch sonst aller Art von „-los“.
Wohl aufgrund der allgemeinen Verdammung fiel der Film bei uns durch und verschwand schon nach kürzester Zeit wieder aus den Kinos. A forgotten film is born.

Seelenlos? Spielbergs schwächster? Was zum Teufel haben die Leute gesehen – oder geraucht?
Mir fiel während des Betrachtens das Fehlen von Action-Sequenzen (angenehm) auf. Aber: Ein 3D-CGI-Film ohne Action? Da liegt doch der Hase im Pfeffer! Man will von einem CGi-Film ordentlich bespasst werden – es muss krachen, rummsen, die Fetzen müssen fliegen, sonst beginnt das Hirn zu arbeiten, und das macht müde. Also schaltet man das Hirn wieder aus. Dafür kapiert man dann das Besondere dieses Werkes nicht.

Bich zu böse? Vielleicht. Als selbsternannter Retter vergessener (uralt-)Filme macht es mich besonders sauer, zuzusehen, wie ein guter Film versenkt wird.
Im Vergleich zum üblichen CGI-Krachbumm-Kino à la Marvel & Cie. glänzt The BFG einerseits durch hohes inszenatorisches Raffinement, eine hervorragende Dramaturgie und visuelle Schönheit. Anders gesagt: Regie und Drehbuch sind erstklassig!
Natürlich sind die bösen Riesen eher dämlich denn bedrohlich – das ist dem Umstand geschuldet, dass The BFG auch für Kinder taugen soll. Ob  einem das nun passt oder nicht, es macht den Film weder besser noch schlechter. Trotzdem kommt dieser Umstand in Kritiken als den Film abwertender Negativpunkt immer wieder zur Sprache. Was sagt das über die betreffenden Kritiker aus? Dass sie einen Film dann gut finden, wenn er ihren Vorlieben gemäss gestaltet ist. Und sonst nicht. Diese Haltung – ein Film gefällt mir, wenn’s darin rummst / expoldiert / knutscht / blödelt / etc. – passt fürs reguläre Kinopublikum; aber nicht für Kritiker!

Ich fing den Film mit Vorbehalten zu schauen an und mit dem Vorsatz, sofort auszuschalten, sobald er langweilig, uninspiriert, unengagiert, kalt oder plump wird. Trotz der eher negativen Erwartungshaltung (bedingt durch die schlechten Kritiken) packte mich The BFG von Beginn weg und liess mich bis zuletzt nicht mehr los. Die vielen bildnerischen Spielereien, die Spielberg zum Themenkreis „gross – klein“ einbaut! Die inszenatorische Meisterschaft des Regisseurs, der während Dialogsequenzen auf der Bildebene die Handlung weiterführt, mit kleinen Details einen Charakter vertieft, die Atmosphäre verdichtet! Die durchs Band begeisternden schauspielerischen Leistungen – allen voran jene von Mark Rylance und der kleinen Ruby Barnhill! Die märchenhaft-zarten Sequenzen um den Traumbaum! Es ist schlichtweg fantastisch! Von wegen „lieblos“ – der Film und die ausgefeilte Detailarbeit ist so liebevoll wie man dies im Kino selten sieht!
The BFG gehört mit zu den besten Familienfilmen, die ich kenne, ich zähle ihn sogar zu Spielbergs besten Werken! Was für ein krasser Wiederspruch zur vorherschenden Meinung!

Abspann:
– Für diesen Film schrieb Melissa Mathison (E.T., Kundun) das Drehbuch – ihr erstes nach einer Pause von 19 Jahren. Sie verstarb, bevor der Film fertiggestellt war.
– Die wunderbare Filmmusik stammt einmal mehr von John Williams.
– Die Riesen wurden alle von Schauspielern verkörpert und mittels des Motion Capture-Verfahrens in den Film integriert.
– Bei uns ist The BFG auf DVD und auf Blu-ray erhältlich.

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Film-Schnipsel

Kurzrezensionen:

Ein aktueller Film:

Fantastic Beasts and Where to Find Them (dt.: Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind; USA 2016) Regie: David Yates; mit Eddie Redmaine, Katherine Waterston, Dan Fogler, Colin Farrell u.a.
Von allen Harry-Potter-Fans sehnsüchtig erwartet, ist Fantastic Beasts, eine Art Prequel zu Rowlings Roman-Serie, nun endlich gestartet. Erstmals versucht sich Frau Rowling hier als Drehbuchautorin. Versucht. Sie muss noch üben. Aber dazu bekommt sie demnächst ja viel Gelegenheit, denn die Kinoserie um die Fantastic Beasts ist auf fünf Teile ausgelegt. Und sie wurde für alle als Drehbuchschreiberin verpflichtet.
Der erste Film ist dramaturgisch ziemlich schwach. So stagniert die Handlung immer wieder zu Gunsten der zahlreichen computeranimierten Beasts. Die Autorin schien von ihren eigenen Kreationen derart angetan zu sein, dass sie darob eine kohärente Dramatugie und die Charaktere sträflich vernachlässigte. Letztere bleiben eindimensional und vermögen nicht zu berühren. Im erzählerischen Bereich wird auf billige Publikums-Irreführung gesetzt oder es tauchen erzähltechnische Widersprüche auf.
Im Gegenzug wird das Spektakel grossgeschrieben, es kracht und knallt und rummst, halb New York wird in Schutt und Asche gelegt und danach wieder zusammengesetzt. Das schaut zwar sensationell echt aus, entbehrt aber jeglichen Sinns.
Klar, Fantastic Beasts will nur unterhalten und das darf ja auch sein. Aber offenbar reich es, wenn sich die Computeranimation auf hohem Niveau befindet; dass der ganze Rest dem deutlich hinterherhinkt, scheint dem grossen Publikum herzlich egal zu sein. Und wenn’s mal umgekehrt ist, hagelt’s Schimpf und Schande _ siehe The BFG.
Schade!

Neue Blogger-Aktion

AKTION BLOGÜR (blogübergreifendes Rezensieren)
Das ist der Titel einer blogübergreifenden Rezensier-Aktion, auf die ich eines Morgens während eines Speziergangs durch mein Hirn stiess – keine Ahnung, wie die dorthin gelangt ist.
Die Idee hinter BlogüR ist (wahrscheinlich), unsere zahlreichen Filmblogs untereinander ein bisserl mehr zu verbinden, das gegenseitige Kommentieren zu intensivieren. Ob das klappt, muss sich erst zeigen, und dafür muss ein Anfang gemacht werden.

Die Idee:
Zwei Blogger (oder mehr, was die Sache allerdings schwefälliger machen dürfte), zwei Blogger also schreiben über denselben Film je eine Rezension, legen ihre Sicht der Dinge dar und stellen diese dann am selben Tag ins Netz. Auf ihrem Blog. Mit Link zum jeweils anderen.
Dann darf diskutiert werden (via Kommentarfunktion) – nicht nur von den beiden, sondern von allen.

Der Ablauf:
-Blogger A schlägt Blogger B (und/oder weiteren Bloggern) einen Film vor, den beide rezensieren sollen. Blogger A stellt eine Deadline zur Diskussion; zu diesem Datum sollten beide Rezensionen ins Netzt gestellt werden.
-Blogger B akzeptiert; falls er nicht will, (weil ihn der Film nicht interessiert, er keine Zeit hat o.Ä) fragt A weiter.
-Blogger A schaut sich den Film an. Dann schickt er Blogger B den Film per Post zu (ohne Hülle dürfte ein DVD-Versand auch zwischen der Schweiz und Deutschland nicht allzu teuer werden).
-Blogger B guckt den Film, dann schickt er ihn A zurück.
-Zum ausgemachten Zeitpunkt erscheinen beide Rezensionen.
-Alle freuen sich, weil es endlich wieder was zu lesen gibt.
-Die Diskussion beginnt (vielleicht).

Nun seid Ihr gefragt, liebe Mit-Blogger (gibt es eigentlich keine Mit-Bloggerinnen?): Wer macht mit, wer hat Lust? Ich bin gespannt, ob ich damit jemanden ansprechen und zum Mitmachen bewegen kann…