Monat: Januar 2018

Das Cabinet des Dr. Caligari (1920)

Deutschland 1920
Mit Werner Krauss, Conrad Veidt, Friedrich Fehér, Lil Dagover u.a.
Drehbuch: Carl Mayer und Hans Janowitz
Regie: Robert Wiene

Das phantastische Filmspiel „Das Kabinett des Dr. Caligari“, das im Marmorhaus über die Leinwand rollt, ist ein Experiment, das man bis in die kleinsten Kleinigkeiten als gelungen bezeichnen darf. Richard Oswald versuchte das Spukhafte im Film in seinen „Nachtgestalten“ im naturalistischen Milieu zu schildern, Robert Wiene nimmt den Expressionismus zu Hilfe und untermalt die Handlung im Verein mit seinen vortrefflichen künstlerischen Beratern Hermann Warm, Walter Reimann und Walter Röhrig sehr stark. -Der Abend, Berlin, Februar 1920-

Es ist natürlich noch nicht denkbar vollkommener Expressionismus, der zur Anwendung kam. Die ausführenden Maler, Hermann Warm, Walter Reimann, Walter Röhrig, mußten — Film ist auch Industrie — vorsichtig bleiben. Sie haben aber, wenigstens in der Darstellung der Landschaft, der Architektur, der Kulisse (mit Ausnahme der Möbel), auch nicht kompromisselt.-BZ am Mittag, Berlin, Februar 1920-

Die Geschichte des expressionistischen Films in Deutschland ist die Geschichte einer Reihe von Wiederholungen. Der Anfang ist nicht übertroffen worden… In ‚Caligari‘ ist ein Akkord angeschlagen, dessen Klangfülle durch seine Nachfolger nicht reicher, nicht kraftvoller geworden ist.-Rudolf Kurtz, 1926

Inhalt:
Die Binnenhandlung dieses expressionistischen Stummfilmklassikers erzählt die Geschichte des wahnsinnigen Dr. Caligari, der mit Hilfe eines Somnambulen (Schlafwandler) namens Cesare eine kleine norddeutsche Stadt in Angst und Schrecken versetzt. Tagsüber präsentiert Caligari den an einer merkwürdigen, tranceartigen Krankheit leidenden Cesare auf dem Jahrmarkt. Dort sagt der hochgewachsene, dürre und blasse Somnambule den Schaulustigen die Zukunft voraus. Des Nachts aber schleicht dieser Sklave Caligaris durch die Stadt und begeht unter dem Einfluß seines Herrn furchtbare Morde. Als eines Nachts ein junger Mann ermordet wird, dem Cesare den nahen Tod prophezeit hatte, ahnt Francis, ein Freund des Toten, daß Dr. Caligari mit der Sache zu tun hat. Als Francis´ Freundin Jane von Cesare bedroht und entführt wird, wird der Verdacht zur Gewißheit. Eine aufgebrachte Menge macht sich auf die Jagd nach dem flüchtenden Doktor. In einem Irrenhaus scheint Francis den Schausteller in die Enge getrieben zu haben, da muß er eine furchtbare Entdeckung machen: der wahnsinnige Dr. Caligari ist der Direktor der Anstalt…
-murnau-stiftung.de-

Was ist nicht schon alles gerätselt, gestritten und gedeutet worden um diesen neben Metropolis berühmtesten und bekanntesten aller deutschen Stummfilme! Was ist von den Urhebern nicht alles behauptet, wiederrufen und von Neuem behauptet worden, was später von den einen Filmhistorikern bekräftigt, von anderen bezweifelt wurde.
Stammt die Rahmenhandlung nun tatsächlich von Fritz Lang oder nicht? Wurde sie tatsächlich erst nachträglich und gegen den Willen der Drehbuchautoren eingefügt? Unterläuft sie wirklich, wie der bekannte Filmsoziologe Siegfried Kracauer (1889 – 1966) behauptet, die Originalintention des Films?
Welch grosse Verwirrung! Sie passt ganz gut zum Film!
Was da nun wer gesagt, geplant, verworfen und gewollt hat, lässt sich offenbar nicht mehr nachvollziehen – obwohl die Herstellung des Film in keine Zeit fiel, in der schriftliche Überlieferungen unbekannt waren. Aber da die Nazis Caligari als entartet bezeichneten und verboten, zerstörten sie möglicherweise auch damit im Zusammenhang stehende Produktions-Aufzeichnungen. Aber auch das ist nur eine Vermutung.

Man kann Robert Wienes Film aber auch schätzen, ohne genaustens über die Absichten der Macher Bescheid zu wissen. Was da zu sehen ist und spürbar wird, die Angst, der Horror (Caligari gilt als der erste Horrorfilm), das gibt eine Ahnung von der Atmosphäre jener Zeit, aus der er stammt. Vom noch nicht verarbeiteten und ausgestandenen Horror des ersten Weltkrieges, von der Unsicherheit und der Aufruhr der Weimarer Republik. Kracauer sagt explizit, es sei auch die Ahnung des künftigen Horrors, der am Horizont bereits aufschien, der sich in Caligari (und somit in der Weimarer Zeit) manifestierte.
Sieht man sich den Film heute an, bekommt man das Gefühl: Die Atmosphäre muss furchtbar gewesen sein.

Der Expressionismus ist in Caligari Mittel zum Zweck: Die Atmosphäre des Irren sollte mit bildnerischen Mitteln sichtbar gemacht werden. Dass dazu die gerade vorherrschende Stilrichtung in der bildnerischen Kunst beigezogen wurde, ist das eigentlich Geniale und Bahnbrechende an dem Film. Es war ein Experiment.
Damit wird klar, dass das Ziel der Macher nicht ein expressionistischer Film war; der Expressionismus stellte vielmehr das Mittel zum Zweck dar. In der kürzlich restaurierten Fassung des Films ist deutlicher sichtbar als bisher, dass nicht nur die Gesichter des Akteure, sondern in hohem Masse auch die Kulissen und teilweise auch die Kostüme dick bemalt sind. Andere Expressionismus-Elemente wie die Zweidimensionalität oder der konsequente Verzicht auf eine konventionelle Dramaturgie, sind in Caligari kaum zu finden. Die (aufwändigen) Kulissen betonen die Räumlichkeit entgegen der damals gängigen Doktrin extem, allerdings auf eine grotesk verzerrte Art, und die Spannungsdramaturgie des Krimis oder des Horrorfilms beherrscht das Geschehen ab der zweiten Filmhälfte deutlich.
Am Rande sei bemerkt, dass der einzige explizit expressionistische Film, Karlheinz Martins Von morgens bis mitternachts (ebenfalls 1920), der die Grundsätze der Kunstrichtung ungleich konsequenter filmisch umsetzt als Wienes Caligari, zum totalen Publikums-Misserfolg wurde.

Caligari ist im Vergleich zu Martins Film gefälliger, obwohl er noch heute die Sehgewohnheiten bisweilen strapaziert. Da ist allerdings nicht zuletzt die zeitliche Distanz „schuld“. Die Akteure spielen, den damaligen Gepflogenheiten des deutschen Theaters gemäss, „expressionistisch“, d.h. sie übertreiben in Gestik und Mimik – schamlos aus heutiger Sicht. So ist es beinahe unmöglich, zu sagen, ob sie gut sind oder schlecht. Zudem harzt die Dramaturgie in der ersten Hälfte beträchtlich. Ständig wird da der Handlungsfluss mit ellenlangen Zwischentiteln gestoppt, die im Schneckentempo über die Leinwand kriechen.
Nicht zuletzt ist Wienes Regie alles andere als grandios. Er platziert die Kamera an einem bestimmten Punkt, wo sie starr und ohne jedes Eigenleben das Geschehen abfilmt, obwohl man das 1920 schon anders konnte. Ob dies ebenfalls dem expressionistischen Konzept des Films geschuldet ist, entzieht sich allerdings meiner Kenntnis; möglich wäre es zumindest. Auch das Drehbuch kann nicht ganz abschliessend beurteilt werden, da die Urheberschaft der Rahmenhandlung nicht geklärt ist. Es darf aber bestimmt zu den stärksten Beiträgen an dieses Werk gezählt werden.

Das Cabinet des Dr.Caligari ist einer der wenigen Filme, die fast ausschliesslich aufgrund seiner Bild-Konzeption und dank des Bühnenbildes Meisterwerk-Status erlangt hat, Komponenten, die noch heute stark wirken und zutiefst beeindrucken. Man kann, etwas überspitzt, sagen, dass es nicht primär die dem Film immanenten Mittel sind, welche den Film zum dem Kunstwerk erheben, sondern die Malerei und die Kunstrichtung des Expressionismus.
Daraus folgt: Caligari trägt den Status des grossen expressionistischen Films allen Vorbehalten zum Trotz zu Recht.

Die Regie: 8 / 10
Das Drehbuch:  10 / 10
Die Schauspieler: 8 / 10
Gesamtnote: 10 / 10 (der hohe Punktestand wird in erster Linie durch die grandiosen Kulissen und die expressionistische Malerei erreicht)

Verfügbarkeit: Das Cabinet des Dr.Caligari gibt es bei uns in restaurierter Fassung auf DVD und auf Blu-ray. Gestreamt werden kann er bei keinem der deutschen Anbieter.

Bewegte Bilder

Ein kurzer Einblick in die Restaurationsarbeiten am Film (mit Ausschnitten).

 

 

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Ihre beste Stunde – Drehbuch einer Heldin (2016)

Grossbritannien 2016
Mit Gemma Arterton, Sam Calflin, Bill Nighy, Richard E.Grant u.a.
Drehbuch: Gaby Chiappe nach einem Roman von Lissa Evans
Regie: Lone Scherfig

Dass ein Film, der sich dermaßen oft über Schmalz und Kitsch lustig macht, diesen zum Ende hin selbst ein wenig verfällt, ist natürlich schade. Aber zu dem Zeitpunkt hat Ihre beste Stunde schon so viele Sympathiepunkte angesammelt, dass dies kaum mehr ins Gewicht fällt.
-Oliver Armknecht auf filmstarts.de

„Ihre beste Stunde“ ist eine herrlich erfrischende Mischung aus Tragik und Komödie, die gerade von ihrer Eigenart und der Film-im-Film Erzählung profitiert. Zusammen mit starken Charakteren, tollen Schauspielern sowie einmaligen historischen Geschichte, gibt es einen gelungenen Film zu sehen, der gerade durch seine starken Frauenfiguren zu überzeugen weiß. Zwar wirkt das Ende an manchen Stellen unausgegoren, was bleibt ist aber tolle Kinounterhaltung, die im Gedächtnis bleibt.
-Thomas Repenning auf moviebreak.de

Inhalt
London im Zweiten Weltkrieg: Catrin Cole (Gemma Arterton) wird vom British Ministry of Information damit beauftragt, das Drehbuch zu einem Propagandafilm zu überarbeiten und dem Skript eine weibliche Note zu verpassen. Schnell erweckt Catrin mit ihrer lebhaften Art die Aufmerksamkeit des schneidigen Filmemachers Tom Buckley (Sam Claflin). Während der Krieg um sie herum tobt, arbeiten Catrin, Buckley und ihre bunt zusammengewürfelte Filmcrew fieberhaft daran, einen Film zu drehen, der das Herz der ganzen Nation erwärmt und dafür sorgt, dass die Menschen wieder Mut schöpfen.
-filmstarts.de-

Was will uns dieser Film bloss sagen?
Diese Frage ging mir beim Betrachten fast permanent durch den Kopf, jedenfalls während der ersten zwei Drittel.

Der „hinter den Kulissen der Filmindustrie“-Teil ist atmosphärisch zwar schön, dennoch bleibt vieles oberflächlich: Einige themenverwandte Aspekte werden angeschnitten – etwa Schwierigkeiten mit den Produzenten, mit dem Skript, mit preziösen Filmstars – doch es bleibt beim Anschneiden, Tiefe kommt keine auf. Dafür blendet der Film plötzlich ins Leben der Hauptprotagonistin, ein Beziehungsdrama bahnt sich an – wird das etwa eine Romanze? Aber auch da entscheidet sich Their Finest lange nicht. Dann werden auch der Krieg und dessen Auswirkungen ins Spiel gebracht – allerdings auch nur am Rande.
Their Finest ist thematisch bisweilen arg überfrachtet, zudem droht er immer wieder in die glatte, kuschelige Unverbindlichkeit abzurutschen, was den Anschein von Beliebigkeit erweckt.
Durchgehend wird in schönen Bildern geschwelgt; einige Figuren und deren Schicksale lassen sich durchaus interessant an (nicht nur Sam Calflins Spiel, auch Bill Nighys famose Gesangseinlage und andere schöne Szenen bleiben haften). Dennoch…

Irritiert hatte mich anfangs auch, dass Their Finest, der allerorten hartnäckig als Komödie gepriesen wird, gar keine solche ist! Es gibt zwar durchaus witzige Kommentare zum Thema „Filmemachen“, die vor allem Filmkenner zu schätzen wissen werden, ansonsten ist der Grundton ernst, bisweilen todernst! Es geht, wie schon erwähnt, um Krieg; auch Untreue und Depression stehen im Zentrum. Und der Tod.

Just im Moment, wo ich mich über die gefällige Oberflächlichkeit und dieses im heutigen „Wohlfühlkino“ gängige „Von-allem-ein-Bischen“ zu ärgern begann, wurde Their Finest plötzlich konkret und die eigentliche Thematik des Films erkennbar.
Wenn der Film etwa eine halbe Stunde vor Ende die Kurve kriegt und Themen wie Kunst und Leben, Zuschauen und Teilnehmen verquickt, passiert etwas Seltenes: das Vorangegangene erscheint plötzlich in neuem, besserem Licht. Der Anfang wird vom Ende her aufgewertet! Man (oder: ich) muss Their Finest ein zweites Mal ansehen, um ihn richtig schätzen zu können!

Was also will uns dieser Film sagen – ein Film, der sich um die englische Filmindustrie zur Zeit des zweiten Weltkriegs dreht? Er zeigt uns, was Film ist – Leben.
Die dänische Regisseurin Lone Scherfig (Wilbur Wants to Kill Himself, An Education) und ihre Drehbuchautorin holen kurz vor Schluss soviel Universalität aus der Vorlage – so dass sie auch für Nicht-Film-Enthusiasten etwas hergibt.

Die Regie: 8 / 10
Das Drehbuch:  8 / 10
Die Schauspieler: 9 / 10
Gesamtnote: 8 / 10

Verfügbarkeit: Their Finest gibt es bei uns auf DVD und auf Blu-ray. Gestreamt werden kann er zudem bei amazon, iTunes, maxdome, Google Play, Sky Store, Videobuster, Rakuten TV und Videoland.
Wer den Film gerne in der Originalfassung mit (oder ohne) dt. Untertiteln sehen möchte (empfohlen!), sollte sich die DVD oder die Blu-ray zulegen. Videoland, Rakuten TV, Videobuster, Sky Store und maxdome bieten den Filme alle auch in der Originalfassung an (ohne dt.Untertitel).

Bewegte Bilder

Ich werde dich wiedersehen (1944)

USA 1944
Mit Ginger Rogers, Joseph Cotten, Shirley Temple, Spring Byington, Tom Tully u.a.
Drehbuch: Marion Parsonnet nach einem Hörspiel von Charles Martin
Regie: William Dieterle

„Ein körperlich und seelisch versehrter amerikanischer Kriegsheimkehrer findet Genesung durch Kontakt und Liebe zu einer verurteilten Totschlägerin, die über Weihnachten aus dem Gefängnis beurlaubt ist. Ein sympathisches Drama mit optimistischer Perspektive, das die Emotionen und das Lebensgefühl der Nachkriegszeit in den USA widerspiegelt.“
-Lexikon des internationalen Films-

„This is a pressing recommendation that as many of you see it as can.“ „He [Joseph Cotten] plays the shell-shocked veteran with supreme restraint and with a calm and determined independence that beautifully reveals his pain and pride.“
-Bosley Crowther, New York Times-

„This Selznick project originated in a radio play (by Charles Martin), and it may have sounded like a good movie idea. But oh, my!“
-Pauline Kael-

Pauline Kael, von 1968 bis 1991 eine wegen ihrer Spitzzüngigkeit gefürchtete amerikanische Filmkritikerin, kommt zum Schluss, dass I’ll Be seeing You „verdammt nahe an unertäglich heranreicht. Nach der Sichtung dieses vergessenen Films kann ich mich über ihr Urteil – das sie übrigens ohne jegliche Argumente fällt – nur wundern. Da halte ich mich lieber an Bosley Crowther oder das renommierte Lexikon des internationalen Films (s. oben). I’ll Be seeing You ist ein bittersüsses Melodrama, das Douglas Sirks möglicherweise gefallen hätte. Einige Passagen mögen dem heutigen Betrachter zwar als „kitschig“ ins Auge stechen, doch die ernsthafte und packende Behandlung der Hauptthematik lässt mich darüber hinwegsehen. I’ll Be Seeing You war einer der ersten US-Filme, die das Thema „posttraumatische Belastungsstörung“ im Zusammenhang mit dem Krieg an die Öffentlichkeit brachte – in einer Zeit, in welcher Krieg im Kino zu Durchhaltezwecken gemeinhin positiv besetzt wurde. Man darf dem von David O. Selznick produzierten Streifen durchaus einen gewissen Pionierstatus zugestehen.

Etwas „Unerträgliches“ konnte ich darin beim besten Willen nicht ausmachen; ausser vielleicht – allerdings in moderatem Rahmen – in Shirley Temples Spiel. Doch dazu später.
Ginger Rogers und Joseph Cotten machen ihre Sache hervorragend – vor allem Rogers überzeugt und überrascht: Sie spielt bewusst gegen den romantisierenden Ton des Films an und macht das Ganze überhaupt erst  – sorry, Pauline – erträglich! Sie gibt die desillusionnierte Verurteilte, in deren Leben plötzlich die Hoffnung aufkeimt, derart bodenständig und robust, dass man ihr die Gefängnisinsassin abnimmt. Cotten gibt den Gegenpart sanft, beherrscht, doch tief drin verstört, stumm gegen seine Dämonen ankämpfend. Auch ihm nimmt man das ab. Mit der Glaubwürdigkeit der beiden Hauptakteure hat der Film gewonnen, alles andere ist – erfreuliches – Zugemüse: Die subtile Regie Dieterles (man sehe sich nur die wunderbare Anfangszene am Bahnhof an, in der er die beiden Hauptfiguren als „zwei Seiten einer Medallie“ einführt); das effiziente, schnörkellose Drehbuch; die sympathischen Nebendarsteller.

Nur eben: Shirley Temple, der einstige Kinderstar. Ihr mangelndes schauspielerisches Talent sorgte auch während der Dreharbeiten für Kopfzerbrechen. Zu ihren Gunsten muss gesagt werden, dass sie eine der schauspielerisch schwierigsten Stellen des ganzen Films zu bewältigen hatte. Und das ohne richtige Schauspielausbildung!
Zur Zeit von I’ll Be seeing You versuchte die Temple gerade verzweifelt, ihre Popularität in erwachsenen Rollen zu erhalten. In einer der letzten Szenen von Dieterles Film entdeckt sie, dass ihretwegen die Beziehung der beiden Hauptprotagonisten zerbrochen ist. Sie ist bestürzt, entsetzt und untröstlich. Das bekam Miss Temple beim Dreh einfach nicht hin, und Selznick war mit der Szene nicht zufrieden. Also holte er, nachdem der Film schon im Kasten war, George Cukor, der die fragliche Szene nachträglich nochmals mit ihr drehen sollte. Das wurde zum Schockmoment ihrer Karriere: Cuckor geriet nach mehreren fehlegeschlagenen Versuchen ausser sich, brüllte sie an, machte sie richtiggehend fertig. Erreicht hatte er nur wenig: Shirley Temples „grosse Szene“ fällt leider noch immer ab.

Das ändert aber nichts daran, dass I’ll Be Seeing You bis heute sehenswert geblieben ist; das Melodram ist zeitlos, das Thema (zwei gesellschaftliche Randfiguren finden zueinander) ebenfalls, und die schauspielerischen Leistungen der beiden Hauptdarsteller überzeugen immer noch.

Die Regie: 9 / 10
Das Drehbuch:  7 / 10
Die Schauspieler: 9 / 10
Gesamtnote: 8 / 10

Verfügbarkeit: I’ll be seeing you ist im deutschsprachigen Raum aktuell nicht verfügbar, weder auf DVD, Blu-ray noch im Stream.
In den USA ist der Film in restaurierter Fassung und mit einem filmhistorischen Audiokommentar versehen bei Kino Lorber auf DVD und Blu-ray erschienen (Regionalcode 0).

Bewegte Bilder
Via youtube kann der ganze Film in der englischsprachigen Originalfassung und in ansehnlicher Bildqualität angeschaut werden.