Oliver Hardy

Das Fleischermesser an der Gurgel (1927)

FILM AB

USA 1927
Mit Stan Laurel & Oliver Hardy, James Finlayson, Viola Richard, Noah Young
Drehbuch: Hal Roach
Regie: Fred Guiol

Dies ist der zweite Film, in dem Stan Laurel und Oliver Hardy als das Duo, als das alle Welt sie kennt und liebt auftraten (der Vorgänger, Hats Off, ist leider verschollen; er gilt als der eigentliche „Geburtsmoment“ des bekannten Paares). Obwohl ihre Figuren hier noch „Ferdinand Finkleberry“ (Laurel) und „Sherlock Pinkham“ (Hardy) heissen, sind sonst alle Merkmale Stan und Ollies vorhanden – ebenso die Ingredienzien ihrer Komik. Es ist erstaunlich, wie vollständig die beiden Charaktere bereits in ihrem zweiten „Dick & Doof“-Film entwickelt sind, wie ausgereift die Beziehung untereinander!
Zudem finden sich hier zwei Versatzstücke, auf welche die beiden Komiker später immer wieder zurückgriffen: Das Verwechseln der Hüte und der ausgebrochene Schwerverbrecher, der Rache für seine Verhaftung geschworen hat.
Die hier präsentierte Version hat der Youtuber „Arthur Jefferson“ aus der ZDF-Sendung „Zwei Herren dick und doof“ und der Originalfassung des Films zusammengestellt. Hanns Dieter Hüsch spricht den Text – ein zusätzliches Vergnügen!

 

 

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Ein Fehlschlag von Charley Chase

BROMO AND JULIET
USA 1926
Mit Charley Chase, William Orlamond, Oliver Hardy, Corliss Palmer u.a.
Regie: Leo McCarey

Auch der von mir verehrte, heute weitgehend vergessene Stummfilmkomödiant Charley Chase hat, entgegen meiner bisher verfassten Lobeshymnen, nicht nur Glorioses produziert. Die unlängst visionierte Komödie Bromo and Juliet gehört definitiv nicht zu seinen besten Arbeiten, obwohl das Projekt durchaus ganz hervorragend hätte herauskommen können. Doch leider steht Chase in diesem Film sich selbst im Weg.

Die Geschichte hört sich vielversprechend an: Charleys Verlobte kriegt ihn herum, an ihrer Seite in einer Laienproduktion den Romeo zu spielen. Vor der Aufführung jedoch betrinkt sich Charleys Schwiegervater, der im Stück ebenfalls eine kleine Rolle inne hat, und fängt an, Dummheiten zu machen. Charley hat seine liebe Mühe, den Alten davon abzuhalten und ihn zum Theater zu verfrachten. Ein wütender Taxifahrer, dem der Schwiegervater Geld schuldet, verfolgt die beiden, es kommt zu Missverständnissen und Zwischenfällen, aus denen Charley selbst nicht mehr nüchtern hervorgeht. Mit dem Taxifahrer und einem Polizisten auf den Fersen kommen die beiden Suffköppe im Theater an und ruinieren in der Folge die ganze Aufführung.

Die Gags sind teilweise sehr schön, die Geschichte hat Tempo – aber Chase übertreibt hier derart unangenehm, dass er das Vergnügen unterläuft und zu nichte macht. Sein ständiges applausheischendes In-Die-Kamera-Gucken nervt mit der Zeit gehörig. Diese Tendenz hatte Chase, und in seinen schwächeren Filmen wurde es vom Regisseur nicht unterbunden.
Dass er ganz anders konnte, beweisen herausragende Werke wie Movie Night oder Limousine Love.

Bromo and Juliet gehört definitiv nicht dazu. Umso seltsamer, dass er in praktisch jeder Chase-Komplation auftaucht…
6,5/10

Die DVD: Die Bildschärfe ist gut, der Kontrast ebenfalls.

Die Musikbegleitung stammt von Neil Brand und passt sich ganz gut dem Geschehen an.

Extras: Vier weitere Filme mit Charley Chase; ein Kurzfilm mit Charleys Bruder, James Parrott; eine kurze Chase-Biografie von Eric Lange.

Reginalcode: 0

Verfügbarkeit:
Deutschsprachiger Raum: Nicht verfügbar.
USA: Der Film findet sich auf der Kompilation Charley Chase Collection 2 und wird von Kino on Video angeboten. Man bekommt die DVD direkt bei Kino, oder bei amazon.com (dort gibt’s die Scheibe ab und zu gebraucht für weniger Geld.
Für Preisvergleiche, evtl. preisgünstigere Angebote und andere Fragen im Zusammenhang mit DVD-Bestellungen aus dem Ausland siehe auch die Tipps zur DVD-Bestellung im Ausland.

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Der irre Bräutigam

CRAZY LIKE A FOX
USA 1926
Regie: Leo McCarey
DarstellerInnen: Charley Chase, Martha Sleeper, William V. Mong, Oliver Hardy u.a.
Dauer: 20 min

Crazy Like a Fox gehört zu den bekanntesten Komödien des grossen Charley Chase. Aber was heisst hier bekannt? Chase ist heute vergessen, bekannt sind seine Filme nur noch einem kleinen Kreis „Eingeweihter“.
Trotzdem hatte Kinowelt einige seiner besten Filme auf ihre Laurel & Hardy-DVDs als Zugabe draufgepackt. Zum Glück!

Crazy Like a Fox erzählt – typisch für viele Chase-Komödien – einen Plot, der genügend Stoff für einen Langfilm abgeben würde, bringt die Geschichte aber elegant in zwanzig Minuten unter.
Hier geht es um einen jungen Mann (Chase) und eine junge Frau (Sleeper), welche von ihren befreundeten Vätern bereits im zarten Kindesalter verkuppelt, resp. deren spätere Heirat bereits geplant wurde. Die Hochzeit steht kurz bevor, die beiden „Glücklichen“, die sich nie zuvor begegnet sind, sollen sich kennenlernen. Sie will sich jedoch dem väterlichen Diktat nicht beugen und flüchtet. Am Bahnhof treffen die beiden aufeinander, freilich ohne einander zu erkennen – und verlieben sich. Da sie darob den Zug verpasst, kehrt sie zähneknirschend ins Elternhaus zurück.

Er heckt inzwischen einen Plan aus, der Zwangsheirat zu entgehen, weil er seine Traumfrau ja nun gefunden hat. Sein Butler rät ihm, im Haus der zukünftigen Schwiegereltern den Irren zu mimen, damit diese auf die geplante Hochzeit freiwillig verzichten.
Natürlich geht der Schuss nach hinten los, Charleys gespielter Irrsinn führt zu erheblichen Turbulenzen und greift schliesslich auf den Vater der Braut über.

Eine köstliche Verwechslungskomödie, die als gewitzte Screwball-Comedy beginnt, im herrschaftlichen Haus der Brauteltern jedoch in reinen Slapstick umschlägt. Dieser Wechsel  ist für einen Charley Chase-Film nicht unbedingt üblich; seine Kurzfilme bewegen sich sonst eher gänzlich im Bereich der gehobenen Gesellschaftskomödie. Man muss aber konstatieren, dass dieser begnadete Komödiant auch das andere Genre perfekt beherrscht, denn die Gags sind punktgenau platziert und entfalten die bestmögliche Wirkung.

Wie immer in Chases Filmen sind die Nebendarsteller sorgfältig ausgewählt und passen hervorragend in ihre Rollen. So wird auch der Kurzauftritt eines zufälligen Passanten (mit einem Glatzköpfigen Oliver Hardy perfekt besetzt), an dem Charley seine Fähigkeit als Irrendarsteller ausprobiert, unvergesslich.

Crazy like a Fox gehört mit zu den Top-Kurzfilmkomödien nicht nur dieses Komödianten sondern auch jener Zeit.

1938 dreht Chase bei Columbia ein Tonfilm-Remake unter dem Titel The Wrong Miss Wright, bei dem er selbst Regie führte. Konsequenterweise transferierte er dort den Irrsinn von der Handlungs- auf die Wortebene, was ebenfalls sehr gut funktioniert.
8,5/10

Die DVD-Ausgabe: Der Kurzfilm befindet sich auf einer Laurel & Hardy-DVD von Kinowelt: Hier klicken.
Der Film wird in schönem Digitaltransfer mit ganz passablem Musikmix präsentiert, kompliert aus Tunes aus dem Hal Roach-Studio.