Oliver Hardy

Ein Fehlschlag von Charley Chase

BROMO AND JULIET
USA 1926
Mit Charley Chase, William Orlamond, Oliver Hardy, Corliss Palmer u.a.
Regie: Leo McCarey

Auch der von mir verehrte, heute weitgehend vergessene Stummfilmkomödiant Charley Chase hat, entgegen meiner bisher verfassten Lobeshymnen, nicht nur Glorioses produziert. Die unlängst visionierte Komödie Bromo and Juliet gehört definitiv nicht zu seinen besten Arbeiten, obwohl das Projekt durchaus ganz hervorragend hätte herauskommen können. Doch leider steht Chase in diesem Film sich selbst im Weg.

Die Geschichte hört sich vielversprechend an: Charleys Verlobte kriegt ihn herum, an ihrer Seite in einer Laienproduktion den Romeo zu spielen. Vor der Aufführung jedoch betrinkt sich Charleys Schwiegervater, der im Stück ebenfalls eine kleine Rolle inne hat, und fängt an, Dummheiten zu machen. Charley hat seine liebe Mühe, den Alten davon abzuhalten und ihn zum Theater zu verfrachten. Ein wütender Taxifahrer, dem der Schwiegervater Geld schuldet, verfolgt die beiden, es kommt zu Missverständnissen und Zwischenfällen, aus denen Charley selbst nicht mehr nüchtern hervorgeht. Mit dem Taxifahrer und einem Polizisten auf den Fersen kommen die beiden Suffköppe im Theater an und ruinieren in der Folge die ganze Aufführung.

Die Gags sind teilweise sehr schön, die Geschichte hat Tempo – aber Chase übertreibt hier derart unangenehm, dass er das Vergnügen unterläuft und zu nichte macht. Sein ständiges applausheischendes In-Die-Kamera-Gucken nervt mit der Zeit gehörig. Diese Tendenz hatte Chase, und in seinen schwächeren Filmen wurde es vom Regisseur nicht unterbunden.
Dass er ganz anders konnte, beweisen herausragende Werke wie Movie Night oder Limousine Love.

Bromo and Juliet gehört definitiv nicht dazu. Umso seltsamer, dass er in praktisch jeder Chase-Komplation auftaucht…
6,5/10

Die DVD: Die Bildschärfe ist gut, der Kontrast ebenfalls.

Die Musikbegleitung stammt von Neil Brand und passt sich ganz gut dem Geschehen an.

Extras: Vier weitere Filme mit Charley Chase; ein Kurzfilm mit Charleys Bruder, James Parrott; eine kurze Chase-Biografie von Eric Lange.

Reginalcode: 0

Verfügbarkeit:
Deutschsprachiger Raum: Nicht verfügbar.
USA: Der Film findet sich auf der Kompilation Charley Chase Collection 2 und wird von Kino on Video angeboten. Man bekommt die DVD direkt bei Kino, oder bei amazon.com (dort gibt’s die Scheibe ab und zu gebraucht für weniger Geld.
Für Preisvergleiche, evtl. preisgünstigere Angebote und andere Fragen im Zusammenhang mit DVD-Bestellungen aus dem Ausland siehe auch die Tipps zur DVD-Bestellung im Ausland.

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Der irre Bräutigam

CRAZY LIKE A FOX
USA 1926
Regie: Leo McCarey
DarstellerInnen: Charley Chase, Martha Sleeper, William V. Mong, Oliver Hardy u.a.
Dauer: 20 min

Crazy Like a Fox gehört zu den bekanntesten Komödien des grossen Charley Chase. Aber was heisst hier bekannt? Chase ist heute vergessen, bekannt sind seine Filme nur noch einem kleinen Kreis „Eingeweihter“.
Trotzdem hatte Kinowelt einige seiner besten Filme auf ihre Laurel & Hardy-DVDs als Zugabe draufgepackt. Zum Glück!

Crazy Like a Fox erzählt – typisch für viele Chase-Komödien – einen Plot, der genügend Stoff für einen Langfilm abgeben würde, bringt die Geschichte aber elegant in zwanzig Minuten unter.
Hier geht es um einen jungen Mann (Chase) und eine junge Frau (Sleeper), welche von ihren befreundeten Vätern bereits im zarten Kindesalter verkuppelt, resp. deren spätere Heirat bereits geplant wurde. Die Hochzeit steht kurz bevor, die beiden „Glücklichen“, die sich nie zuvor begegnet sind, sollen sich kennenlernen. Sie will sich jedoch dem väterlichen Diktat nicht beugen und flüchtet. Am Bahnhof treffen die beiden aufeinander, freilich ohne einander zu erkennen – und verlieben sich. Da sie darob den Zug verpasst, kehrt sie zähneknirschend ins Elternhaus zurück.

Er heckt inzwischen einen Plan aus, der Zwangsheirat zu entgehen, weil er seine Traumfrau ja nun gefunden hat. Sein Butler rät ihm, im Haus der zukünftigen Schwiegereltern den Irren zu mimen, damit diese auf die geplante Hochzeit freiwillig verzichten.
Natürlich geht der Schuss nach hinten los, Charleys gespielter Irrsinn führt zu erheblichen Turbulenzen und greift schliesslich auf den Vater der Braut über.

Eine köstliche Verwechslungskomödie, die als gewitzte Screwball-Comedy beginnt, im herrschaftlichen Haus der Brauteltern jedoch in reinen Slapstick umschlägt. Dieser Wechsel  ist für einen Charley Chase-Film nicht unbedingt üblich; seine Kurzfilme bewegen sich sonst eher gänzlich im Bereich der gehobenen Gesellschaftskomödie. Man muss aber konstatieren, dass dieser begnadete Komödiant auch das andere Genre perfekt beherrscht, denn die Gags sind punktgenau platziert und entfalten die bestmögliche Wirkung.

Wie immer in Chases Filmen sind die Nebendarsteller sorgfältig ausgewählt und passen hervorragend in ihre Rollen. So wird auch der Kurzauftritt eines zufälligen Passanten (mit einem Glatzköpfigen Oliver Hardy perfekt besetzt), an dem Charley seine Fähigkeit als Irrendarsteller ausprobiert, unvergesslich.

Crazy like a Fox gehört mit zu den Top-Kurzfilmkomödien nicht nur dieses Komödianten sondern auch jener Zeit.

1938 dreht Chase bei Columbia ein Tonfilm-Remake unter dem Titel The Wrong Miss Wright, bei dem er selbst Regie führte. Konsequenterweise transferierte er dort den Irrsinn von der Handlungs- auf die Wortebene, was ebenfalls sehr gut funktioniert.
8,5/10

Die DVD-Ausgabe: Der Kurzfilm befindet sich auf einer Laurel & Hardy-DVD von Kinowelt: Hier klicken.
Der Film wird in schönem Digitaltransfer mit ganz passablem Musikmix präsentiert, kompliert aus Tunes aus dem Hal Roach-Studio.

FLUTTERING HEARTS (1927)

USA 1927
Regie: James Parrott
Mit Charley Chase, Martha Sleeper, Oliver Hardy, Eugene Pallette
Dauer: 20 min

Charley Chase (siehe auch hier) auf einer deutschsprachigen DVD? Ja, das gibt’s! Kinowelt gab und gibt auf einigen ihrer Laurel & Hardy-DVDs einige der allerbesten Chase-Stummfilme als Bonus drauf. Auf der DVD Zum Nachtisch weiche Birne sind es sogar deren zwei: Neben Fluttering Hearts noch den Tonfilm On the Wrong Trek (1936), in welchem Laurel und Hardy einen Kürzestauftritt haben.

Fluttering Hearts besteht im Grunde aus zwei zusammengehängten Einaktern mit denselben Hauptfiguren. Im ersten Teil wird unser Held auf der Strasse von Marta Sleeper fast umgefahren; sie rast mit ihrem heissen Ofen zum Kaufhaus, weil es da günstige Bettlaken gibt. Charley verfolgt sie mit Hilfe eines gutmütigen Polizisten (ein köstlicher Eugene Pallette). Die Jagd endet damit, dass Charley und der Polizist sich für die verfolgte Dame in die wüste Kaufhaus-Schlacht um die begehrten Bettlaken stürzen.

Im zweiten Teil lässt sich Charley von Martas Vater als Chauffeur anheuern. Zufällig erfährt Charley von einem kompromittierenden Brief, mit dem der Gangsterboss Big Bill (Oliver Hardy) Martas Vater zu erpressen versucht. In einer üblen Spelunke („Zutritt nur in Damenbegleitung!“) versucht Charley mit Hilfe einer Schaufensterpuppe, Big Bill zu bezirzen und ihm den Brief abzuluchsen.

Ein herrlicher kleiner Film, nicht Chases bester, aber doch äusserst lohnenswert.
Rund um die unspektakulär klingende Geschichte werden eine Vielzahl herrlichster Gags drapiert, so dass Fluttering Hearts zum Sehgenuss wird. Insbesondere Chases Pantomime mit der Schaufensterpuppe gehört zu den Höhepunkten des Films und darf mit Recht als eine der besten Einfälle innerhalb des Comedy-Shorts-Genres bezeichnet werden. Und Oliver Hardy beweist als dämlich-vulgärer Gangsterboss einmal mehr, dass er grosses schauspielerisches Talent besass.

Regie in diesem Film führte übrigens James Parrott, der Bruder von Charley Chase, der seinerseits unter seinem richtigen Namen (Charles Parrott) auch oft im Regiestuhl sass.

Die DVD-Ausgabe: Der Kurzfilm befindet sich auf einer der inzwischen vergriffenen Laurel & Hardy-DVDs von Kinowelt, die aber bei amazon noch von verschiedenen Händlern angeboten wird: Hier klicken.
Der Film wird in schönem Digitaltransfer mit ganz passablem Musikmix präsentiert, kompliert aus Tunes aus dem Hal Roach-Studio.

Inzwischen hat Kinowelt eine Neuauflage der besagten Scheibe angekündigt; Näheres dazu hier.