Monat: November 2018

Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen (2018)

USA 2018
Mit Eddie Redmayne, Johnny Depp, Dan Fogler, Alison Sudol, Katherine Waterston, Jude Law u.a.
Drehbuch: J.K. Rowling
Regie: David Yates
Dauer: 134 min

Diesen Film hatte ich mit meiner Tochter, einer ausgewiesenen Harry-Potter Spezialistin, im Kino angeschaut – und ihr den Platz für die Rezension überlassen.

!!Spoiler-Alert!! in diesem Artikel wird über wichtige Details und Plots gesprochen.

Erst möchte ich sagen, dass ich ein grosser Fan von dem Harry Potter Universum bin und keineswegs despektierlich gegenüber Mitwirkenden dieses Films wirken möchte. Aber ich habe doch einiges zu sagen.

Fangen wir mit dem Guten an. Der Charakter des Grindelwald ist absolut überzeugend ausgearbeitet und man kann als Zuschauer bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen, warum manche Zauberer und Hexen seinen Versprechungen verfallen und sich ihm gerne anschliessen möchten. Es ist nicht wie in den originalen Serien, wo Voldemort einfach böse ist und seine Anhänger sich ihm eigentlich vor allem aus Angst angeschlossen haben (mit Ausnahme von Bellatrix Lestrange). Tatsächlich ist es aber in Crimes of Grindelwald so, dass er die Zauberer und Hexen gewählt rekrutiert und diesen das Gefühl gibt, dass er die Welt besser machen kann. Das gibt mir als Zuschauer zu denken: Ob ich mich ihm auch angeschlossen hätte?

Allerdings bin ich mit der Wahl Johnny Depps als Grindelwald nicht wirklich zufrieden. Ich bin der Meinung, man hätte jemand besseren gefunden. Zum Beispiel hätte ich mir Tom Hiddleston (Loki in Thor) gut in dieser Rolle vorstellen können. Das hätte zwar vom Alter her nicht ganz gepasst, aber Johnny Depp ist auch 10 Jahre älter als Jude Law (was leider sehr auffällt).

Kommen wir zu all den Dingen, die mich gestört haben, unlogisch waren, oder einfach von der Chronologie nicht stimmen:

Schon die Anfangsszene ist viel zu lang und etwa zwei drittel dieser Szene tragen nichts zum weiteren Verlauf oder der Vorgeschichte des Films  bei. Die Flucht von Grindelwald hätte man meiner Meinung nach in ca. 3 Minuten abhandeln können und man hätte genau so viel verstanden wie jetzt.

Wir hatten es mit sehr vielen, unwichtigen Charakteren zu tun, von denen wir teilweise nicht einmal den Namen erfahren haben.

Einer dieser Charaktere ist Nagini. Kommt euch dieser Name bekannt vor? Natürlich! Es ist die Schlange von Voldemort! Wieso musste sie als Frau in einem Zirkus dargestellt werden, aber überhaupt nichts zur Handlung beitragen? Natürlich ist es ein Wiederekennungseffekt und zielt auf die Nostalgie der Fans, aber ich habe diesen Wink wirklich unnötig gefunden.

Die Kameraführung ist sehr unruhig, was mir teilweise fast Kopfschmerzen bereitet hat.

Wir haben eine Szene gesehen, welche sich in Hogwarts ca. 1929 abspielt. Dort kommt einer meiner Lieblingscharaktere aus den Originalen Serien vor: Minerva McGonagall. Allerdings hat eben diese laut einem Eintrag von J.K Rowling auf Pottermore den Jahrgang 1935 und unterrichtet seit 1959 in Hogwarts. Geht nicht wirklich auf, oder?

Auch sehen wir Albus Dumbledore (Jude Law) das Fach Verteidigung gegen die dunklen Künste unterrichten, während er laut den originalen Büchern eigentlich nur Transfiguration unterrichten sollte.
Der damalige Schulleiter von Hogwarts Armando Dippet wird mit keinem Wort erwähnt.

Am schlimmsten fand ich aber die etwa 3 – 4 verschiedenen Plot-Twists. Man meint immer, die Indentität von Credence Barebone (Ezra Miller) sei nun endlich aufgedeckt, aber nein, es kommt doch nochmal etwas anderes. So zum Beispiel die Szene in der Leta erzählt, sie hätte Credence auf einem sinkenden Schiff (Titanic?) gegen ihren schreienden Bruder eingetauscht. Dieser Ausgang währe für mich plausibel gewesen und man hätte darauf aufbauen können.
Doch anscheinend ist Credence der verlorene Bruder Dumbledores?? Was soll das bitte? Die Dumbledore Familie bestand immer aus Aberforth, Albus und der toten Ariana. Der Vater (Percival Dumbledore) starb in Askaban (so um 1890) und die Mutter (Kendra Dumbledore) kam bei einem von Ariana`s Anfällen ums Leben (ca. 1899). Dies bedeutet, dass Crendence – oder Aurelius – vor dieser Zeit geboren sein müssten. Dies kann aber gar nicht sein, da Leta Lestrange ihn ja angeblich als Baby auf dem Schiff vertauscht hat. Leta war dort etwa 8, maximal 10 Jahre alt (sie hat Jahrgang 1896). Das würde bedeuten, dass Credence ungefähr Jahrgang 1902 haben müsste. Aber da waren ja seine angeblichen Eltern bereits tot.
Total unlogisch also!

Meiner Meinung nach hätte man gesamt etwa 20-30 Minuten des Films wegschneiden (z.B Queenie sucht Jacob in Paris, oder die grosse Kampfszene) oder stattdessen Hintergrundinformationen zu einzelnen Charakteren einfügen können.

Ich muss aber noch anmerken, dass ich den Einsatz des bereits in den originalen Serien erwähnten Nicolas Flamel sehr amüsant fand.

Alles in allem denke ich, dass J.K Rowling es lieber bei den originalen Serien belassen oder sich wenigstens jemanden als co-Writer ins Boot geholt hätte.

Die Regie: 7 / 10 
Das Drehbuch:  4 / 10 
Die Schauspieler:  8 / 10 
Gesamtnote: 6 / 10

Verfügbarkeit:
Fantastic Beasts: The Crimes of Grindelwald läuft zur Zeit in den Kinos.

 

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I Wanna Hold Your Hand (1978)

USA 1978
Mit Nancy Allen, Wendie Jo Sperber, Bobby Di Cicco, Marc McClure, Theresa Saldana, Eddie Deezen u.a.
Drehbuch: Robert Zemeckis und Bob Gale
Regie: Robert Zemeckis
Dauer: 90 min

I Wanna Hold Your Hand  war der erste Film von Robert Zemeckis (Back to the Future, Forrest Gump). Er spielt in den Sechzigerjahren, als die Beatles erstmals nach Amerika kamen, um in der Johnny Carson Show aufzutreten. Vier junge Frauen und zwei Männer fahren von Jersey nach New York, um den Beatles persönlich auf den Leib zu rücken. Ihr Ziel ist es, den TV-Auftritt der „Fab Four“ live mitzuerleben. Sie sind nicht die einzigen! Auf dem Weg dorthin geraten sie an Polizisten, Spiesser, Verrückte, zudem verlieren sich immer wieder in Scharen hysterischer Fans. Garniert wird der verrückte Reigen mit einer Vielzahl von Beatles-Songs.

Ich habe den Hype um Zemeckis nie wirklich verstanden. Er ist weder ein besonders begabter Regisseur noch ein herausragender Drehbuchautor. Bei Forrest Gump fand ich nur das Klakül, mit dem er konzipiert wurde und die hymnischen Begeisterungsstürme, die er auslöste, bemerkenswert. Auch sein Erstling, dessen Sichtung ich jetzt nachgeholt habe, lässt mich staunend, aber nicht zufrieden zurück.

Zu Beginn ist I Wanna Hold Your Hand durchaus komisch und originell; doch der Witz verflüchtigt sich nach ca. 30 Minuten, danach hängt der Steifen mehrheitlich durch. Und sobald der aus Grease bekannte „Komiker“ Eddie Deezen seinen Auftritt hat, kippt der Film ins Unerträgliche. Deezen spielt hier seine erste Filmrolle, den vollkommen bescheuerten, zurückgebliebenen Richard „Ringo“ Klaus, eine rechthaberische, hyperaktive, spastisch zuckende Nervensäge mit Kleinkindallüren – einen ohnehin als völlig überdreht konzipierten Charakter. Deezen spielt ihn derart übertrieben und derart grauenhaft schlecht, dass er damit dem Film schadet. Von diesem Tiefschlag erholt sich der Film nicht mehr.

Was Deezen bietet, ist weder lustig noch originell; die Sequenzen, in welchen er zu sehen ist, sind nur peinlich. Das hätte der Regisseur eigentlich verhindern müssen.
Die anderen Schauspielerinnen und Schauspieler agieren auch überdreht, doch bei ihnen ist komödiantisches Gespür im Spiel, ihre Darbietungen sind gut ausbalanciert und dadurch wirklich komisch – oder im Fall von Bobby Di Cicco zumindest gerade noch an der Toleranzgrenze. Deezen dagegen wirkt zügel- und führungslos – ein Manko, das ich zu grossen Stücken dem Regisseur anlaste. Unter dem Stichwort „Schauspielerführung“ wäre ein Zurückbinden dringend nötig gewesen.

Das Drehbuch glänzt weder mit Dialogen noch Einfällen, die über dem Durchschnitt liegen, die Regie ist, abgesehen von der Schauspielerführung zumindest solide… Ein schwacher Film, dem ein miserabler Schauspieler den Todesstoss versetzt.
Muss man sich nicht antun…

Die Regie: 7 / 10 
Das Drehbuch: 6 / 10 
Die Schauspieler: 5 / 10 
Gesamtnote: 6 / 10

I Wanna Hold Your Hand war im deutschsprachigen Raum nie in den Kinos zu sehen. Er ist aber seit rund einem Jahr im deutschsprachigen Raum auf DVD erhältlich (deutsche Synchro / englische Originalfassung mit deutschen UT).
Im Stream ist er bei keinem Anbieter zu finden.

Mensch, Dave! (2008)

USA 2008
Mit Eddie Murphy, Ed Helms, Gabrielle Union, Elizabeth Banks, Scott Caan u.a.
Drehbuch: Rob Greenberg
Regie: Brian Robbins
Dauer: 90 min

Eddie Murphy spielt ein ausserirdisches Raumschiff. Und dessen Commander.
Ich hatte mich hier bereits darüber ausgelassen, dass die Amerikaner keinerlei Hemmungen haben, die abstrusesten Ideen filmisch umzusetzen. Man kann das wilde Drauflosfabulieren auch „Kreativität“ nennen – dem europäischen Kino fehlt das lustvolle und hemmungslose Spinntisieren jedenfalls fast gänzlich.

Eddie Murphy spielt also ein Raumschiff, das aussieht wie Eddie Murphy und das auch funktioniert wie ein Mensch. In seinem Innern befindet sich eine Crew aus im Vergleich zu den Erdlingen winzigen Menschen. Dass sie sich untereinander auch in Englisch verständigen, ist zwar ganz praktisch, aber ziemlich unglaubhaft. Aber dieses Hinterfagen ist wieder typisch europäisch. Will man damit bei diesem Film anfangen, findet man kein Ende mehr. Die Amis denken praktisch, also akzeptieren wir es einfach!
Überhaupt: Was ist hierzulande an dem Streifen herumgemäkelt worden, mit Argumenten, die man nicht benützen dürfte, wenn man den Amis Dummheit vorwirft: Die Kinder der 80er-Jahre verreissen Meet Dave, weil er nicht genau den Eddie Murphy der Achzigerjahre zeigt. Andere mäkeln, dass er eine verlogen heile Erdenwelt zeige, weil im Film keine Bösewichte vorkommen. (Wievielen Bösewichten begegnen Sie täglich?) Wieder andere regen sich über die Infantilität auf.
Alles schön und gut; Eddie Murphy ist nicht in den Achzigerjahren stehen geblieben, die Film-Erdlinge sind alle mehr oder weniger nett und die Idee zum Film mag infantil sein – über die handwerkliche Qualität des Streifens sagen diese Kritikpunkte gar nichts aus. Nur darüber, dass gewisse Leute es nicht vertragen, wenn ein Film nicht so ist, wie sie ihn gern haben wollen und die sich als Egozentriker entblössen, weil sie ihre Forderungen als Rezension ausgeben.

Kurze Zwischenbilanz: Die Amis können infantile Filme machen, sie haben kein gestörtes Verhältnis zur eigenen Kreativität, zum inneren Kind, und spinntisieren manchmal einfach drauflos. Eine Abneigung gegen diese wahrscheinlich aus Neid entstandene Haltung ist noch kein Qualitätsurteil.

Meet Dave ist nicht, wie einige jetzt vielleicht denken mögen, ein Film voller cinèastischer Wundertaten und handwerklicher Raffinesse. Bei weitem nicht. Aber er ist keineswegs „grottenschlecht“, „nicht zum ansehen“, ein „Tiefpunkt“. Er ist ein sympathischer Unterhaltungsfilm mit komödiantischen Glanzleistungen, herrlich verrückten Einfällen und überbordender Fantasie. Die Akteure bleiben fast durchwegs verhalten und das Ganze kippt nie ins Plumpe. Schenkelklopfen ist nicht.

Die Grundidee des menschgewordenen, durch die Crew von innen gesteuerten Raumschiffs lässt Platz für endlose komische Situationen, die denn auch weidlich gemolken werden. Aus der Unkenntnis der menschlichen Gepflogenheiten erwachsen immer wieder neue (wirklich neue!) komische Situationen, welche die Macher oft nur so nebenher einstreuen.
Das Raumschiff kommt als Feuerball zur Erde und schlägt neben der Freiheitsstatue ein. Als sich der Rauch verzogen hat, wird man gewahr, dass da eine Person Kopf voran im Boden steckt. Eddie Murphy spielt die menschenähnliche Maschine, welche die menschliche Zivilisation und ihre Rätsel kennenlernt, phänomenal. Es ist jederzeit erkennbar, dass „Dave“ eine Maschine ist, auch bei den kleinsten Regungen, und doch wächst einem das Ding mit der Zeit ans Herz.
Eigentlich wollte das Volk vom Planeten Nil die Erde ja ihres Wassers berauben – doch je länger sich Dave, das Raumschiff unter den Erdlingen bewegt, desto mehr Verständnis und Zuneigung entdecken die Nillianer bei sich und für die „Fremdlinge“ und rücken schliesslich von ihrem zerstörerischen Plan ab.

Die Regie: 7 / 10 
Das Drehbuch:  8 / 10 
Die Schauspieler: 9 / 10 
Gesamtnote: 8 / 10

Verfügbarkeit:
Meet Dave ist im deutschsprachigen Raum auf DVD und auf Blu-ray erhältlich (deutsche Synchro / englische Originalfassung mit deutschen UT).
Im Stream zu finden ist er bei amazon prime und iTunes (möglicherweise nur Deutsch, ist leider nicht verifizierbar), Google Play, Videoload, videociety und Freenet Video (nur Deutsch).