Über diesen Blog

Einmal mehr habe ich mein Blog-Konzept etwas geändert: Die Beiträge erscheinen in lockerer Folge. Zudem habe ich vor längerer Zeit das Konzept geöffnet: Es werden nicht mehr nur Stummfilme besprochen, wie dies der Blogtitel impliziert, sondern generell Filme von 1910 bis heute. Dabei liegt mein Interessenschwerpunkt auf dem englischsprachigen Filmschaffen, zuvorderst steht das vom Feuilleton ach so verpönte amerikanische Kino.

Mit meinen Texten versuche ich, gegen die einseitige Sicht von Links anzuschreiben. Jahrzehntelang wurde uns die Sicht der fast ausschliesslich linkslastigen Filmkritik unterbreitet. Auch heute noch sagen uns vor allem die Linken, welche Filme wertvoll seien und welche nicht; dabei standen und stehen allzu oft deren politische oder gar ideologische Kriterien im Vordergrund. Der Kanon der „grossen und wertvollen Filmwerke“ geht auf eine zumeist linke Rezeption ab den Sechzigerjahren zurück.
Das ergibt folglich für Leute, die nicht links denken, ein schiefes Bild der Filmgeschichte. So hat etwa das noch heute gültige, vielfach gedankenlos übernommene, in seiner Undifferenziertheit und Pauschalität nichtssagende Verdikt, das amerikanische Kino sei „imperialistisch“ und deshalb abzulehnen, rein gar nichts mit der handwerklichen Qualität von dessen Erzeugnissen zu tun. Leider ist diese gerade im US-Film überdurchschnittlich hoch, höher als im europäischen Film, der sich bis heute vor allem anderen um (politisch) wertvolle Botschaften be-müht, um bei der Kritik punkten zu können; der handwerkliche Aspekt wird von den europäischen Filmschulen sichtlich vernachlässigt.

Das Publikum, zu dem ich mich auch zähle und das von der linken Kritik gern für dumm erklärt wird, tendiert klar zum US-Kino – das geht jeweils klar aus den wöchentlichen Kinoeintritts-Statistiken hervor. Wir Dummen lassen uns halt gerne Geschichten erzählen, und das können die Amis hervorragend. „If you got a message, send it by Western Union“ – diese im US-Kino etablierte Haltung sagt alles über den Unterschied zum europäischen Film.
An der sozialen Ungerechtigkeit im Liverpool der Sechzigerjahre interessiert mich heute höchstens der historische Aspekt; über diverse Ungerechtigkeiten in der Welt bin ich durchaus im Bilde; ich muss mich weder als engagierten Zeitgenossen öffentlich präsentieren, noch muss ich mich selbst meines Engagements versichern oder ins Kino gehen, um im Wir-Gefühl des Gutmenschentums zu baden. Das Kino ist für mich kein Ort der Selbstbestätigung, sondern des Staunens, der unbegrenzten Möglichkeiten und Geschichten.

Trotzdem wird es auf diesem Blog selten zu Neubeurteilungen von arrivierten Filmklassikern kommen. Ich finde zwar, der Status vieler hochgelobter Filme müsste im Sinne einer Neubeurteilung hinterfragt werden, während in Vergessenheit geratene Werke wieder aus der politisch motivierten Versenkung gehoben und neu bewertet werden sollten. Doch ich habe mich in der Vergangenheit durch zu viele „grosse Werke des internationalen Films“ hindurchgelangweilt, als dass ich nun, in meiner Freizeit, weiter Lust dazu fände.
Weil ich aber den amerikanischen Film nicht imperialistisch und verlogen finde, sondern im Gegenteil in meinem ganzen Leben und bis heute darin mehr Perlen entdecken konnte als im europäischen Filmschaffen, wird er hier bevorzugt behandelt. Er wurde von der offiziellen Kritik lange genug ideologisch abgestraft, zu Unrecht missachtet und verlacht.

Obwohl ich früher als Filmkritiker tätig war, schreibe ich meine Rezensionen nicht für ein Fachpublikum, wie viele Kollegen dies tun. Fast immer habe ich beim Lesen von Filmkritiken das Gefühl, diese seien für andere Filmkritiker oder für Filmhistoriker geschrieben worden. Ich möchte mit meinen Texten den „Otto Normalfilmegucker“ ansprechen, freilich nicht ohne auf filmhistorische und filmtechnische Aspekte aufmerksam zu machen.

Gute Unterhaltung nun also beim Lesen und Stöbern.
Rückmeldungen sind natürlich sehr erwünscht…!

Michael Scheck

Advertisements

12 Kommentare

  1. Hi Michael, deine Einschätzung aktueller Kinofilme als „Gequassel“ kann ich gut nachvollziehen. Zum Glück gibts im japanischen Film eine große Zahl an Nicht-Stummfilmen, die trotzdem weniger mit Worten und mehr mit filmischen Mitteln ihre Ziele erreichen. Japanische Stummfilme gibts ja leider nicht mehr viele, aber vielleicht sollte ich mich denen auch mal wieder verstärkt zuwenden!

    Gefällt mir

    1. Danke für Deine verständnisvollen Worte.
      Ich kenne mich zwar kaum aus im asiatischen Kino, interessiere mich aber sehr dafür, weil ich eben aus den mir bekannten Beispielen schliesse, dass im asiatischen Film das Bild im Vordergrund steht (ein Grund, weshalb ich Deinen Blog regelmässig verfolge).
      Du hast mir schon einige sehr schöne Anregungen für Filme geliefert; die DVDs muss ich jetzt nur mal auftreiben…

      Gefällt mir

  2. Auch wenn ich durchaus mal in der Lage sein kann, besonders bei Filmen, die mir Gelegenheit dazu geben, irgendwelche trockenen Theorien zu spinnen, kann ich deine Haltung absolut nachvollziehen und finde diese an sich auch besser. Darüberhinaus: Cool, daß sich jemand so für Stummfilme stark macht. Ich hab mal einen Link gesetzt und werde gespannt folgen. Besonders im Bereich Dänemark/Skandinavien hätte ich noch Defizite, die darauf warten getilgt zu werden. Vielleicht hast du da ja demnächst ein paar Inspirationen im Ärmel. 😉

    Gefällt mir

  3. hallo michael, vielleicht kannst du mir helfen: in einem roman habe ich die folgende stelle gefunden: „Denn
    hier im Film wurde eine junge Dame von sechzehn Jahren gezeigt,
    die Sporthosen trug, ihre drei Wolfshunde mit Hetzschreien aufstachelte,
    in Begleitung dieser drei Hunde hin und wieder «für sich
    ausging» – kurzum, die sich in jeder Hinsicht als Mädchen ihrer Zeit
    gebärdete und die Männer am Knopf ihres Sattels in die Schlacht
    ihres keuschen Mädchen-Daseins schleifte.“
    Der Roman ist von 1930 und ich nehme an, dass hier auf einen film verwiesen wird, der tatsächlich zu dieser zeit lief. Bei meiner Recherche bin auf deinen blog gestoßen und bin enorm beeindruckt. Hast du vielleicht eine idee?
    Viele Grüße! Sophia

    Gefällt mir

  4. Lieber Michael,
    ich habe leider keine besseren Kontaktdaten gefunden, daher hier meine Nachricht: ich habe dich und deinen Blog für die Aktion „Liebster Award“ nominiert. Dort „nominieren“ Blogger andere Blogger für Fragen, die die „Nominierten“ dann beantworten – um dann eigene Fragen für weitere Blogger zu formulieren. Ziel ist es, unbekanntere Blogs etwas bekannter zu machen und sich stärker zu vernetzen (ist im Prinzip ein „Stöckchen“). Ich wurde kürzlich von Oliver von remember it for later nominiert, habe meine Antworten gepostet und unter anderem dich für die nächsten Fragen nominiert (http://whoknowspresents.blogspot.de/2015/01/liebster-award.html). Wenn du also Lust hättest, meine komischen und bizarren Fragen zu beantworten, würde ich mich sehr freuen – wenn solche Aktionen nicht so dein Ding sind oder du keine Zeit hast, ist es aber natürlich auch okay.
    Liebe Grüße
    David

    Gefällt mir

  5. Ich habe eigentlich ein Anliegen. Besitze eine Aufzeichnung des Filmes „Napoleon von Broadway“ u. a. mit Carole Lombard in deutscher Fassung. Leider fehlen mir am Schluss des Filmes ein paar Minuten der Aufzeichnung. Hat zufällig Jemand diese dt. Fassung und könnte mir helfen? Die Unkosten werden selbstverständlich ersetzt. Mit Gruß Reinhold Schoeler, D-28201 Bremen, Meine Mail: orbation@t-online.de , Handy: 0178 44 98 766

    Gefällt mir

  6. Hi. Nicht ganz zufällig bin ich auf deinem Blog geraten. Wie ich sehen konnte, geht es hier auch um ältere Filme. Finde ich gut. Weil über neue Filme wird ja schon reichlich geschrieben. Ich für meinen Teil möchte da eine gesunde Mischung finden. Weil ich liebe ebenfalls alte Filme. Vielleicht kann man sich in der Hinsicht sogar gegenseitig ergänzen. Beste Grüße…

    Gefällt mir

    1. Danke für Deinen Kommentar. Ein Blick in Deinen Blog zeigt mir, dass wir ähnliche Prioritäten haben (So dreht sich auch Dein Blog nicht ausschliesslich um Horrorfilme…).
      Habe Dich mal in meine Blogroll aufgenommen. Sieht interessant aus, Dein Blog!

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s