Robert Taylor

Der Tote lebt – Johnny Eager, 1941

DER TOTE LEBT
(OT: Johnny Eager)
USA 1941
Mit Robert Taylor, Lana Turner, Van Heflin, Edward Arnold u.a.
Drehbuch: John Lee Mahin und James Edward Grant
Regie: Mervyn LeRoy
Dauer: min
Der Film kam im deutschsprachigen Raum erst 1957, unter dem Titel Der Tote lebt, in die Kinos.

Mit diesem Film sollte Robert Taylors Image aufpoliert werden – vom romantischen Schönling zum «tough guy». Taylor wagte sich in Johnny Eager erstmals an die Darstellung eines negativen Charakters. Als Drahtzieher eines Gangster-Syndikats bietet er zwar keine derart energiegelandene Charakterstudie wie seine Kollegen Edward G. Robinson oder James Cagney, es gelingt ihm aber hervorragend, den abgebrühten, zu Wohlstand gekommenen Underdog glaubhaft zu machen. Taylor gibt den Ganoven als vordergründig ungebildeten Kotzbrocken, der seine im Untergrund schlummernden menschlichen Züge unterdrückt. Ihm zur Seite stellte man die damals 20-jährige Lana Turner – eine Kombination, die in der Filmgeschichte einmalig blieb.

Taylors Darbietung des kaltblütigen Gangsterbosses überzeugt zwar, doch sie wird von Van Heflins Portrait eines philosophierenden Alkoholikers überschattet. Heflin gibt Johnny Eagers desillusionnierten Freund Jeff Hartnett, der vom Drehbuch wie ein Spiegelbild seines Gangster-Freundes konzipiert ist: Im Gegensatz zu Johnny Eager leidet der Intellektuelle Jeff an der Aufgabe seiner Prinzipien und ertränkt seine innere Zerrissenheit mit Alkohol. Der noch sehr junge Heflin gewann für sein grandioses Spiel in diesem Film einen Oscar.
Auch sonst lebt der heute vergessene Film von den durchs Band hervorragenden Schauspielern.
Und auch das Drehbuch und die Regie können sich sehen lassen. Ersteres stammt aus der Feder von John Lee Mahin (Dr. Jeckyll and Mr. Hyde, 1941; Quo Vadis?, 1951) und James Edward Grant (The Alamo, 1960; The Comancheros, 1961). Schade nur, dass ein zentrales Moment der Geschichte nicht glaubwürdig ist: Dass sich Soziologiestudentin Lana Turner in den von Robert Taylor gespielten Negativ-Charakter verliebt – und dass sie an seine Rechtschaffenheit glaubt, obwohl ihr Stiefvater ihn damals hinter Gitter gebracht hat, das mag man als Zuschauer einfach nicht glauben..

 

 

 

 

 

 

Taylor gibt den Gangsterboss Johnny Eager, der (vordergründig) auf den rechten Weg gekommen ist. Brav meldet er sich der nun als Taxifahrer arbeitende Ex-Knasti regelmässig beim Bewährungshelfer und gilt als «geheilt». Doch aus dem Hintergrund leitet er ein Gangstersyndikat. Als sein alter Feind, der Anwalt Farrell (Edward Arnold), ihm auf die Schliche kommt, benützt Eager dessen Tochter, um ihn mundtot zu machen. Doch da geschieht etwas für den Gangster Unvorhergesehenes: Er entwickelt Gefühle…
Der seltsame deutsche Titel bezieht sich übrigens auf eine kurze Episode des Films, die zwar durchaus zentral ist; trotzdem scheint es merkwürdig, gleich den ganzen Film danach zu bennen.
7 / 10

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Filmschnipsel:

LION (Kino)
Australien 2016
Mit Sunny Pawar, Dev Patel, Rooney Mara, Priyanka Bose, Nicole Kidman, u.a.Drehbuch: Luke Davies
Regie: Garth Davis
Nach dem Ansehen des Vorfilms war ich skeptisch – nun bin ich froh, den Kinogang doch gewagt zu haben: „Lion“ ist rundum gelungen. Trotz der zahlreichen Stolperfallen, welche eine Verfilmung dieses Stoffes (der Lebensgeschichte von Saroo Brierley) birgt, haben die Beteiligten alles richtig gemacht.
Das Drehbuch baut die Geschichte glücklicherweise chronologisch auf (und nicht in Rückblenden, wie dies der Trailer suggeriert); so gewinnt die zweite Hälfte, die den erwachsenen Saroo zeigt, an innerer Spannung und Überzeugungskraft.
Die Regie ist wunderbar feinfühlig; Regisseur Garth Davis (dessen erster Kinofilm „Lion“ ist) versteht es meisterhaft, zwischen den Zeilen zu erzählen, Gesten und Mimik sprechen zu lassen, eigene Gedanken des Publikums zuzulassen.
Die Schauspieler sind allesamt hervorragend und werden mit viel Feingefühl und Sinn für leise Töne geführt.
Die Bilder (Kamera: Greig Fraser) sind gross, betörend, bisweilen atemberaubend.
Kurz: „Lion“ hat mich in voller Länge und bis ins hinterste Detail überzeugt. Vielleicht nicht unbedingt ein „wichtiges“ Kinowerk, aber ein beglückendes Filmerlebnis, das bewegt, ohne auf die Tränendrüse zu drücken!
10 / 10

MIDNIGHT SPECIAL (Blu-ray)
USA 2016
Mit Michael Shannon, Joel Edgerton, Jaeden Lieberher, Kirsten Dunst, Sam Shepard u.a.
Drehbuch und Regie: Jeff Nichols
Jeff Nichols… Jeff Nichols… wer ist das nochmal?
Der Name dieses Ausnahmetalents (Regisseur und Drehbuchautor in Personalunion) hat sich noch nicht richtig festgesetzt, aber seine Filme „Take Shelter“ und „Mud“ sind noch bestens im Gedächtnis. Und gerade ist sein „Loving“ in den Kinos angelaufen.
Nichols „Midnight Special“ ist ein irres Stück Kino! Völlig unspektakulär und ruhig, fast stoisch, erzählt er die Geschichte einer Kindsentführung – die sich mit zunehmender Filmdauer als etwas völlig Anderes entpuppt.
Zunächst tappt man als Zuschauer im Dunkeln: Worum geht’s da eigentlich?
Stück für Stück erfährt man – jeweils ganz nebenbei – Näheres. Aber bei weitem nicht alles; am Ende des Films sind noch immer einige Geheimnisse nicht vollständig gelüftet.
Diese Erzählweise ist nicht jedermanns Sache; wer sich aber darauf einlassen kann, erlebt ungemein spannende und höchst anregende zwei Filmstunden auf hohem gestalterischen und erzähltechnischem Niveau.
Bald wird klar: Die Entführung geschah aus einer Sekte. Zwei Sektenmitglieder haben einen Jungen entführt. Dieser wurde dort als eine Art Messias verehrt. Einer der Entführer ist der Vater des Kindes. Und: Die Regierung schaltet sich in die Fahndung ein. Sie ist aber nicht eigentlich hinter den Entführern her, sondern hinter dem Kind… Was hat es mit diesem blassen, ernsten Knaben bloss auf sich?
Was am Schluss dabei herauskommt, ist schlichtweg atemberaubend. Eine fantastische Vision!
Wer sich Jeff Nichols Namen noch nicht gemerkt hat, sollte dies nachholen. Er ist einer der eigenwilligsten und talentiertesten Autorenfilmer der USA zur Zeit.
10 / 10

 

 

Das Mädchen aus der Unterwelt

PARTY GIRL
USA 1958
Regie: Nicholas Ray
Darsteller: Robert Taylor, Cyd Charisse, Lee J. Cobb, John Ireland, Corey Allen u.a.
Drehbuch: George Wells
Studio: MGM
Deutschsprachige Kino-Auswertung 1959 unter dem Titel Das Mädchen aus der Unterwelt
Dauer: 99 min

DER FILM:
Heute stelle ich einen weiteren „vergessenen“ Film vor, diesmal von Nicholas Ray (Denn sie wissen nicht, was sie tun, Johnny Guitar). Angesichts der hohen Qualität von Party Girl stellt sich mir zunächst erneut die Frage: Wie werden die einen Filme zu gefeierten Klassikern, während andere als „zweitrangig“ abgestuft werden und in den Archiven verschwinden? Seit ich mich mit der „Warner Archive Collection“ beschäftige, lässt mich diese Frage nicht mehr los, und bevor ich auf Party Girl eingehe, sei mir dazu ein wenig „lautes“…, oder besser, „öffentliches Denken“ erlaubt.

An erster Stelle der Gründe steht wahrschenlich „der Kassenflop“, und er scheint mir der einleuchtendste; er hat schon viele Filme dauerhaft „versenkt“, man lässt danach die Finger davon, redet lieber nicht mehr drüber und vergisst das Debakel.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die „Gunst der Kritiker“. Und die möchte ich genauer unter die Lupe nehmen. Ich meine, dass immer wieder grandiose Filme, oder zumindest deren Ruf, durch Kritker-Irrtümer vernichtet werden. Wenn man sich einen Überblick über die Rezensionen zu Party Girl verschafft, zeitgenössische wie aktuelle, dann sticht einem regelrecht ins Auge, dass fast alle Rezensenten dasselbe schreiben: Schwaches Drehbuch, minderwertige Auftragsarbeit. Zumindest ersters ist ein grobes Fehlurteil.
Schreiben die Leute voneinander ab? Ich hatte in meiner Zeit als Filmkritiker immer gegen den Effekt oder Reflex anzukämpfen, die Meinung des gerade aktuellen Kritikerpabstes als richtig anzusehen und sie zumindest in wichtigen Teilen zu übernehmen, um mich vor den anderen (die genau das taten?)  nicht „lächerlich“ zu machen. Dass das nicht nur mir so ging, weiss ich. Stillschweigend und unbewusst einigt sich das Gros der Kritik auf einen gemeinsamen Nenner. Wer am besten oder aggressivsten argumentieren kann, hat Recht. Dabei lässt sich mit gewandten Worten beinahe alles untermauern, sprich zurechtbiegen.
Party Girl und schlechtes Drehbuch? Dieses Verdikt ist ausgemachter Blödsinn! Zudem wird es in keinem der Artikel begründet, es bleibt Behauptung. Wenn ich vorsichtig sein wollte, würde ich das Drehbuch als „gut“ bezeichnen – aber ich will nicht vorsichtig sein und behaupte: Es ist hervorragend! Doch davon später. Wenn schon Exkurs, dann gleich kräftig!
Im Zuge obiger Überlegungen kommt mir unweigerlich die Frage in die Quere, was eigentlich ein „grosser Film“ sei. Auch hier gibt es eine Art Kanon, gewisse Filmtitel fallen bei diesem Stichwort unweigerlich, sie tauchen auf jeder Liste („die 100 Besten“, „die grössten Filme aller Zeiten“, etc.) auf. Und was ständig wiederholt – oder ausgelassen – wird, muss ja stimmen. Doch was sind die Kriterien der Listenmacher? Es gäbe wohl hunderte, tausende. Aber nein, jeder Filmkritiker benützt dieselben – wenn er überhaupt welche benützt. Einen Film nach seinem Innovationsgrad zu bewerten, erscheint mir für Filmhistoriker angemessen: Welcher Film war wichtig für die Entwicklung des Kinos? Mich (und den Grossteil der Filmbegeisterten) interessiert sowas vielleicht periphär, wirklich wichtig ist mir anderes. Wie gut beherrschen die Beteiligten ihr Handwerk? Wenn alle wichtigen Beteiligten eines Films, vom Regisseur über den Drehbuchautor, die Schauspieler, den Ausstatter bis zum Komponisten, ihre Sache wirklich gut machen, dann kommt ein beglückendes Erlebnis zustande. So wie bei Party Girl. Und wenn dann das Ganze nicht an der schönen Oberfläche kleben bleibt sondern auch noch ein gewisses Mass an Tiefgang aufweist, an Menschlichkeit, zum Nachdenken anregt, festgefahrere Denkweisen aufbricht, dann ist ein guter Film für mich wirklich gross.
Ich sage sicher nicht: Mein Lieblingsfilm ist xy, weil der die subjektive Kamera um drei Jahre vorweggenommen hat. Sondern weil er mich tief berührt und bewegt hat. Ist alles andere nicht nebensächlich?
Sollen Filmkritiker gleich auch noch Filmhistoriker sein / spielen? Natürlich kann es interessant sein und interessieren, einen Film auf seinen historischen Kontext hin zu untersuchen. Aber es gibt noch andere Kriterien. Die Bestenliste der Kritiker deckt sich oft eklatant nicht mit jener der Filmbegeisterten „Laien“ – und es ist nicht das Problem der „Laien“.
Party Girl ist kein „grosser Film“, soweit will ich denn doch nicht gehen. Aber es ist ein unglaublich guter Film! Regie, Schauspieler, Drehbuch, Dekor – alles ist auf höchstem Niveau, die reine Freude. Es wird ein menschliches Drama und ein moralisches Dilemma auf hohem Niveau abgewickelt, die Beziehung der drei Hauptfiguren ist plastisch und einsichtig herausgearbeitet – in einer stimmigen, absolut spannenden psychologischen Studie, die auch in den zahlreichen Momenten packt, wo die Handlung keine Spannungselemente aufweist. Und das ist die „Schuld“ des angeblich schwachen Drehbuchs! Und somit sind wir beim

INHALT:
Im Zentrum von Party Girl steht ein Anwalt – der Titel führt somit etwas in die Irre. Das Titelgebende Party Girl (eine nette Umschreibung für „Edelprostituierte“) spielt zwar auch eine wichtige Rolle, doch der Anwalt ist die Schlüssel- und Identifikationsfigur.
Er heisst Tommy Farell (Robert Taylor), gehört zu den besten seiner Zunft und arbeitet für den Gangsterboss Rico Angelo (Lee J. Cobb). Auch Farell prostituiert sich, denn er bewahrt Angelos übelste Killer vor Gericht vor der Verurteilung. Während einer von Angelos Party trifft er auf Vicky Gaye (Cyd Charisse), die sich zusammen mit anderen Tänzerinnen dem Mob zur Verfügung stellt. Der Selbstmord ihrer Zimmergenossin bewirkt, dass sich der Anwalt und das „Party Girl“ näher kommen. Beide fassen den Entschluss, aus dem Dreckgeschäft auszusteigen, um sogenannt „bessere Menschen“ zu werden (ein Ausdruck, der im Film nie benützt wird). Dass dies wird nicht einfach werden wird, ahnt man von Beginn weg…

DIE REGIE:
Nicholas Ray bettet die Protagonisten in kunstvoll arrangierte Tableaus von enormem Schauwert ein! Jede Einstellung wäre es wert, gerahmt zu werden. Dabei bleiben die Bilder aber nicht leer, sie werden dank ihrer Aussagekraft zu Handlungsträgern und / oder zu Abbildern innerer Vorgänge. Obwohl Ray kein Mitspracherecht bezüglich Drehbuchänderungen hatte, prägt er Party Girl mit seinem Gestaltungswillen, macht ihn zu seinem Film. Kameraführung, Cadrage und nicht zuletzt die stupende Farbdramaturgie machen Party Girl zu einem aufregenden Schaustück. Und dank der starken Figurendramaturgie wird das Schaustück nicht zum Selbstzweck, es „lebt“ auch. Mit seiner stringenten Schauspielerführung weist sich Ray als Regisseur aus, der die Fäden in den Händen hält und alle Beteiligten zu Höchstleistungen anzuspornen vermag. Robert Taylor und Lee J. Cobb sind hervorragend in ihren Rollen, und Cyd Charisse überrascht in einer dramatischen Rolle, die zumindest ich ihr nicht zugetraut hätte. Und damit ist schon einiges gesagt über

DIE SCHAUSPIELERINNEN und SCHAUSPIELER:
Cyd Charisse spielt das aussteigewillige Party Girl glaubhaft und engagiert. Die beiden Stars des Films – in jeder Hinsicht – sind aber Robert Taylor und Lee J. Cobb. Während ersterer die Zuschauer mit sparsamem Spiel und kleinsten Nuancen richtiggehend fesselt, überzeugt Cobb (einmal mehr) durch grosse Gesten und lauten Auftritt (was er beides perfekt beherrscht), er zeigt aber auch immer wieder, dass es auch bei ihm subtiler geht. Zudem sind sämtliche Nebenrollen perfekt und absolut überzeugend besetzt.

DEKORS UND KOSTÜME:
Die Art Direction lag bei Randall Duell und William A. Horning, Helen Rose entwarf die Kostüme. Obwohl die Geschichte in den Dreissigerjahren spielt, fühlt man sich in die Fünfziger versetzt, wenn man ihn heute ansieht. Ob das Absicht ist oder nicht, war nicht eruierbar.
Gefilmt wurde das Ganze ausnahmslos in den hauseigenen MGM-Studios.

DIE DVD:
Die DVD erschien in der Reihe Warner Archive Collection, welche vergessene Filme als DVD on demand herausbringt. Die Bildqualität ist sehr gut.
Im deutschsprachigen Raum ist der Film nicht auf DVD erhältlich.

FAZIT:
Es ist eine reine Freude, Party Girl zu sehen – da stimmt einfach alles! Dieser Film wurde und wird völlig unterschätzt und hätte ein Revival definitv verdient!
9/10

VORHER-NACHHER:
Nicholas Ray drehte zuvor, im selben Jahr, Wind Across The Everglades (dt.: Sumpf unter den Füssen) mit Burl Ives und Christopher Plummer, danach kehrte er den grossen Hollywood-Studios vorerst den Rücken und inszenierte eine Folge der TV-Serie On Trial, die letzte Episode der ersten Season; sie trug den Titel High Green Wall.
Robert Taylor drehte im selben Jahr wie Party Girl unter der Regie von John Sturges den Western The Law And Jake Wade (dt.: Der Schatz des Gehenkten), danach, im Folgejahr für Michael Curtiz den Film The Hangman (dt.: Der Henker). Taylor gehörte mit Cyd Charisse zusammen zu den letzten Stars, die bei der MGM noch fest unter Vertrag stand; mit dem Film Party Girl wurden beider Verträge aufgelöst.
Cyd Charisse war zuvor mit Rock Hudson in Twilight For The Gods zu sehen (dt.: Hart am Wind, Joseph Pevney, 1958); danach trat sie erst 1961 wieder in einem Film auf, in der englischen Produktion Five Golden Hours (dt.: Schöne Witwen sind gefährlich) unter der Regie von Mario Zampi. Auch sie kehrte dem US-Studiosystem vorerst den Rücken und kam erst 1962 nach Hollywood zurück. Charisse ist vor allem als Tänzerin aus den MGM-Musicals Singin‘ in the Rain, The Band Wagon und Silk Stockings bekannt.
Lee J. Cobb trat vorher (auch im Jahr 1958) im Western Man of the West (dt.: Der Mann aus dem Westen)  von Anthony Mann auf, danach folgten einige TV-Engagements. Sein nächster Kinofilm war The Trap (dt.: Die Falle von Tula; Norman Panama, 1959). Cobbs wohl bekannteste Rolle ist die des „Johnny Friendly“ in Elia Kazans Klassiker On the Waterfront (dt.: Die Faust im Nacken). Cobbs richtiger Name war Leo Jacoby.
George Wells (Drehbuch) schrieb zuvor, als Co-Autor Don’t go Near the Water (dt.: Geh nicht zu nah ans Wasser; Charles Walter, 1958), danach Ask Any Girl (dt.:Immer die verflixten Frauen; Charles Walters, 1959). Wells‘ bekannteste Arbeiten sind die Drehbücher für Designing Woman (dt.: Warum hab‘ ich ja gesagt!; Vincente Minelli, 1957) und The Gazebo (dt.: Die Nervensäge; George Marshall, 1959). Wells war auf Komödien spezialisiert; Party Girl war einer seiner ganz seltenen ernsten Arbeiten und sein einziger Ausflug ins Gangster-Genre.

Packender Anti-Nazi-Film

Ich habe kürzlich die amerikanische Version der Warner Archive Collection für mich entdeckt. Es gibt darin einige sehr schöne Titel, klassische amerikanische Spielfilme – die mag ich sowieso – Werke die nie auf DVD erschienen sind, vergessene Perlen des US-Kinos von den Zwanzigerjahren bis heute, zum Teil obskure Titel, hinter denen sich wer-weiss-was verstecken kann – vielleicht eine wertvolle Entdeckung. Die Collection ist inzwischen auf über 500 Titel angewachsen – was für mich eine Herausforderung darstellt, sie zu erkunden.
Die Warner Archive Collection , das sind DVDs „on demand“ – auf DVD-R. Die DVDs der Collection sind alle R0 – auf allen Playern weltweit spielbar. Hier ist der Link zur Collection: Warner Archive Collection

Die Filme werden nicht digital aufbereitet – was mir persönlich sehr sympathisch ist, denn so stellt sich echtes „Kinofeeling“ ein. Es gibt also hie und da kleinere Verunreinigungen (besonders an den Aktenden), bislang habe ich in dieser Hinsicht aber nie etwas wirklich Gravierendes festgestellt! Die Bildschärfe und -auflösung war bei allen Scheiben bislang top.

Nun begebe ich mich hier also auf Entdeckungstour durch die Tiefen der Warner Archive Collection – solange es mir Spass macht. Ich bin gespannt, was ich da so zu Tage fördere…
Den Anfang macht ein völlig vergessener Hollywood-Film, in dem zahlreiche deutsche Schauspieler-Emigranten mitspielen:

ESCAPE
USA 1940
Mit Robert Taylor, Norma Shearer, Conrad Veidt, Philip Dorn, Felix Bressart, Alla Nazimova, Albert Bassermann, Elsa Bassermann, Ernst Deutsch, u.a.
Buch: Arch Oboler und Marguerite Roberts nach dem gleichnamigen Roman von Grace Zaring Stone (publiziert unter dem Pseudonym Ethel Vance)
Regie: Mervyn LeRoy

Schon meine erste DVD der Warner Archive Collection enthält eine Entdeckung. Escape scheint weder in deutschsprachigen Kinos gelaufen noch scheint er hier je im TV gezeigt worden zu sein – ein vergessener Film. Dabei gehörte Escape zu den ersten Anti-Nazi-Filmen Hollywoods, welche die Schrecken der Konzentrationslager thematisierten. Hier geschieht dies zwar nur am Rand und auf „verharmlosende“ Art (hauptsächlich, weil sich das echte Grauen im Amerika des Jahres 1940 niemand vorstellen konnte), trotzdem bleibt das Konzentrationslager für die Handlung zentral.
Robert Taylor spielt Mark Preysing, einen amerikanischen Staatsbürger mit deutschen Wurzeln, der auf der Suche nach seiner verschollenen Mutter nach Nazi-Deutschland reist. Schon bald wird klar, dass diese, eine einst berühmte Schauspielerin (Alla Nazimova) in einem Konzentrationslager auf ihre Exekution wartet.

Preysing übernimmt die Rolle der Identifikationsfigur und ist deshalb mit unglaublicher Naivität ausgestattet – einer der Schwachpunkte des Films, jedenfalls aus heutiger Sicht. Damals galt es, den unbescholtenen amerikanischen Kinogänger an die Hand zu nehmen und ihn in das Grauen der Nazidiktatur einzuführen. Und diese Rolle kam Preysing zu; heute erscheint es nicht mehr glaubhaft, dass ein Mann mit deutschen Wurzeln so gar nichts davon ahnt, was sich seit der Machtübernahme Hitlers in seinem Mutterland getan hat.

Der Film vermittelt allerdings auf subtile und absolut wirkungsvolle Weise die klaustrophobische Stimmung unter der Naziherrschaft. Niemand will mit Preysing reden, alle wenden sich verschämt ab, nachdem er sein Anliegen vorgebracht hat. Bis er auf die Gräfin von Treck (Norma Shearer) trifft, die zufällig auf die Spur von Preysings Mutter kommt. Da die Gräfin aber mit einem Nazigeneral (Conrad Veidt) liiert ist, wird ihre Hilfestellung zum Drahtseilakt…

Der Film glänzt in allererster Linie mit durchs Band hervorragenden schauspielerischen Leistungen und einer packenden Dramaturgie. In der Tat habe ich weder Robert Taylor noch Norma Shearer je so gut wie hier gesehen – ganz zu schweigen von den Nebendarstellern, praktisch allesamt deutsche Emigranten. Besonders Felix Bressart und der Deutsch-Holländer Philip Dorn, der später unter dem Namen Frits van Dongen in Filmen wie Der träumende Mund (D 1953) mitwirkte, prägen sich mit ihrem intensiven Spiel ein.

Escape mag nicht der beste Anti-Nazi-Film aus dem klassischen Hollywood sein, doch seine Dramaturgie und die schauspielerischen Leistungen machen ihn noch heute trotz einiger Schwächen zu einem packenden Seh-Erlebnis!
7,5/10