Buster Keaton

Verhinderte Trauung (1920)

FILM AB

The Scarecrow
USA 1920
Mit Buster Keaton, Joe Roberts, Sybil Seely, Joe Keaton u.a.
Drehbuch und Regie: Edward F.Cline und Buster Keaton

Zum Vergleich mit dem letzten hier eingestellten, in Teilen ganz ähnlich gearteten Film „Snub der Erfinder„. Im Vergleich springt der Einfluss Keatons auf die drei Jahre später entstandenen Komödie aus dem Hal-Roach-Studio ins Auge.
Meinen Text zu Keatons Film findet Ihr hier.
Viel Vergnügen!

 

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Die verflixte Gastfreundschaft (1923)

FILM DER WOCHE

(dt.: Die verflixte Gastfreundschaft)
USA 1923
Mit Buster Keaton, Natalie Talmadge, Joe Roberts, Joe Keaton, Jack Duffy u.a.
Szenario: Clyde Bruckman, Jean C. Havez und Joseph A. Mitchell
Regie: Buster Keaton und John G. Blystone
Der Film lief 1924 auch in den Deutschland – damals unter dem kryptischen Titel Bei mir – Niagara; spätere Editionen liefen unter Die verflixte Gastfreundschaft

Die deutsche DVD des Films ist vergriffen; es gibt aber eine sehr gute, restaurierte Fassung auf DVD von Kino Lorber, die über amazon.de bestellt werden kann.

Our Hospitality war Buster Keatons zweiter Langfilm – nach The Three Ages (dt.: Drei Zeitalter, 1922). War der erste noch eine geschickt konzipiertes Zwischending zwischen Kurz- und Langfilm, so war Our Hospitality bereits ein Meilenstein der langen Filmkomödie. Und noch heute erscheint er kein bischen angestaubt.

Grundlage der Geschichte ist die in Amerika legendäre Familienfehde zwischen den Hatfields und den McCoys. Die beiden Familien bekämpften sich über Generationen hinweg, indem eine Art „Blutrache“ zur Anwendung kam, welche sämtliche Nachfahren einschloss.
Bei Keaton heissen die Familien Canfield und McKay. Ihr Streit bildet das Zentrum des Werks, das mit einer Rückblende beginnt. Diese führt die Fehde in einem dramatischen Prolog ein und gibt den Ton vor, der den ganzen Film beherrscht. Dieser Auftakt mag das Publikum damals verwirrt haben – auch heutige Zuschauer werden davon überrascht sein: Man erwartet eine Komödie und bekommt höchste Dramatik und Spannung.

Nachdem die Rachegeschichte in ihren Grundzügen etabliert ist, springt der Film ins Jahr 1831, wo der junge Willie McKay (Keaton) in New York von einem Erbe erfährt. Er reist nach Süden, wo er das Grundstück seiner Familie in Besitz nehmen soll. Natürlich bekommen die Nachfahren der verfeindeten Familie Canfield Wind von der Sache und wetzen schon mal die Messer. Willie weiss nichts von der Fehde und begibt sich ahnungslos in höchste Gefahr.

Im Grunde ist Our Hospitality ein Rachedrama mit eingebauter Romeo-und-Julia-Geschichte – doch Keaton und seine Mitarbeiter machen eine Komödie daraus. Dabei bringen sie das Kunststück fertig, die komischen Elemente organisch in die ernste Handlung einzubauen. Oder besser: Die komischen Elemente aus der Handlung herauszudestillieren. Immer wieder werden an geeigneten Stellen Anlässe für Gags und komische Szenen aufgespürt und so genutzt, dass kein Bruch entsteht. Beispiel: Die berühmte, zum unfallen komische Zugfahrt mit der „Rocket“. Sie ist derart ausgedehnt, dass man ein Stagnieren der eigentlichen Erzählung befürchtet; doch Keaton nutzt die Fahrt geschickt, um die Romeo-und-Julia-Handlung zu etablieren, denn Willie McKay und die Canfield-Tochter (Talmadge) teilen sich eines der engen Zugabteile und kommen sich auf der ereignisreichen Fahrt näher.

Am Ziel angekommen, lädt die Canfield-Tochter Willie in das Heim ihrer Familie ein, ahnungslos, wen sie da ins Haus holt. Willie nimmt freudig an – was Vater Canfield und dessen Söhne grimmig schlucken müssen, denn ein altes Gesetz der Gastfreundschaft untersagt die Fortführung einer Fehde im eigenen Haus. Willie wird eingeweiht und erfährt, dass er nur geschützt ist, solange er sich im Hause Canfield befindet. Während die männlichen Canfields alles unternehmen, um Willie vors Haus zu spedieren, findet dieser immer neue Tricks, ihr Bemühen zu unterlaufen…

Im Gegensatz zum Vorgängerfilm wirkt Our Hospitality wie aus einem Guss. Keine Einstellung ist zuviel, keine Geste am falschen Platz, kein Gag am falschen Ort. Keaton hat damit eine der grossen und zeitlosen amerikanischen Filmkomödien geschaffen. Umso erstaunlicher, wenn man erfährt, dass die Crew ohne Drehbuch arbeitete. Der Film ist stringenter als mancher zeitgenössische drehbuchbasierte Film. Die endgültige Form erhielt er mit ziemlicher Sicherheit am Schneidetisch – wobei nicht zu eruieren ist, wer für den Cut zuständig war.

Die Produktion war – wie so oft bei Keaton – vom Unglück verfolgt: So erlitt Joe Roberts – der „Heavy“ aus Keatons Kurzfilmen – eine Herzattacke, welche die Dreharbeiten zum Erliegen brachten. Nachdem Roberts sich einigermassen davon erholt hatte, konnte weitergedreht werden, doch Our Hospitality wurde zum letzten Film des markanten Mimen: Joe Roberts verstarb kurz nach Abschluss der Dreharbeiten. Keatons damalige Ehefrau Natalie Talmadge musste ihre Schwangerschaft vor der Kamera verbergen, was zu erheblichen Schwierigkeiten führte. Und Keaton entging – einmal mehr – knapp dem Tod, diesmal durch Ertrinken. Während des Drehs im reissenden Fluss riss die Sicherheitsleine und er wurde durch die tückischen Stromschnellen gejagt. Eine Flussbiegung rette ihm das Leben.

Our Hospitality hat trotz seines hohen Alters nichts von seiner Spannung, von seinem Witz und von seiner Frische eingebüsst; der Film wird wohl noch vielen Generationen von Filmbegeisterten ein leuchtendes Beispiel für eine gelungene Filmkomödie sein.

Die Regie: 10 / 10 – Absolut funktional, schnörkellos und mit hervorragendem Timing inszeniert; damit wird eine umwerfende Mischung aus Spannung und Witz erreicht, die seinesgleichen sucht.
Das Drehbuch: 10 / 10 – Obwohl kein Drehbuch vorhanden war und am Set viel improvisiert wurde, wirkt der Film wie aus einem Guss.
Die Schauspieler: 10 / 10 – Überzeugend bis in die kleinste Nebenrolle (darunter Keatons Vater Joe als Lokführer); nur die weibliche Hauptrolle ist etwas blass geraten.
Die Filmmusik: 10 / 10 – Die bekannteste Vertonung des Films stammt von Carl Davis, für kleines Orchester; sie ist schlichtweg grandios.
Gesamtnote: 10 / 10

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Kurzkritiken

THE GAME
(dt.: The Game – Das Geschenk seines Lebens)
(USA 1997)
Mit Michael Douglas, Deborah Kara Unger, Sean Penn, James Rebhorn, Peter Donat u.a.
Drehbuch: Jim Brancato und Michael Ferris
Regie: David Fincher
Musik: Howard Shore
Um David Fincher kommt der Filmfreund wohl einfach nicht herum, auch wenn der Verdacht besteht, mit dem Hype um diesen Regisseur sei es nicht weit her.
Natürlich darf ein unvoreingenommener Filmfan nicht mit Vorurteilen operieren; obwohl mich Finchers Filme bislang nicht heftig interessiert hatten, sah ich mich zur Schliessung dieser Lücke genötigt und erkor The Game zu meinem ersten Fincher-Film. Ich bin nicht komplett begeistert, aber moderat beeindruckt.
Es ist nämlich so, dass Fincher in diesem Fall mit seiner Regie ein schwaches Drehbuch veredelt. Damit belegt er, dass er durchaus etwas kann. Seine Leistung in The Game genügt mir allerdings noch nicht als Erklärung für den oben erwähnten Hype. Dafür muss ich mir weitere Filme ansehen.
Mit genau bedachten Einstellungen und Kamerafahrten kühlt Fincher die überhitzte Handlung von The Game soweit herunter, dass dessen zahlreiche Unstimmigkeiten einem nicht mehr allzu schmerzhaft ins Auge stechen. In gedämpften Bildern dimmt er die Irrungen des hanebüchenen Drehbuchs auf ein erträgliches Mass herunter und erzeugt damit gleichzeitig eine permanente Atmosphäre von schleichender Bedrohung (die sich im Nachhinein allerdings als – SPOILER: Täuschung entpuppt). Die ganze Handlung ist somit ein einziges Wind-Ei. Ein gut gemachtes zwar, das aber trotzdem einen schalen Nachgeschmack hinterlässt. SPOLIER ENDE.
The Game handelt vom Finanzhai Nicholas van Orten (Douglas), einem dauergenervten reichen Arsch…, der von seinem jüngeren Bruder Conrad (Penn) eine Mitgliedschaft der nebulösen Firma CRS zum Geburtstag erhält. Nicholas soll sich bei CRS melden und dann sehen, was passiert. Gesagt, getan: Nachdem ihm die Firma auch von mehreren anderen Geschäftsmännern empfohlen wurde (mit verschwörerischem Unterton), begibt sich Nicholas zum Sitz der Firma, um sich für „The Game“ „immatrikulieren“ zu lassen. Kurz darauf gerät sein Leben komplett aus den Fugen.
Nicholas und den Zuschauenden wird in diesem Film immer wieder der Boden unter den Füssen weggezogen – nichts ist, wie es scheint. Dass die Logik und der Realitätsbezug zu diesem Zweck von den Drehbuchschreibern immer wieder mal nach Belieben ausser Kraft gesetzt werden, wird mit zunehmender Filmdauer immer ärgerlicher. Das geht soweit, dass man der Firma hellseherische Fähigkeiten zuschreiben muss.
Fincher bemüht sich zwar nach Kräften, den ganzen Humbug mittels Inszenierung in der Realität zu verankern, glaubwürdiger wird die Geschichte dadurch allerdings nicht.
Der Film kann bei Amazon Video gestreamt werden. Alternativ erscheint demnächst es ein Blu-ray Steelbook (limited, vorbestellbar); der Film ist auch auf DVD oder Blu-ray bestellbar.
Die Regie: 9 / 10
Das Drehbuch: 5 / 10
Die Schauspieler: 8 / 10
Die Filmmusik: 8 / 10
Gesamtnote: 7,5 / 10

MAYA
(dt.: Gefahr im Tal der Tiger)
USA 1966
Mit Clint Walker, Jay North, Sajid Khan, I. S. Johar, u.a.
Drehbuch: John Fante nach einer Novelle von Jalal Din und Lois Roth
Regie: John Berry
Musik: Riz Ortolani
Der „vergessene Film der Woche“:
Irgendwo in Indien: Der amerikanische Teenager Terry wartet vergeblich auf seinen Vater, den berühmten Grosswildjäger Hugh Bowen (Walker), der ihn am Bahnhof abholen sollte. Als er dessen Haus schliesslich zu Fuss erreicht, verhält sich der bewunderte, aber lange nicht gesehene Vater merkwürdig. Schliesslich haut der Junge ab und trifft auf den gleichaltrigen Inder Raji, der ihm das Leben rettet. Raji ist auf Geheiss seines verstorbenen Vaters mit einem weissen Elefanten und dessen Mutter Maya unterwegs; der weisse Elefant als heilig gilt, haben die Jungs bald einen üblen Verfolger am Hals…
John Berrys Film überzeugt mit wunderschönen Technicolor-Bildern (von Kameramann Günther Senftleben), die an Originalschauplätzen entstanden. Die Bilder sind denn auch so ziemlich das einzige, was an diesem Film wirlklich überzeugt. Die amerikanischen Schauspieler sind schlecht, allen voran der Western-Darsteller Clint Walker, der hier wie ein nach Indien transferierter Cowboy wirkt. Der Darsteller seines Sohnes, Jay North, ist schier unerträglich.
Das Drehbuch ist schwach, ohne richtigen Fokus, mit teils dümmlichen Dialogen…
Ein vergessener Film, den man getrost in der Vergessenheit belassen kann.
Es gibt eine amerikanische DVD des Films von Warner Archive Collection, die über amazon.de bestellt werden kann.
Die Regie: 7 / 10
Das Drehbuch: 5 / 10
Die Schauspieler: 4 / 10
Die Filmmusik: 5 / 10
Gesamtnote: 5 / 10

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Vorschau

Die folgenden drei Filme werden im nächsten Blog-Beitrag vorgestellt. Einer davon wird zum „Film der Woche“ gekürt…

Sabotage (UK 1936)

Brooklyn (dt.: Brooklyn – Eine Liebe zwischen zwei Welten; UK, Kanada, Irland 2015)

Die drei Zeitalter – Buster Keaton

THREE AGES
USA 1923
Mit Buster Keaton, Wallace Beery, Margaret Leahy, Joe Roberts, u.a.
Regie: Buster Keaton
Drehbuch: Clyde Bruckman, Jean Havez und Joseph A. Mitchell
Deutschsprachige Kinoauswertung 1925 unter dem Titel Die drei Zeitalter, resp.: Ben Akiba hat gelogen!
Dauer: 63 min
Im deutschsprachigen Raum ab 19. Juni 2015 auf DVD verfügbar

Vorspann:
Inhalt: Ein Mann liebt eine Frau. Ein Rivale taucht auf. Die Eltern der Frau versprechen die Tochter dem Rivalen, obwohl sie eigentlich den anderen liebt. Es kommt zum Kampf zwischen den zwei Rivalen, den unser Held verliert. In einem Wettlauf gegen sie Zeit rettet er die Heldin aus den Händen des Rivalen, der sich als Schurke entpuppt hat. Und sie lebten glücklich und zufrieden…

Der Film:
Was für eine Inhaltsangabe!
Aber das ist tatsächlich alles. Three Ages handelt von der Zeitlosigkeit der Liebe und spielt seine Handlung gleich drei Mal durch, in drei Zeitaltern: In der Steinzeit, im alten Rom und im (damaligen) Heute. Die einzelnen sich wiederholenden Story-Eckpunkte – Exposé, Eifersuchtsszene, Kampf der Rivalen und Showdown – sind parallel geschnitten, jedes Handlungselement wird allerdings von Zeitalter zu Zeitalter variiert, damit’s nicht langweilig wird.

Plan B
Three Ages
war Keatons erster Langfilm. Nachdem er sich in den vorhergehenden drei Jahren in frischen und originellen Kurzfilmen ausgetobt und sich damit einen Namen gemacht hatte, sollte er nun, gemäss seinem Produzenten und Schwager Joe Schenck, den Schritt wagen, den seine beiden Konkurrenten Chaplin und Harold Lloyd bereits mit Erfolg vollzogen hatten und zur grossen Form wechseln. Ganz sicher war sich Schenck damit offenbar nicht, denn ein möglicher Misserfolg wurde einkalkuliert und ein schlauer Plan B entworfen, der im Falle eines Reinfalls doch noch genügend Geld hätte einbringen sollen: Der Film wurde so konzipiert, dass er in drei Stücke zerteilt hätte werden können; diese wären dann als Keaton-Kurzkomödien einzeln ins Kino gebracht worden.
Das wurde nicht nötig, der drollige Film kam beim Publikum sehr gut an, Keatons Weg zu seinen späteren Meisterwerken war geebnet.

Absurde Parodie
Wie in einigen seiner Kurzfilnme fällt erneut Keatons Hang zum grossen Budget auf, der ihm später finanziell das Genick brechen sollte: In den Rom-Sequenzen wurde an nichts gespart. Ein riesiges Forum Romanum wurde aufgebaut, offenbar in derselben Wüste, in der auch die Steinzeit-Episode gedreht wurde: Hinter den Papp-Tempeln lassen sich ähnliche Felsformationen erkennen. Es gibt auch die Nachbildung eines Kolosseums, in der ein Wagenrennen à la Ben-Hur stattfindet (ein Film, der notabene erst zwei Jahre nach Three Ages entstand). Die Grundidee zum Film basiert auf dem Vorhaben, D.W. Griffiths Kolossalfilm Intolerance von 1916 zu parodieren, der ein ähnliches filmisches Triptichon über drei Zeitalter darstellt. Parodiert wird aber noch vieles mehr, ja, dank der Betonung des Absurden könnte man Three Ages durchaus als „Mutter der absurden Filmparodie“ à la Airplane, Naked Gun und Co bezeichnen.

Ein glücklicher Unfall
Obwohl Three Ages nicht zu Keatons besten Werken gehört, ist er doch von Anfang bis Ende unterhaltsam und mit originellen Ideen gespickt. Es gibt Szenen, die sind unbezahlbar und gehören mit zum Besten, was Keaton je gemacht hat. Die Flucht vor der Polizei im zeitgenössischen Segment etwa: Der verhaftete Buster gelangt durch einen glücklichen Zufall und zunächst ohne es zu bemerken, aus dem Polizeiposten in die Freiheit. Kaum hat er sein Glück entdeckt, wird er auch gleich von den Polizisten gesichtet, welche seine Verfolgung aufnehmen. Die wilde Jagd gipfelt in einer Sequenz auf einem Hochhausdach. Keaton will auf das Dach des benachbarten Hauses hüpfen, springt zu kurz, verfehlt den Rand und stürzt in die Tiefe, durch eine ganze Reihe Sonnenstoren hindurch, bis ihm eine davon endlich Halt gibt. Er steigt auf die benachbarte Regenrinne, will daran herunterkletterm, doch diese knickt um, schleudert ihn durch ein offenes Fenster in einen Raum, der sich als Schlafraum eines Feuerwehrgebäudes entpuppt, rutscht durch den Raum auf die Stange zu, die in der Fahrzeugraum führt, rutscht daran herunter und landet auf seinem Allerwertesten. Erschöpft setzt er sich auf eine freie Fläche – das Trittbrett eines der Feuerwehrautos, welches genau in dem Moment mit Blauchlicht losfährt, und da es die Polizeistation ist, die bennt, landet Buster wieder am Ausgangsort seiner Flucht. Das alles in 20 Sekunden. Es heisst, die Sequenz sei so gedreht worden, weil Keaton  die Brüstung des anderen Gebäudes tatsächlich verfehlt hat. Dass dem so war, kann man deutlich sehen – das sieht nicht nach Absicht aus. Anstatt die Szene nochmals zu drehen, wurde einfach improvisiert und die Sequenz erweitert. So drehte man damals: Skript, Drehbuchanweisungen und Drehpläne wurden oftmals einfach über den Haufen geworfen und machten spontanen Einfällen und Experimenten Platz. Unfälle konnten einem Film zugute kommen, vor allem bei fantasievollen Geistern wie Keaton.
Die Wirkung der oben beschriebenen Sequenz entsteht in erster Linie durch den genau ausgeführten Schnitt, mit dessen Hilfe Keaton oft Meisterleistungen des Absurden auf die Leinwand zauberte.

Leichtes dramaturgisches Manko
Abgesehen von der oben erwähnten und einer Handvoll anderen grandiosen Sequenzen, gehört Three Ages wie bereits erwähnt, zu Keatons schwächeren Werken. Bedingt durch die Dreiteilung und die repetitive Erzählstruktur bleibt die Dramaturgie immer mal wieder hängen – kurz zwar, aber doch merklich. Allerdings muss im gleichen Atemzug erwähnt werden, dass die Wechsel der Zeitebene an anderen Stellen auch für die nötige Abwechslung sorgen. Schaut man die drei Episoden getrennt voeinander, so wie sie nach „Plan B“ in die Kinos hätten gebracht werden sollen, dann macht sich beim Zuschauer deutlich Ermüdung breit. Da erscheint die Dramaturgie richtiggehend löchrig, und man erkennt, wie geschickt der Langfilm trotz der paar Schwächen doch konzipiert ist. Er ist „am Stück“ allemal interessanter und funktioniert runder als in drei Episoden getrennt, nicht zuletzt, weil Keaton dank geschicktem Schnitt immer wieder ironische Querbezüge zwischen den Zeitaltern herstellt.
An Keatons grosse Klassiker wie The General, Sherlock, jr oder Steamboat Bill, jr reicht Three Ages nicht heran. Für einen vergnügten Stummfilmabend ist er aber allemal gut. Denn: Auch ein mittelmässiger Keaton ist allemal einen Blick wert.

Abspann:
Margaret Leahys Filmkarriere begann mit diesem Film – und endete auch mit ihm. Die schöne Engländerin gewann vor Beginn der Dreharbeiten einen Schönheitswettbewerb, der von Produzent Joseph Schenck ausgeschrieben worden war, um neue Aktricen zu finden. Leahy, eine Modedesignerin, sollte zunächst einen Film mit Regisseur Frank Lloyd drehen, doch dieser drohte mit Kündigung, falls er weiterhin mit ihr zusammenarbeiten müsse. Schenck schob sie als „leading lady“ in Keatons erstes Langfilmprojekt Three Ages ab; sie ist wohl die einzige von Keatons Partnerinnen, die beim Betrachter absolut keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Sie wurde danach als vollkommen untalentiert fallengelassen.
Ben Akiba, der im alternativ verwendeten deutschen Titel steht und dem heutigen Leser Rätsel aufgibt, kommt in Keatons Film gar nicht vor. Der Name Ben Akiba geht auf ein Theaterstück des deutschen Journalisten Karl Gutzkow zurück. In dessen 1826 entstandenem Drama „Uriel Acosta“ steht Ben Akiba für die Haltung: „Alles schon mal dagewesen“. Zur Zeit der deutschen Erstaufführung von Keatons erstem Langfilm schien Gutzkows Stück oder zumindest die Figur des Ben Akiba – samt seinem „Credo“ – noch sehr präsent gewesen zu sein.