Gifted (dt.: Begabt – Die Gleichung eines Lebens, USA 2017)

Mit Chris Evans, McKenna Grace, Lindsay Duncan, Octavia Spencer, Jenny Slate, u.a.
Drehbuch: Tom Flynn
Regie: Marc Webb
Genre: Drama
Dauer: 101 min
Farbe: Color

Die kleine Mary Adler (McKenna Grace) besucht die erste Klasse. Dort langweilt sie sich fast zu Tode (und zeigt das auch deutlich). Bonnie, ihre Lehrerin (Jenny Slate) realisiert bald, dass Mary anders ist als die anderen Kinder. Sie stellt ihr immer schwierigere Aufgaben – und Mary löst sie alle. Ein klärendes Gespräch mit Vater Frank (Chris Evans) verläuft für Bonnie völlig unerwartet: Frank will von einer Hochbegabtenschule nichts wissen; er will, dass seine Tochter wie ein normales Kind aufwächst. Wie richtig er mit diesem Wunsch liegt, wird im Verlauf des Films immer deutlicher: Plötzlich taucht Franks Mutter Evelyne (Lindsay Duncan) auf und will ihm das Sorgerecht absprechen. Sie hat grösseres vor mit dem Kind. Und Frank, so stellt sich heraus, ist gar nicht Marys Vater…

Noch ein Hochbegabtendrama?! Nein, dieser Film ist anders. Er stellt das Kind zwar in den Mittelpunkt und zeigt dessen Dilemma zwischen Kindheit und Hochbegabung mit gebührender Ernsthaftigkeit auf. Dabei erhebt er aber keinen pädagogischen Anspruch auf exemplarische Behandlung dieser Thematik, sondern er erzählt gekonnt und auf hohem Niveau von Menschen, von Familienbanden und deren Disponiertheit. Im Zug der Handlung wird das desolate Umfeld sichtbar, vor welchem „Vater“ Frank das Kind beschützen möchte. Exemplarisch und verbindlich wird Gifted dort, wo er die Voraussetzungen für eine gesunde Kindheit thematisiert und deren Notwendigkeit eindringlich aufzeigt.

Tom Flynns Drehbuch glänzt nicht nur mit hervorragenden, prägnanten Dialogpassagen, sondern auch durch das langsame, permanent Spannung erzeugende herausschälen der Kernthematik, die erst am Schluss in ihrer ganzen Tragweite offenliegt. Eine Bravourleistung sensibler Filmerzählung!
Marc Webbs funktionale Regieführung ordnet sich dem Skript und den Schauspielern wohltuend unter, unterstreicht aber gleichzeitig den Realitätsbezug, den die Geschichte hat.
Die Schauspielerinnen und Schauspieler sind sehr gut gewählt und fügen sich stimmig ins Gesamtbild; hervorzuheben sind die kleine McKenna Grace, die eine intensive, schauspielerisch unglaublich reife Leistung als hochbegabte Minderjährige bietet, und Lindsay Duncan, die der negativen Figur der Mutter subtile Facetten verleiht, welche man ihr auf den ersten Blick nicht zutrauen möchte.

Gifted ist ein lohnenswerter, bewegender Film, der über seine Thematik hinaus nachwirkt und zum Denken anregt.

Das Drehbuch: 10 / 10
Die Regie: 8 / 10
Die Schauspieler: 9 / 10
Gesamtnote: 9 / 10

Verfügbarkeit:
Gifted lief 2017 auch bei uns in den Kinos, unter dem Titel Begabt – Die Gleichung eines Lebens.
Hierzulande liegt er auf Blu-ray und DVD vor. Darauf findet sich sowohl die deutsche Synchro als auch die englische Originalfassung. Untertitel gibt es in Deutsch, Englisch und Französisch. Als Extras sind aufgeführt: 5 entfallene Szenen; 5 Promo-Clips; Am Drehort: Begabt; Bildergalerie; original Kinotrailer
Auch im Stream ist er bei verschiedenen Anbietern verfügbar – hier geht’s zur Liste.

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