Monat: Oktober 2013

Konventionelle Musicalkost mit Überraschungen

SHIP AHOY
USA 1942
(dt.: Schiff ahoi)
Mit Eleanor Powell, Red Skelton, Bet Lahr, Virginia O’Brien, Tommy Dorsey & his Orchestra, Frank Sinatra u.a.
Drehbuch: Harry Clork
Regie: Edward Buzzell

Das Los entschied diese Woche für leichte Kost – aus dem Riesenangebot der Warner Archive Collection vergessener Filme bestimmte es Ship Ahoy, eine musikalische Komödie aus der Zeit des US-Kriegsengagements.
Ich erwartete nicht viel von diesem mir bis dahin gänzlich unbekannten Film, der unter dem Titel Schiff ahoi wohl auch mal im deutschen Fernsehen gezeigt wurde.

Ich erlebte gleich mehrere Ueberraschungen. Tommy Dorsey und sein Orchester geben darin gleich mehrere grandiose Nummern zum besten, und diese sind fabelhaft inszeniert und choreografiert.
Dann: Ein sehr junger Frank Sinatra hat hier seinen zweiten Filmauftritt – er war damals wohl noch nicht sehr bekannt, jedenfalls erscheint sein Name weder in den Anfangs- noch in den Endcredits.
Und wer sich schon öfter gefragt hat, ob eigentlich der Löwe aus The Wizard of Oz keine weiteren Filme gemacht habe, kriegt hier die Antwort: Doch, er hat. Wenige nur, keiner davon wurde bekannt, einer davon war Ship Ahoy. Lahr spielt darin eine völlig anderen Typen als im Zauberer von Oz – einen grossmäuligen Schürzenjäger. Und das mit köstlicher Verve!
Zudem: Eleanor Powell war eine grandiose Tänzerin – schade liess sie ihre Karriere zugunsten der Religiosität fallen.
Last but not least: No-Name Edward Buzzell führt absolut solide und gekonnt Regie.
Das ist doch eine ganze Menge und ergibt in der Summe einen höchst vergnüglichen Filmabend.

Die Story klingt wie viele andere aus jener goldenen, musicalseligen Zeit: Eine bekannte Tänzerin wird von den Nazis angeheuert, eine magnetische Unterwassermine von Amerika nach Puerto Rico zu schmuggeln. Dabei glaubt sie, für den US-Geheimdienst zu arbeiten.
Dazu kommt ein leicht trotteliger Held – hier ist es Komiker Red Skelton als Groschenroman-Autor, der die Nazis dank einer seiner Geschichten erst auf die Idee mit dem Minenschmuggel gebracht hat. Der Autor und die Tänzerin verlieben sich, dann treten die Bösewichte auf den Plan und der arme Held gerät wie seine Romanfigur zwischen die Fronten zwischen Gut und Böse, erlebt haarsträubende Abenteuer und kann sich am Schluss mit List und Tücke befreien.

Olle Kamellen also. Dass Ship Ahoy trotzdem höchst unterhaltsam geworden ist, verdankt er seiner wunderbaren Besetzung, einer trotz allem soliden Story und der gelungenen Konzeption, welche die durchaus spannende Handlung in eine Komödie mit Musik- und Tanzeinlagen einbettet. Natürlich ist das Ganze absolut konventionell gehalten (und wohl deshalb heute vergessen); trotzdem macht das Anschauen dieses Films richtig Spass. Und zwar ohne Einschränkung!
7/10

 


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Ironische Hollywood-Selbstbespiegelung

SHOW PEOPLE
(dt.: Es tut sich was in Hollywood)
USA 1928
Mit Marion Davies, William Haines, Dell Henderson, Harry Gribbon, Sidney Bracey, Polly Moran, Chares Chaplin u.a.
Buch: Agnes Christine Johnston Und Laurence Stallings
Regie: King Vidor

Der „vergessene Film der Woche“ stammt diesmal aus der Stummfilmzeit und war seinerzeit äusserst erfolgreich – er schaffte sogar den Sprung über den grossen Teich: In Deutschland lief er 1930 unter dem kuriosen Titel Es tut sich was in Hollywood.
Show People ist eine jener ironischen Innenansichten, mit denen sich Hollywood bis heute in regelmässigen Abständen selbst feiert / geisselt / belächelt. Und weil dies ein Marion Davies-Film ist, steht das Lächeln, oder besser: das Lachen hier deutlich im Zentrum. Davies, heute praktisch vergessen, war zu Stummfilmzeiten ein gefeierter Komödien-Star – ein vollkommen berechtigter Status, wie dieser köstliche Film beweist!

Die junge Peggy Pepper aus Georgia (Davies) will unbedingt zum Film. In einer kleinen Neberolle beweist sie darart viel komödiantisches Talent, dass sie sofort für die Slapstick-Komödie entdeckt wird. Zusammen mit ihrem Förderer, dem Komiker Billy Boone (William Haines) dreht sie äusserst erfolgreiche „Klamotten“. Doch sie fühlt sich zu Höherem berufen. Sie schaft den Aufstieg ins dramatische Fach und wird zum gefeierten Hollywood-Star, während ihr Billy in den „Niederungen“ der Komödie zurückbleibt. Billy bewahrt sie zu guter Letzt vor dem Unglück des Selbstverlustes aus Karrieregründen.

Diese einfache und altbackene Geschichte wird in Show People mit derart viel Witz und Verve präsentiert, dass der Film noch heute frisch wirkt und ein echtes Sehvergnügen ist! Die Davies ist schlichtweg phänomenal, die Nebendarsteller sind hervorragend gewählt und es gibt Einfälle, die sind unbezahlbar. Etwa der Cameo-Auftritt Charles Chaplins, der sich ein Autogramm von Peggy holen will, von dieser aber wie ein lästiger Nobody behandelt wird. Oder jene Szene, in welcher sich der Film plötzlich selbst in den Schwanz beisst: Peggy, die sich in ihrem neuen Studio umsieht, entdeckt am Set eine Schauspielerin, die ihr irgendwie bekannt vorkommt. Es ist niemand anderes als – Marion Davies.
Auch King Vidor tritt in Show People auf (als King Vidor), und Peggys und Billys Slapstick-Film läuft im Beiprogramm des King Vidor-Films Bardelys the Magnificent. Es wimmelt von Querverweisen und ironischen Spitzen, und ständig latscht wieder ein Filmstern von damals vor die Kamera.
So ganz nebenbei ist Show People auch eine Hommage an Mack Sennetts wilde Slapstick-Welt, die damals bereits der Vergangenheit angehörte.

Also wieder eine echte Entdeckung aus der Warner Archive Collection, die zeigt, dass vergessenen Filme – auch wenn sie keine Meisterwerke sind – ganz schön viel Spass machen können!

Show People wurde von der WAC übrigens mit der dazugehörigen Originalmusikuntermalung, die damals auf Platten mit dem Film in die Kinos mitgeliefert worden war, veröffentlicht.
8/10