Ronald Colman

Splendor (1989), Leben wie ein Millionär (1947) u.a.

In der Schweiz ist der Download von Filmen aus dem Internet erlaubt (Torrents etc.). Die folgenden Filme habe ich in sehr guter bis hervorragender Bild- und Tonqualität vorgefunden und mir über die Festtage zu Gemüte führen können:

SPLENDOR
Italien 1989
Mit Marcello Mastroianni, Massimo Troisi, Marina Vlady u.a.
Drehbuch und Regie: Ettore Scola
Der Film lief 1989 unter demselben Titel auch in den deutschsprachigen Kinos

Giuseppe Tornatores Cinema Paradiso kennt praktisch jeder, Splendor jedoch, Ettore Scolas ähnlich gelagerte Liebeserklärung ans Kino, stand stets im Schatten des Ersteren. Zu Unrecht!
Konzipiert und gedreht wurden beide Filme praktisch gleichzeitig und unabhängig voneinander, Cinema Paradiso erblickte im November 1988 das Licht der Leinwand, Splendor im Februar 1989.
Splendor erzählt die wechselvolle Geschichte eines kleinen Kinos in einem italienischen Provinzkaff und deren Betreiber. In einem Reigen wundervoller kleiner Episoden passiert die Zeit und die Filmgeschichte Revue. Mittendrin: Marcello Mastroianni, Massimo Troisi und Marina Vlady, denen man ewig zuschauen könnte!
Splendor ist ein langsamer Film, er nimmt sich Zeit fürs Erzählen und für seine Protagonisten. Ich liebe sowas, solange es nicht oberflächlich bleibt. Das tut es hier nicht: Scola ist ein genauer Beobachter und ein wunderbarer Erzähler und Philosoph, und was herauskommt, ist ein filmischer Genuss, der zum Denken anregt. Vielleicht ist es seiner Langsamkeit geschuldet, dass Splendor ausserhalb Italiens nie die Aufmerksamkeit erreichte, die er verdient hätte, vielleicht liegt es aber auch am ungleich effektvolleren Cinema Paradiso, der ihm damals „die Show“ stahl (ich erinnere mich, dass kritische Stimmen Scola damals – völlig zu Unrecht – Trittbrettfahrerei vorgeworfen hatten).
Jedenfalls ist Splendor definitiv eine Wiederentdeckung wert!

9 / 10

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IT HAPPENED ON FIFTH AVENUE
USA 1947
Mit Don DeFore, Victor Moore, Charles Ruggles, Gail Storm, Ann Harding, Grant Mitchell u.a.
Drehbuch: Everett Freeman und Vick Knight nach einer Original-Story von Herbert Clyde Lewis und Frederick Stephani
Regie: Roy Del Ruth
Studio: Roy Del Ruth Productions
Der Film lief 1950 im deutschsprachigen Raum unter dem Titel Ein Leben wie ein Millionär

It Happened on Fifth Avenue ist ein ganz köstlicher amerikanischer Weihnachtsfilm, der bei uns seltsamerweise kaum bekannt ist, obwohl er in seiner Thematik den besten Filmen Frank Capras ähnelt. Freilich kann die Inszenierung mit Capras unnachahmlich dynamischem Stil nicht mithalten, dafür ist sie trotz einiger schöner Einfälle zu gewöhnlich. Aber das herrliche Drehbuch und einige der Hauptdarsteller macht dies wieder wett – der Film wird trotz seiner Länge von fast zwei Stunden nie langweilig.
Eigentlich darf man vom Inhalt nicht zuviel erzählen – It Happened on Fifth Avenue lebt von seinen unvorhersehbaren Wendungen und überraschenden Entwicklungen. Schauplatz ist die New Yorker Stadtvilla des Baulöwen Michael O’Connor (Ruggles), wo sich die Attribute von „arm“ und „reich“ von einem alten Landstreicher (Moore) gehörig durcheinandergeschüttelt und auf den Kopf gestellt werden.
Das Beste an dem Film ist – neben den Hauptdarstellern – ganz klar das Drehbuch. Es stammt zu Hauptsache aus der Feder von Everett Freeman, der u.a. auch die Drehbücher zu Komödien-Hits wie George Washington Slept Here (dt.: Unser trautes Heim, William Keighley, 1942), The Princess and the Pirate (dt.: Das Korsarenschiff, David Butler, 1946) und The Secret Life of Walter Mitty (dt.: Das Doppelleben des Herrn Mitty, Norman z. McLeod, 1947) verfasste.
Interessant ist, dass sich der von einem kleinen Studio produzierte und zwischenzeitlich verschollene It Happend on Fifth Avenue sich in den letzten Jahren zu einem wahren Weihnachts-Hit entwickelt hat, der in den USA, zusammen mit Capras ein Jahr zuvor entstandenem It’s A Wonderful Life (dt.: Ist das Leben nicht schön?) alljährlich im Dezember auf die Mattscheibe zurückkehrt.

8/10

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ARROWSMITH
USA 1931
Mit Ronald Colman, Helen Hayes, Richard Bennett, u.a.
Drehbuch: Sidney Howard nach dem Roman von Sinclair Lewis
Regie: John Ford

Mit meinem Hang zum klassischen Hollywoodkino entdecke ich immer wieder vergessene Filme von anno dazumal – diesmal war’s ein völlig vergessener Film des großen John Ford; obwohl Arrowsmith für mehrere Oscars nominiert war (u.a. in der Sparte „bester Film“), war er im deutschsprachigen Raum bislang nie zu sehen.
Arrowsmith handelt von dem gleichnamigen (fiktiven) Arzt, der gänzlich besessen ist vom Drang zu forschen; nicht einmal der von ihm mitverschuldete Tod seiner geliebten Frau vermag den Getriebenen zu kurieren…
Eingentlich könnte man diesen Film vergessen, wäre da nicht der Regisseur. Er macht mit grandiosen Bildern aus dem mittelmäßigen Drehbuch und trotz eines sichtlich überforderten Hauptdarstellers (so sehr ich Ronald Colman sonst schätze…) ein interessantes Filmerlebnis. Ford inszeniert seinen Film gegen den damals herrschenden Trend, „talking heads“ abzufilmen (weil die Leute den gerade neu aufgekommenen Tonfilm so toll fanden, wurden die Filme damals unglaublich dialoglastig und statisch).
Ford blieb, entgegen dem Trend, dem Bild als Erzählmittel treu, und dies ist ein beindruckendes Beispiel dafür. Auch wenn gesprochen wird, inszeniert Ford stets Bewegung; seine Akteure bewegen sich stets durch den Raum, auch beim Sprechen.
Es ist frappant: Der 1931 entstandene Film wirkt, als wäre er in den Vierzigerjahren gedreht worden.

7 / 10

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STAR!
USA 1968
Mit Julie Andrews, Daniel Massey, Michael Craig, Richard Crenna u.a.
Drehbuch: William Fairchild
Regie: Robert Wise
Dauer 166 min
Der Film lief 1968 auch in deutschsprachigen Kinos – unter demselben Titel.

U.a. mit diesem Film wurde das Musical-Genre zu Grabe getragen. Star!, die teure, aufwändig gemachte, mit zahlreichen Musicalnummern angereicherte Biografie des englischen Show-Stars Gertrude Lawrence (dargestellt von Julie Andrews), floppte gnadenlos an den Kinokassen damals.
Guckt man ihn heute an, versteht man mit zunehmender Filmdauer den Grund dafür: der Film ist viel zu lang. Zudem nähert er sich seiner Hauptfigur mit übertriebenem Respekt – dadurch bleibt sie schabloenenhaft. Und das ist für fast drei Stunden Filmdauer einfach zu wenig; Langeweile kommt auf, sobald die von vielen Musiknummern immer wieder unterbrochene Handlung weitergeht.
Die Musicalnummern auf der anderen Seite sind schlicht grandios! Die helfen einem mit ihrer ausgeklügelten, bisweilen vertrackten Choreografie und mit ihrer bunten Schmissigkeit immer wieder über die seicht dahindümpelnde Story hinweg, sie sind eine wahre Erlösung. Leider werden sie mit zunehmender Filmdauer immer spärlicher. Nach einer packenden und begeisternden ersten Stunde fällt Star! In sich zusammen wie ein zu spät aus dem Ofen geholtes Soufflée.
Und obwohl Julie Andrews hier richtiggehend brilliert und vor Talent fast birst, bedeutete Star! den Anfang von ihrem Abstieg in der Gunst der Kinogänger. Und das nur vier Jahre nach Mary Poppins!

6 / 10

 

Religiöse Wahrhaftigkeit im Hollywoodfilm

THE WHITE SISTER
USA 1923
Mit Lillian Gish, Ronald Colman,
Drehbuch: George V. Hobart
Regie: Henry King

Eine Liebesgeschichte ohne happy ending – das gab’s tatsächlich mal in Hollywood! Die Liebenden, die im Stummfilmklassiker The White Sister im Mittelpunkt stehen, werden vom Schicksal getrennt – und finden nicht mehr zueinander. Trotzdem war der Film ein Riesenerfolg…

Zuerst aber etwas Geschichte: The White Sister war Lillian Gishs erster Film ohne D.W. Griffith – er markiert den Schritt in ihre künstlerische Unabhängigkeit. The White Sister war zudem Ronald Colmans erste Film-Hauptrolle als jugendlicher Liebhaber. Und was den Regisseur Henry King angeht: The White Sister ist so etwas wie der thematische Schwesterfilm seines späteren, wohl besten Werkes, The Song Of Bernadette (1943).

The White Sister ist die zweite Verfilmung von Francis Marion Crawfords erfolgreichem gleichnamigem Roman; die erste Leinwandadaption entstand 1915, zwei weitere folgten: eine weitere amerikanische von 1933, mit Joan Allen und Clark Gable (ich werde demnächst darüber berichten) und eine mexikanische aus dem Jahr 1960, mit Yolanda Varela und Jorge Mistral.

Das hier in der Reihe Warner Archive Collection – vergessene Filme vorgestellte Werk dauert zweieinhalb Stunden und überrascht erstmal durch seinen „europäischen Look“. King und seine Crew reisten nach Italien, wo in und um Napoli zum grossen Teil an Originalschauplätzen gedreht wurde. Das, und die Tatsache, dass einheimische Darsteller für Nebenrollen rekrutiert wurden, gibt dem Film eine Authentizität, die einen grossen Teil seiner Faszination ausmacht.

Erzählt wird die Geschichte der Prinzentochter Angela Chiaromonte (Lillian Gish), die nach dem Tod des Vaters von dessen anderer Tochter um das Erbe gebracht wird und fortan  – durchaus glücklich – ein bürgerliches Leben führen muss. Ihr Geliebter, der Capitano Giovanni Severini (Ronald Colman) will sie bald heiraten, beide sind ein schönes, glückliches Paar – bis das Schicksal zuschlägt: Giovanni wird militärisch nach Algerien abberufen und gerät dort in Gefangenschaft. Schon bald trifft die Nachricht seines Todes ein.
Angela beschliesst nach dem ersten Schock ihr Leben der Kirche zu widmen und wird Nonne. In einer unglaublich berührenden, langen Sequenz – dem Herzstück des Films – wird die feierliche Zeremonie, die Profess, in deren Zug Angela zur Nonne berufen wird, minuziös nachgestellt. Auch sie wirkt authentisch und entwickelt dadurch eine religiöse Wahrhaftigkeit, die man so von Hollywood nicht kennt. Dieser Sequenz parallelgeschnitten wird Giovannis Befreiung aus der Gefangenschaft und dessen beschwerlicher Heimreise nach Neapel.

The White Sister mag zu lange dauern (zweieinhalb Stunden), viele Szenen stellen die Geduld heutiger Betrachter auf die Probe, aber es gibt immer wieder Sequenzen wie die eben beschriebene, wo der Film ein derart hohes Mass an „Echtheit“ erreicht, dass er ehrlich und empfunden wirkt. Und genau diese Qualität vermochte Regisseur King zu bewahren, denn der genau zwanzig Jahre später entstandene Song of Bernadette bezieht seine hypnotische Kraft und seine Glaubwürdigkeit aus genau dieser Fähigkeit des Regisseurs, eine Atmosphäre der religiösen „Wahrheit“ zu schaffen.
Genau wie jener atmet The White Sister eine offenbar empfundene, nicht nur eine behauptete Religiosität. Und das rettet ihn über seine Längen hinweg.

Mit das Ungewöhnlichste an dem Film ist aus heutiger Sicht sein Schluss. Angela bleibt ihrem Gelübde treu – auch als Giovanni zu ihr zurückkehrt und verzweifelt um sie kämpft. Er findet seine Bestimmung und sein Ende schliesslich im heroischen Akt der Selbstaufopferung während eines Ausbruchs des Aethna, welcher den Höhepunkt des Films bildet.

Lillian Gish erscheint hier erstmals weniger als aetherisches Pflänzchen, sondern mit zunehmender Dauer als selbstbestimmte junge Frau, die sich vom Schicksal nicht so leicht brechen lässt. Damit vollzog sie einen wichtigen Schritt in die eigene Unabhängigkeit, weg vom Diktat ihres Mentors Griffith, der sie stets als zerbrechliches, puppenhaftes Wesen in Szene gesetzt hatte.

Ich bin nun gespannt auf die zehn Jahre später entstandene Tonfilmversion. Sie ist in dieser Ausgabe der Warner Archive Collection mit enthalten, einem direkten Vergleich steht also nichts im Wege. Er erfolgt – demnächst auf diesem Blog…
7/10

Lubitsch-Touch – ohne Lubitsch

HER SISTER FROM PARIS
USA 1925
Mit Constance Talmadge, Ronald Colman, George K. Arthur, Gertrude Clair
Regie: Sidney Franklin
Dauer: 75 min


Diese Woche wende ich mich wieder mal einem – zumindest hierzulande – völlig unbekannten Stummfilm zu (dass ich das gerne tue, dürften die regelmässigen Besucher dieses Blog inzwischen wissen):
Her Sister from Paris
von Sidney Franklin (Regie) und Hanns Kräly (Drehbuch) ist ein Vier-Personen-Lustspiel für drei Schauspieler. Es geht darin um ein weibliches Zwillings-Geschwisterpaar, das in der Männerwelt für Aufregung sorgt. Natürlich werden die Zwillinge von ein und derselben Schauspielerin verkörpert.
Das hatten wir so oder ähnlich schon – es handelt sich um eines dieser Themen, das mit schöner Regelmässigkeit durch die gesamte Filmgeschichte immer wiederkehrt und bereits zu Stummfilmzeiten nicht neu war.

Ein alter Hut also? Oder was ist das Besondere an dem hier vorliegenden Film?
Es gibt drei Punkte: Zum einen die Ausstattung. Sie stammt von William Cameron Menzies und ist schlicht und ergreifend ein Augenweide. Es gibt Dekors, da gehen einem die Augen über (vor allem die Theatersequenz in der Mitte des Films)! Ausschweifende Art Deko-Bauten und gewagte architektonische Extravaganzen fügen sich zu herrlichster Ausstattungspracht zusammen (siehe dazu einige der screen shots unten). Art Deco-Liebhaber sollten sich diesen Film auf ihre Liste setzen.

Der zweite Pluspunkt des Films liegt in der Tatsache, dass er in Wien angesiedelt ist; auch hier spielt die Ausstattung eine wichtige Rolle, denn über weite Strecken hat man wirklich den Eindruck, einen Stummfilm aus dem deutschsprachigen Raum zu schauen. Ich hatte immer gedacht, die Europäisierung des US-Kinos sei Ernst Lubitsch vorbehalten gewesen, doch hier heisst der Regisseur Sidney Franklin und stammt aus Kalifornien. Allerdings liegt dem Film ein Theaterstück des Deutschen Ludwig Fulda zugrunde und das Drehbuch stammt von Hanns Kräly, der bereits in Berlin, später auch in der US-Emigration, zahlreiche Drehbücher für Lubitsch lieferte. Das Interessanteste daran: Aus Her Sister from Paris weht an vielen Stellen der berühmte Lubitsch-Touch herüber, womit wir bei Punkt drei angekommen sind.

Und da sind wir mittendrin im filmhistorischen Rätselraten, das oft aufgrund mangelnder Quellen einsetzt und das sich für jene ergibt, die sich sich mit der heute weitgehend vernachlässigten Filmform Stummfilm beschäftigen: War Kräly Pate des Lubitsch-Touches? War er Lubitschs Lehrmeister?
Die Sachlage weist eher darauf hin, dass der „Lubitsch-Touch“ (ich verstehe darunter eine frivole Grundstimmung, gepaart mit charmantem Witz, oft unter Verwendung der „Kunst der Aussparung“), dass also der „Lubitsch-Touch“ von Kräly und Lubitsch gemeinsam entwickelt wurde (Lubitsch arbeitete ab 1916 bis 1924 praktisch ausschliesslich mit Kräly zusammen), und dass Krälys Name später aufgrund der geringen Bedeutung, welche den Drehbuchschreibern zuteil wurde und noch immer wird, in Vergessenheit geriet. Trifft diese Vermutung zu, so müsste das Phänomen gerechtigkeitshalber „Lubitsch-Kräly-Touch“ genannt werden.
Man wird hier einwenden, dass es viele Tonfilme des Regisseurs gibt, die in Kooperation mit anderen Drehbuchautoren entstanden und trotzdem den „Lubitsch-Touch“ aufweisen. Es spricht nach meiner Ansicht nichts dagegen, dass Lubitsch diesen „Touch“ auch nach der Trennung von Kräly weiter gepflegt und ihn filmisch noch verfeinert hat.
Dass Kräly eine massgebliche Mitverantwortung für den „Lubitsch-Touch“ trägt, steht für mich nach der Visionierung dieses Films fest.

Bei der Betrachtung von Her Sister from Paris tauchen weitere Fragen auf: Wieviel Einfluss hatt Hanns Kräly auf die Produktion seiner Drehbücher? Fungierte er als eine Art zweiter Regisseur im Hintergrund (eine Vermutung, welcher der verblüffend europäische Look dieses Films nahelegt)? Dies war zu Stummfilmzeiten nicht unüblich; Buster Keaton, Harold Lloyd oder Douglas Fairbanks, sr. etwa trugen Wesentliches zum Aussehen und zur Dramaturgie ihrer Filme bei, auch wenn ihre Namen nicht unter „Regie“ aufgeführt waren. Im Unterschied zu Kräly fungierten sie allerdings als Produzenten ihrer Filme – allerdings oft auch, ohne dass dies in den Credits erwähnt wurde.
Wer Näheres zu Krälys Stellung innerhalb der Filmproduktion weiss, sei herzlich eingeladen, einen Kommentar zu hinterlassen! Ich jedenfalls habe dazu nichts finden können.

Her Sister from Paris ist ein Kräly-typische erotisch aufgeladene Geschlechter- und Beziehungskomödie: Das in Wien wohnhafte Ehepaar Weyringer (Constanze Talmadge und Ronald Colman) hat sich derart zerstritten, dass Gattin Helen auszieht. Zur gleichen Zeit erreicht ihre (ebenfalls von Constance Talmadge verkörperte) Zwillingsschwester Wien, die unter dem Namen La Perry in Paris als Tänzerin für Furore in der Männerwelt sorgt. Schnell beschliessen die beiden Schwestern, Helen ins Kostüm der extravaganten Schwester zu schmeissen und ihren Mann zum Narren zu halten.
Weyringer und sein englischer Kumpel Bob (George K. Arthur) interessieren sich zunächst beide für die falsche La Perry und versuchen, sich gegenseitig auszubooten, was zu einigen witzigen Sequenzen führt.
Am Schluss wird das Geheimnis enthüllt, und der geläuterte Ehemann, der in der ganzen Affäre allen Verführungsversuchen zum Trotz die Zuneigung zu seiner Frau unter Beweis gestellt hat, wird heimgeführt.

Die bereits weiter oben aufgeführten Qualitäten dieses Films kommen in der ersten Hälfte zu voller Entfaltung. Bis etwa zur Filmmitte ist Her Sister from Paris das reine Vergnügen: Witzig, prickelnd, von beträchtlichem Schauwert!
Danach wird der Film zum Kammerspiel zwischen drei Personen und damit leider etwas schwerfällig. Die schönen Dekors verschwinden, die Halbtotale beherrscht das Bild, die Handlung beginnt, sich über Gebühr zu ziehen. Die Schauspieler stehen plötzlich ganz im Zentrum, und nun treten einige Schwächen zutage, schauspielerische (Talmadge) und solche der Inszenierung (alles wird plötzlich etwas statisch), die vorher nicht aufgefallen waren. Man nimmt der Talmadge, bei allem komödiantischen Talent die Rolle der Verführerin auf Dauer nicht ab. Natürlich spielt sie eine Hausfrau, die eine Verführerin spielt – aber dass ihr Gatte und sein Freund ihr derart verfallen, wirkt nicht ganz glaubwürdig. Und mit dieser Glaubwürdigkeit steht und fällt der Film, der somit zum Schluss hin einer Fehlbesetzung wegen um einen wichtigen Teil seiner Wirkung gebracht wird.

Schade, denn die erste Hälfte lässt einen vergessenes Meisterwerk der Stummfilmkomödie erwarten. Immerhin: Her Sister from Paris ist sehr gute Unterhaltung, welche die Anschaffung dieser DVD durchaus rechtfertigt – zumal ja noch eine weitere Komödie desselben Teams (Hauptdarstellerin, Regisseur und Drehbuchautor) mit drauf ist: Her Night of Romance. Doch mehr davon zu einem anderen Zeitpunkt…

Die DVD stammt von Kino International. Der Film wurde sorgfältig restauriert – mit sehr schönem Resultat: Die Bildqualität ist hervorragend! In einigen kurzen Sequenzen wird deutlich, dass der Film wohl nahe am Verfall war.

Die Begleitmusik stammt von Judith Rosenberg (Klavier) und geht angenehm ins Ohr, ohne besonders grossen Eindruck zu hinterlassen.

 

Verfügbarkeit:
USA
: Der Film stammt aus dem Stummfilm-Sortiment von Kino International und kann auch dort bezogen werden. amazon.com bietet den Film ebenfalls an. Er hat Regionalcode 1. Für Preisvergleiche, evtl. preisgünstigere Angebote und andere Fragen im Zusammenhang mit DVD-Bestellungen aus dem Ausland siehe auch die Tipps zur DVD-Bestellung im Ausland.
Deutschsprachiger Raum: Nicht verfügbar, der Film ist ausschliessich in den USA erhältlich.

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