Movie-Magazin 1 – Pique Dame (1949)

Einmal mehr habe ich mein Blog-Konzept etwas geändert: Die Beiträge erscheinen nun als (vorerst wöchentlich erscheinendes) „Movie-Magazin“.
Dieses beinhaltet jeweils einen Hauptartikel, in welchem stets ein klassischer englischsprachiger Film vorgestellt wird – dazu möglichst einer, der wenig bekannt ist. Mich interessieren die vergessenen Filme derzeit brennend, es gibt da wirklich erstaunliche Entdeckungen zu machen! Und über die bekannten Klassiker (Casablanca & Co.) ist ja schon genug geschrieben worden. (Was allerdings nicht heisst, dass ich nicht trotzdem mal einen vorstellen werde!)
Auf den Hauptartikel folgen dann die „Film-Schnipsel“ mit Kurzkritiken über Filme neueren Datums, der Rubrik „Augenfutter“, wo möglichst regelmässig Filme, die ich in den vergangenen hier Jahre besprochen hatte, angeschaut werden können, und mit einer Umschau zu anderen Blogs, welche in der vergangenen Woche Filmklassiker besprochen hatten. Zuletzt gibt’s noch eine kurze Vorschau auf die nächste Ausgabe…
Gute Unterhaltung nun also beim ersten „Movie-Magazin“.
Rückmeldungen sind natürlich sehr erwünscht…!

THE QUEEN OF SPADES
Grossbritannien 1949
Mit Anton Walbrook (= Adolf Wohlbrück), Dame Edith Evans, Yvonne Mitchell, Ronald Howard, Anthony Dawson u.a.
Drehbuch: Rodney Ackland und Arthur Boys
Regie: Thorold Dickinson
Studio: De Grunwald Productions
Dauer: 91 min
Der Film lief 1949 auch in den deutschsprachigen Kinos, und zwar unter dem Titel Pique Dame.

Vorspann:
Herman Suvorin, ein unbedeutender Offizier der Ingenieurstruppe ohne adelige Wurzeln (Wohlbrück) ist besessen vom Gedanken an Geld und Macht und zerfressen von Neid auf die besser gestellten adligen Offiziere. Zugleich ist er dem Kartenspiel verfallen. Als ihm eines Tages ein geheimnisvolles Buch in die Hand fällt, das die schaurige Erzählung der Gräfin Ranevskaja beinhaltet, welche ihre Seele einst für das Geheimnis des ewigen Spielgewinnes verkauft haben soll, wird German zum Getriebenen. Denn er findet heraus, dass die Gräfin (Evans) tatsächlich existiert und versucht sich über das Herz ihrer Zofe Lizavjeta (Mitchell) Zugang zu der tyrannischen Greisin zu verschaffen. Dass er mit seinen Plänen alle um sich herum, allen voran die ihn liebende junge Lizavjeta, ins Unglück zu stürzen droht, ist ihm vollkommen egal. Immer deutlicher nimmt der Wahn(sinn) von ihm Besitz. Als die Gräfin seinetwegen zu Tode kommt, scheint Germans Vorhaben gescheitert. Doch da hört er ihre Stimme…

Der Film:
Queen of Spades wäre nie gedreht worden, wenn sich Regisseur Thorold Dickinson nicht im letzten Moment (ein paar Tage vor dem geplanten Drehbeginn) und auf Bitten Anton Walbrooks hin spontan auf das Projekt eingelassen hätte. Walbrook, mit dem Dickinson bereits in Gaslight (1940) zusammgearbeitet hatte, bat seinen Freund, das gefährdete Projekt zu retten. Nicht nur der Film, in den Walbrook bereits einiges investiert hatte, drohte unterzugehen, auch das Studio stand kurz vor dem aus.
Dickinson selbst gibt an, die Vorlage zum Film, Puschkins Novelle, bei Drehbeginn nicht gekannt zu haben. Dasselbe gilt für das Kartenspiel Faro, welches im Film eine zentrale Rolle spielt. Tatsächlich wusste zunächst niemand am Set, wie es gespielt wird. Etwa in der Mitte der Dreharbeiten kümmerte Dickinson sich darum und lud die involvierten Schauspieler und einige Crewmitglieder zu einer Faro-Partie ein. Wie sich herausstellte, folgt das Glücksspiel äusserst simplen Regeln.
Vom Improvisationscharakter, welcher den Dreharbeiten von Beginn weg anhaftete, ist im fertigen Film erstaunlicherweise nichts zu spüren. Im Gegenteil!

Zunächt aber: Wer war eigentlich Thorold Dickinson? Die wenigsten Filmliebhaber dürften schon von ihm gehört haben, und von jenen, die seinen Namen kennen, werden die wenigsten auch nur einen Film mit ihm in Zusammenhang bringen können – englische Filmfans vielleicht ausgenommen. Dickinson dreht nur gerade dreizehn Spielfilme und etwa fünf Kurzfilme (als Regisseur oder – am Anfang seiner Karriere – als Co-Regisseur). Zu einigen schrieb er auch die Drehbücher. 1955 inszenierte er den ersten in Israel produzierten Spielfilm, dann wandte er sich enttäuscht vom Filmgeschäft ab und arbeitete als Professor an einer Filmschule. Folgender Ausspruch lässt erahnen, weshalb: „Es ist furchtbar schwierig, einen Film zu drehen, den man eigentlich nicht machen möchte; das ist der Grund, weshalb ich so wenige gedreht habe.“
Queen of Spades ist heute genauso vergessen wie alle anderen seiner Filme. In England erinnert man sich noch eher an sie, aber auch nur in Filmspezialisten-Kreisen. Neben Queen of Spades ist dort allenfalls noch die „Ur-Version“ von Gaslight bekannt (später wiederverfilmt unter dem selben Titel von George Cukor und hierzulande berühmt als Das Haus der Lady Alquist).

Ein weiteres zu Unrecht vergessenes Kinowerk also. Martin Scorsese schmückt Queen of Spades mit dem Titel „Meisterwerk“ und stellt es auf eine Stufe mit den Filmen des Duos Powell & Pressburger. Soweit würde ich nun nicht gerade gehen, aber die Richtung stimmt schon. Erstaunlich, dass der Film vergessen wurde!
Er war Dickinsons drittletzter Film, und man staunt, wenn man um dessen Produktionsbedingungen weiss. Queen of Spades packt vom ersten Moment an durch seine atmosphärische Dichte. Das alte Russland der Zarenzeit wird mit fantastischer Ausstattung heraufbeschworen, die fast ausnahmslos düsteren Bilder wirken zum Teil üppig und überladen. Es ist ein Russland, wie es zur Zeit des Stummfilms oder des frühen Tofilms auf der Leinwand zu sehen war, bei von Sternberg zum Beispiel, mit in dunkle Schatten getauchten niedrigen kerzenbeleuchteten, schrägwandigen Räume, welche die darin befindlichen Menschen mehr zu beengen als zu beschützen scheinen. Je länger der Film dauert und je mehr sich die Hauptfigur dem Wahnsinn nähert, desto grösser scheinen die Schatten zu werden und desto enger die Räume. Es gibt Sequenzen von halluzinatorischer Faszination und eine bewegte Kamera sorgt mehrmals für schwindelerregende Fahrten.
Queen of Spades ist in erster Linie ein Film der Ausstattung. Und das trotz aller Improvisation.
Diese wurde derart geschickt vorgenommen, dass man das schmale Budget keinen Moment bemerkt. Der im Film omnipräsente Schnee etwa legt eine märchenhafte Atmosphäre über das Geschehen; er wurde aus fein zerstossenen Scheiben deutscher Kriegsflugzeuge hergestellt. Und weil das Studio schlecht isoliert war und an einer befahrenen Bahnlinie lag, mussten die Dreharbeiten bei jeder Zugsdurchfahrt unterbrochen werden.

Glücklicherweise ist der Film nicht nur grandios ausgestattet, sondern auch gut geschrieben, und die schauspielerische Besetzung ist geradezu herausragend: Die drei Hauptdarsteller sind brilliant! Der Oesterreicher Adolf Wohlbrück, ein alter Hase im Filmgeschäft, der nach seiner Flucht vor den Nazis in England und Frankreich Karriere machte, lässt Suvorins fortschreitenden Wahnsinn in eindringlich zurückhaltendem Spiel beängstigend plausibel werden. Für Edith Evans und Yvonne Mitchell, beide vom Theater kommend, bot Queen of Spades die ersten Filmauftritte. Sie stehen Wohlbrück in nichts nach. Besonders die mir bislang gänzlich unbekannte Yvonne Mitchell ist mir aufgefallen – sie spielt die Lizavjeta mit einer unglaublichen Mischung aus Zerbrechlichkeit und Standhaftigkeit, und ihre Ausbrüche sind derart herzzerreissend wahrhaftig, dass man nägelkauend um ihr Schicksal bangt. Dieses Schauspieler-Trio fügt dem atomsphärisch dicht gewobenen Film eine menschliche Tiefe bei, die ihn unvergesslich macht.

Obwohl Queen of Spades zum Genre der britischen Gruselfilme gezählt wird (vor kurzen erschien er in den USA auf einer Doppel-DVD zusammen mit den Horror-Klassiker Dead of Night), will er dort nicht so recht hineinpassen. Natürlich spielt das Übersinnliche gegen Ende eine grosse Rolle, doch viel mehr als das ist der Film das Psychogramm eines Menschen, dessen krankhafte Selbstsucht langsam in Wahsinn umschlägt. Im Spiel mit dem Übersinnlichen markiert der Film verspielt die Schlüsselmomente des fortschreitenden Irrsinns, jene Momente, welche den Sturz Suvorins in den Abgrund des Wahns vorantreiben. Der sichtbare Horror ist hier der Spiegel einer sich selbst zersetzenden Seele. Spiegel sind überhaupt das beherrschende Requisit in diesem bemerkenswetten Werk. Sie verdoppeln die Akteure wahlweise oder zeigen sie, ohne dass diese im Bild direkt präsent sind.

Abspann:
Adolf Wohlbrück stammt aus einer Familie von Zirkusclowns – eine Tradition, die allerdings schon sein Schauspieler-Vater nicht mehr forführen mochte – er wurde Schauspieler. Nach der Machtübernahme der Nazis floh der Halb-Jude Adolf Wohlbrück, wohl nicht zuletzt wegen seiner Homosexualität, zunächst nach England, wo er fast sofort Hauptrollen in wichtigen Filmen übernehmen konnte. Auch auf englischen Bühnen trat er regelmässig auf – bemerkenswert für einen Ausländer. Vor Queen of Spades spielte er neben Moira Shearer die männliche Hauptrolle in Powell & Pressburgers The Red Shoes auf (dt.: Die roten Schuhe, 1948). Sein nächster Film entstand in Frankreich: Max Ophüls La Ronde (dt.: Der Reigen, 1950). Von da an arbeitete er immer wieder mit Ophüls zusammen, drehte aber auch wieder in Deutschland und spielte auf deutschen Bühnen. 1967 starb er mit 71 Jahren an einer Herzattacke.
Dame Edith Evans gilt als die grösste unter den grossen britischen Schauspielerinnen – einen grossen Teil dieser Reputation hat sie allerdings ihrer Theaterarbeit zu verdanken. Zum Film gelangte sie erst im Alter von 61 Jahren mit dem hier besprochenen Werk; die Nebenrollen, die sie in drei Stummfilmen der Zehnerjahre spielte, zählen nicht wirklich, zumal sie dem Medium danach dezidiert den Rücken kehrte. Nach Queen of Spades übernahm sie die Hauptrolle in Emlyn Williams hierzulande unbekanntem Drama The Last Days of Dolwyn (1949). Und vor Queen of Spades war sie in zwei Fernsehfilmen zu sehen, einer davon war eine Adaption von Oscar Wildes The Importance of Being Ernest, wo sie Lady Bracknell verkörperte – dieselbe Rolle, die sie drei Jahre danach auch in Anthony Asquiths Kinofilm innehatte.
Yvonne Mitchell kam ebenfalls von der Bühne, und The Queen of Spades war auch ihr Leinwanddeüt. Die Heimat der hierzulande heute leider vergessenen Aktrice blieb die Bühne, es gibt nur 18 Kinofilme (einer davon  – Gengis Khan, 1965 – entstand in Hollywood) und etwa gleichviele Fernsehfilme mit ihr. Nach ihrem Filmdebüt spielte sie im selben Jahr in Luigi Zampas heute völlig vergessenen Drama Children of Chance. Danach folgten mehrere TV-Rollen.
Sie wurde zwei Mal als beste Schauspielerin ausgezeichnet, 1954 mit dem British Film Award und 1957 mit dem Berliner goldenen Bären. 1953 wurde sie zur Fernsehschauspielerin des Jahres gekürt. Yvonne Mitchell trat zudem auch als Romaneautorin in Erscheinung.
1979 starb sie mit 64 Jahren an Krebs.

The Queen of Spades ist ein atmosphärisch dichter, grossartig inszenierter und gespielter Klassiker des englischen Kinos, der eine deutsche DVD- oder Blu-ray-Veröffentlichung verdient hätte. Hierzulande war er nicht mal auf VHS erhältlich.
In England erschien er auf einer DVD von Optimum Classics, mit sehr gutem Bildtransfer. Bestellbar zu geringen Versandkosten ist sie hier.

Rezeption:
Die gothische Ausstattung stiess seinerzeit bei den Kritikern nicht nur auf Gegenliebe: Queen of Spades wurde „Muffigkeit“ vorgeworfen, „wieder eines dieser düster überfrachteten Russland-Vehikel“. Trotz seines kleinen Budgets wurde er für den „BAFTA-Award“ (British Academy of Film and Television Arts) nominiert, verlor aber gegen Carol Reeds The Third Man (dt.: Der dritte Mann). Pech! Weitere schwergewichtige Konkurrenten in diesem Jahr waren u.a. Robert Hamers Kind Hearts and Coronets (dt.: Adel verpflichtet) und The Small Back Room (dt.: Experten aus dem Hinterzimmer) von Powell & Pressburger. Tough Luck!

Film-Schnipsel

Kurzrezensionen:
Pan
(Joe Wright, UK 2015) Mit Hugh Jackman, Levi Miller, Garret Hedlund, Rooney Mara u.a.
Der Film fiel an der Kinokasse, bei Publikum und Kritikern durch. Bei uns in der Schweiz kam er nicht mal in die Kinos.
Warum??
Pan ist ein visuelles Freuerwerk, ein inszenatorisches Meisterwerk! Die Ablehnung, die ihm zuteil wird, ist mir ein Rätsel. Hat es damit zu tun, dass Wright und sein Drehbuchautor Jason Fuchs gar nicht Barries Originalgeschichte erzählen? Dass Tinkerbell nur einen winzig kleinen Auftritt hat und Wendy gar keinen?  Dass Hook kein Bösewicht ist? Wer weiss… Solche Lappalien geben manchmal den Ausschlag. Jedenfalls hatte ich hier wieder einmal den dringenden Verdacht, die Kritiker hätten voneinander abgeschreiben.
Nur schon vom technischen Standpunkt gesehen ist Pan unglaublich gut. Seit Avatar habe ich keine derart grandios durchgestaltete, perfekt zum Leben erweckte Fantasiewelt gesehen wie in diesem Film. Das ist das eine. Die Regie bewegt sich auf allem anderem als auf konventionellen Schienen. Da werden Sequenzen mit unbändiger Imaginations- Spiel- und Gestaltungskraft kreiert, die sich ziemlich vom konventionellen Kino wegbewegen. Wahrscheinlich ist dies der Hauptgrund der Ablehnung. Ein vermeintlicher Mass-Pleaser, der sich eigene, frische Gestaltungsideen erlaubt; statt das vom Popcorn-Kino abgestumpfte Blockbuster-Publikum mit dem üblichen Einheutsbrei zu füttern, überfordert er es mit frischen Ideen, aussergewöhnlichen Gestaltungselementen – z. Bsp. mit einer Claymation-Sequenz, welche mitten in die Realhandlung hineinplatzt; oder: statt der üblichen dröhnenden Orchester-Gedöns wird der erste Auftritt des Filmbösewichts damit begleitet, dass die gesamte Hunderschaft der Statisten einen Song der Gruppe Nirwana anstimmt – das geht unter die Haut und verdeutlicht zudem mit einem Schlag, aber unterschwellig die ambivalente Beziehung des Piraten und seiner Untertanen.
Dieses Mal griff Wright auch bei der Darstellerwahl nicht daneben, wie das bei den meisten seiner vorgängigen Filmen öfter der Fall war. Die Crew überzeugt bis in die Nebenrollen und bildet eine Einheit.
Pan wird entweder einer dieser hier so gern besprochenen werke, die in Vergessenheit geraten und von zukünftigen Film-Bloggern entdeckt werden – oder er entwickelt sich in den nächsten Jahren zum Kultfilm. Terry Gilliams Brazil bekam, ich erinnere mich, bei seiner Erstaufführung im Jahr 1984 ganz ähnlich lautende Kritiken.

Bridge of Spies (dt.: Bridge of Spies – Der Unterhändler; Steven Spielberg, USA 2015) Mit Tom Hanks, Mark Rylance, Alan Alda u.a.
Mitte der 50-er-Jahre: James Donovan, ein „kleiner“ Versicherungsanwalt wird mit dem Fall eines in den USA inhaftierten russischen Spiones betraut; er soll ihn vor Gericht vertreten – eine reine Formsache. Der Routinefall wächst sich allerings zur mittleren Staatsaffäre aus, als Donovan die Verteidigung ernst nimmt und Verfahrensfehler aufdeckt. Sofort wird er zum Volksfeind hochstilisiert. Als der Pilot eines amerikanischen Spionageflugzeugs in Russland verhaftet wird, klopft plötzlich das FBI bei Donovan an: Er soll mit den Russen einen Gefangenen-Austausch aushandeln – Top-Secret.
Aus dieser Ausgangslage fertigen Spielberg, die Coen-Brüder (Drehbuch) und Matt Charman (Drehbuch) einen wunderbar unaufgeregten, auf mehreren Ebenen höchst spannenden Film, der obendrein gut als Zeitbild funktioniert. Spielberg läuft, wie schon lange nicht mehr, zu subtiler inszenatorischer Bestleistung auf! Ein toller Film!

Augenfutter:
Diese neue „Kolumne“führt in diesem Blog besprochene Filme vor Augen. Der Anfang macht mein Lieblingsfilm:
Sunrise (Friedrich Wilhelm Murnau, USA 1927) Mit George O’Brien, Janet Gaynor, Margaret Livingston u.a. Der Film ist mit der von Hugo Riesenfeld extra dafür komponierten Musik zu sehen.
Hier geht es zu meinem Artikel zu diesem Film.

 

Der klassische Film diese Woche – Blick in andere Film-Blogs:
-Patrick Holzapfel stellt in seinem Blog Jugend ohne Film seine interessanten Beobachtungen und Gedanken zu Ernst Lubitschs Klassikers Angel (1937) vor.
-Udo Rotenberg von L’amore in città holt mit Le bambole (1965) einen weiteren italienischen Episodenfilm mit sexueller Thematik aus der Versenkung, der ironisch die alten und neuen Rollenbilder von Mann und Frau auf die Leinwand bringt.
-Auf Die Nacht der lebenden Texte stellt Ansgar Skulme Arthur Hillers Kriegsfilm Tobruk von 1967 ausführlich vor.

Vorschau:
Im nächsten Movie-Magazin trifft James Stewart auf Edward G.Robinson. Wie, die beiden standen gemeinsam vor der Kamera? Ja, ein Mal (John Fords Grossproduktion Cheyenne Autumn von 1964 nicht mitgezählt, weil die beiden dort keine gemeinsame Szene hatten). Nächste Woche mehr über The Last Gangster (Edward Ludwig, USA 1937)!

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10 Kommentare

  1. Da das Haupt-Review nicht an Länge und Klasse eingebüßt hat begrüße ich Dein neues Format „Movie-Magazin“. Ich hoffe nur Du übernimmst Dich nicht damit, indem Du Dich auf Dauer dazu verpflichtet fühlst. Wenn mal „nur“ eine Haupt-Review erscheint wäre das ja auch nicht schlimm. Aber die Idee an sich gefällt mir, und ich wünsche Dir, mir und den anderen (Stamm)Lesern Deines Blogs viel Spaß mit diesem umfangreicheren Forum. 🙂

    1. Herzlichen Dank für Deine aufmunternden Worte, Schlombie!
      Ja, die Gefahr des Übernehmens ist da, deren bin ich mir bewusst. Deshalb habe ich im Intro mal vorsichtig formuliert „vorerst wöchentlich erscheinend“.
      Der erste Enthusiasmus ist bestimmt mal weg – aber dann sehen wir weiter. Vielleicht erscheint’s dann zwei-wöchentlich, oder ohne Drumrum.
      Im Moment geniesse ich es so, wie es geplant ist.

  2. Ich schließe mich Schlombie an: Gelungene Premiere!

    Dickinson, vom dem ich nur seine Version von GASLIGHT kenne (und für mindestens so gut wie die Version von Cukor halte), hatte wohl einen gewissen Hang zum Russischen. Das ging vielleicht schon bis 1925 zurück, als er als Dolmetscher an einer britischen Filmproduktion in Paris teilnahm und dort viele Exilrussen kennenlernte.

    Im November 1929 hielt Sergej Eisenstein auf Einladung von Ivor Montagu in der Londoner Film Society eine kurze Reihe von Vorträgen, und unter den damaligen oder zukünftigen Regisseuren unter den Zuhörern war neben John Grierson, Basil Wright, Herbert Marshall (nicht der gleichnamige Schauspieler) und Anthony Asquith auch Dickinson. 1936/37 war er als Delegierter der Vereinigung der britischen Filmtechniker (und als „ardent trade-unionist“, wie er selbst schrieb) in der Sowjetunion, wo er auch nochmal mit Eisenstein zusammentraf. Und 1948 hat er mit einer Co-Autorin ein Buch über den sowjetischen Film veröffentlicht.

    Aber so, wie Du den Film hier beschreibst, klingt das natürlich mehr nach dem präsowjetischen russischen Film eines Jewgeni Bauer oder Jakow Protasanow. Und von Protasanow gibt es auch eine Version des Stoffs von 1916, von der ich sogar einen Ausschnitt als Bonusmaterial auf irgendeiner DVD habe.

    1. Danke für Deine Zeilen und die Ergänzung, Manfred!
      Dass Dickinson eine Affinität zu Russland hatte, passt hier natürlich perfekt. Obwohl er sich diesen Film ja nicht ausgesucht hat – eher war’s umgekehrt 😉
      Von Bauer scheint mir der Film stilmässig weniger beeinflusst zu sein – das sieht, wenn überhaupt, schon eher nach Eisenstein aus.
      Am nächsten kommt er aus meiner Sicht aber der Stummfilmästhetik, wie sie vom deutschen Expressionismus inspiriert wurde. Murnau, Lang, Dieterle…
      Aber es ist ja ohnehin schwierig zu sagen, welcher Stil den andern wie beeinflusst hat. Bauer, Protasanow, Eisenstein, Murnau – Dickinson… Da hat jeder Vorgänger Anteil am Stil des Nachfolgers.

      1. Ja, da hast Du natürlich Recht. Ich meinte auch eher, dass der Film so, wie Du ihn schilderst, nichts mit den Montage-Wunderwerken zu tun hat, an die man beim frühen sowjetischen Film meistens denkt. Aber natürlich bestand das sowjetische Kino damals nicht nur aus den Stummfilmen von Eisenstein, Pudowkin, Dowschenko und co. Gerade Eisenstein hat ja nicht nur in seinen Tonfilmen die analytische Montage gezwungenermaßen über Bord geworfen, sondern in IWAN DER SCHRECKLICHE auch eine ziemlich expressionistische Bildsprache verwendet, mit düsteren, klaustrophobischen Innenaufnahmen aus dem Studio-Kreml, in radikaler Abkehr von seinen früheren Filmen (einschl. ALEXANDER NEWSKI). Dafür hat er sogar den Kameramann gewechselt, weil Eduard Tissé mit diesem Stil nicht recht klarkam.

        Langer Rede kurzer Sinn: Wahrscheinlich wäre IWAN DER SCHRECKILCHE ein besserer Vergleich gewesen als Bauer und Protasanow. Oder eben Lang und Murnau (von Dieterle kenne ich kein Frühwerk, da geht es bei mir mit den Hollywood-Biopics los).

        1. Mit Dieterle hatte ich mich oben leider vertan. Hatte fälschlicherweise im Kopf, „Das Wachsfigurenkabinett“, jener Stummfilm, dem „Queen of Spades“ stlistisch am nächsten kommt, sei von ihm, Dabei hatte dort Paul Leni Regie geführt. Dieterle spielt die Hauptrolle, deshalb die Verwechslung…
          Wie auch immer: Dort gibt es eine ausgedehnte russische Episode um Ivan den Schrecklichen (gespielt von Conrad Veidt, natürlich).

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