Weltuntergang 1916

VERDENS UNDERGANG
(dt.: Das jüngste Gericht)
Dänemark 1916
Mit Olaf Fonss, Carl Lauritzen, Ebba Thomsen u.a.
Regie: August Blom
Dauer: 77 min

Willkommen im Jahr 2012, liebe Leserinnen und Leser!
Da ja die Welt im neuen Jahr wieder mal untergehen soll, schaute ich für meinen Neujahrsartikel passend diesen stummen Katastrophenfilm des dänischen Filmregisseurs August Blom. Er zeigt, dass die Untergangsszenarien vor beinahe hundert Jahre den unsrigen verblüffend ähnlich sehen. Was uns der Maya-Kalender ist, war unseren Vorfahren der halley’sche Komet. Doch erstmal schön der Reihe nach:

Verdens Undergang ist einer der ersten abendfüllenden Katastrophenfilme der Filmgeschichte. Angeregt wurde er von der Entdeckung des Kometen Halley im Jahre 1910, zudem dürfte der Ausbruch des ersten Weltkriegs und vor allem die damit einhergehende apokalyptische Stimmung eine weitere „Inspirationsquelle“ gewesen sein. Verdens Undergang handelt von einem Kometen, der auf die Erde zustürzt und sie schliesslich verwüstet.

Von einem Film aus dem Jahre 1916 erwartet man als CGI-gewöhnter Filmkonsument primitive special effects und krude Spannungsdramaturgie, und natürlich ist das auch so. Zu jener Zeit begann man mit special effects ja eben erst zu experimentieren, und August Blom hatte sich viel damit vorgenommen, nicht weniger als den Weltuntergang bildlich darzustellen.
Lässt man sich mit den oben berschriebenen Erwartungen auf diesen Film ein, wird man dennoch überrascht. Blom und seine Leute haben sich einige durchaus wirkungsvolle Tricks ausgedacht, die zur Erscheinungszeit des Films grossen Eindruck auf das Kinopublikum gemacht haben müssen. Verdens Undergang hatte jedenfalls grossen Erfolg an den Kinokassen.

Als der Komet einschlägt, setzt vom Himmel her ein Feuerregen ein, der die Hütten und Häuser wirkungsvoll in Brand setzt. Das ist so geschickt gemacht, dass man nur schwerlich erkennt, dass es sich bei der Landschaft um ein Miniaturmodell handelt. Weniger wirkungsvoll erscheint aus heutiger Sicht das Dazwischenschneiden von simplen Wellen zur Illustration der Verwüstung. Der ganze Albtraum ist denn auch recht schnell vorbei, die Erde geht mangels weiterer geeigneter Effekte in Rekordzeit unter.

Verdens Undergang beginnt als bäuerliches Drama auf dem Land, in der Familie eines Mineurs. Dessen älteste Tochter ist verlobt, wird aber vom reichen Minenbesitzer in die Stadt entführt, wo sie fortan in Luxus und Wohlstand lebt. Die andere Tochter verliebt sich in einen Matrosen.
Der Minenbesitzer nutzt die Panik, welche die Nachricht vom drohenden Weltuntergang an der Börse auslöst, schamlos aus, indem er alle abgestossenen Aktien billig an sich bringt, darauf die Nachricht verbreitet, der Komet würde an der Erde vorbeifliegen, um die Aktien darauf für teures Geld wieder zu verhökern.

Das spannendste an diesem Film ist zweifellos diese „Rahmenhandlung“; sie wird sehr sorgfältig entwickelt, wird mit klassenkämpferischem Unterton erzählt und ist mit plausiblen Figuren versehen. Hier zeigt sich die Stärke des Regisseurs, die  im zweiten Filmteil, der sich mit der Katastrophe befasst,  leider nicht mehr zum Tragen kommt, weil dort das Problem der Darstellung eines Ereignisses im Zentrum stand, das die damaligen filmischen Möglichkeiten überschritt. Verdens Undergang mag ein Meilenstein auf dem Gebiet des special effects-Spektakels gewesen sein; weil er sich aber nie dem Duktus des Exploitationskinos hingibt, sondern seine Geschichte als ernsthaftes Gesellschaftsdrama aufzäumt, fält der zweite Teil deutlich hinter den ersten ab. Der Weltuntergang nimmt sich wie ein Fremdkörper im häuslichen Drama aus.

Produziert wurde der Film von Nordisk Film, damals eines der erfolgreichsten Filmstudios der Welt. In den Zehnerjahren des letzten Jahrhunderts, das klingt heute kaum glaublich, waren die Dänen punkto Kino führend. Wie sich die Zeiten ändern – auch nach dem Weltuntergang.
6,5/10

Ich wünsche allen meinen Lerinnen und Lesern ein gesundes, glückliches 2012. Möge die Welt noch lange intakt bleiben und den Maya-Kalender genauso Lügen strafen, wie sie den Prophezeihungen um den Kometen Halley Lügen gestraft hat!

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