Der irre Bräutigam

CRAZY LIKE A FOX
USA 1926
Regie: Leo McCarey
DarstellerInnen: Charley Chase, Martha Sleeper, William V. Mong, Oliver Hardy u.a.
Dauer: 20 min

Crazy Like a Fox gehört zu den bekanntesten Komödien des grossen Charley Chase. Aber was heisst hier bekannt? Chase ist heute vergessen, bekannt sind seine Filme nur noch einem kleinen Kreis „Eingeweihter“.
Trotzdem hatte Kinowelt einige seiner besten Filme auf ihre Laurel & Hardy-DVDs als Zugabe draufgepackt. Zum Glück!

Crazy Like a Fox erzählt – typisch für viele Chase-Komödien – einen Plot, der genügend Stoff für einen Langfilm abgeben würde, bringt die Geschichte aber elegant in zwanzig Minuten unter.
Hier geht es um einen jungen Mann (Chase) und eine junge Frau (Sleeper), welche von ihren befreundeten Vätern bereits im zarten Kindesalter verkuppelt, resp. deren spätere Heirat bereits geplant wurde. Die Hochzeit steht kurz bevor, die beiden „Glücklichen“, die sich nie zuvor begegnet sind, sollen sich kennenlernen. Sie will sich jedoch dem väterlichen Diktat nicht beugen und flüchtet. Am Bahnhof treffen die beiden aufeinander, freilich ohne einander zu erkennen – und verlieben sich. Da sie darob den Zug verpasst, kehrt sie zähneknirschend ins Elternhaus zurück.

Er heckt inzwischen einen Plan aus, der Zwangsheirat zu entgehen, weil er seine Traumfrau ja nun gefunden hat. Sein Butler rät ihm, im Haus der zukünftigen Schwiegereltern den Irren zu mimen, damit diese auf die geplante Hochzeit freiwillig verzichten.
Natürlich geht der Schuss nach hinten los, Charleys gespielter Irrsinn führt zu erheblichen Turbulenzen und greift schliesslich auf den Vater der Braut über.

Eine köstliche Verwechslungskomödie, die als gewitzte Screwball-Comedy beginnt, im herrschaftlichen Haus der Brauteltern jedoch in reinen Slapstick umschlägt. Dieser Wechsel  ist für einen Charley Chase-Film nicht unbedingt üblich; seine Kurzfilme bewegen sich sonst eher gänzlich im Bereich der gehobenen Gesellschaftskomödie. Man muss aber konstatieren, dass dieser begnadete Komödiant auch das andere Genre perfekt beherrscht, denn die Gags sind punktgenau platziert und entfalten die bestmögliche Wirkung.

Wie immer in Chases Filmen sind die Nebendarsteller sorgfältig ausgewählt und passen hervorragend in ihre Rollen. So wird auch der Kurzauftritt eines zufälligen Passanten (mit einem Glatzköpfigen Oliver Hardy perfekt besetzt), an dem Charley seine Fähigkeit als Irrendarsteller ausprobiert, unvergesslich.

Crazy like a Fox gehört mit zu den Top-Kurzfilmkomödien nicht nur dieses Komödianten sondern auch jener Zeit.

1938 dreht Chase bei Columbia ein Tonfilm-Remake unter dem Titel The Wrong Miss Wright, bei dem er selbst Regie führte. Konsequenterweise transferierte er dort den Irrsinn von der Handlungs- auf die Wortebene, was ebenfalls sehr gut funktioniert.
8,5/10

Die DVD-Ausgabe: Der Kurzfilm befindet sich auf einer Laurel & Hardy-DVD von Kinowelt: Hier klicken.
Der Film wird in schönem Digitaltransfer mit ganz passablem Musikmix präsentiert, kompliert aus Tunes aus dem Hal Roach-Studio.

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