Ben is Back (2018)

 

USA 2018
Mit Julia Roberts, Lucas Hedges, Courtney B. Vance, Kathryn Newton, David Zaldivar u.a.
Drehbuch und Regie: Peter Hedges
Dauer: 103 min

Schaut man sich die Filmografie des Regisseurs und Drehbuchautors dieses Films an, dann kommt man auf sieben Filme – in 25 Jahren. Darunter sind bekannte Werke wie „Gilbert Grape“ und „About A Boy“; zu beiden schrieb Peter Hedges die Drehbücher, „Gilbert Grape“ entstand gar nach seiner eigenen Romanvorlage.
Hedges‘ letztes Kinowerk („Das wundersame Leben von Timothy Green“) lief 2012, sein neuster Film, der jetzt in die Kinos kommt, handelt von einem drogenabhängigen Teenager (Lucas Hedges), der zum Weihnachtsfest nach längerem Aufenthalt in der Entzugsklinik seine Familie besucht. Ben is back.

Damit löst er nicht nur Freude aus. Denn offenbar endete die letzte Weihnacht mit Ben für die Familie in der Katastrophe. Diesmal sei es anders, versichert der stille Junge. Er sei seit 77 Tagen clean und der Betreuer habe ihn zu dem Besuch ermuntert.
An den Handlungen und Reaktionen der Familienmitglieder ist vieles abzulesen, was dialogisch nicht explizit ausgedrückt wird; wir lernen durch diesen geschickten erzählerischen Kniff einige Facetten Bens kennen – bevor wir überhaupt Näheres um seine Sucht wissen. Die beiden kleinen Stiefgeschwister etwa lieben Ben heiss und freuen sich kringelig, dass er wieder da ist. Die leibliche Schwester hingegen zieht sich angsterfüllt zurück, und der Stiefvater ist skeptisch; Mutter Holly (Julia Roberts) freut sich zuerst unbändig über den Besuch, lässt dann aber sofort hektisch alle Medikamente im Haus verschwinden. Als Holly schliesslich ihre Bedingungen für den Besuch nennt (Ben bleibt lediglich 24 Stunden, während deren sie nicht von seiner Seite weicht), ist das Publikum eingeweiht.

Es folgen Familienszenen, welche Bens positive Einschätzung seiner Lage zu bestätigen scheinen und die Hoffnung wecken. Als die Familie aber nach dem weihnachtlichen Kirchgang feststellt, dass in der Wohnung eingebrochen wurde und Familienhund Ponce weg ist, überschlagen sich die Ereignisse. Ben ist sofort klar, dass Ponce von einem seiner alten Drogen-Freunde entführt wurde. Und weil er auch einmal etwas Gutes für seine Familie tun will, macht er sich auf die Suche nach dem Hund. Dabei muss er zurück in den Sumpf, aus dem er sich gerade befreit hat. Erst in diesem letzten Film-Drittel wird für das Publikum so richtig klar, wie tief dieser so harmlos wirkende junge Mann aus guter Familie im Strudel aus in Sucht und Verbrechen vesunken war.

Ein Spielfilm über Drogensüchtige ist eine heikle Angelegenheit, weil ein solches Projekt immer auch einen voyeuristischen Anstrich hat. Ist es zu rechtfertigen, dass gesunde, gut bezahlte Schauspieler Drogenopfer mimen, in einer erfundenen Geschichte und lauter gestellten Situationen? Peter Hedges umschifft mit seinem hervorragenden Drehbuch die Voyeurismus-Klippen geschickt, indem er Bens Sucht praktisch ausschliesslich mündlich schildern lässt oder uns deren Auswirkungen anhand der Reaktionen Dritter vor Augen führt. Damit ist der Darsteller Bens (der auch der Sohn des Regisseurs ist) von peinlichen Rausch-Szenen befreit und kann sich ganz auf seine Charakter und die schauspielerisch höchst anspruchsvollen Passagen konzentrieren. Es gelingt ihm ein höchst eindringliches Portrait eines gefallenen, sich den Weg zurück zur Familie erkämpfenden jungen Mannes, eine Leistung, die neben jener Julia Roberts‘ bestehen kann.

Ben is Back richtet sich nicht in erster Linie an ein jugendliches Publikum, doch gerade dieses sollte sich den Film anschauen. Ohne ins Drastische zu verfallen und ohne moralisches Übersteuern wirkt er aufklärerisch und abschreckend. Hedges macht an der Figur der Mutter für alle deutlich und nachvollziehbar, was die Drogensucht eines Mitglieds für den Rest der Familie bedeutet. Julia Roberts gibt als Mutter in diesem Film eine Darstellung, die keinen kalt lässt und die in ihrer Eindringlichkeit noch lange nachwirkt. Der Kampf um ihren Sohn im letzten Filmdrittel, dieses Wechselbad aus Angst, Hoffnung, Verzweiflung – und die Kraft die sie dabei ausstrahlt – das gehört schauspielerisch zum Besten, was man (neben Glenn Close in The Wife) zur Zeit im Kino sehen kann! Mutter Holly geht durch die Hölle, während sie ihren Sohn aus derselben befreien will.

Obwohl Hedges einige Hoffnung weckende Passagen einstreut und man Ben gute Chancen gibt, macht der Film deutlich, dass der Junge einen langen, unsicheren, schmerzvollen und steinigen Weg vor sich hat. Der Titel vermittelt ein wenig Hoffnung: „Ben is back“ kann, grosszügig ausgelegt, mehr bedeuten als nur ein Besuch zu Hause.

Die Regie: 8 / 10 
Das Drehbuch: 10 / 10 
Die Schauspieler: 10 / 10 
Gesamtnote: 9 / 10

Verfügbarkeit:
Der Film läuft zur Zeit in den Kinos.

Der Trailer: Wenn man den Film kennt, wirkt der Trailer wie dessen Kurzzusammenfassung. Nicht nur die Stimmung des Films wird darin ziemlich gut vermittelt, die gewählten Clips und Bits lassen auch den Tiefgang, den der Film hat, zumindest erahnen. Ebenso die familiäre Grundthematik. Dabei nimmt er nicht zuviel vorweg. Fazit: Gelungen, vermittelt einen guten Eindruck des beworbenen Films.

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1 Comment

  1. Hmmm, bin und war zwar nie der große Julia Roberts Fan. Aber was ich bisher über den Film und ihre Rolle gelesen habe, scheint „Ben is back“ wohl doch ein (oder zwei) Blicke wert zu sein.

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