Douglas Fairbanks‘ buntes Piratenspektakel

THE BLACK PIRATE
(dt.: Der schwarze Pirat)
USA 1926
Mit Douglas Fairbanks,sr., Donald Crisp, Billie Dove, u.a.
Regie: Albert Parker
Dauer: 94 min

Wenn sich Jack Sparrow in Fluch der Karibik von einem fallenden Mast oder einen schwenkenden Segel in die höchsten Höhen zu den Masten des Schiffs hochschnellen lässt, dann kann man nicht von Originalität sprechen: Diese oder ähnliche Szenen sehen zwar toll aus, doch es handelt sich dabei entweder um Zitate oder Plagiate – aus dem hier zu besprechenden Film.
The Black Pirate
enthielt bereits 1926 alles, was ein echter Piratenfilm braucht: Seemannsgarn, halsbrecherische Action, Tempo, Humor, atemberaubende Stunts, einen guten Schuss Ironie, einen Schatz, eine Liebesgeschichte, grimassierende Bösewichte, aufwändige Dekors und Bauten. Und Farbe!

Ja, tatsächlich: Farbe. Douglas Fairbanks bestand darauf, das pralle Abenteuer voll und ganz in Farbe zu drehen – zu einer Zeit, in der, wenn überhaupt, höchstens ein paar Sequenzen eines Films farbig waren. Es gab ein kompliziertes Verfahren, zwei-Farben-Technicolor genannt, das bis dahin nur für zwei Langfilme (The Toll of the Sea, 1922 und Wanderer of the Wasteland, 1924) verwendet worden und als zu aufwändig und zu teuer befunden worden war.

Der Schauspieler Douglas Fairbanks, der sein eigener Produzent war, scheute weder kosten noch Mühen, das Technicolor-Verfahren für The Black Pirate einzusetzen und es verbessern zu lassen. Der schwarze Pirat musste einfach farbig werden.
Unzählige Tests und Versuche waren nötig, bis das Resultat Fairbanks‘ Vorstellung entsprach und mit dem Dreh begonnen werden konnte. Das Resultat wirkt auf heutige, unvorbereitete, farbfilmgewohnte Filmkonsumenten im besten Fall unspetakulär. Versucht man sich aber, in die Zeit der Schwarzweissfilme zurückzuversetzen, dann ahnt man, wie faszinierend der Farbfilm damals gewirkt haben musste. Die Farbe zusammen mit den opulenten Dekors (es wurden ganze Schiffe nachgebaut, die Kulissen liebevoll mit opulenten Ornamenten geschmückt) ergeben einen beträchtlichen Schauwert! Der Film hatte denn auch grossen Erfolg beim Publikum, während das Gros der Kritiker an der sog. „Schwäche des Plots“ herumkrittelten, ein Vorwurf, der aus heutiger Sicht erstaunt.

Die Handlung, sie stammt übrigens von Fairbanks persönlich, hält jedem Vergleich zu „modernen“ Piratenfilmen stand. Die Charaktere sind stimmig und interessant und tragen die Handlung über die ganze Filmlänge hinweg.
Im Mittelpunkt steht Fairbanks Figur, die bis zuletzt in der Schwebe bleibt und damit auch in den unspektakulären Momenten für Spannung sorgt. Man weiss bis zur letzten Filmminute nicht, wer dieser „black Pirate“ eigentlich ist, der da auf einer einsamen Insel auf eine Horde Piraten stösst, sich ihen anschliesst und sich mit einem Husarenstück zu deren Anführer aufschwingt.
Unter den Oberpiraten findet er sowohl einen Verbündeten (Donald Crisp) und einen Widersacher (Sam De Grasse). Als von einem gekaperten Schiff eine Prinzessin an Bord kommt, wird er durch einen geschickten Verhandlungssschachzug zu ihrem Beschützer.

Erst im Nachhinein erhielt The Black Pirate die positive Würdigung, die er schon damals verdient gehabt hätte.
The Black Pirate
ist das, was man heute unter einem richtigen Swashbuckler versteht, er vermag mit seiner spannenden, geschickt aufgebauten Handlung, dem hohen Tempo, den Stunts und den Schwertkämpfen noch immer voll und ganz zu überzeugen.
Erst in den 50er-Jahren kam der Piratenfilm so richtig in Mode; das Duo Michael Curtiz/ Erroll Flynn fachte das Fieber an, zahlreiche Nachfolger zogen nach. Vergleicht man The Black Pirate mit jenen Streifen, so fällt auf, dass die Piratenfilme der 50er dem Fairbanks-Klassiker nichts Neues beizufügen hatten – ausser vielleicht den Ton. Der Piratenfilm erstrahlte bereits 1926 in vollster, ausgereifter Grösse.

Bleibt anzumerken, dass Douglas Fairbanks, sr, obwohl er in den Credits nur als Schauspieler erwähnt wird, einer jener Filmgrössen war, der wie Chaplin, Keaton oder Lloyd alle Fäden seiner Produktionen in der Hand hielt, dessen Gestaltungswille den Film prägte; einen „auteur“ würde man ihn heute nennen.
Wie die Werke seiner berühmten Kollegen aus dem Komödiensektor, war ein Fairbanks-Film ein Qualitätsprodukt, sein Name bürgte bei den Kinogängern für beste Unterhaltung.
Und das ist noch heute so: Fairbanks‘ berühmteste Filme wirken noch immer so frisch wie vor 80 Jahren. Auch wenn die Farbe in The Black Pirate heute etwas blass erscheint.
8/10


Die DVD: Die Bildschärfe ist sehr gut und die Farben sind erstaunlich gut erhalten.

Die Musikbegleitung wurde 1926 von Mortimer Wilson für diesen Film komponiert und hier von einem Kammerorchester unter Robert Israel neu eingespielt; sie ist auf der von mir gekauften DVD von Kino International enthalten und ist ein Highlight für sich! Dabei passt sie perfekt ins Geschehen und geht angenehm ins Ohr und kommt mit einem gewissen Anspruch daher: Die Komposition überzeugt voll und ganz!

Extras: Kommentierte Outtakes, ein sehr interessanter Audiokommentar von Filmwissenschaftler Rudy Behlmer.

Reginalcode: 0

Verfügbarkeit:
USA: Der Film wird von Kino International (USA) angeboten. Man bekommt ihn direkt bei Kino, oder bei amazon (dort gibt’s den Film ab und zu gebraucht für weniger Geld).
Deutschsprachiger Raum: Auch bei uns ist der Film erschienen, gleich bei mehreren Anbietern, hier sogar in guter Bildqualität; ich konnte allerdings nicht eruieren, welche Musikbegleitung da geboten wird.
Für Preisvergleiche, evtl. preisgünstigere Angebote und andere Fragen im Zusammenhang mit DVD-Bestellungen aus dem Ausland siehe auch die Tipps zur DVD-Bestellung im Ausland.

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Ein Kommentar

  1. Ah! Der liegt hier auch noch rum. Danke für die Erinnerung, macht viel Lust, ihn zu sehen – zumal ich vor einiger Zeit „Der Dieb von Bagdad“ gesehen habe und daraus eigentlich eine kleine Fairbanks-Reihe machen wollte.

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