Robin Williams

Jumanji (1995)

USA 1995
Mit Robin Williams, Kirsten Dunst, Bradley Pierce, Bonnie Hunt, Jonathan Hyde, Adam Hann-Byrd, u.a.
Drehbuch: Jonathan Hensleigh, Greg Taylor und Jim Strain nach dem Roman von Chris van Allsburg
Regie: Joe Johnston

Einer der Gründe, weshalb ich den amerikanischen Film so liebe, ist die Unkompliziertheit, ja Unverforenheit, mit der die Amis die abstrusesten Geschichten auf die Leinwand bringen; Jumanij ist ein sehr schönes Beispiel dafür.
Da geht es um ein Brettspiel, das den Spielern mit jedem Zug irgendeine Plage auf den Hals hetzt, die jeweils aus dem Nichts auftaucht und alle Beteiligten in eine wüstes Abenteuer verwickelt. Eine vollkommen abstruse Prämisse aus dem Reich der (Alp-)Träume also, eine kindisch-kindliche Fantasie, die kein europäischer Produzent umzusetzen sich trauen würde.
Gerade eben läuft eine Art Remake des Originals in den Kinos. Ein Grund, sich den Ur-Jumanji nochmals anzusehen.

Natürlich kann man sich fragen, was das Ganze eigentlich soll: Ein Spiel, das im Haus einen tropischen Regen auslöst, dass Nashörner, wilde Löwen, eine Affenhorde oder Riesenspinnen aus dem Nichts erscheinen lässt? Wie? Und vor allem: wozu?
Aber irgendwann in der Hälfte des Film kapituliert man vor dem schieren Charme des Ganzen, stellt das Hinterfragen ein und nimmt die Absurditäten als gegeben hin. Sobald man das tut, funktioniert Jumanji wunderbar und man hat seinen Spass an dem geballten Quatsch. Er ist ein reiner Unterhaltungsfilm, der in keinem Moment vorgibt, mehr als das zu sein, der mit sehr viel Detailliebe und Witz gemacht ist und viel Charme ausstrahlt.

Der Beginn zieht einen regelrecht in den Film hinein: Da schleichen sich im Jahre 1884 zwei Jungen in den Wald und vergraben in Panik ein Brettspiel namens Jumanij – tief unter der Erde. Was ist da bloss geschehen? Aus der Kiste ist ein unheimliches Trommeln zu hören.
Dasselbe Trommeln hört der junge Alan Parrish im Jahre 1969 auf einer nahen Baustelle und holt das vergrabene Spiel wieder ans Tageslicht. Und nun erfährt der Zuschauer nach und nach, weshalb es damals so tief vergraben wurde: Als Alan mit einer Freundin eine Partie spielt, geschehen die merkwürdigsten Dinge. Eines davon ist, dass Alan ins Spiel hineingesaugt wird und spurlos verschwunden bleibt.

26 Jahre später ziehen zwei verwaiste Kinder mit ihrer Tante in die verwahrloste Parrish-Villa ein. Natürlich finden sie das Spiel und der Zirkus geht von vorne los. Unter anderem spuckt das Spiel Alan jetzt wieder aus – als Erwachsener. Er musste 26 Jahre in einem namenlosen Dschungel verbringen und findet sich in der veränderten Welt seiner Heimatstadt kaum mehr zurecht. Aber er weiss: Alles Unheil, welches das Teufelsspiel hervorbringt, währt nur eine Runde lang; es verschwindet immer, wenn eine Partie zu Ende gespielt wurde. So versucht nun Alan, zusammen mit der wiedergefundenen Freundin von damals und mit Hilfe der beiden Kinder, die Parte von 1969 zum Abschluss zu bringen…

Einer der „running gags“ der Geschichte ist, dass die vom Spiel ausgespuckten Plagen jeweils ins benachbarte Kaff entfleuchen; man kann sich etwa vorstellen, was eine Horde Affen oder eine Stampede aus Nashörnern und Elefanten in einer US-Kleinstadt anzurichten imstande sind. In solchen Momenten nimmt die Lust der Macher am anarchischen Fabulieren überhand und Jumanji wird zum visuellen Fest.

Als Gegengewicht zu all den Schröcklichkeiten des Spiels setzen die Autoren die durchs Band sympathischen Charaktere, die dank der Schauspielerinnen und Schauspielern eine zauberhafte Atmosphäre schaffen.
Und erst ganz am Schluss realisiert man plötzlich, dass Jumanji auch eine Verbeugung vor Frank Capas Klassiker It’s A Wonderful Life ist. Aber wie und weshalb darf hier aus Spoilergründen nicht verraten werden.

Warum ist ein solcher Film bei uns nicht auch möglich? Wieso können das paraktisch nur die die Engländer und die Amerikaner?
Es gab einmal eine Zeit, da wurde im europäischen Kino genauso wild drauflosfabuliert – man denke nur an die irrwitzigen Stummfilm-Fantastereien des französischen Filmpioniers Georges Méliès! Sogar in Deutschland wurde vor, während und nach dem zweiten Weltkrieg mit Filmstoffen wesentlich lockerer und unbeschwerter umgegangen als dies heute der Fall ist. Dann kam 1968. Amerika wurde als imperialistisch gebrandmarkt, unter anderem war auch der amerikanische Film plötzlich nicht mehr salonfähig; dessen Einfluss wurde aus dem europäischen Kino regelrecht exorziert. Übrig blieb – mit Ausnahmen – ein cinèastisches Jammertal, das zwar viele Kunstfilme hervorbrachte, aber der Spass, die Originalität und die Freude war für immer aus den Köpfen der Filmemacher verbannt. Es gibt zwar heute wieder vermehrt „lustige“ europäische Filme, denen merkt man den Krampf mit dem Humor aber noch immer an.
Aus dem englischsprachigen Kino vermochten die 68er die unbeschwerte Kindsköpfigkeit zum Glück nie ganz zu tilgen, dort blieb so etwas wie Jumanji bis heute möglich. Die Filmemacher Englands und Amerikas gehen unbeschwerter und somit kreativer an ihre Stoffe heran. Und dafür liebe ich das englischsprachige Kino. Die Geringschätzung, die ihm auf dem Kontinent stets entgegengebracht wird, entspringt einem alten Vorurteil, das von gewissen Kritikern aus Tradition aufrecht erhalten wird, das aber längst überholt sein sollte.

Die Regie: 8 / 10 
Das Drehbuch:  8 / 10 
Die Schauspieler: 8 / 10 
Gesamtnote: 8 / 10

Verfügbarkeit:
Jumanji
gibt es im deutschsprachigen Raum auf DVD und auf Blu-ray (deutsche Synchro und englische Originalfassung mit dt. Untertiteln).
Gestreamt werden kann er zudem wie folgt:
Deutsch / Englisch mit dt. Untertiteln: amazon prime video, iTunes.
Deutsch / Englisch: Sky Store, Rakuten TV, Videoload und Chili.
Nur Deutsch: maxdome, Google Play, Microsoft und Sony.
Ich empfehle die englische Originalversion.

Bewegte Bilder

 

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