Henry Fonda

Trommeln am Mohawk (1939)

USA 1939
Mit Henry Fonda, Claudette Colbert, Edna May Oliver, Eddie Collins, Arthur Shields, Ward Bond, Dorris Bowdon u.a.
Drehbuch: Lamar Trotti und Sonya Levien nach dem Roman von Walter D. Edmonds
Regie: John Ford
Dauer: 104 min

Bevor John Ford seine viele Jahre währende legendäre Zusammenarbeit mit John Wayne begann, drehte er mehrere Filme mit Henry Fonda. Drums along the Mohawk ist der mittlere von drei aufeinander folgenden Ford-Fonda-Kollaborationen; die anderen waren Young Mister Lincoln (ebenfalls 1939) und The Grapes of Wrath (1940). Von den drei genannten ist Drums Along the Mohawk der schwächste. Er ragt aber immer noch deutlich aus der Filmproduktion von anno dazumal heraus.

Ford arbeitete am liebsten mit immer denselben bewährten Leuten zusammen; am deutlichsten sticht dies bei der Besetzung der Nebenrollen ins Auge. Ward Bond, John Carradine und Francis Ford (der Bruder des Regisseurs) fehlen in wahrscheinlich keinem John-Ford-Film.

Obwohl in Drums Along the Mohawk Indianer und ein Fort auftauchen, handelt es sich dabei nicht um einen Western im klassischen Sinne. Hier wird die Geschichte zweier Siedler erzählt, die in die Wirren des amerikanischen Bürgerkriegs hineingezogen werden. Gilbert Martin (Henry Fonda) und seine frisch angetraute Gattin Lana (Claudette Colbert), ziehen unmittelbar nach ihrer Hochzeit mit einem Planwagen los in die Wälder des Mohawk Country, um dort ein Leben als Farmer zu beginnen. Nach mehreren strapaziösen Reisetagen erreichen sie die Hütte, die Gilbert zuvor gebaut hatte. Das Luxus gewohnte Stadtkind Lana bekundet zunächst Schwierigkeiten mit dem einfachen Leben, doch entwickelt sie sich im Lauf der Ereignisse rasch zur bodenständigen, praktisch denkenden Ehefrau.

Bald erreichen die Vorboten des Civil War die friedliche Gegend. Von den Engländern gekaufte und zu Kriegszwecken instrumentalisierte Indianer fallen in den Siedlungen der Bauern ein und zerstören deren Lebensgrundlagen. Gil und Lana bleibt nichts anderes übrig, als sich bei einer reichen Witwe (Edna May Oliver) als Hauhaltshilfen zu verdingen. Doch bald tobt Krieg überall, den Zivilisten bleibt nur noch der Einzug ins Schutz bietende nahe Fort.

Was wird dem Film anlässlich seiner Blu-ray-Neuausgabe hierzulande von den Kritikern nicht wieder alles vorgeworfen! Das Indianerbild! Das Frauenbild! Der Patriotismus! Jesses Gott!!
Alles halb so wild – wenn die Leute erst nachdenken würden, bevor sie ihren Gutmensch-Reflexen nachgeben und wütend in die Tasten greifen, wäre ihnen vielleicht aufgegangen, dass die „bösen“, mordlustigen Indianer, welche alle Angriffe auf die Siedler führen, von den Engländern als Kanonenfutter verwendet werden. Das zeigt der Film meines Erachtens deutlich – und da zeichnet er einfach eine historisch verbürgte Tatsache nach! Die Weissen halten sich bei den Angriffen fein im Hintergrund, wärend die Indianer im Schlachtgetümmel ihre Leben lassen. Die viel monierte Szene, wo zwei besoffene Indianer in ein Haus eindringen und alles in Brand setzen, funktioniert als Hinweis auf die schäbige „Bezahlung“ – Kampf auf unserer Seite gegen Feuerwasser – und auf die Ausnutzung der Indianer durch die Engländer.
Dies alles wird kommentarlos einfach gezeigt. Doch ohne anklagendes Begleit-Gejaule verstehen unsere Gutmenschen die einfachsten Sachverhalte nicht oder falsch; und wer sich nicht explizit und lauthals von einem Missstand distanziert, gerät sofort in den Verdacht der Kollaboration. In diesem Fall sogar rückwirkend!

Und das Frauenbild? Es gibt zwar eine Hysterie-Szene am Anfang – Lana sieht ihren ersten Indianer – doch danach entwickelt sie sich zu einer zupackenden, initiativen Frau. Zudem kommen im Film gleich mehrere Frauen vor, die den Männern punkto Courage und Witz in nichts nachstehen. Auch werden die ganzen Ereignisse in Drums Along the Mohawk aus weiblicher Sicht erzählt: Obwohl dies nirgends explizit erwähnt wird, sieht man die Ereignisse permanent durch Lanas Augen, was dem Geschehen unausgesprochen einen Appell an das Zwischenmenschliche zugrunde legt.

Soviel zur inhaltlichen Rehabilitierung dieses hervorragenden Films, den man hierzulande gerne kaputt redet.
Fords erster Farbfilm ist ein weiteres inszenatorisches Meisterstück und es gelingen ihm Sequenzen von tiefer Eindringlichkeit und Bilder von überragender Schönheit und Poesie! Schwächen des Drehbuches macht er mit einer wunderbar temporeichen, immer bewegten und dank zahreicher inszenatorischer Einfälle bewegenden Inszenieung wett. Es ist eine Freude, dem Film zu folgen, man ist von Anfang bis Ende gepackt und ins Geschehen hineingezogen.

Es gibt ein, zwei seltsame Brüche im Film. Der signifikanteste taucht nach der wohl grossartigsten Sequenz des ganzen Films auf, als die Siedler als gebrochenes Häufchen von einer Schlacht heimkehren und von den Frauen in Empfang genommen werden. Die Kamera hält lange auf Gil, der die Schlacht rekapituliert. Fonda hat hier eine der bemerkenswertesten Szenen seiner gesamten Schauspielerkarriere. Der Horror der Schlacht spiegelt sich in seinem gequälten Gesicht und in seinen abgerissenen Sätzen.
Dann ein Schnitt, am nächsten Morgen – Gil ist seelisch wieder der alte.
Dieser Bruch hat damit zu tun, dass das Studio (Fox) kein Geld hatte, die Schlacht so ausführlich und aufwändig zu produzieren, wie sie vom Drehbuch vorgesehen war. Nach einigen Disputen mit dem Produzenten Daryl F. Zanuck griff Ford kurzerhand zu einer Notlösung: Er bat Fonda, sich hinzulegen, sich in Gils Charakter zu versetzen; dann stelle er ihm aus dem Off Fragen zur Schlacht, Fonda improvisierte aus dem Stehgreif. Die Fragen wurden bei der Tonabmischung ausgeblendet und so entstand eine eindrückliche und absolut effektive Schlachtsequenz ohne Schlacht. Dass die Sequenz nicht im Drehbuch stand, merkt man am eben erwähnten Bruch deutlich.

Auch Schauspielerisch weiss Drums Along the Mohawk rundum zu überzeugen. Die oben beschriebene Sequenz wäre mit einem weniger talentierten Hauptdarsteller eher peinlich geworden – Henry Fonda holt das Bestmögliche aus ihr wie auch aus seiner eher farblosen Rolle heraus. Claudette Colbert spielt die Wandlung vom Stadtpüppchen zur Farmersfrau bemerkenswert glaubwürdig. Und Edna May Oliver, die zuvor in zwei Hollywoodschinken als englische Königin zu sehen war, wird hier überzeugend zur vierschrötigen Farmerswitwe, die den Männern mit ihrer Unerschrockenheit Respekt einflösst.

Die Regie: 10 / 10 
Das Drehbuch:  8 / 10 
Die Schauspieler: 10 / 10 
Gesamtnote: 9 / 10

Verfügbarkeit:
Drums Along the Mohawk kam mit zehnjähriger Verspätung in die deutschsprachigen Kinos. Unter dem Titeln Trommeln am Mohawk hatte er im Dezember 1949 in Deutschland Premiere.
Der Film ist 2018 im deutschsprachigen Raum auf DVD und auf Blu-ray erschienen (deutsche Synchro / englische Originalfassung mit deutschen UT).
Im Stream ist er leider bei keinem Anbieter zu finden.

 

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Der fasche Mann (1956)

USA 1956
Mit Henry Fonda, Vera Miles, Harold J. Stone, Charles Cooper, Anthony Quayle u.a.
Drehbuch: Maxwell Anderson und Angus MacPhail nach einer Story von Maxwell Anderson
Regie: Alfred Hitchcock
Dauer: 105 min

Ich weiss nicht, wer die Fehlinformation in die Welt gesetzt hat, jedenfalls hält sie sich seit Jahrzehnten hartnäckig: Sie betrifft Alfred Hitchcocks angebliche thematische Spezialität. Sein Lieblingsthema heisst es immer wieder, sei jenes des Unschuldigen gewesen, der in ein Verbrechen hineingezogen wird. Schliesslich stünde ein solcher in fast allen seinen Filme im Zentrum. Der Meister selbst unterstützte diese Legende – wahrscheinlich mit einem heimlichen Grinsen über die Gutgläubigkeit der Filmjournalisten.
Betrachtet man die Inhaltsangaben anderer Thriller, Noirs und Krimis, fällt auf, dass besagter Unschudiger im Genre praktisch zum Standard gehört – auch wenn die untersuchten Filme nicht von Hitchcock stammen. Der unschuldige, unbescholtene Bürger dient im Krimigenre unabhängig vom Regisseur seit jeher als Identifikationsfigur, durch welche sich die Spannung gut auf den Zuschauer übertragen lässt.
Obwohl The Wrong Man oft als Höhepunkt von Hitchcocks Beschäftigung mit „dem Unschuldigen“ gilt, funktioniert er gänzlich anders als seine bekannten Thriller, ist somit kein typischer „Hitchcock“. Stilistisch lässt er sich eher dem Film Noir zuordnen.

Im Mittelpunkt steht der von Henry Fonda mit stoischer Gleichförmigkeit verkörperte Musiker Manny Balestrero, der eines Tages im Büro einer Versicherungsgesellschaft eine Auskunft einholen möchte und dort als Geldräuber identifiziert wird. Als ihn im Zug einer polizeilichen Untersuchung weitere Zeugen belasten, wird Manny eingebuchtet.
Schon der Titel und die Wahl des Hauptdarstellers stellen klar, dass Manny der „falsche Mann“ ist und es sich um eine fatale Verwechslung handelt. Der Film dreht sich also nicht um die Frage, ob Manny nicht vielleicht doch als Dieb unterwegs war (er kann seine Familie mit dem kargen Musikerlohn kaum ernähren), sondern er zeigt minuziös und in quälender Langsamkeit und Detailliertheit, wie ein Unschuldiger in die Mühlen der Justiz gerät.
Dass dies auf plakative und oberflächliche Art geschieht, ist der Zeit oder dem eher schwachen Drehbuch zuzuschreiben. Der Film vermag heute kaum mehr zu fesseln; was damals vielleicht noch neu und aufrüttelnd war – vor allem die erste Hälfte, wo der Gang der Ereignisse konsequent aus der Perspektive des Opfers zu sehen ist – das wirkt heute antiquiert, überholt und – ja, langweilig. Wobei die Langeweile in erster Linie dem distanzierten Spiel sämtlicher Darsteller und der mangelnden Tiefe der Figuren zu verdanken ist.

Hitchcock macht zwar mit seiner virtuosen und fantasievollen Inszenierung das denkbar Beste aus der Sache, doch auf Dauer vermag er das Interesse damit nicht am Leben zu erhalten. Als Studienobjekt für Filmschüler eigent sich The Wrong Man hervorragend. Den durchschnittlichen Filme-Gucker dürfte er aber eher kalt lassen.

Die Regie: 9 / 10 
Das Drehbuch:  6 / 10 
Die Schauspieler: 7 / 10 
Gesamtnote: 7 / 10

Für Bewohner der Schweiz: (Die vorgängige Installation eines Adblockers ist zu empfehlen)
Englische Orginalfassung  (rechts auf „Mirror 4“ klicken)
deutsch synchronisierte Fassung (leider nicht verfügbar)

Für EU-Bewohner:
Der falsche Mann gibt es im deutschsprachigen Raum auf DVD (deutsche Synchro und englische Originalfassung mit dt. Untertiteln). Gestreamt werden kann er bei iTunes (Deutsch/Englisch mit dt. UT) und maxdome (nur Deutsch).