I Wanna Hold Your Hand (1978)

USA 1978
Mit Nancy Allen, Wendie Jo Sperber, Bobby Di Cicco, Marc McClure, Theresa Saldana, Eddie Deezen u.a.
Drehbuch: Robert Zemeckis und Bob Gale
Regie: Robert Zemeckis
Dauer: 90 min

I Wanna Hold Your Hand  war der erste Film von Robert Zemeckis (Back to the Future, Forrest Gump). Er spielt in den Sechzigerjahren, als die Beatles erstmals nach Amerika kamen, um in der Johnny Carson Show aufzutreten. Vier junge Frauen und zwei Männer fahren von Jersey nach New York, um den Beatles persönlich auf den Leib zu rücken. Ihr Ziel ist es, den TV-Auftritt der „Fab Four“ live mitzuerleben. Sie sind nicht die einzigen! Auf dem Weg dorthin geraten sie an Polizisten, Spiesser, Verrückte, zudem verlieren sich immer wieder in Scharen hysterischer Fans. Garniert wird der verrückte Reigen mit einer Vielzahl von Beatles-Songs.

Ich habe den Hype um Zemeckis nie wirklich verstanden. Er ist weder ein besonders begabter Regisseur noch ein herausragender Drehbuchautor. Bei Forrest Gump fand ich nur das Klakül, mit dem er konzipiert wurde und die hymnischen Begeisterungsstürme, die er auslöste, bemerkenswert. Auch sein Erstling, dessen Sichtung ich jetzt nachgeholt habe, lässt mich staunend, aber nicht zufrieden zurück.

Zu Beginn ist I Wanna Hold Your Hand durchaus komisch und originell; doch der Witz verflüchtigt sich nach ca. 30 Minuten, danach hängt der Steifen mehrheitlich durch. Und sobald der aus Grease bekannte „Komiker“ Eddie Deezen seinen Auftritt hat, kippt der Film ins Unerträgliche. Deezen spielt hier seine erste Filmrolle, den vollkommen bescheuerten, zurückgebliebenen Richard „Ringo“ Klaus, eine rechthaberische, hyperaktive, spastisch zuckende Nervensäge mit Kleinkindallüren – einen ohnehin als völlig überdreht konzipierten Charakter. Deezen spielt ihn derart übertrieben und derart grauenhaft schlecht, dass er damit dem Film schadet. Von diesem Tiefschlag erholt sich der Film nicht mehr.

Was Deezen bietet, ist weder lustig noch originell; die Sequenzen, in welchen er zu sehen ist, sind nur peinlich. Das hätte der Regisseur eigentlich verhindern müssen.
Die anderen Schauspielerinnen und Schauspieler agieren auch überdreht, doch bei ihnen ist komödiantisches Gespür im Spiel, ihre Darbietungen sind gut ausbalanciert und dadurch wirklich komisch – oder im Fall von Bobby Di Cicco zumindest gerade noch an der Toleranzgrenze. Deezen dagegen wirkt zügel- und führungslos – ein Manko, das ich zu grossen Stücken dem Regisseur anlaste. Unter dem Stichwort „Schauspielerführung“ wäre ein Zurückbinden dringend nötig gewesen.

Das Drehbuch glänzt weder mit Dialogen noch Einfällen, die über dem Durchschnitt liegen, die Regie ist, abgesehen von der Schauspielerführung zumindest solide… Ein schwacher Film, dem ein miserabler Schauspieler den Todesstoss versetzt.
Muss man sich nicht antun…

Die Regie: 7 / 10 
Das Drehbuch: 6 / 10 
Die Schauspieler: 5 / 10 
Gesamtnote: 6 / 10

I Wanna Hold Your Hand war im deutschsprachigen Raum nie in den Kinos zu sehen. Er ist aber seit rund einem Jahr im deutschsprachigen Raum auf DVD erhältlich (deutsche Synchro / englische Originalfassung mit deutschen UT).
Im Stream ist er bei keinem Anbieter zu finden.

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Mensch, Dave! (2008)

USA 2008
Mit Eddie Murphy, Ed Helms, Gabrielle Union, Elizabeth Banks, Scott Caan u.a.
Drehbuch: Rob Greenberg
Regie: Brian Robbins
Dauer: 90 min

Eddie Murphy spielt ein ausserirdisches Raumschiff. Und dessen Commander.
Ich hatte mich hier bereits darüber ausgelassen, dass die Amerikaner keinerlei Hemmungen haben, die abstrusesten Ideen filmisch umzusetzen. Man kann das wilde Drauflosfabulieren auch „Kreativität“ nennen – dem europäischen Kino fehlt das lustvolle und hemmungslose Spinntisieren jedenfalls fast gänzlich.

Eddie Murphy spielt also ein Raumschiff, das aussieht wie Eddie Murphy und das auch funktioniert wie ein Mensch. In seinem Innern befindet sich eine Crew aus im Vergleich zu den Erdlingen winzigen Menschen. Dass sie sich untereinander auch in Englisch verständigen, ist zwar ganz praktisch, aber ziemlich unglaubhaft. Aber dieses Hinterfagen ist wieder typisch europäisch. Will man damit bei diesem Film anfangen, findet man kein Ende mehr. Die Amis denken praktisch, also akzeptieren wir es einfach!
Überhaupt: Was ist hierzulande an dem Streifen herumgemäkelt worden, mit Argumenten, die man nicht benützen dürfte, wenn man den Amis Dummheit vorwirft: Die Kinder der 80er-Jahre verreissen Meet Dave, weil er nicht genau den Eddie Murphy der Achzigerjahre zeigt. Andere mäkeln, dass er eine verlogen heile Erdenwelt zeige, weil im Film keine Bösewichte vorkommen. (Wievielen Bösewichten begegnen Sie täglich?) Wieder andere regen sich über die Infantilität auf.
Alles schön und gut; Eddie Murphy ist nicht in den Achzigerjahren stehen geblieben, die Film-Erdlinge sind alle mehr oder weniger nett und die Idee zum Film mag infantil sein – über die handwerkliche Qualität des Streifens sagen diese Kritikpunkte gar nichts aus. Nur darüber, dass gewisse Leute es nicht vertragen, wenn ein Film nicht so ist, wie sie ihn gern haben wollen und die sich als Egozentriker entblössen, weil sie ihre Forderungen als Rezension ausgeben.

Kurze Zwischenbilanz: Die Amis können infantile Filme machen, sie haben kein gestörtes Verhältnis zur eigenen Kreativität, zum inneren Kind, und spinntisieren manchmal einfach drauflos. Eine Abneigung gegen diese wahrscheinlich aus Neid entstandene Haltung ist noch kein Qualitätsurteil.

Meet Dave ist nicht, wie einige jetzt vielleicht denken mögen, ein Film voller cinèastischer Wundertaten und handwerklicher Raffinesse. Bei weitem nicht. Aber er ist keineswegs „grottenschlecht“, „nicht zum ansehen“, ein „Tiefpunkt“. Er ist ein sympathischer Unterhaltungsfilm mit komödiantischen Glanzleistungen, herrlich verrückten Einfällen und überbordender Fantasie. Die Akteure bleiben fast durchwegs verhalten und das Ganze kippt nie ins Plumpe. Schenkelklopfen ist nicht.

Die Grundidee des menschgewordenen, durch die Crew von innen gesteuerten Raumschiffs lässt Platz für endlose komische Situationen, die denn auch weidlich gemolken werden. Aus der Unkenntnis der menschlichen Gepflogenheiten erwachsen immer wieder neue (wirklich neue!) komische Situationen, welche die Macher oft nur so nebenher einstreuen.
Das Raumschiff kommt als Feuerball zur Erde und schlägt neben der Freiheitsstatue ein. Als sich der Rauch verzogen hat, wird man gewahr, dass da eine Person Kopf voran im Boden steckt. Eddie Murphy spielt die menschenähnliche Maschine, welche die menschliche Zivilisation und ihre Rätsel kennenlernt, phänomenal. Es ist jederzeit erkennbar, dass „Dave“ eine Maschine ist, auch bei den kleinsten Regungen, und doch wächst einem das Ding mit der Zeit ans Herz.
Eigentlich wollte das Volk vom Planeten Nil die Erde ja ihres Wassers berauben – doch je länger sich Dave, das Raumschiff unter den Erdlingen bewegt, desto mehr Verständnis und Zuneigung entdecken die Nillianer bei sich und für die „Fremdlinge“ und rücken schliesslich von ihrem zerstörerischen Plan ab.

Die Regie: 7 / 10 
Das Drehbuch:  8 / 10 
Die Schauspieler: 9 / 10 
Gesamtnote: 8 / 10

Verfügbarkeit:
Meet Dave ist im deutschsprachigen Raum auf DVD und auf Blu-ray erhältlich (deutsche Synchro / englische Originalfassung mit deutschen UT).
Im Stream zu finden ist er bei amazon prime und iTunes (möglicherweise nur Deutsch, ist leider nicht verifizierbar), Google Play, Videoload, videociety und Freenet Video (nur Deutsch).

Wer den Wind sät (1960)

USA 1960
Mit Fredric March, Spencer Tracy, Gene Kelly, Harry Morgan, Donna Anderson, Dick York u.a.
Drehbuch: Nedrick Young und Harold Jacob Smith nach dem Theaterstück von Jerome Lawrence und Robert E. Lee
Regie: Stanley Kramer
Dauer 122 min

Vor dem Gerichtsgebäude des US-Kaffs Hillsboro steht ein Mann; nach einem Blick auf seine Taschenuhr läuft er los, vom Gebäude weg. Während die Filmtitel eingeblendet werden, folgt ihm die Kamera auf seinem Weg durch die Strassen. Dezente Marschmusik erklingt, die von unheilvollen Dissonanzen durchsetzt ist und mit einem Negro-Spiritual unterlegt wird. Der Mann geht im Takt mit der Marschmusik. Unterwegs trifft er auf einen weiteren Mann, der ihm sogleich folgt. Immer mehr Männer kommen dazu; sie blicken düster, folgen offenbar einem Plan, der sie zielstrebig zu einem altes Haus hinführt. Wird gleich jemand erschossen? Ein Schwarzer verprügelt? Irgendetwas Schwerwiegendes wird gleich geschehen!

Die eindrucksvoll ausgeführte Eingangssequenz zu diesem Film ist eine einzige Irreführung. Denn was so überaus dramatisch eingeleitet wird, entpuppt sich als geradezu lächerlich: Der Dorflehrer Bertram Cates (Dick York) wird verhaftet, weil er den Kindern Darwins Evolutionstheorie erklärt hat. Wir schreiben das Jahr 1925.

Die pompöse Ernsthaftigkeit der Eingangssequenz gibt nicht nur den Ton des Films vor – den der Satire – sie widerspiegelt gleichzeitig den Gemütszustand der wichtigen Männer im Dorf. Für sie ist das „Verbrechen“ des Lehrers – das Verderben der gottesfürchtigen Kinderseelen mit pseudowissenschaftlichem Teufelszeug – tatsächlich die schlimmste vorstellbare Katastrophe überhaupt. Und das in ihrer Stadt!

Dem Lehrer soll der Prozess gemacht werden. Zu diesem Zweck wird der im ganzen Land berühmte Anwalt Matthew Harrison Brady (Fredric March) engagiert, nicht zuletzt, weil er die Dorfbevölkerung Hillsboros punkto Gläubigkeit und Bibeltreue fast noch übertrifft. Mit Brady kommt automatisch die Publicity nach Hillsboro Und die Presse. Weil sich der zynische Reporter Hornbeck (Gene Kelly) am Umstand stört, dass der Angeklagte eigentlich nur religiösen Eiferern gegenübersteht, bietet er als Verteidiger Bradys alten Freund und Kontrahenten, den aufklärerischen Anwalt Henry Drummond (Spencer Tracy) auf.

Inherit the Wind basiert auf einer wahren Begebenheit aus dem Jahre 1925, welche 1955 von den Autoren Jerome Lawrence und Robert E. Lee aufgegriffen und dramaturgisch überspitzt zu einem äusserst erfolgreichen Theaterstück verarbeitet wurde. Im Film wird der Prozess zum landesweit ausgreifenden Riesenrummel, zum „Clash of the Titans“ des Rechts – und natürlich der Schauspielkunst. Wissenschaft contra Kirche ist das Thema – und damit wirkt der Film heute leider antiquiert. Die von den Kritikern fast einhellig herbeigeredete Aktualität sehe ich an einem ganz anderen Ort.

Kramers Film behandelt das Verhältnis zwischen Redefreiheit und Fundamentalismus. Dass er dies am Widerstreit zwischen Kirche und Wissenschaft aufhängt, mag 1960 schlüssig gewesen sein, heute wirkt es nur noch befremdlich. Dieser Streit ist – zumindest bei uns – weiss Gott überwunden und seit ich denken kann, kein Thema mehr. Wohingegen die Redefreiheit heute bei uns wieder massivst ins Hintertreffen gerät, allerdings nicht dank christlich-religiösem sondern wegen politischem Fundamentalismus: Richtig diskutiert wird auf der politischen Bühne heute nicht mehr  – Andersdenkende werden sofort mit der Nazi-Keule und ähnlich aggressivem Geschütz mundtot gemacht. Aber das ist eine andere Geschichte.
So kann ich zwar konstatieren, dass der Film einen heute brennend aktuellen Themenkreis behandelt (Redefreiheit vs Fundamentalismus), muss aber auf der anderen Seite feststellen, dass er dies derart dicht mit dem Streit zwischen Kirche und Naturwissenschaft verzahnt, dass der Bezug zum Heute nicht mehr erkennbar ist. Als Fenster in eine vergangene Zeit funktioniert Inherit the Wind hingegen gut.

In der der Machart mache ich einige erhebliche Schwächen aus. Am schwierigsten finde ich den Umstand, dass Inherit the Wind sich nicht zwischen Satire und Drama entscheiden kann. Da ist der Film geradezu schizophren: Die Gottesfürchtigen, die Bevölkerung Hillsboros, ihr Pfarrer und der bibelfeste Anwalt Brady sind allesamt Karikaturen, zum Teil regelrechte Knallchargen; alle, die auf der anderen Seite stehen, werden nüchtern gezeichnet. Damit, dass der Film die eine Seite überzeichnend diffamiert, bezieht er klar Stellung – entgegen der Behauptung vieler Kritiker, er würde gerade dies nicht tun. Fürs Diffamieren habe ich nichts übrig; das permanente Lavieren zwischen Ernst und Satire schwächt die Aussage zusätzlich, weil man die diffamierte Seite nicht ernst nimmt.

Ich halte Inherit the Wind aus diesen Gründen für einen von Stanley Kramers schwächeren Filmen. Natürlich ist das Schauspieler-Duell Tracy-March ein Ereignis, das den Streifen über seine Schwächen hinweg trägt und ihn zumindest in hohem Mass unterhaltsam macht. Aber den Status des „unsterblichen Klassikers“, der ihm anhaftet, hat er in meinen Augen nicht verdient.

Die Regie: 8 / 10 
Das Drehbuch:  7 / 10 
Die Schauspieler: 10 / 10 
Gesamtnote: 8 / 10

Verfügbarkeit:
Inherit the Wind ist seit kurzem im deutschsprachigen Raum wieder auf DVD erhältlich (deutsche Synchro / englische Originalfassung ohne deutsche UT).
Gestreamt werden kann leider bei keinem Anbieter im deutschsprachigen Raum.