Und ein stolzer Hahn dazu (1928)

FILM AB

USA 1928
Mit Max Davidson, Bert Sprotte, Martha Sleeper, Spec O’Donnell, Gene Morgan
Drehbuch: Reed Heustis
Regie: Fred Guiol

Der deutsch-jüdische Schauspieler Max Davidson gehört zu den zahlreichen vergessen grossen Komödianten der Stummfilmzeit. Damals konnte er mit seinen unter Hal Roach entstandenen Kurzfilmen einen beachtlichen Erfolg verbuchen und brachte es zu einiger Berühmtheit. Im Zuge der grassierenden politischen Korrektheit galt seine stereotypisierte Figur des jüdischen Einwanderers zunehmend als nicht mehr salonfähig und Davidson verschwand in der Versenkung.
Pass the Gravy gehört zu seinen besten Filmen. Er handelt von zwei Nachbarn, beides jüdische Einwanderer, die es in Amerika zu etwas Wohlstand gebracht haben (beide Hausptdarsteller waren gebürtige Deutsch-Juden). Als der preisgekrönte Hahn des einen (unbeabsichtigt) im Kochtopf des anderen landet, bahnt sich eine nachbarschaftliche Katastrophe an – vor allem, weil der Besitzer des Hahns zu dem Festessen eingeladen ist.
Der Film beginnt ziemlich gemächlich – doch Geduld! Was dann kommt… doch seht selbst!
Viel Spass!

 

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Die Klapperschlange (1982)

USA 1982
Mit Kurt Russell, Lee van Cleef, Adrienne Barbeau, Harry Dean Stanton, Donald Pleasance, Isaac Hayes, Ernest Borgnine u.a.
Drehbuch: John Carpenter und Nick Castle
Regie: John Carpenter

Diesmal fasse ich mich kurz. Über diesen Film gibt es wirklich nicht viel zu sagen.

Escape from New York, ein Science-Fiction-Film des Kultregisseurs John Carpenter (Halloween, The Fog), geht von einer durchaus faszinierenden Grundidee aus: Die Insel Manhattan ist in der Zukunft (im Film 1997) abgeriegelt und mit einer hohen Mauer umgeben, da sie als Hochsicherheitsgefängnis dient. Die Gefangenen Manhattans sind auf sich gestellt, überwacht werden sie von aussen – via Kameras. So konnte sich in den total heruntergekommenen Quartieren eine Parallelgesellschaft entwickeln, in der das Recht des Stärkeren herrscht.
In diese Schattenwelt wird der ehemalige Söldner „Snake“ Plissken (Russell) eingeschleust. Durch eine unglückliche Verkettung von Umständen ist auch der US-Präsident (Pleasance) dort hineingeraten und wird vom „König der Unterwelt“ (Hayes) und dessen Bande gefangen gehalten. Plissken soll ihn aus dem „Höllenpfuhl“ herausholen.

Das klingt ganz interessant, zudem gilt Escape from New York als Kultfilm. Die Visionierung allerdings fällt ernüchternd aus. Abgesehen von einigen Schauwerten (etwa das Fehlen der Lichter in der nächtlichen Skyline Manhattans), die sich aber mit zunehmender Filmdauer mehr und mehr abnutzen, bleibt Carpenters vielgelobter Film erheblich hinter den Erwartungen zurück. Die Figuren bleiben allesamt flach, und die Erzählung ist allzu simpel, kommt praktisch ohne Zwischentöne aus und bleibt auf das Aneinanderreihen von Episoden beschränkt, wobei einige Sequenzen geradezu lächerlich erscheinen (etwa der Umstand, durch den der Präsident im abgesperrten Manhattan landet). Als Freund der Schauspielkunst kommt man auch nicht auf seine Kosten – trotz hochkarätiger Besetzung.

Escape from New York gleicht eher einem Trashfilm – allerdings einem handwerklich hervorragend gemachten mit grossem Budget. Tatsächlich ist die Machart das beste dran, darauf wurde sichtlich mehr Zeit und Talent verwendet als für Nebensächlichkeiten wie, zum Beispiel, ein solides Drehbuch.

Die Regie: 8 / 10 
Das Drehbuch:  4 / 10 
Die Schauspieler: 6 / 10 
Gesamtnote: 6 / 10

Verfügbarkeit:
Escape From New York (dt.: Die Klapperschlange) gibt es im deutschsprachigen Raum auf DVD und auf Blu-ray (deutsche Synchro und englische Originalfassung mit dt. Untertiteln).
Gestreamt werden kann er zudem wie folgt:
Deutsch / Englisch mit dt. Untertiteln: amazon prime video
Deutsch / Englisch: Videoload, iTunes
Nur Deutsch: maxdome, Pantaflix, videociety, Sony.

Bewegte Bilder:

 

Walt Disneys Geheimnisse (1941)

USA 1941
Mit Robert Benchley, Frances Gifford, Buddy Pepper, Nana Bryant, Clarence Nash, Florence Gill, Alan Ladd, u.a.
Drehbuch: Ted Sears, Al Perkins, Larry Clemmons, William Cottrell und Harry Clork
Regie: Alfred E. Werker

Im Jahr 1941 begannen für Walt Disney die Probleme.
Natürlich nicht nur für ihn; der Eintritt der Vereinigten Staaten in den Krieg gegen Nazideutschland wurde für die gesamte US-Filmindustrie schwierig: Plötzlich brachen die lukrativen Absatzmärkte in Europa weg und wichtige Mitarbeiter wurde von der Army zum Dienst am Vaterland eingezogen.
Bei Disney hingegen drohte ein veritables Finanzdebakel: Angespornt vom weltweiten Riesenerfolg des ersten abendfüllenden Animationsfilms, Snow White and the Seven Dwarfs (1937), liess Walt in Burbank ein nach neusten architektonischen Konzepten geplantes, luxuriöses und sehr kostspieliges neues Studio aus dem Boden stampfen. Nicht eingeplant im Budget war der mässige finanzielle Erfolg des Folgefilms Pinocchio, der wegen der plötzlich fehlenden Absatzmärkte die Bilanz erheblich belastete. Fast zugleich liess Disney auch noch einen „Risikofilm“ vom Stapel: Den in jahrelanger Vorarbeit teuer und  aufwändig produzierte experimentelle Musiktrickfilm Fantasia; dieser geriet schon auf dem heimischen Markt zum eklatanten Misserfolg.

Die Arbeiten an den nächsten Projekten, Dumbo (ebenfalls 1941) und Bambi (1943) waren bereits weit fortgeschritten, kamen nun aber wegen kriegsbedingter Abwesenheiten wichtiger Zeichner ins Stocken. So griff Disney zu einer Notlösung und schlug ein kostengünstiges Interims-Projekt vor: Einen Realfilm mit wenigen kurzen Zeichentrickelementen. Der Film trug den Titel The Reluctant Dragon und kam im Juni 1941 in die amerikanischen Kinos.
Bei dessen Premiere hatte Disney bereits den nächsten Rückschlag hinter sich, wahrscheinlich den schlimmsten in der Geschichte des Studios: Einen wochenlangen, von der Gewerkschaft der Animatoren angezettelten Mitarbeiter-Streik, der den Weggang einiger der wichtigsten Künstler zur Folge hatte und der das Studio praktisch lahm legte; es sollte sich nie wieder ganz erholen davon.

The Reluctant Dragon war der erste von Disneys „Kompilationsfilmen“; nach dem Streik konnte er für mehrere Jahre keine Langfilme mehr produzieren und stellte als Notlösung mehre gleichzeitig hergestellte Kurzfilme zu Abendfüllern zusammen (Saludos Amigos, Make Mine Music, Melody Time etc.); einer davon, Three Caballeros (dt.: Drei Caballeros, 1944), gehört zu den erstaunlichsten Werken, die dass Studio je verlassen haben (hier geht es zu meiner Rezension desselben) – ein eindrückliches Zeugnis davon, dass Disney auch in der Not das Beste aus seinen Leuten herausholen konnte.

Mit Three Caballeros kann The Reluctant Dragon zwar in keiner Weise mithalten, doch ist der Film in mehreren Aspekten höchst interessant und sehenswert. Obwohl auch ihm kein finanzieller Erfolg beschieden war und er heute ausserhalb der einschlägigen Fankreise kaum mehr bekannt ist, lohnt sich ein Blick.
The Reluctant Dragon zeichnet eine Tour durch das damals gerade fertiggestellte neue Disney-Studio nach und gibt so einen spannenden Einblick hinter dessen Kulissen und in die Kunstform des handgefertigen Zeichentricks, der heute dank der Computeranimation praktisch verschwunden ist und zu den aussterbenden Künsten gezählt werden muss.
Der Autor und Schauspieler Robert Benchley wurde als Hauptdarsteller engagiert; im Film gerät Benchley eher wider Willen ins Disney-Studio und wird dort durch die verschiedenen Abteilungen geführt. So bekommt man als Publikum interessante Einblicke in die Arbeit der Zeichner (wer wusste etwa, dass diese bei Disney regelmässigen Kunstunterricht in extra dafür kreierten Atelierräumen genossen?), in die Farbabteilung, wird Zeuge einer Trickfilm-Vertonung und kriegt drei fertige Filme zu sehen; einer davon trägt den Titel The Reluctant Dragon.

Leider merkt man dem Film seinen „zwischen-Stuhl-und-Bank-Status“ an. Disney hatte wohl nicht wirklich viel Zeit dafür übrig. So sind die Trickfilmsequenzen auf der Handlungs- und Charakterebene zu wenig ausgereift, was einen deutlichen Rückschritt zu den vorangegangenen Werken bedeutet. Am überzeugendsten ist der Realfilmteil, obwohl auch dieser eklatante Schwächen aufweist: Robert Benchly etwa ist eine totale Fehlbesetzung, und die Disney-Zeichner sind als Schauspieler sichtlich überfordert. Doch die Art, wie die Arbeitsweise des Studios zu Gunsten der Verständlichkeit vereinfacht und gleichzeitig mystifiziert wird, hat etwas Faszinierendes. Wie etwa der Vorgang der Trickfilmvertonung gleichzeitig auf das Wichtigste reduziert, somit simplifiziert und gleichzeitig auf höchster Unterhaltungsstufe präsentiert wird, ist bewundernswert (siehe Filmbeispiel unten).

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass The Reluctant Dragon, der erst 1952 als Walt Disneys Geheimnisse den Weg in die deutschen Kinos fand, der wahrscheinlich schwächste der zu Lebzeiten des Meisters hergestellten Langfilme ist. Gleichzeitig ist er aber doch sehr unterhaltsam und als Dokument eines aussterbenden Kunsthandwerks von nicht zu unterschätzedem Wert.

Die Regie: 8 / 10 
Das Drehbuch:  5 / 10 
Die Schauspieler: 6 / 10 
Gesamtnote: 6 / 10

Verfügbarkeit: The Reluctant Dragon ist der einzige von den zu Walt Disneys Lebzeiten entstandene langen Disneyfilmen, der bislang nicht auf DVD Blu-ray oder VHS erhältlich war. Ein Misstand, dem Abhilfe zu schaffen wäre!

Bewegte Bilder:
Dieser Filmausschnitt zeigt die gelungene Sequenz um die Filmvertonung; zwecks besserer Verständlichkeit wurden Abläufe zusammengefasst, die sonst gesondert durchgeführt werden. Somit ist die Vorgang stark vereinfacht, dies aber auf eine unglaublich effektvolle und unterhaltsame Weise. Leider ist das Bild dieses youtube-Clips braun eingefärbt.