Leave No Trace (USA 2018)

USA 2018
Mit Ben Foster, Thomasin McKenzie, Dana Millican, Jeff Kober, Dale Dickey u.a.
Drehbuch: Debra Granik und Anne Rossellini
Regie: Debra Granik
Dauer: 110 min

Inhalt:
Leave No Trace ist ein amerikanisches Filmdrama; es wurde 2018 im Rahmen des Sundance Filmfestivals erstmals gezeigt und erzählt von dem traumatisierten Kriegsveteran Will (Ben Foster) und seiner Tochter Tom (Thomasin McKenzie), die versteckt in einem Naturreservat in den Wäldern Oregons leben. Die freie, ungebundene und einsame Lebensweise ist die einzige, die Wills angeschlagene Psyche verkraftet.
Eines Tages wird das beschauliche Leben der beiden durch einen Jogger jäh gestört: Er entdeckt sie und meldet sie den Behörden. Für Will und Tom beginnt nun eine Behörden-Odyssee, in deren Zug sie lauter verständnisvollen Menschen begegnen, auf die sie beide allerdings völlig unterschiedlich reagieren…

Mein Senf:
Leave No Trace ist eine Offenbarung! Die Regisseurin und Drehbuchautorin Debra Granik hat einen Film gedreht, der nicht dem Diktat der gängigen Konventionen des Hollywood-Erzählkinos folgt, erfolgreich eigene Konzepte ausprobiert und dabei – so behaupte ich – neue Wege weist. Das tut sie im Unterschied zu vielen anderen Hollywood-Verweigerern völlig unprätentiös, mit grosser Ruhe und im stillen Bewusstsein um ihre Fähigkeiten.
Es wird in ihrem Film nur wenig gesprochen; Filmmusik wird nur selten eingesetzt; es gibt keinerlei Zugeständnisse an ein sensationsgieriges Publikum; politische Botschaften und Schuldzuweisungen verkneift sie sich und die Charaktere sind keine Schablonen, sondern echte Menschen.

Und der Film funktioniert.
Das Konzept heisst: Genaue Beobachtung, Einfühlungsvermögen, Reduktion aufs Wesentliche und schauspielerische Leistung. Trotz fehlenden Dialogen und Musik entwickelt Leave No Trace eine unausweichliche Sogwirkung, er spricht  die Emotionen und die Sinne direkt an.

Im Zentrum des Erfolgs stehen Frau Graniks exzellente Schauspielerführung und die hervorragende Wahl der Darsteller. Nicht nur die Blicke und die Mimik von Ben Foster und Thomasin McKenzie sprechen Bände und erzählen Geschichten, auch ihre Körpersprache ist so beredt, dass man gar nicht merkt, dass kaum Dialog vorhanden ist.
Granik stellt die Menschen in den Mittelpunkt ihres Films und versteht es meisterhaft, die Schauspieler dazu anzuleiten, diese Menschen zu werden. Selten sieht man derart stille und gleichzeitig intensive und berührende schauspielerische Leistungen wie jene von Foster und McKenzie.
Dass ein Meisterwek wie Leave No Trace für einen Oscar nicht einmal vorgeschlagen wurde (an Dutzenden anderer Festivals aber durchaus berücksichtigt wurde), sagt alles über die alljährliche Selbstinszenierungs-Orgie Hollywoods aus, deren Geist sich Leave No Trace sich erfolgreich entzieht.

Veröffentlichung / Verfügbarkeit:
Leave No Trace schaffte glücklicherweise den Spung in die deutschsprachigen Kinos; er lief dort 2018 an. Inzwischen liegt er auf DVD vor und kann bei mehreren Diensten gestreamt werden – hier eine Auswahl.

Das Drehbuch: 10 / 10
Die Regie: 10 / 10
Die Schauspieler: 10 / 10
Gesamtnote: 10 / 10

Der Trailer:

1 Comment

  1. Ich fand ja damals schon Debra Graniks „Winter’s Bone“ sehr interessant. Vom Sujet und der Herangehensweise her scheint der Film hier ja Gemeinsamkeiten zu offenbaren. Muss ich wohl mal reinschauen…

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