Miss Daisy und ihr Chauffeur (1989)

USA 1989
Mit Jessica Tandy, Morgan Freeman, Dan Aykroyd, Esther Rolle, Patti LuPone u.a.
Drehbuch: Alfred Uhry nach seinem Theaterstück
Regie: Bruce Beresford
Dauer: 98 min

Inhalt:
USA, die Südstaaten: Die betagte, ehemalige Lehrerin Daisy Werthan (Jessica Tandy) lebt seit dem Tod ihres Gatten allein in der grossen Fabrikanten-Villa ihres Mannes. Als sie ihr Auto im Rückwärtsgang über eine Mauer fährt, entzieht ihr die Versicherung die Erlaubnis, weiterhin einen Wagen zu steuern. Einen Chauffeur will die sture alte Dame aber auf keinen Fall.
Als ihr Sohn Boolie (Dan Aykroyd) trotzdem einen engagiert, ignoriert sie diesen zuerst. Hoke Colburn, der neue Fahrer (Morgan Freeman) gewinnt aber im Verlauf des Films langsam das Vertrauen Miss Daisys und bringt ihre lange verborgene weiche Seite zum Vorschein.

Wie ist der Film?
Mit einem Wort: Grossartig!
Auch wenn man thematisch Ähnliches schon oft gesehen hat: Driving Miss Daisy ist einer dieser seltenen Filme, in denen von A bis Z alles stimmt – ausgenommen die Filmmusik (von Hans Zimmer); dies allerdings nur, weil sie vollständig mit dem Synthesizer eingespielt wurde, und somit klanglich nicht in die Zeit passt, in der Driving Miss Daisy spielt.
Ansonsten setzt sich der Film aus lauter Höchstleistungen zusammen – angefangen bei Alfred Uhrys Theater-Vorlage und dessen eigener Leinwandadaption, über die grandiosen Hauptdarsteller bis zu Bruce Beresford herausragender Regieführung und Kameramann Peter James‘ berückenden Bildern. Alle Komponenten verschmelzen zu einem harmonischen Ganzen, zu einem Werk, das handwerklich wie aus einem Guss erscheint.

Fast nebenbei handelt der Film das (momentan im US-Kino omnipräsente) Thema der Rassendiskriminierung ab – ohne Zeigefinger, ohne penetrant und plakativ zu werden, sondern einfach, indem er auf das Vorwissen der Zuschauer setzt, diese somit ernst nimmt, und indem er unaufgeregt thematisch entsprechende Sequenzen einfliessen lässt, die sich alle ganz natürlich aus der Handlung ergeben.
Das Drama spielt sich zwischen einer jüdischen Fabrikantengattin und einem schwarzem Chauffeur ab, zwischen Oberschicht und Unterschicht, Attribute, die im Zug der Handlung nebensächlich werden und schliesslich verschwinden, bis da nur noch zwei Menschen stehen – was zur Aussage führt, die der Film machen will. Mit wie leisen Mitteln er dies erreicht, ist wohl das bemerkenswerteste an Driving Miss Daisy. Es ist ein subtiler, leiser Film der Zwischentöne.
Und was für eine Freude ist es, Jessica Tandy und Morgan Freeman zuzusehen! Kein Wunder wurde den beiden an den Berliner Filmfestspielen 1990 ein Preis für das beste Darsteller-Team zugesprochen!

Driving Miss Daisy gehört zu den wenigen Filmen, die man m.E. gesehen haben sollte.

Was es ausserdem zu sagen gibt:
Morgan Freeman war damals 52 und stand am Beginn seiner bemerkenswerten Filmkarriere. Durch Driving Miss Daisy wurde er erst international bekannt. Die Rolle erhielt er, weil er Miss Daisys Chauffeur bereits auf der Bühne mit Bravour verkörpert hatte.
Hoke ist am Ende des Films, dessen Handlung sich über mehrere Jahrzehnte erstreckt, 80 Jahre alt. Es ist beeindruckend, wie Freeman den Alterungsprozess ohne Maske nachvollziehbar macht. Führt man sich vor Augen, in wievielen komplett unterschiedlichen Rollen man diesen Schauspieler schon überzeugend spielen gesehen hat, kommt man zum Schluss, dass Freeman zu den allerbesten lebenden US-Filmschauspielern gehört.

Bewertung:
Die Regie: 10 / 10
Das Drehbuch:  10 / 10
Die Schauspieler: 10 / 10
Gesamtnote: 10 / 10

Auszeichnungen:
Driving Miss Daisy erhielt 1990 vier Oscars: Bester Film, beste weibliche Hauptrolle, bestes Drehbuch und bestes Make-Up. Jessica Tandy und Morgan Freeman wurden beide zudem mit dem Golden Globe ausgezeichnet. Auch bei den britischen BAFTA Awards und vier weiteren Wettbewerben erhielt Jessica Tandy die Auszeichnung „beste Schauspielerin“. Morgan Freeman wurde neben dem Golden Globe mit drei weiteren Preisen bedacht. An der Berliner Festspielen erhielten beide 1990 einen Preis für das beste Schauspieler-Team.

Verfügbarkeit:
Der Film kam 1990 als Miss Daisy und ihr Chauffeur in die deutschsprachigen Kinos.
Er liegt sowohl auf Blu-ray als auch auf DVD vor (deutsche Fassung & US-Originalfassung mit zuschaltbaren deutschen Untertiteln).
Gestreamt werden kann er nur gerade bei  iTunes, und dort nur in französische Synchronfassung und US-Originalfassung ohne deutsche Untertitel…

Der Trailer…
… ist im Grunde nichts weiter als ein Schnell-Abriss des Inhaltes, der das Wesen des Filmes nicht erfasst.

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3 Comments

  1. Ich mag den Film auch sehr gern. Zwar wird er immer wieder genannt, wenn es um seltsame/unverdiente Oscar-Entscheidungen geht (und ja, „Der Club der toten Dichter“, ebenfalls nominiert, wäre eine sehr gute Wahl gewesen, vielleicht objektiv betrachtet der bessere Film), aber irgendwie hat er mich auf einer emotionalen Ebene gepackt und tut dies heute noch.

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    1. Unverdienter Oscar? Auf diesen Titel wüsste ich noch viel heissere Anwärter!
      Damals, als junger Hüpfer, fand ich den Film nicht einmal besonders gut. Es ist gut, sich gewisse Filme im reiferen Alter nochmals vorzunehmen. Driving Miss Daisy hat für mich definitiv gewonnen!

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