Shoplifters – Familienbande (2018)

Japan 2018
Mit Lily Franky, Sakura Andô, Kirin Kiki, Jyo Kairi, Miyu Sasaki u.a.
Drehbuch & Regie: Hirokazu Kore-eda
Dauer: 120 min

„Was zum Kuckuck schwafeln die denn da für einen Unsinn?“, dieser Gedanke ging mir in der ersten Hälfte dieses Films wiederholt durch den Kopf.
Eines der Probleme, die der fremdländische (d.h. nicht-europäische und nicht-englischsprachige) Film mit sich bringt, ist die Sprache. Schaut man sich solche Filme in der Originalfassung mit deutscher Untertitelung an, kann man die Untertitel nicht mit dem Gesagten vergleichen, weil man der Sprache nicht mächtig ist. Somit ist in diesem Fall nicht eruierbar, wo der oben zitierte unsinnige Dialog herrührt; ich kann nur vermuten: Er geht wahrscheinlich aufs Konto der Untertitel, die stehende japanische Redewendungen wörtlich übersetzen.
Es wird somit in den ersten Filmminuten klar, dass uns europäischen Filmeguckern ein grosser Teil der Bedeutung durch die Lappen geht – nicht nur auf der sprachlichen Ebene, auch gewisse Handlungsweisen und Symbole entziehen sich unserem Verständnis. Da stellt sich die Frage, ob wir (damit meine ich all jene, die mit der japanischen Kultur nicht vertraut sind) diesen Film wirklich beurteilen können.

Vieles bleibt fremd und rätselhaft, anderes wirkt vertraut. Die zugrunde liegende Geschichte ist sicher allgemeingültig: Im Zentrum steht eine etwas seltsame Familie; die Männer betreiben Ladendiebstal, die Frauen arbeiten, alle leben sie bei der Oma. Eines Abends klauen die beiden Männer ein kleines Mädchen, weil es von seinen Eltern im Winter auf den Balkon gesperrt wurde. Die Frauen sind zwar zuerst dagegen, doch als man an der Kleinen Spuren von körperlicher Misshandlung entdeckt, wird sie kurzerhand in die Familie integriert. Sie wird liebevoll ins Diebeshandwerk eingeführt und beginnt, sich in der fröhlichen Gemeinschaft wohl zu fühlen.
Das Leben in Omas kleinem Häuschen geht seinen beschaulichen Gang, bis ein misslungener Diebstahl die Polizei auf die Spur der Entführer lenkt…

Mehr darf eigentlich nicht verraten werden, denn das letzte Drittel des Film bringt eine überraschende Wendung. Sie kündigt sich zwar schon vorher in Ahnungen und Andeutungen an, trifft einen am Ende aber wie ein Schlag in den Magen.

Hirokazu Kore-eda leuchtet in seinem neuesten Film „die Familie“ nicht aus, wie in einigen Rezensionen behauptet wird – er demontiert sie regelrecht: Was ist eine Familie?, fragt er. Ist Blutsverwandtschaft gleichbedeutend mit Glück? Die Antwort, die er gibt, ist für uns Westler klar und somit banal. Aber vielleicht gilt diese Klarheit nur für unsere Kultur. Vielleicht ist diese Antwort in Japan ein Tabu. Dann wäre Shoplifters ein wichtiger Denkanstoss.
Und schon sind wir wieder bei der Schwierigkeit, einen solchen Film zu beurteilen: Ist Shoplifters nun banal oder ein wichtiger Denkanstoss?

Bestimmt ist er interessant, schön anzusehen, hervorragend gespielt, gut aufgebaut. Ich könnte mit dem Gros der Filmjournalisten mitheulen und Shoplifters in den höchsten Tönen loben; damit läge ich bestimmt nicht falsch. Schliesslich hat der Film in Cannes die goldenene Palme gewonnen. Ehrlich ist ein solches Verhalten allerdings nicht, und ich will meine Leserinnen und Leser nicht vergackeiern.
So bleibe ich lieber bei meinen Leisten und beim englischsprachigen Film. Ich habe es wieder einmal mit einem Film aus einer uns fremden Kultur versucht und bin an meinem mangelnden Verständnis für diese Kultur gescheitert.

Keine Wertung

Verfügbarkeit:
Der Film läuft zur Zeit in den Kinos

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