Tabu (1931)

USA 1931
Mit: Matahi, Anne Chevalier, Hitu, Bill Bambridge u.a.
Drehbuch: F.W. Murnau und Robert J. Flaherty
Regie: F.W. Murnau

Friedrich Wilhelm Murnau drehte wohl die schönsten Filme aller Zeiten (siehe auch hier und hier). Tabu war sein letztes Werk, kurz vor dessen Uraufführung verstarb der in die USA emigrierte deutsche Regisseur an den Folgen eines Autounfalles – ein unschätzbarer Verlust für die Filmwelt.

Murnau, der spätestens seit dem Film Der letzte Mann für exzessive Studiobauten bekannt war und seine Filme mit Vorliebe in monumentalen Kulissen spielen liess, drehte Tabu in der Südsee, mit Laiendarstellern – und fast zur Gänze an Originalschauplätzen. Und trotz der völlig geänderten äusseren Bedingungen ist Tabu ein „typischer Murnau“ geworden, voll poetischem Realismus, sensibler Bildsprache und mit berückend schönen Bildkompositionen.

Erzählt wird die tragische Geschichte zweier Liebender, Reri und Matahi, die auf einer paradiesischen Südsee-Insel leben. Als Reri von den Stammesoberen zur für die Götter bestimmten heiligen Jungfrau erkoren wird, bedeutet dies, der Liebe zu Matahi abzuschwören. Die Liebenden fliehen an den Rand des Archipels, wo sie sich zunächst ein neues, glückliches Leben aufbauen. Doch der Bruch des Tabus lastet als Fluch auf ihnen, der sie einzuholen droht…

Mit Unterstützung und der Kontakte des bekannten Dokumentarfilmers Robert J. Flaherty (Nanook of the North) gelang es Murnau, seine mystische Geschichte mit Aufnahmen vom realen Leben der Südseebewohner dokumentarisch zu untermauern, was sie fest in der damaligen Realität verankert. So entstand ein weiteres typisch murnau’sches Werk, das in einer Art Zwischenwelt zwischen Realismus und Magie angesiedelt ist und das Publikum damit in seinen Bann schlägt.
Die Natur spiegelt die magische Komponente auf der Bildebene. Es ist verblüffend, zusehen, wie sehr Murnau in der Natur Motive für die ihm eigene Bildsprache findet, so, wie er sie in früheren Filmen aufwändig im Studio hat nachbauen lassen.

Inhaltlich packt Tabu zwar, doch wird nie klar, was der Film uns sagen will. Wahrscheinlich nichts; Murnau war kein Moralist, sein Interesse galt stets den Geschichten, der Grenze des filmischen Realismus, der poetischen Bildsprache. So ist ihm mit Tabu einer der schönsten halbdokumentarischen Filme der Stummfilmzeit geglückt. Und es schmerzt, daran zu denken, wieviele Werke der grosse Filmmagier noch hätte drehen können, in welche Höhen er die Filmkunst noch hätte führen können.

Die Regie: 10 / 10 
Das Drehbuch:  9 / 10 
Die Schauspieler: 9 / 10 
Gesamtnote: 9 / 10

Verfügbarkeit:
Tabu war 1931 auch in deutschen Kinos zu sehen.
Der Film liegt heute im deutschsprachigen Raum in digitaler Restauration auf DVD vor, wobei die englischen Zwischentitel von deutschen Untertiteln übersetzt werden. Zu hören ist die originale Filmmusik von Hugo Riesenfeld.
Im Stream ist er bei keinem Anbieter zu finden.

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