Labor Day (2013)

USA 2013
Mit Kate Winslet, Josh Brolin, Gattlin Griffith, Brooke Smith, Maika Monroe u.a.
Drehbuch: Jason Reitman nach dem Roman von Joyce Maynard
Regie: Jason Reitman
Dauer: 111 min

Die verbitterte Witwe Adele (Kate Winslet) lebt mit ihrem Sohn Henry (Gattlin Griffith) allein in einem grossen Haus am Rande eines Städtchens des Bundesstaates Massachusetts. Adele, die vor Jahren von ihrem Ehemann verlassen wurde, sehnt sich nach Liebe, verlässt aber, von schweren Depressionen gelähmt, kaum mehr ihr Haus. Einmal in der Woche fährt sie mit Henry zum Supermarkt.
Auf einem dieser Ausflüge tritt plötzlich ein Fremder auf Henry zu und bittet ihn um Hilfe. Er blutet und bittet darum, versorgt zu werden. Als Adele misstrauisch ablehnt, sagt er: „Ich fürchte, sie haben keine Wahl“.
So nimmt eine Geschichte ihren Lauf, der man als Zuschauer, obwohl sie in ruhigen Bildern, langen Einstellung und ohne jegliche Action erzählt wird, beinahe atemlos folgt.

Der Fremde (Josh Brolin), der sich sich Frank nennt, entpuppt sich schnell als entlaufener Sträfling. Er ist aus der Krankenabteilung des benachbarten Gefängnisses mit einem Sprung aus dem Fenster geflüchtet, bei dem er sich verletzt hatte. Seither wird fieberhaft nach ihm gefahndet. Frank will von der Witwe lediglich verarztet werden, etwas essen, schlafen und am nächsten Morgen wieder verschwinden.
Der Film portraitiert Frank zu Beginn weg und ohne viel Aufhebens als im Grunde anständigen Kerl. Seiner bedrohlichen Aura entgegen stehen höfliche Manieren und die auffallende Rücksichtnahme, die er Adele und Henry entgegenbringt. Nach dem anfänglichem Schrecken fühlt sich die einsame Witwe immer mehr zu dem sanften Fremdling hingezogen. Dieser bleibt aufgrund ihres Drängens und wegen der Wunde schliesslich doch etwas länger. Derweil geht draussen die Suche nach ihm weiter…

Was sich in der Nacherzählung schnulzig anhört, ist in der filmischen Umsetzung frei von Kitsch und Sentimentalitäten. Regisseur/Drehbuchautor Reitman und seine beiden Hauptdarsteller fesseln den Zuschauer mit einer Dramaturgie, welche das jähe Ende der zögerlich aufkeimenden Liebe ständig impliziert. Der Film ist deshalb streckenweise spannend wie ein Krimi. Die Suspense ergibt sich zunächst aus der Frage, ob Frank nicht vielleicht doch gefährlich ist, später aus der Möglichkeit, dass er entdeckt wird. Der nette Nachbar, der klingelt, um Adele ein paar Pfirsiche abzugeben, stellt bereits eine Bedrohung dar. Ebenso die Freundin, welche ihren geistig behinderten Sohn für ein paar Stunden beaufsichtigt haben will.
Die Liebe zwischen Adele und Frank erscheint etwas derart Fragiles und Kostbares, dass deren Zerstörung je länger je unerträglicher erscheint. Die filmische Umzusetzung einer solch verhaltenen Liebesgeschichte gehört zu den schwierigsten Herausforderungen für einen Regisseurs. Jason Reitman ist dies meisterhaft gelungen.

Labor Day ist thematisch kein Schwergewicht, die zugrunde liegende Geschichte hat im Grunde nicht mehr als Groschenromanformat; vielleicht gibt die Romanvorlage ja auf literarischer Ebene etwas her – das kann ich mangels Unkenntnis nicht beurteilen. Doch ich sehe, was der Regisseur / Drehbuchautor daraus macht, und das ist sensibles, feinsinniges Kino auf höchstem Niveau.

Weil ich diesen Film wärmstens empfehle, verrate ich nun auch, dass er gut ausgeht – sonst guckt ihn ja doch wieder niemand. Aber: Das Happy End kommt nicht so, wie Sie jetzt denken. Und darüber schweige ich mich aus.

Die Regie: 10 / 10 
Das Drehbuch: 9 / 10 
Die Schauspieler: 10 / 10 
Gesamtnote: 10 / 10

Verfügbarkeit:
Labor Day ist im deutschsprachigen Raum auf DVD und auf Blu-ray erhältlich (deutsche Synchro / englische Originalfassung mit deutschen UT).
Im Stream zu finden ist er bei amazon prime und iTunes (Deutsch/Englisch mit dt. Untertiteln), Rakuten TV, Videoload und CHILI (Deutsch und Englisch ohne dt. Untertitel), maxdome, Google Play, Microsoft und Sony (nur Deutsch).

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