Man lernt nie aus (2015)

USA 2015
Mit Robert De Niro, Anne Hathaway, Anders Holm, Rene Russo, Adam DeVine u.a.
Drehbuch und Regie: Nancy Meyers
Drauer: 125 min

Ein pensionierter Witwer (De Niro) bewirbt sich als Praktikant („Intern“) in einem aufstrebenden Online-Modegeschäft. Der „Oldie“ wird für Jules, der  jungen Gründerin und gestressten Chefin des Unternehmens (Hathaway) nach und nach zunächst zum geschätzten „Ruhepol“ und schliesslich zum väterlichen Freund, der ihr immer wieder den Blick aufs Leben öffnet.

Das klingt abgestanden und vorhersehbar – und das ist The Intern in seinen Grundzügen auch. Trotzdem gewinnt man den Film, je länger er dauert, je lieber. Es ist schwer zu sagen, was „es“ ausmacht, was den Funken überspringen lässt (Robert De Niros schauspielerische Leistung ist es definitiv nicht).
Meine Theorie: The Intern ist einer dieser neuen Hollywood-Filme, die auf einem äusserst starken Drehbuch basieren, das ein altbackenes Handlungsgerüst mit vielen interessanten und überraschenden Episoden und starken Dialogen anreichert; dadurch werden die Figuren lebendig und der ganze Film wird aufgewertet. Die Geschichte nimmt zudem immer dann eine ungeahnte Wendung, wenn man zu wissen glaubt, worauf sie gerade hinauslaufe.

Im Moment erleben wir im Hollywoodfilm eine erfreuliche Renaissance des „sophisticated Screenplays“. Offenbar hat man die zentrale Bedeutung des Drehbuchs (wieder)erkannt uns investiert in Talente dieses Metiers. Jedenfalls fällt mir auf, dass es seit ein paar Jahren in den Genres Drama und Komödie Schule gemacht hat, viel Sorgfalt auf Details und Charaktere zu verwenden. Jüngste Beispiele der von mir so betitelten „sophisticated Screenplays“ sind Wonder von Stephen Chbosky und Love, Simon von Greg Berlanti. Auch diese beiden Filme verpacken je eine cinèastische „alte Kamelle“ (ein missgestalteter Junge in Wonder, homosexuelles Coming out in Love, Simon) in eine sympathische, Klischees leichtfüssig umgehende Erzählung mit lebendigen, anrührenden Chrakteren. Und beide Male ist das Drehbuch massgeblich am Erfolg beteiligt.

Drehbuch-Veteranin Nancy Meyers (Baby Boom, Vater der Braut) inszenierte ihr Drehbuch gleich selbst – damit stieg die Chance, dass es weitgehend in der vorgesehenen Fassung und mit allen wichtigen Nuancen auf die Leinwand gelangte. Die überaus sympathisch aufspielende Anne Hathaway trägt zudem Mitschuld am Gelingen des filmischen Unternehmens. Neben ihr verblasst der bisweilen befremdlich grimassierende Robert De Niro überraschend zu schauspielerischer Bedeutungslosigkeit. Während die anderen Akteure in ihren Rollen perfekt besetzt erscheinen, wirkt De Niro seltsam unbeteiligt, so, als sei er „lediglich“ zwecks Einnahmenoptimierung engagiert worden.

The Intern unterhält glänzend, ohne grosse Ansprüche geltend zu machen – Frau Meyers Film ist kein grosser Wurf, kein cinèastisch ambitioniertes Projekt, ein relativ bedeutungsloser „Gebrauchsfilm“. Deswegen muss man seine Verdienste nicht marginalisieren, seine durchaus vorhandenen erzählerischen Qualitäten nicht unter den Teppich kehren. Man darf beim Ansehen zurücklehnen und sich durchaus daran erfreuen.
Auch dem Regisseur und Vorzeige-Cinèast Quentin Tarantino gefiel The Intern; er hat ihn gar als einen seiner liebsten Filme des Jahres 2015 bezeichnet…

Die Regie: 7 / 10 
Das Drehbuch:  8 / 10 
Die Schauspieler: 8 / 10 
Gesamtnote: 8 / 10

Verfügbarkeit:
The Intern gibt es im deutschsprachigen Raum auf DVD und Blu-ray (deutsche Synchro / englische Originalfassung, allerdings offenbar ohne deutsche Untertitel).
Gestreamt werden kann er bei amazon, maxdome, Videoload, videociety, freenet video jeweils in der deutschen Synchro und in der englischen Originalfassung – aber ohne Untertitel.
Google Play, Videobuster, Rakuten TV, Sony und CHILI haben ihn ausschliesslich in der deutschen Synchro im Programm.
Einzig iTunes bietet neben der deutsche Fassung auch die englische Originalfassung mit dt.Untertiteln an.

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