Das Wunder von Manhattan (1947)

USA 1947
Mit Maureen O’Hara, Edmund Gwenn, Natalie Wood, John Payne,
Drehubuch: George Seaton nach einer Story von Valentine Davies
Regie: George Seaton

Der damalige Kritiker-Papst Bosley Crowther (New York Times) nannte den Film nach der Premiere anno 1947 „den erfrischendsten Film seit langem, vielleicht sogar die beste Komödie des Jahres“. Obwohl er damals gar nicht als Weihnachtfilm lanciert wurde (Studioboss Darryl F. Zanuck verfügte einen Start im Sommer, weil da mehr Leute ins Kino gehen), avancierte The Miracle on 34th Street, zusammen mit Capras It’s A Wonderful Life, zum jährlich wiederkehrenden TV-Weihnachtsklassiker.
Tatsächlich wirkt George Seatons Film, als sei er vom Geist der Capra-Klassiker inspiriert worden: Im Mittelpunkt steht ein feslsenfest integerer Charakter, welcher der Hektik und Kälte der kapitalistischen Welt mit Menschlichkeit und Würde entgegentritt und sie dadurch verändert. The Miracle on 34th Street unterscheidet sich eigentlich nur durch die merklich billigere Machart und das Fehlen der üblichen Capra-Nebendarsteller von einem echten Capra-Film.

Kris Kringle (Gwenn) ist ein eleganter älterer Herr, der mit seiner Überzeugung, der echte Santa Claus zu sein, überall für Irritation sorgt. Als er von den Verantwortlichen des Kaufhauses Macy’s anlässlich einer Thaksgiving-Parade als Ersatz für den betrunkenen Nikolaus-Darsteller engagiert wird, sagt er belustigt zu und setzt sich auf den überdimensionierten Rentierschlitten.
Schon bald ist dem Zuschauer klar, dass Mr.Kringle tatsächlich der echte Santa Claus ist. Weil er so überzeugend und zuverlässig ist, wird er von Organisatorin Doris Walker (O’Hara) gleich noch für Weihnachten engagiert – als Kaufhaus-Weihnachtsmann. Nicht nur dort sorgt Mr. Kringle mit seinen unkonventionellen Einfällen für Verwicklungen, auch in der Rest-Familie der geschiedenen Doris Walker entsteht Unruhe, da er der streng nach den Prizipien des Realismus erzogenen kleinen Tochter (Wood) Flausen in den Kopf setzt.

The Miracle on 34th Street behandelt die Kälte, Nüchternheit und Bedrücktheit des modernen Lebens und setzt diesem Aspekt den Gegenentwurf des kindlichen Staunens entgegen, der auch Wunder nicht ausschliesst. Wie Capra bringt George Seaton das Kunststück fertig, das Unmögliche glaubhaft und völlig logisch erscheinen zu lassen. Die Gerichtsverhandlung am Schluss, in der die Nicht-Existenz des Nikolaus bewiesen werden soll, gerät wie bei Capra zur Farce, welche nicht nur die Absurdität des erwachsenen „vernünftigen“ Denkens aufzeigt, sondern auch deren katastrophale Auswirkungen auf die Menschen. Am Schluss entdeckt man, dass man durchaus dazu bereit ist, an den Nikolaus zu glauben.

Das Herzstück des Films ist der aus zahlreichen Lassie-Filmen bekannte britische Charakterdarsteller Edmund Gwenn. Sein ruhiges, souveränes Spiel lässt keine Zweifel an der Echtheit der von ihm gespielten Figur, neben ihm verblassen die beiden Co-Stars Maureen O’Hara und John Payne und mit ihnen fast der ganze Rest der Besetzung. Einzig die damals neunjährige Natalie Wood (West Side Story) hält ihm die Stange – die gemeinsamen Szenen der beiden gehören zu den schönsten Kinomomenten der späten Vierzigerjahre.

Regisseur George Seaton ist heute vor allem dank dem anhaltenden Erfolg des hier besprochenen Films bekannt. Der Regisseur/Drehbuchautor (er verfilmte oft eigene Drehbücher) hat zwar 20 abendfüllende Filme verschiedenster Genres gedreht, bekannt ist heute neben Miracle on 34th Street allenfalls noch seine Rom-Com Teacher’s Pet (dt.: Reporter der Liebe) von 1958 mit Doris Day und Clark Gable und Airport (1970), der erste Streifen der gleichnamigen Serie. Dabei verdiente Seatons Werk durchaus eine nähere Betrachtung – die meisten seiner Filme sind zwar heute vergessen, erfuhren zu seiner Zeit aber durchaus eine hohe Wertschätzung.

Die Regie: 8 / 10
Das Drehbuch: 10 / 10
Die Schauspieler: 8 / 10
Gesamtnote: 9 / 10

Verfügbarkeit: Das Wunder von Manhattan gibt es auf DVD und Blu-ray. Gestreamt werden kann er bei amazon, iTunes, Chili und Netflix. Wer den Film gerne in der (wärmstens empfohlenen) Originalfassung mit dt. Untertiteln sehen möchte, streamt ihn bei Netflix oder legt sich die DVD oder die Blu-ray zu (letztere enthält zusätlich die Neuverfilmung von 1994).

Weitere Filme mit John Payne, die in diesem Blog besprochen wurden: Klick!

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