Die Zeit nach Mitternacht (1985)

Es ist ja nicht so, dass ich schreibfaul geworden bin – eher „schau-faul“. In den letzten Wochen konnte mich nichts zum Filme gucken bewegen. Inzwischen finde ich so langsam zurück.
Längst angekündigt war meine Rezension zu einem vergessenen Film des Meisterregisseurs Martin Scorsese. Hier ist sie nun endlich (als hätte die Welt darauf gewartet…)!

(dt.: Die Zeit nach Mitternacht)
USA 1985
Mit Griffin Dunne, Rosanna Arquette, John Heard, Lina Fiorentino, Teri Garr, Verna Bloom, Thomas Chong, Cheech Marin, u.a.
Drehbuch: Joseph Minion
Regie: Martin Scorsese
Musik: Howard Shore

Damals, als wir noch jung waren, sah ich die Erstaufführung dieses vergessenen Scorsese-Werkes im Kino und war hin und weg. Alle und jeden schleppte ich hin, den Film anzusehen und ich konnte die Kritiker nicht verstehen, die After Hours als „Fingerübung“ belächelten.
Und jetzt, nach 30 Jahren: Das Wiedersehen.

Nun verstehe ich die Kritiker. Der Film entpuppt sich nach all den Jahren als zwar virtuos inszenierte, letztlich aber inhaltsleere und seelenlose Odyssee durch New Yorks finsterere Gefilde.
Drehbuchautor Joseph Minion versucht, die Geschichte ins Kleid der Komödie zu fassen, was aber angesichts des allgegenwärtigen Leids einfach nicht funktioniert. Zudem nimmt Scorsese den Komödienfaden so halbherzig auf, dass man eher irritiert als gefesselt ist – obwohl die Story ganz interessant klingt: Der brave Büroangestellte Paul Hackett (Dunne), verirrt und sich auf dem Weg zu einer hübschen Cafébekanntschaft im Innern des heruntergekommenen New Yorker Stadtteils Soho. Dort wird er in immer neue Wirrungen verstrickt und von den verlorenen Seelen der Stadt heimgesucht und gebeutelt – derart heillos, dass er eine ganze Nacht nicht mehr aus Soho herauskommt. Am Ende spuckt ihn die Stadt genau da aus, wo sie ihn in der Nacht zuvor verschluckt hat – als veränderten Menschen.

Leider bleibt alles an der Oberfläche, den Figuren fehlt die nötige Tiefe, um beim Zuschauer irgendeine Form von Anteilnahme zu wecken.
Interessant und lohnend ist der Film allerdings in Bezug auf Scorseses brilliante Regieführung.

Die Regie: 9 / 10
Das Drehbuch: 7 / 10
Die Schauspieler: 8 / 10
Die Filmmusik: 9 / 10
Gesamtnote: 8 / 10

Verfügbarkeit: Die Zeit nach Mitternacht kann gestreamt werden, und zwar bei iTunes, in HD-Qualität und der englischsprachigen Originalfassung, mit diversen zuschaltbaren Untertiteln (inkl. Deutsch). Eine deutsche DVD gab es es mal, inzwischen ist diese nur noch antiquarisch erhältlich.

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