Boston (2016)

Es ist einige Zeit verflossen seit meinem letzten Blog-Eintrag. Die Lebensumstände nehmen halt oft mehr Zeit in Anspruch als man plant, vor allem, wenn sie Veränderungen vorsehen. Seit meinem letzten Artikel hatte ich tatsächlich keinen einzigen Film mehr angeschaut, und auch in Zukunft komme ich wohl weniger dazu als auch schon. Macht aber nichts. Es geht auch ohne oder mit weniger.
Den Umständen geschuldet ist eine neuerliche Änderung des Blog-Konzepts: In Zukunft wird hier wieder nur ein Film aufs Mal besprochen, in einem kürzeren Text, dafür (hoffentlich) etwas häufiger. Mal schauen, was sich machen lässt. Das Gute an einem Blog ist, dass man wenig Zwängen unterworfen ist…
Den heutigen Text hatte ich vor etwas über einem Monat verfasst.


USA 2016
Mit Mark Wahlberg, Michelle Monaghan, Alex Wolff, John Goodman, Kevin Bacon u.a.
Drehbuch: Peter Berg, Matt Cook und Joshua Zetumer
Regie: Peter Berg
Musik: Trent Reznor und Atticus Ross

Der islamistische Terror ist in den Medien seit Jahrzehnten ein Thema – im Kino kaum, und wenn überhaupt, dann in Filmen aus den USA.
2016 kam mit Patriot’s Day ein starker Film in die Kinos, der das Kind (Islamismus) beim Namen nannte. Beruhend auf einer wahren Begebenheit (dem Bombenanschlag beim „Boston Marathon“ im Jahr 2013) rückt er die Menschen ins Zentrum, welche das Attentat 2013 hautnah miterlebt hatten – inklusive der muslimischen Täter. Natürlich wurde der Film im linken Feuilleton schlechtgeredet; der meistgehörte Vorwurf war, es sei „zu patriotisch“.

Patriot’s Day zeigt in dokumentarischem Stil (mit Handkamera, eingeblendeten echten Nachrichtenbildern und schnellen Schnitten) die Hergänge von der Planung des Anschlags bis zur Ergreifung der Täter. Dabei gelingt es den Machern über die scharf gezeichneten Figuren, den Zuschauer emotional zu involvieren, allerdings ohne je in die Gefühlsduselei zu verfallen. Nüchtern und realistisch und ohne Rücksicht auf die „political correctness“ wird der Gang der Ereignisse gnadenlos aufgerollt und es wird erahnbar, was so ein Terrorakt für die Beteiligten bedeutet – wobei das Leid der Hinterbliebenen der Getöteten sinnvollerweise ausgespart wurde – es ist eh‘ nicht zu ermessen, geschweige denn, abzubilden.
Wie die Verletzten, von denen die Medien kaum je näher berichten, tragen auch die indirekt Beteiligten, Zeugen und Sicherheitskräfte ihre nicht zu unterschätzenden Wunden davon. Davon erzählt der Film, und von der Gemeinschaft, die durch einen solchen Terrorakt gestärkt wird.

„Sie wollen Hass säen“, sagt am Schluss des Films eines der Opfer über die Islamisten. „Aber sie bewirken das Gegenteil mit ihren Anschlägen. Sofort tun sich alle zusammen, in einer grossen, spontanen Welle der Solidarität, und helfen, wo sie können. Der Terrorismus schweisst uns zusammen.“ „Wir lassen uns durch Euch nicht einschüchtern“, lautet die Botschaft des Films an die Adresse der Terroristen. Wer das „zu patriotisch“ findet, dem ist auch nicht mehr zu helfen.

Man stelle sich – mal nur so hypotetisch – einen europäischen Film zum Thema vor: Die „political correctness“ würde gebieten, den bösen Tätern in krampfigen Drehbuch-Verdrehungen ein paar ganz nette Muslime gegenüberzustellen, damit der Rassismus-Verdacht und -Vorwurf auch gleich im Voraus weggespült wird.

Die Crew um Regisseur Berg tut dergleichen erfrischenderweise nicht: Die alles lähmende und verwässernde „political correctness“ bleibt aussen vor: Die Realität wird abgebildet, ohne Kalkulationen darüber, wie’s das Feuilleton und die Politiker wohl gerne hätten. Berg inszeniert das Ganze äusserst wirkungsvoll – wer einen solchen Anschlag schon aus nächster Nähe miterlebt hat (wie der Schreibende), wird bestätigen, wie nah Berg und seine Crew mit der Sequenz um den eigentlichen Anschlag an die Realität herankommen. Eine Regieleistung, die Respekt verdient!

Die Regie: 9 / 10
Das Drehbuch: 8 / 10
Die Schauspieler: 9 / 10
Die Filmmusik: 9 / 10
Gesamtnote: 9 / 10

Verfügbarkeit: Boston gibt es auf DVD und Blu-ray. Gestreamt werden kann er bei verschiedenen Diensten; für Freunde von Originalsprachfassungen ist das Angebot von „Juke“ wahrscheinlich am interessantesten, denn dort gibt’s zur Originalfassung zuschaltbare deutsche Untertitel.

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