BFG: Big Friendly Giant – 2016

Ein verkannter zeitgenössischer Film
The BFG
USA 2016
Mit Mark Rylance, Ruby Barnhill, Penelope Wilton,
Drehbuch: Melissa Mathison nach einem Buch von Roald Dahl
Regie: Stephen Spielberg
Studio: Amblin / Disney
Dauer: 115 min
Der Film startete 2016 auch in den deutschsprachigen Kinos – unter dem nicht besonders deutschen Titel BFG: Big Friendly Giant

Vorspann:
Es gibt Filme, deren Untergang ist vorhersagbar. Das sind jene, die derart ausserhalb des Mainstreams liegen, dass sie vom durchschnittlichen Kinogänger, der gern in Schubladen denkt, nicht erkannt werden können. Spielbergs The BFG ist einer davon.
Inhalt: Sophie (Barnhill) schleicht nach Mitternacht im Waisenhaus herum und kann nicht schlafen. Da sieht sie vom Balkon aus einen Riesen (Rylance), der die Strassen Londons entlang wandert. Bei sich hat er etwas, das aussieht wie ein seltsames Blasinstrument. Der Riese bemerkt, dass er entdeckt ist, und um sein Geheimnis zu wahren, entführt er Sophie kurzerhand ins Land der Riesen. Dass dort nicht alle nur freundlich sind, wird Sophie bald erfahren…

Der Film:
Mit wüsten Worten wurde dieser Film von der versammelten Filmkritik bedacht – es gab zwar auch Ausnahmen, doch die gingen im Chor der Nachplapperer unter. Die Quintesszenz der unisono erklungenen Schmährede: The BFG sei bislang Spielbergs schwächster Film. Er ist „herzlos“, „seelenlos“ und auch sonst aller Art von „-los“.
Wohl aufgrund der allgemeinen Verdammung fiel der Film bei uns durch und verschwand schon nach kürzester Zeit wieder aus den Kinos. A forgotten film is born.

Seelenlos? Spielbergs schwächster? Was zum Teufel haben die Leute gesehen – oder geraucht?
Mir fiel während des Betrachtens das Fehlen von Action-Sequenzen (angenehm) auf. Aber: Ein 3D-CGI-Film ohne Action? Da liegt doch der Hase im Pfeffer! Man will von einem CGi-Film ordentlich bespasst werden – es muss krachen, rummsen, die Fetzen müssen fliegen, sonst beginnt das Hirn zu arbeiten, und das macht müde. Also schaltet man das Hirn wieder aus. Dafür kapiert man dann das Besondere dieses Werkes nicht.

Bich zu böse? Vielleicht. Als selbsternannter Retter vergessener (uralt-)Filme macht es mich besonders sauer, zuzusehen, wie ein guter Film versenkt wird.
Im Vergleich zum üblichen CGI-Krachbumm-Kino à la Marvel & Cie. glänzt The BFG einerseits durch hohes inszenatorisches Raffinement, eine hervorragende Dramaturgie und visuelle Schönheit. Anders gesagt: Regie und Drehbuch sind erstklassig!
Natürlich sind die bösen Riesen eher dämlich denn bedrohlich – das ist dem Umstand geschuldet, dass The BFG auch für Kinder taugen soll. Ob  einem das nun passt oder nicht, es macht den Film weder besser noch schlechter. Trotzdem kommt dieser Umstand in Kritiken als den Film abwertender Negativpunkt immer wieder zur Sprache. Was sagt das über die betreffenden Kritiker aus? Dass sie einen Film dann gut finden, wenn er ihren Vorlieben gemäss gestaltet ist. Und sonst nicht. Diese Haltung – ein Film gefällt mir, wenn’s darin rummst / expoldiert / knutscht / blödelt / etc. – passt fürs reguläre Kinopublikum; aber nicht für Kritiker!

Ich fing den Film mit Vorbehalten zu schauen an und mit dem Vorsatz, sofort auszuschalten, sobald er langweilig, uninspiriert, unengagiert, kalt oder plump wird. Trotz der eher negativen Erwartungshaltung (bedingt durch die schlechten Kritiken) packte mich The BFG von Beginn weg und liess mich bis zuletzt nicht mehr los. Die vielen bildnerischen Spielereien, die Spielberg zum Themenkreis „gross – klein“ einbaut! Die inszenatorische Meisterschaft des Regisseurs, der während Dialogsequenzen auf der Bildebene die Handlung weiterführt, mit kleinen Details einen Charakter vertieft, die Atmosphäre verdichtet! Die durchs Band begeisternden schauspielerischen Leistungen – allen voran jene von Mark Rylance und der kleinen Ruby Barnhill! Die märchenhaft-zarten Sequenzen um den Traumbaum! Es ist schlichtweg fantastisch! Von wegen „lieblos“ – der Film und die ausgefeilte Detailarbeit ist so liebevoll wie man dies im Kino selten sieht!
The BFG gehört mit zu den besten Familienfilmen, die ich kenne, ich zähle ihn sogar zu Spielbergs besten Werken! Was für ein krasser Wiederspruch zur vorherschenden Meinung!

Abspann:
– Für diesen Film schrieb Melissa Mathison (E.T., Kundun) das Drehbuch – ihr erstes nach einer Pause von 19 Jahren. Sie verstarb, bevor der Film fertiggestellt war.
– Die wunderbare Filmmusik stammt einmal mehr von John Williams.
– Die Riesen wurden alle von Schauspielern verkörpert und mittels des Motion Capture-Verfahrens in den Film integriert.
– Bei uns ist The BFG auf DVD und auf Blu-ray erhältlich.

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Film-Schnipsel

Kurzrezensionen:

Ein aktueller Film:

Fantastic Beasts and Where to Find Them (dt.: Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind; USA 2016) Regie: David Yates; mit Eddie Redmaine, Katherine Waterston, Dan Fogler, Colin Farrell u.a.
Von allen Harry-Potter-Fans sehnsüchtig erwartet, ist Fantastic Beasts, eine Art Prequel zu Rowlings Roman-Serie, nun endlich gestartet. Erstmals versucht sich Frau Rowling hier als Drehbuchautorin. Versucht. Sie muss noch üben. Aber dazu bekommt sie demnächst ja viel Gelegenheit, denn die Kinoserie um die Fantastic Beasts ist auf fünf Teile ausgelegt. Und sie wurde für alle als Drehbuchschreiberin verpflichtet.
Der erste Film ist dramaturgisch ziemlich schwach. So stagniert die Handlung immer wieder zu Gunsten der zahlreichen computeranimierten Beasts. Die Autorin schien von ihren eigenen Kreationen derart angetan zu sein, dass sie darob eine kohärente Dramatugie und die Charaktere sträflich vernachlässigte. Letztere bleiben eindimensional und vermögen nicht zu berühren. Im erzählerischen Bereich wird auf billige Publikums-Irreführung gesetzt oder es tauchen erzähltechnische Widersprüche auf.
Im Gegenzug wird das Spektakel grossgeschrieben, es kracht und knallt und rummst, halb New York wird in Schutt und Asche gelegt und danach wieder zusammengesetzt. Das schaut zwar sensationell echt aus, entbehrt aber jeglichen Sinns.
Klar, Fantastic Beasts will nur unterhalten und das darf ja auch sein. Aber offenbar reich es, wenn sich die Computeranimation auf hohem Niveau befindet; dass der ganze Rest dem deutlich hinterherhinkt, scheint dem grossen Publikum herzlich egal zu sein. Und wenn’s mal umgekehrt ist, hagelt’s Schimpf und Schande _ siehe The BFG.
Schade!

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7 Kommentare

  1. Ich kann das kaum glauben, wenn ich die Bilder sehe, da wirkt der Riese tatsächlich so kühl und steril wie der komplette „Der Polarexpress“, den ich höchst unsympathisch fand. Von daher danke für den Tipp dass BFG diesem ersten Eindruck nicht entspricht. Ich lasse mich gerne eines besseren belehren. 🙂

    1. Das mit der „Sterilität“ ist letztlich Ansichtssache – auf mich wirken sämtliche CGI-Filme steril. Inzwischen habe ich mich damit abgefunden / daran gewöhnt. So schlimm wie den „Polarexpress“ empfand ich den „BFG“ allerings mitnichten.
      An der dramaturgischen Qualität des Films und an der Qualität der Inszenierung jedoch ändert auch die Empfindung der Sterilität nichts.

  2. Mal schauen, ob er in ein paar Jahren plötzlich zu Ruhm gelangt und du dann stolz schreiben kannst: „Ich habe es euch von Anfang an gesagt.“
    Ich glaube persönlich nicht daran, aber wer weiß…

  3. Ich kann leider mit Roald Dahl- Verfilmungen nicht viel anfangen. Wir haben 2 Freikarten damals gehabt, ansonsten hätten wir uns wohl geärgert. Meine Frau war ihn albern, ich eher belanglos und zu lang.
    Nicht der schlechteste Film, den man sich dieses Jahr im Kino angeschaut hat, doch leider im unteren Drittel.

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