Diese Woche gesehen… 2. bis 8. Februar

gabelingebers Film der Woche

 

1. LO IMPOSIBLE (dt.: The Impossible; Juan Antonio Bayona, Spanien 2012; DVD)
Schon wieder führt ein verkannter Film meine Wochenbestenliste an: A.J. Bayonas unglaublich intensivem Tsunami-Drama wurde Einseitigkeit vorgeworfen, weil er sich auf eine westliche Familie konzentriere, statt die Einheimischen Thailands als Opfer zu zeigen. Erstens geht es dem Film gar nicht primär um die Opferfrage, ja nicht mal um eine Chronologie der Ereignisse. Und zweitens ist er für ein westliches Publikum gemacht, das sich am ehesten mit einer westlichen Familie identifizieren kann. Lo imposible zeigt anhand des Tsunamis von 2004 exemplarisch, wie Menschen in äusserster Not über sich und ihre kleinen, alltäglichen Luxusbedürfnisse hinauswachsen – ja was den Menschen eigentlich ausmacht. Dass man, um dieser Aussage zur Geltung zu verhelfen, eine Familie von „verwöhnten“ Westlern ins Zentrum stellte, die auf sich selbst zurückgeworfen wird, leuchtet absolut ein. Mir jedenfalls…
Ein eindrücklicher, hervorragend gemachter, packender, emotionaler und zutiefst menschlicher Film.

2. BIRDMAN OR (THE UNEXPECTED VIRTUE OF IGNORANCE) (dt.: Birdman oder [Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit]; Alejandro González Iñárritu, USA 2014; Kino)
Ein Film ohne einen Schnitt, in einer einzigen Einstellung zu drehen – das hatte schon Alfred Hitchcock mit Rope (1950) versucht. Nun tut es ihm A.G. Iñárritu nach; die heutigen technischen Möglichkeiten lassen das Unterfangen ungleich lebendiger erscheinen als Hitchs Versuch. Da Iñárritus Handlung um ein Theaterstück kreist, erscheint der Kunstgriff, die Zeit- und Ort-Einheit ins Cinématorafische zu transferieren, nicht abwegig. Ein grandioses Schauspieler-Ensemble und genau beobachtete und gezeichnete Figuren sorgen für Spannung. Und doch lässt einen der Film um den ehemaligen Superhelden-Darsteller Riggan Thomson (Michael Keaton), der sein angeschlagenes Image vergeblich mit einer seriösen Bühnenproduktion aufpolieren will, eher ratlos zurück. Viele Themen werden durcheinandergequirlt, am Ende muss sich jeder das Bild selbst zusammensetzen. Ein durchaus faszinierenden Film um Indentität, Rollenspiel und Geltungssucht, der zwar eigene Gedanken zulässt, der sich aber in schwer zugänglicher Rätsel- und Symbolhaftigkeit präsentiert.

3. THE IMITATION GAME (dt.: The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben; Morten Tyldum, England, USA 2014; Kino)
Was kann ich sagen – ich bin enttäuscht! Die Bewertung auf imdb.com und die vielen hymnischen Kritiken weckten höchste Erwartungen, die dieses Biopic um den „Enigma-Überlister“ Alan Turing nicht erfüllt. Das Ganze plätschert mit der Brisanz einer leeren Lunch-Box dahin, das Fazit am Ende („In jenen Tagen war Homosexualität strafbar“) lässt einen Achsel zuckend zurück. So what?! Soll ich mich posthum darüber echauffieren?
Und die Schauspieler? Benedict Cumberbatch agiert an der Grenze zur Affektiertheit, Keira Knightley ist so blass wie die Figur, die sie zu spielen hat – nur gerade Charles Dance sticht heraus. Sein Commander Denniston ist neben der Hauptfigur denn auch der einzige Charakter, der nicht unscharf und blass gezeichnet ist.

4. PETER PAN (Herbert Brenon, USA 1923; DVD)
Die Stummfilmversion des wohl berühmtesten Kinderbuchs aller Zeiten ist zwar toll ausgestattet und dank dem Talent der Bühnen- und Kostümbildner von beträchtlichem Schauwert; doch ansonsten ist er vor allem furchtbar langweilig. Das Ganze ist derart statisch und fantasielos inszeniert, dass nicht mal mehr Ernest Torrence als Captain Hook die Stimmung zu heben vermag. Und Betty Bronson als Titelfigur ist in ihrer ballettös inspirierten Exaltiertheit vor allem eins: lächerlich!

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