Der Prinz und die Tänzerin

THE PRINCE AND THE SHOWGIRL
England 1957
Regie: Laurence Olivier
Darsteller: Marilyn Monroe, Laurence Olivier, Sybil Thorndike, Richard Wattis, Jeremy Spenser, u.a.
Drehbuch: Terrence Rattigan
Studio: Warner Bros.
Deutschsprachige Kinoauswertung: 1957 unter dem Titel Der Prinz und die Tänzerin
Dauer: 112 min

DER FILM:
The Prince And The Showgirl ist einer der weniger gefeierten Filme mit Marilyn Monroe und der einzige, der von ihrer eigenen Firma – “ Marilyn Monroe Productions Inc.“ – produziert wurde. Es ist der einzige Film, den Marilyn Monroe ausserhalb der USA drehte.
Zugrunde liegt ihm ein damals populäres Bühnenstück. Monroe und ihr Geschäftspartner Milton Greene fanden Gefallen an dem Gedanken, Laurence Olivier für die männliche Hauptrolle zu engagieren – Olivier hatte die Rolle des Prinzregenten bereits mit viel Erfolg auf der englischen Bühne gespielt. Auch für die Regie und die Co-Produktion wurde er vorgeschlagen. Erfreut nahm er an – eine Entscheidung, die er später bitter bereute.

INHALT:
Zur Zeit der Krönung des britischen Königs George (1911) weilt allerlei Durchlauchtigkeit aus aller Welt in London. Darunter auch Prinzregent Charles von Karpatien (Olivier) und dessen mit Putschgedanken sich tragender Sohn, Kronprinz Nicolas.
Als Charles zu einem seiner Tête-à-têtes das Revuegirl Elsie Marina (Monroe) einlädt, steht der Hof bald Kopf. Denn Elsie scheint nicht auf denselben gefallen zu sein – sie schafft es, sich mit dem Sohn des Prinzregenten und mit der Königinmutter gut zustellen. Sie erobert mit ihrem gesunden Menschenverstand und ihrem Mutterwitz das Herz des steifen Charles und lernt ihn eine Lektion in Liebe.

REGIE:
Laurence Olivier verfilmt das Bühnenstück The Sleeping Prince des britischen Dramatikers Terence Rattigan (Der Fall Winslow). Seine Inszenierung konzentriert sich in erster Linie auf die Schauspieler, es gelingen ihm aber auch einige inszenatorische Glanzstücke wie etwa eine grosse Ball-Sequenz oder die Krönungsszene.
Oliviers einfallsreiche, elegante Inszenierung vermag die Starrheit der Bühnenvorlage immer wieder zu durchbrechen; mit zum Teil tänzerisch anmutender Bewegungsführung und Kamerafahrten vermittelt er ein schwebendes Gefühl, das der Dialoglastigkeit teilweise entgegenwirkt. Gegen die Schwächen des Stücks kommt er aber mit aller Kunstfertigkeit nicht ganz an.
Als Regisseur hatte Laurence Olivier schwer mit den Launen und Unpässlichkeiten seiner Hauptdarstellerin zu kämpfen; das notorische Zuspätkommen der Monroe trieb ihn zur Weissglut, ebenso ihr momosenhaftes Wesen. Die beiden verstanden sich überhaupt nicht, es kam zu verbalen Grobheiten seitens des Regisseurs. Dank einer Vertragsklausel konnte Monroe Olivier nicht feuern, obwohl sie dies offenbar am liebsten getan hätte.

SCHAUSPIELER/INNEN:
Marilyn Monroe spielt Laurence Olivier an die Wand! Das muss man sehen, um es zu glauben – aus meiner Sicht macht vor allem dies den Film sehenswert. Trotz aller Querelen beim Dreh, trotz der ständigen Unzufriedenheit des Regisseurs Olivier mit seinem Co-Star gelingt Marilyn Monroe hier die wohl beste Leistung ihrer gesamten Laufbahn. Ihre anmutige Unschuldigkeit, ihre beschwipste Heiterkeit, ihre argloses Wesen wirken in diesem Film, dessen Personal praktisch ausschliesslich aus lauter zugeknöpften Upper-Class-Figuren besteht, derart erfrischend, dass man als Zuschauer stets bei der Stange bleibt.
Olivier ist auch gut, aber neben ihr wirkt sein Spiel heute antiquiert und verkrampft. Er wirkt im Spiel kalkuliert und berechnet, während sie aus dem Moment heraus zu spielen scheint. Olivier ist komisch als Karikatur eines osteuropäischen Adeligen – sie ist aber in ihrer sorglosen Tappsigkeit auf natürliche Weise noch viel komischer. Es erstaunt nicht, dass sie an zwei europäischen Festivals für diese Rolle ausgezeichnet wurde.
Die Nebendarsteller bleiben fast samt und sonders auffallend blass, bis auf eine Ausnahme: Die grosse britische Theatermimin Sybil Thorndike, welche die Königinmutter mit derartigem Gusto gibt, dass ihre Auftritte zu Glanzpunkten des Films werden.

DEKOR & KOSTÜME:
Gedreht wurde in den bekannten Pinewood Studios in England. Die üppigen Dekors und die farbenfrohen Kostüme (Roger K. Furse und Carmen Dillon) bilden eine Klasse für sich. Die allgemeine bonbonfarbene Buntheit wird durch das Technicolor-Verfahren in satten, vollen farben auf die Leinwand/ den Bildschirm transferiert. Eine Augenweide!

FAZIT:
Kein schlechter Film – aber leider auch kein besonders guter. Die Regie und die Hauptdarsteller werten das Ganze erheblich auf, vermögen aber nicht ganz zu kaschieren, dass das zugrunde liegende Stück nicht recht weiss, was es will und einige Längen und Oberflächlichkeiten aufweist. 7/10

 

DIE DVD:
Die beigezogene DVD stammt von Warner Bros. Frankreich. Eine identische DVD ist in Deutschland erschienen, ist aber nur noch im gebraucht greifbar. Der Film ist in seiner englischen Originalfassung betrachtbar sowie in französischer und italienischer Synchro. Untertitel sind in folgenden Sprachen vorhanden: Deutsch, Französisch, Italienisch, Englisch, Spanisch, Holländisch, Rumänisch und Arabisch.
Die Bildqualität ist sehr gut – der Film wurde offensichtlich digital überarbeitet. Das Bild ist scharf und klar, die Kontraste sind sehr gut, die Farben leuchtend und brilliant.
An Extras magelt es leider: Nur gerade ein sehr kurzer Wochenschaubericht, der Trailer zum Film und eine (völlig unnötige) Liste der Mitwirkenden ist vorhanden.

VORHER-NACHHER:
Regisseur Laurence Olivier drehte zwei Jahre vorher die Shakespeare-Verfilmung Richard III. Nach The Prince And The Showgirl drehte er erstmal keinen Film mehr – sosehr war er von den ständigen Querelen mit der Monroe genervt. Erst 1970 wagte er sich wieder auf einen Regiestuhl – für die Tschechov-Verfilmung Three Sisters. Insgesamt führte Laurence Olivier bei fünf Kinofilmen und einer Fernsehproduktion Regie.
Der Schauspieler Laurence Olivier war in erster Linie auf der Bühne tätig. Vor The Prince And The Showgirl war er im bereits erwähnten Richard III zu sehen, danach trat er – ein Jahr später – in einer TV-Verfilmung des Ibsen-Stücks John Gabriel Borkman auf. Seine wohl bekannteste Filmrolle war die des Archie Rice in Tony Richardsons Film The Entertainer (dt.: Der Komödiant, 1960).
Marilyn Monroe drehte vor diesem Werk Bus Stop (Joshua Logan, 1956), und danach Some Like It Hot (dt.: Manche mögen’s heiss, Billy Wilder, 1959), welches ihr wohl berühmtester Film wurde.
Terrence Rattigan schrieb hauptsächlich für die Bühne. Vor The Prince And The Showgirl war er direkt an der Verfilmung seines Stücks The Deep Blue Sea (dt.: Lockende Tiefe, Anatole Litvak, 1955) beteiligt, danach an Separate Tables (dt.: Getrennt von Tisch und Bett, Delbert Mann, 1958), dem ebenfalls eines seiner Stücke zugrunde liegt.

 

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3 Kommentare

    1. Sowas kommt natürlich auch darauf an, wie man es definiert bzw. wen man fragt. Wenn man etwa den „Mann von der Straße“ in den USA nach der bekanntesten Rolle von Olivier fragt, wird er vielleicht WUTHERING HEIGHTS, REBECCA oder THAT HAMILTON WOMAN nennen, aber kaum den durch und durch englischen THE ENTERTAINER. Und bei einem populären Superstar wie Monroe wird es sowieso ziemlich willkürlich. Von den Filmen, die sie ab 1953 gedreht hat, könnte man ungefähr jeden zweiten nehmen.

      1. In der Tat ein Dilemma!
        Gerade bei Olivier fiel es mir schwer, zu entscheiden, welches denn nun „seine bekannteste Filmrolle“ war. Ich tendiere dazu, Filme mit Qualitätsanspruch dafür zu wählen – vorausgesetzt, sie sind waren / sind wirklich populär.
        Obwohl der Film „The Entertainer“ heute zumindest hierzulande kaum mehr bekannt ist, entschied ich mich für diesen Titel, weil der Film Olivier damals zu grösster Popularität verholfen hatte. Im englischsprachigen Raum ist der Name Olivier mit diesem Film verknüpft.

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