Heiteres mit Lana Turner

THESE GLAMOUR GIRLS
USA 1939
Mit Lana Turner, Lew Ayres, Richard Carlson, Jane Bryan, Marsha Hunt, Ann Rutherford, u.a.
Drehbuch: Jane Hall und Marion Parsonnet
Regie: S. Sylvan Simon
Studio: Metro-Goldwyn-Mayer (MGM)
Deutschsprachige Kinoauswertung: nein

Der nächste „vergessene Film“ ist eine US-College-Komödie vom Ende der Dreissigerjahre. Die Studentinnen und Studenten sehen aus wie Erwachsene, von Auflehnung gegen Elternhaus und Gesellschaft, von Jugendkultur ist noch kaum etwas zu spüren. Als Gesellschaftsbild ist These Glamour Girls also ganz interessant – als Film weniger.

Er handelt von einem Arbeitermädchen, das in die erlauchte Gesellschaft reicher Collegegirls gerät und dort ihre Frau steht. Jane Thomas (Lana Turner in ihrer ersten Hauptrolle), die als „Taxi Dancer“ in einer Tanzhalle arbeitet, wird vom sturzbetrunkenen College-Boy Philipp Griswold III (Lew Ayres) zum Ball ins rennomierte Kingston-College eingeladen. Als sie dort eintrifft, erkennt sie der inzwischen ausgenüchterte junge Mann nicht wieder und kann sich auch nicht an das Techtelmechtel in der Tanzbude erinnern. Immerhin gefällt sie ihm, und es knistert erneut zwischen den beiden. Doch die Upper-Class-„Glamour Girls“ des Colleges machen Jane den Aufenthalt zunächst schwer. Sie beweist aber, dass sie „a swell guy“ ist und bleibt sich treu.

Am besten funktioniert der Film dort, wo er sich in der Charakterstudie versucht. Immer wenn die titelgebende Mädchengruppe in den Fokus gerät, wird’s interessant, denn hier gelingen dem Team um Regisseur S. Sylvan Simon einige durchaus tiefgründige Momente. Die „Girls“ sind lebendig gezeichnet, ausnahmslos treffend besetzt und hervorragend gespielt. Leider stehen nicht sie im Zentrum, das werdende Liebespaar Jane und Philipp war den Machern wichtiger. Immerhin überzeugen auch die beiden, zumindest schauspielerisch. Lana Turner überrascht mit einer natürlichen Leichtigkeit und Heiterkeit, die ich ihr nicht zugetraut hätte. Und Lew Ayres gibt den Upper-Class-Snob überzeugend als liebenswert-verschrobenes Grossmaul. Von der kultivierten Verrücktheit bekannter Oberklass-Screwball-Figuren jener Zeit ist er allerdings weit entfernt.

Und genau das fehlt dem Film: Der Schwung und der freche Witz der damals populären Screwball-Comedies. Aber will er überhaupt Komödie sein? Das ist nicht wirklich klar, denn gegen Schluss werden noch rasch zwei handfeste menschliche Dramen eingebaut, die wohl als Kritik an der upper class zu verstehen sein wollen. Oder haben die Autorinnen gemerkt, wie flach ihre Geschichte ist und versucht, durch Drama noch etwas Tiefe hineinzubekommen? Wer weiss?!
Das Drehbuch schrieb die damals vor allem durch die Zeitschrift Cosmopoitan bekannte Kurzgeschichtenautorin Jane Hall, zusammen mit Marion Parsonnet. Regisseur S. Sylvan Simon setzte es solide, aber etwas einfallslos um. So entstand ein Film, der kein grosser Kassenerfolg war, einen Verlust $33 000 einbrachte – und dann sanglos verschwand. Sehenswert ist er dank einer sympathisch aufspielenden Lana Turner und dank der Frauenriege, bestehend aus Marsha Hunt,Mary Beth Hughes, Ann Rutherford und Jane Bryan – Nebendarstellerinnen, die mehr Aufmerksamkeit verdient hätten, als ihnen heute zuteil wird!
6/10

Vorher-nachher:
S. Sylvan Simon drehte vor These Glamour Girls im selben Jahr The Kid From Texas, eine Sozialkomödie ähnlichen Inhalts, danach, ebenfalls im Jahr 1939, Dancing Co-Ed, ebenfalls mit Lana Turner in der Hauptrolle. Simon schien ein Vielfilmer zu sein: Allein im Jahr 1939 drehte er vier Spielfilme.
Seine heute bekannteste Regiearbeit ist wahrscheinlich The Fuller Brush Man, eine Krimikomödie von 1949 mit Red Skelton.
Lana Turner drehte vorher, im selben Jahr, Calling Dr. Kildare, ebenfalls zusammen mit Lew Ayres, in welchem sie eine Nebenrolle innehatte. Danach entstand der bereits erwähnte Dancing Co-Ed – ihre zweite Hauptrolle. Lana Turners bekannteste Filme sind The Postman Always Rings Twice (Regie: Tay Garnett, 1946) und Imitation of Life (Regie: Douglas Sirk; 1959).
Lew Ayres spielte zuvor im bereits erwähnten Calling Dr. Kildare, danach im selben Jahr The Secret of Dr. Kildare. Ayres bekannteste Filme sind All Quiet On The Western Front (Im Westen nichts Neues, Regie: Lewis Milestone,  1930) und Johnny Belinda (Regie: Jean Negulesco, 1948).
Für Jane Hall blieb These Glamour Girls das einzige Drehbuch. Zuvor arbeitete sie an einer Komödie namens Hold That Kiss mit (Regie: Edwin L. Marin, 1938) und danach entstand It’s A Date (William A. Seiter, 1940) nach einer Story von ihr. Das Drehbuch dazu verfasste Norman Krasna.
Ihre Kollegin Marion Parsonnet verfasste 1938 zusammen mit zwei Kollegen das Drehbuch zu dem Tod Browning-Film Miracles For Sale, 1940, wieder in Zusammenarbeit mit zwei anderen, das Drehbuch zu The Golden Fleecing (Regie: Leslie Fenton).

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