Dokument der Zerstörungswut

THE PHANTOM OF HOLLYWOOD
(dt.: Das Phantom von Hollywood)
USA 1974
Mit Jack Cassidy, Skye Aubrey, Peter Lawford, Broderick Crawford, Jackie Coogan u.a.
Drehbuch: George Schenck
Regie: Gene Levitt

Das Warner Archive-Würfelspiel macht wirklich Spass! Der aktuelle Film  ist wieder eine vom Zufall gewählte Entdeckung – ein vergessener US-Fernsehfilm von 1974, der „on location“ gedreht wurde, kurz bevor und während MGMs „Lot 2“ dem Erdboden gleichgemacht wurde um Platz für eine Einkaufsmeile zu machen. „Lot 2“ war ein Grundstück mit längst nicht mehr genutzten Kulissenlandschaften, die für Filmproduktionen aus MGMs goldener Aera erstellt wurden, ein wahres Filmgeschichte(n)-Museum für Filmfans. The Phantom of Hollywood ist ein Abgesang auf die goldene Aera und das berühmte „Lot 2“, dessen Zerstörung mitgefilmt und in die Handlung eingebaut wurde.

Das im Titel erwähnte Phantom von Hollywood ist eine geheimnisvolle Gestalt, die in den Ruinen von „Lot 2“ lebt und sich den Vandalen in den Weg stellt, d.h. jene, die es erwischt, umbringt. Wer sich hinter dessen lederner Maske verbirgt, scheint nur der greise Otto zu wissen, der sein ganzes Leben im Archiv des Filmstudios verbracht hat – doch auch er wird vom Phantom ermordet.
Der Film macht keinen Hehl daraus, dass ihm Gaston Leroux‘ Phantom der Oper Pate gestanden hat. Hier wie dort wird die Hauptakteuse in die Katakomben unter der Kulissenstadt entführt, hier wie dort entpuppt sich das Phantom eine arme, missgestaltete Figur.

Gene Levitts Film ist weit von einem Meisterwerk entfernt, doch er funktioniert wunderbar als augenzwinkernder Abgesang auf eine vergangene Zeit, als Dokument einer blinden, vorwärtsgerichteten Zerstörungswut – und als spannender Abenteuer- und Kriminalfilm. Die auftretenden gealterten Filmgrössen wie Broderick Crawford (als Polizeichef) oder Jackie Coogan (als hausinterner Filmrestaurator) sind etwas blass, und Jack Cassidys Make-Up ist zu dick aufgetragen – doch alles in allem ist The Phantom of Hollywood solide TV-Unterhaltung und macht wirklich Spass. Ich würde den Film als eine durchaus lohnende Entdeckung bezeichnen, als einen filmhistorisch interessanten Fund.

Jack Cassidy notabene verstarb zwei Jahre nach Fertigstellung dieses Films im Alter von nur 49 Jahren. Sein Name ist heute kaum mehr bekannt, Cassidy war aber in den 50er- und 60er-Jahren ein gefeierter Musical-Star am Broadway. In den späten 50er-Jahren wagte Cassidy den Sprung ins Fernsehen, wo er in vielen erfolgreichen Serien in Haupt- und Nebenrollen mitwirkte. Columbo-Fans oder Kenner der Serie Verliebt in eine Hexe erinnern sich wohl am ehesten an den gutaussehenden Cassidy. In letzterer trat er regelmässig in Gastrollen auf, bei Columbo spielte er drei Mal den Mörder ( u.a. den Zauberer „The Great Santini“). In dem Kinofilm W.C.Fields and Me (Arthur Hiller, 1976) war er als John Barrymore zu sehen, mit dem er tatsächlich eine gewisse Aehnlichkeit hatte. Jack Cassidy kam bei einem Feuer in seinem eigenen Haus 1976 ums Leben.
7/10

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