Buster Keatons tiefer Fall

DOUGHBOYS
(USA 1930)
Mit Buster Keaton, Sally Eilers, Edward Brophy, Cliff Edwards, Arnold Korff u.a.
Buch: Al Boasberg und Richard Schayer
Regie: Edward Sedgwick

Ein Jahr nach seinem letzten Stummfilm Spite Marriage war Buster Keaton auf seinem künstlerischen Tiefpunkt angekommen. Der Abstieg vollzog sich nicht etwa langsam und schleichend – er kam wie ein Schock von einem Film auf den nächsten. Obwohl Doughboys besser ist als der Vorgängerfilm Free and Easy bietet er ein trauriges Bild: Buster Keaton in einer groben, uninspirierten Militärklamotte an der Seite eines fürchterlich chargierenden, pausenlos herumbrüllenden Edward Brophy zu sehen – das tut weh! Obwohl in den Credits zu lesen ist, dass es sich bei Doughboys um eine „Buster Keaton Production“ handelt, wird schnell deutlich, dass er selbst nicht viel zur Produktion beisteuern konnte. Er musste sich ins MGM-System einfügen, und dieses sah totale Kontrolle über alle seine Produkte vor. Ein starrer Drehplan sorgte für die Einhaltung des veranschlagten finanziellen und zeitlichen Budgets, vom Drehbuch durfte nicht abgewichen werden, für Improvisationen war kein Platz, keine Zeit, kein Geld. Keaton konnte und wollte so nicht arbeiten, und das merkt man sowohl Free and Easy als auch Doughboys, seinen ersten beiden Tonfilmen, deutlich an. Beide Filme sind schlecht, wirklich schlecht – und es sollten weitere ähnliche Tiefschläge bei MGM folgen, an deren zunehmenden Misserfolgen Keaton schliesslich zerbrach.

Die Warner Archive Collection macht einige der Filme aus Keatons berüchtigter Zeit bei MGM nun wieder zugänglich und man kann die Legende vom tiefen Fall des Komödienkönigs nun endlich aus „erster Hand“ überprüfen.
Ich kannte von Keatons Tonfilmschaffen bislang nur die Kurzfilme, die er Ende der 30er-Jahre für Columbia gedreht hatte. Diese sind gar nicht so schlecht, und so fand ich immer, die Chronisten hätten Keatons Tonfilmschaffen schlechter geredet, als es wirklich ist. Seit ich Doughboys und Free and Easy kenne, verstehe ich ihren Standpunkt.

Doughboys beginnt eigentlich vielversprechend, wie ein klassischer Keaton-Film: Elmer Stuyvesant (Keaton), ein weltfremder, reicher Schnösel sucht, um seiner Angebeteten zu imponieren, in einem Stellenbüro nach einer Arbeit. Dummerweise ist das vermeintliche Arbeitsamt ein Rekrutierungsbüro der Armee. Ehe er sich’s versieht, steckt Elmer in Uniform und untersteht dem Kommando des cholerischen Sergeant Brophy. Was folgt, ist eine öde, episodenhafte Militärklamotte mit ein paar raren komödiantischen Glanzlichtern, die alle Keaton zu verdanken sind.

Ansonsten wirkt Keatons Figur völlig verloren in diesem lauten, unpassend undifferenzierten Klamauk. Die „Handlung“ beschränkt sich auf Liebesmissverständnisse zwischen Elmer und seiner Angebeteten und auf einigen dümmliche Querelen mit dem nervtötenden Sergeanten.

Fazit: Doughboys ist wohl nur gerade für Keaton-Fans interessant – traurig, aber interessant. Ansonsten empfehle ich den Film niemandem (man könnte daraus vielleicht einen Zusammenschnitt der zwei, drei gelungenen Sequenzen herstellen; den Rest des Films sollte man für immer in den Archiven vergraben und der Vergessenheit überlassen).
4/10

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