Tonfilm-Seitensprung: Schweizerische Harmlosigkeiten

HD-SOLDAT LÄPPLI
Schweiz 1959
Mit Alfred Rasser, Editha Nordberg, Otto Wiesely, Franz Matter u.a.
Regie: Alfred Rasser
Dauer: 111 min

Ich muss zugeben, dass ich, obwohl ich Schweizer bin, die heimische Filmproduktion zu wenig gut kenne. Ich habe ihr gegenüber ein Vorurteil, das von HD-Soldat Läppli soeben wieder bestätigt wurde. Es lautet: Die Nachkriegsfilme sind harmlos bis reaktionär, die Filme ab den Siebzigerjahren versuchen dies mit forciertem „Kunstanspruch“ zu kompensieren.
HD-Soldat Läppli gehört zur ersten Gruppe; der Film, der auf einem Bühnenstück basiert, das wiederum lose auf Jaroslav Haseks satirischem Roman Der brave Soldat Schwejk fusst, erreicht in keinem Monent die satirische Qualität der tschechischen Vorlage. Im Gegenteil: In aller Deutlichkeit wird man bei der Visionierung an den Umstand erinnert, dass Satire in der Schweiz bis Mitte der Achtzigerjahre praktisch inexistent war. Es gab sie einfach nicht!
Dazu ein Beispiel: Als der Kabarettist Franz Hohler in den Achzigerjahren seine wöchentlichen, jeweils zehnminütigen bissigen Denkpausen im Vorabendprogramm des Schweizer Fernsehens lancierte, ging ein Sturm der Entrüstung durchs Land. Hohler, wegen seiner Kritik an AKWs oder am Militär als Nestbeschmutzer tituliert, strich nach vierzig Folgen und vielen Querelen entnervt die Fahnen.

Wenn man sich nun „den bis heute einzigen Film, der den schweizerischen Militarismus kritisierte und das Ansehen der Armee ankratzte“ (Werbetext DVD-Cover), eben jenen HD-Soldat Läppli von Alfred Rasser aus dem Jahre 1959 anschaut, sieht man sich mit einem eindrucksvollen Beispiel der Schweizerischen Harmlosigkeit konfrontiert. Der Covertext wird vom Film selbst ad absurdum geführt: Da wird nichts lächerlich gemacht oder kritisiert – gar nichts. Höchstens ein paar Filmfiguren, militärische Betonköpfe. Aber das Ansehen des Militärs als solches wird in keinem Moment angetastet.

Das ist seltsam, denn während des zweiten Weltkrieges war die Satire in der Schweiz durchaus lebendig. Da hatte sie ein Angriffsziel ausserhalb der Landesgrenzen, und das wurde denn auch fleissig und von sicherem, neutralem Terrain aus beschossen. Doch sobald der Krieg vorbei war, gab es keinen Feind mehr, und nach innen richten wollte (durfte) man die Satire nicht. Sobald das einmal geschah, schaltete sich sofort die Politik oder das Militärdepartement ein. Notfalls mit Repressalien. Man wurde überwacht im Schweizer Staat, der kalte Krieg hatte in den Köpfen der Landesführer Einzug gehalten.

Als Alfred Rasser von 1954 einer Reise nach China zurückkehrte, wurde er regelrecht boykottiert; als „Linker“ erhielt der populäre Volksschauspieler keine Engagements mehr. Seine Rettung war der Film. Rasser plante, sein populäres Bühnenstück um den bauernschlauen Hilfsdienst-Soldaten Läppli zu verfilmen, ein Projekt, das erst gegen Ende der Fünfzigerjahre, nach langen Querelen und Schwierigkeiten in Angriff genommen werden konnte – mit Rasser selbst als „Notlösung“ am Regiepult (der ursprüngliche Regisseur wurde gefeuert). Der Film wurde ein riesiger Erfolg.
Wenn man sich den oben beschriebenen geistigen Zustand der Schweiz von damals bewusst macht, ist es kein Wunder, dass der Film zur zahmen, bisslosen Klamotte wurde. Das Militärdepartement erhob schon Einspruch bei einer Szene, in der Läppli die Fingernägel mit dem Bajonett reinigt; sie musste auf Geheiss der Armeeführung entfernt werden.

Es gibt dennoch zwei satirische Spitzen in diesem fast zwei Stunden dahinplätschernden Film. Immerhin zwei! Die eine wird allerdings sogleich abgemildert, indem Läppli sie dem alten Fritz zuschreibt: Ein Soldat, so Läppli zu einem Offizier, dürfe nicht denken. Das sei ein Unding; ein Soldat, der denke, sei kein Soldat mehr, sondern ein Zivilist.
Und die andere: Als ihm ein Leutnant eine Frage stellt, stolpert Läppli über die komplizierten militärischen Sprechformeln und Einleitungsfloskeln, und stellt dann trocken fest, diese seien wichtiger als die Antwort.
Das war’s dann auch schon. Der Rest ist harmloses, dialoglastiges Blödeln. Man merkt dem Film die Bühnenherkunft sowie die Unerfahrenheit seines frischgebackenen Regisseurs deutlich an.

Sieht man davon ab und akzeptiert den Film als leichte Unterhaltung, bleibt festzustellen, dass die Regie wenig einfallsreich einfach das Bühnenstück abfilmt und dass die Nebendarsteller fast durchs Band klägliche Leistungen abliefern. Getragen wird der Film einzig von der Präsenz Rassers. Er allein macht HD-Soldat Läppli heute noch erträglich.
Rasser war ein phänomenaler Schauspieler. Seine Verkörperung des Läppli ist zwar an manchen Stellen etwas allzu übertrieben, peinlich gar – doch glaubhaft ist sie allemal. Mit absoluter Überzeugungskraft haucht er seiner unsäglich treuherzigen Gestalt Leben ein. Wer diesen Schauspieler in anderen Rollen gesehen hat, weiss um dessenVielseitigkeit.

Alfred Rasser und vor allem Läppli war so etwas wie eine Basler „Nationalfigur“. Ich würde mich also nicht wundern, wenn ich von meinem Basler Blogger-Kollegen in Kürze „ains uff’s Dach kriege“ würde. Whoknows, was mainsch?
5/10


Ein Beitrag im Rahmen der Aktion Zeit für DÖS.

http://www.amazon.de/HD-Soldat-L%C3%A4ppli-OmU-Alfred-Rasser/dp/B0017JDTWE/ref=sr_1_1?s=dvd&ie=UTF8&qid=1316199714&sr=1-1

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21 Kommentare

  1. Noch steht das Rasser-Theater „Fauteuil“ am Spalenberg, lieber Stummfilmspezialist! Ich werde deine Besprechung dort melden; dann gibts Krieg. 😉

    Nein, ich stimme dir in vielen Punkten natürlich zu. Man merkt auch, dass die Läppli-Verfilmung mit ihren losen Szenen dilettantischer gemacht ist als mancher Schnyder-Film der Zeit. Im Zusammenhang mit anderen Schweizer Produktionen der Zeit wirkt sie aber direkt im positiven Sinne „hinterfotzig“. Ich verweise auch gern auf die von mir vorgezogene Fortsetzung „Demokrat Läppli“ (1961), die zeigt, was die Schweiz mit Leuten wie dem willigen dummen Läppli macht: Sie sperrt ihn ins Irrenhaus, wo er das Kommen und Gehen der arbeitenden „Roboter“ als schön kommentiert: „Si chömme am Achti und gönge am Zwölfi. Sie chömme am Eis und gönge am Sächsi…“

    Aber eben: Läppli ist unsere Lokal-Figur (Rassers Sohn Roland nahm sie übrigens später mit der Perfektion seines Vaters erneut auf). Deshalb bin ich voreingenommen. – Wusstest du übrigens, dass Alfred Rasser sogar Nationalrat wurde? Nicht für die SPS, sondern für den LdU! Man könnte meinen, der Saal habe sich einen abgelacht. War aber nicht der Fall. 🙂

    Und nun wirst du von deinen deutschen Lesern ein lautes „Hä?“ zu hören bekommen. Mäld mi ab! 😉

  2. Na, habe ich es gesagt oder nicht? 😉 Und weil mir gabelingeber unseren Lokalheiligen versaut hat, wird er meinen Kommentar jetzt selber brav deutschen Lesern zugänglich machen, auch im Detail den Unterschied zwischen einem National – und einem Ständerat erklären – und vor allem eine Abhandlung über die politische Ausrichtung des von Gottlieb Duttweiler gegründeten LdU (mittlerweile ausgestorben) schreiben. Eine detaillierte Abhandlung sogar, wenn ich bitten darf! 🙂

    P.S.: Das Fauteuil ist ein renommiertes Basler Kleintheater (wir hatten lange Zeit nur wenige von ihnen). Sein Spielplan ist freilich nicht mehr über alle Zweifel erhaben, lebt es doch nicht zuletzt von den Tourneen berühmter „Volksschauspieler“, die ihren neuesten Schwank zum Besten geben.

  3. Hä? #2

    Da kann ich nur lesen und staunen. Nachrichten aus einem mir fernen und unbekannten Land. Liest man zudem noch die Auslassungen von Whoknows und gabelingeber im Vergleich, so kann man es auf die Formel bringen:

    2 Schweizer sehen 1 schweizer Film und lassen es durch ihre Texte aussehen, als wären es 2 grundverschiedene schweizer Filme.

    Ist das die berühmte, in Deutschland nur gerüchte- und sagenhalber bekannte Kantönliwirtschaft?

    Ich glaube, ich bleibe lieber bei HÄ?

    Im Rahmen der Aktion DÖS bisher die Expedition in die fernsten Galaxien des Nichtwissens, die nie zuvor ein „Schwabe“ gesehen hat.

    1. Eigentlich hatte ich ein „Hä?“ auf den Befund der Schweizerischen Satirelosigkeit erwartet; dieser Zustand erscheint sogar mir, der ich in diesem Land geboren bin, noch immer absolut unfassbar.
      Dem „Hä?“ auf die unterschiedliche Rezeption zwischen Whoknows und mir schliesse ich mich an, nachdem ich Whoknows Einschätzung des Films gelesen habe.
      @Whoknows:
      Mit allem gebotenem Respekt, aber wie man bei diesem Film auf das Prädikat „wahrhaft anarchisch“ kommen kann, ist mir ein absolutes Mysterium. Hat da nicht ein gewisses Mass an Verklärung in die Wertung mit hineingespielt?
      Aber ich sehe, Du schreibst diese Attribut dem Bühnenstück zu, das durch den Film möglicherweise verwässert wurde…

      Und das Folgene ist nicht mehr auf meinen Kollegen Whoknows gemünzt, sondern auf den Status, den der Läppli-Film in der Schweiz hat:
      Viele Schweizer tendieren dazu, das Schweizer Filmschaffen durch die rosa Brille zu betrachten, so, als müsste man ihn gesondert behandeln. Wie oft höre ich, auch von der hiesigen Filmkritik den Ausspruch: „Ganz gut, für einen Schweizer Film.“
      Die Leute, die so denken, merken nicht, dass sie damit den Schweizer Film in seiner Gesamtheit herabgewürdigen.

      1. Jetzt bin ich verwirrt, weil ich ein „wahrhaft anarchisch“ in Whoknows‘ Kommentar gar nicht finden kann, sondern nur ein „im positiven Sinne hinterfotzig“, was ja ein deutlich schwächerer Ausdruck ist. Da bleibt jedenfalls dem unbefangenen Beobachter die Hoffnung auf 3sat, die bei Franz Schnyder und Kurt Früh auch schon erfüllt wurde, um sich selbst ein Bild zu machen.

    1. Geduld, Geduld!!
      Zudem ist dies eine bsartige Unterstellung; ich hülle mich nur in Schweigen, weil Du mir einer derartige Bürde auferlegt hast, den Unterschied zwischen National- und Ständerat zu erklären.
      Wo ich doch seit je für die Diktatur bin.

      1. Zum Glück gibt’s das Internet! Wer sich also tatsächlich für den Unterschied zwischen National- und Ständerat interessiert, wird hier belehrt: http://www.ch.ch/behoerden/00215/00329/00352/index.html?lang=de

        Und die LdU (die Migros-Partei) wird hier erläutert: http://de.wikipedia.org/wiki/Landesring_der_Unabh%C3%A4ngigen
        Dass Rasser für diese Partei im Nationalrat sass, wusste ich tatsächlich – auch wenn ich micht nicht mehr daran erinnern kann.

  4. @gabelingeber
    Ich habe gerade herausgefunden, dass euer Nationalheiliger und Rasser als Läppli etwas gemeinsam haben: Beide verkleiden sich, wobei sich Luzi Stamm mit seinem Toupet vermutlich verschönern möchte. 😀

    Das Anarchische bezieht sich sicher auf das Bühnenstück. Man muss jedoch auch an die Zeit denken, in der der Film entstand: Damals war es noch undenkbar, offen über eine Abschaffung der Armee zu diskutieren, und die „Kriegsgeneration“ duldete wenig. „Läppli“ brachte Offiziere und Militär-Fans gerade noch zum Lachen; ein Mehr wäre schon einer Beleidigung gleichgekommen (entsprechend wurde der erwähnte „Demokrat Läppli“, der kein unbeschwertes Bild der Schweizer Demokratie liefert, auch zurückhaltend rezipiert). – Aber ich stimme dir natürlich zu: Wer noch heute vom Schweizer Fernsehen regelmässig mit biederen Filmen aus den 50ern und 60ern berieselt wird, in ihnen sogar eine Art „Hochzeit“ des Schweizer Films erkennen sollte, muss unweigerlich den Kopf schütteln. Und die Bemerkung „für einen Schweizer Film“ ärgert mich auch regelmässig, wenn ich sie im Zusammenhang mit neueren Filmen (letzthin etwa in einer Kritik über „Der Sandmann“, 2011) lese. Ein Film ist gut oder weniger gut, Die Zusatzbemerkung beleidigt sowohl das Medium Film an sich als auch die Bemühungen Schweizer Filmer (denen oft das nötige Kleingeld fehlt).

    Womit ich, Frieden zwischen unseren Kantonen suchend, erwähnen möchte, dass ihr sogar eine Schutzgöttin vorweisen könnt. Sie hat zwar die Augen einer schielenden Kuh, ist aber immerhin Bundesrätin. 😉

  5. Noch mal zum Thema Satire in der Schweiz und der Bundesrepublik. In den 1950er Jahren war in beiden Ländern die Einstellung zur Armee sicher sehr verschieden aufgrund der ganz anders gearteten Vergangenheit. Trotzdem herrschte auch in der Bundesrepublik die Biederkeit über den Film, besonders die Satire im Film. Mitte der 1950er Jahre gab es eine aufgewühlte öffentliche Diskussion um die „Wiederbewaffnung“, die Neuaufstellung der Armee zehn Jahre nach Kriegsende. Damit stand auch immer die Rolle der alten Wehrmacht im NS-Staat zur Debatte. Die Buchtrilogie „08/15“ von Hans Hellmut Kirst war als Buch und in der Verfilmung 1954/55 ein ungeheurer Erfolg. Heute ist sie ziemlich vergessen. Grund dürfte die verharmlosende Biederkeit angesichts des Sujets sein, des deutschen Militarismus.

    Wenn ich es mir recht überlege, kamen die schärferen Militärsatiren in den USA ja auch erst in Folge des Vietnamkrieges zur Blüte.

    1. Ja, gut. Aber die Satirelosigkeit in der Schweiz bezog sich nicht nur auf die Armee, sondern auf alles. Auch über die Politik durfte nicht gewitzelt werden. Während auf den Sendern der Nachbarländer längst satirische „Gefässe“ bestanden und Kabarettisten auch satirisch sein durfte, bedeutete in der Schweiz Kabarett bis in die Achtzigerjahre ausschliesslich „harmlose Sketchlein über das Anstellen am Skilift“ oder über die Werbekleber von Suppenfirmen.
      In Deutschland gab es doch auch in den Fünfzigern kritisches Kabartett – neben den eher biederen Vertretern. Wolfgang Neuss zum Beispiel; oder „die Stachelschweine“..

      1. Da scheint es ja einen tiefliegenden Unterschied zwischen der Schweiz einerseits und Deutschland und Österreich andererseits zu geben. Die deutschen Satiriker und Kabarettisten der Nachkriegszeit konnten ja an eine Tradition anknüpfen, die schon vom Kaiserreich (Simplicissimus etc.) und der Weimarer Republik (Tucholsky etc.) herkam und unter den Nazis natürlich abtauchen musste, aber nicht unterging, z.T. mit denselben Leuten vor und nach der Nazizeit (Kästner, Werner Finck). Und in Österreich geht die Linie von Nestroy über Karl Kraus zu Qualtinger, Bronner, Kreisler, Farkas etc. Und in der Schweiz gab es nichts, nada, nothing?

  6. @Manfred Polak
    Wie es einem Kabarett in der Schweiz ergehen konnte, erlebten die Mitglieder der Pfeffermühle , die nach ihrer Flucht aus Nazi-Deutschland von Zürich aus tätig wurden – und vor Schweizer Nationalsozialisten beschützt werden mussten. Sie galten dennoch als das Vorbild für das Cabaret Cornichon , bestehend aus Schweizer Mitgliedern, die zum Teil reine Unterhaltung boten, sich aber auch gegen den Faschismus wandten (über sein Schicksal nach dem Krieg wird stichwortartig berichtet). Immerhin war das Cabaret Cornichion von nicht geringer Bedeutung für die Schweizer Homosexuellen-Bewegung , die in den 50ern durch den Zirkel „Der Kreis“ auf sich aufmerksam machte.

    Was die restliche Geschichte anbelangt: Ich muss gabelingeber vollkommen zustimmen. Man sah im Fernsehprogramm diese „lustigen“ Sketche vom Cabaret Rotstift („Skilift“) oder César Keiser und Margrit Läubli („Das Telefon“). Versuchte jemand wie Franz Hohler mehr, gabs Stunk. – Und in Deutschland genoss man Dieter Hildebrandt, der in seinen herrlichen Kabarettsendungen u.a. über Franz Josef Strauss herfiel.

  7. Da ich mich wirklich nicht mit der Geschichte und aktuelle Lage der Satire in der Schweiz auskenne, will/muss ich die sehr düstere Einschätzung der beiden Schweizer gabelingeber und Whoknows akzeptieren, obwohl mir das Urteil in der Härte wirklich fast unvorstellbar scheint. Es sind doch immer mal wieder schweizer Künstler auf den Kabarettbühnen in Deutschland zu sehen. Ich muss nachdenken…vor etwa zwei Jahren sah ich etwa das Duo „Ohne Rolf“, das ja ein konzeptionell durchaus originelles Programm ohne Worte, nur mit Schrifttafeln bot.

    Inzwischen habe ich ein bisschen gegoogelt. Und was stellt sich heraus? Die älteste Satirezeitschrift der Welt kommt aus der Schweiz. Seit 1875 erscheint der „Nebelspalter“. Der ist in Deutschland kaum verbreitet, ich erinnere mich aber, ihn in einigen Lesesälen und großen Bahnhofsbuchhandlungen gesehen zu haben. In einzelne Exemplare habe ich auch mal reingeblättert, aber viele Themen der schweizer Innenpolitik sagten mir einfach gar nichts. Sicher ist der nicht von der Ausrichtung mit der Frankfurter „Titanic“ zu vergleichen, weil er vermutlich ein anderes Publikum anspricht. Nun gut, das nur am Rande.

    Und als letztes: Hat nicht auch der Schweizer Friedrich Dürrenmatt sehr offensiv satirische Texte geschrieben?

    1. Whoknows und ich hatten ja auch nicht die aktuelle Lage der Satire im Auge, die sieht (inzwischen) zum Glück anders, lebendiger aus.
      Aber bis in die ACHTZIGERJAHRE hinein war die Schweiz eine Satirewüste – ich weiss, das ist unvorstellbar, und ich kann es selbst fast nicht glauben, doch es war tatsächlich so! Nebelspalter hin oder her – auch er war in diesen Jahren eher zahm und zahnlos.
      Und Dürrenmatt… ja, der hat kein Kabarett gemacht (denn vom Kabarett war ja eigentlich die Rede).
      Aber Du hast schon Recht, Dürrenmatt WAR satirisch – und wurde deshalb in der Schweiz auch immer wieder verteufelt und geschmäht.

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