Buster Keaton – politisch unkorrekt

THE PALEFACE
USA, 1922
Mit Buster Keaton, Joe Roberts, Virginia Fox u.a.
Regie: Buster Keaton
Dauer: 20 min


Entgegen meinem Versprechen im letzten Artikel, als nächsten Stummfilm Murnaus Sunrise vorzustellen ziehe ich nun einen Kurzfilm Buster Keatons vor und bitte bezgl. Murnau noch um etwas Geduld und Verständnis. Die Bilderauswahl erweist sich als schwierig und zusätzlich mühe ich mich noch mit den (für mich in jedem Fall leidigen und ungeliebten) DVD-Angaben ab, die sich in desem Fall als etwas langwierig erweisen.
Also: Bitte noch etwas Geduld – Buster Keaton ist ja auch ein ganz netter Filmemacher…

The Paleface zähle ich persönlich zu Keatons besten Kurzfilmen. Ähnlich wie Cops wirkt er wie eine Vorstudie für die späteren Langfilme, ist wie aus einem Guss und trägt schon fast alle Merkmale der keaton’schen Regiekunst: Die Handlung läuft wie ein Uhrwerk ab, wobei sich ihre Konstruiertheit nicht negativ bemerkbar macht; viele Gags werden sorgfältig vorbereitet, treffen trotzdem völlig unerwartet ein und ergeben sich scheinbar natürlich aus der Situation heraus.

Anders als in anderen Keaton-Kurzfilmen und wie in seinen Langfilmen gibt es hier nur wenige Gags, die erzwungen wirken. Das alles ist umso erstaunlicher, wenn man weiss, dass praktisch ohne Drehbuch gearbeitet wurde. Keaton scheint den fertigen Film jeweils schon im Voraus im Kopf gehabt zu haben. Oder er war ein Meister im Koordinieren und Einbinden von spontanen Einfällen.

The Paleface handelt von einem Indianerstamm, der von betrügerischen Weissen um sein Land gebracht wird, und von einem weissen Schmetterlingssammler, der von diesem Stamm zum Ehrenhäuptling ernannt wird und ihm hilft, den Betrug zu verhindern.
Trotz der Thematik macht The Paleface nicht Propaganda für die Sache der Indiander, im Gegenteil: Vieles darin wirkt aus heutiger Sicht befremdlich – allem voran die als Rothäute geschminkten weissen Schauspieler und die Tatsache, dass erst der weisshäutige Schmetterlingssammler dank seiner Geschicktheit und Schlauheit den Sieg der Indianer möglich macht.

Aber auch der Rassismusvorwurf, der dem Film gegenüber immer mal wieder laut wird, passt nicht: Die Indianer werden weder der Lächerlichkeit preisgegeben noch negativ dargestellt. Vielmehr als alles andere legt der Film Zeugnis für Keatons politische Naivität ab: Es ging ihm nur darum, einen lustigen Film zu drehen. Mit Indianern im Zentrum, weil die Thematik der Umsiedlung zu jener Zeit aktuell war.
Kurzum: The Paleface ist ein Film, den man heute weder so noch in irgendeiner anderen Form drehen könnte. „Politisch unkorrekt“ nennt man das heute. Wenn heute Indianer oder Schwarze in einem Film auftauchen, hängt deren ganze Geschichte mit dran, die heute zum Glück weitgehend aufgearbeitet ist – mehr jedenfalls als zu Keatons Zeit. Als blosse Staffage lassen die sich heute jedenfalls nicht mehr benutzen.

Keatons Film kann man das allerdings nicht zum Vorwurf machen. Der Zeitgeist damals war noch unschuldig und bezüglich der amerikanischen Ureinwohner von ethisch-moralischen Bedenken unbeleckt. Somit darf man The Paleface ohne Gewissensbisse und Hintergedanken als das geniessen, was er ist: Als eine sehr gut aufgebaute, wunderbar ausgeführte Komödie eines inszenatorischen und komödiantischen Ausnahmetalents.
9/10

Die DVD: Meine Text bezieht sich auf die DVD von Kino Internatinal (USA). Die Bildschärfe ist ganz gut, der Kontrast ebenso – es gibt allerdings zwei, drei Stellen, die im Master offenbar gefehlt hatten, und die von einem qualitativ weniger guten Videoband eingefügt wurden.

Die Musikbegleitung stammt von unbekannter Hand, passt aber hervorragend.

Extras: Der Langfilm Go West und der Kurzfilm The Scarecrow, beide von Buster Keaton.

Reginalcode: 0

Verfügbarkeit:
USA: Wie erwähnt wird The Paleface von Kino on Video (USA) angeboten. Man bekommt ihn direkt bei Kino, oder bei amazon (dort gibt’s den Film ab und zu gebraucht für weniger Geld).
Deutschsprachiger Raum: Auch hier ist der Film verfügbar, er ist in in der Keaton-Kurzfilm-Box (vier DVDs) von absolut medien enthalten. Dort sind wirklich sämtliche kurzen Keaton-Stummfilme vereint, auch jene, die er als Nebendarsteller für Roscoe „Fatty“ Arbuckle gemacht hat. Allerdings ist die Musikbegleitung der einzelnen Filme sehr unterschiedlich; einige der Begleitungen sind schlichtweg furchtbar und mindern den Filmgenuss, da sie sich in keiner Weise auf das Geschehen im Bild beziehen. Die Box kann auch über amazon. de bezogen werden (bei privaten Anbietern oft günstig).
Für Preisvergleiche, evtl. preisgünstigere Angebote und andere Fragen im Zusammenhang mit DVD-Bestellungen aus dem Ausland siehe auch die Tipps zur DVD-Bestellung im Ausland.

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2 Kommentare

  1. §1 Halte dich bei Versprechen immer vage!
    §2 Gib einen Sch**** auf meine Ratschläge!

    Hach! Die Amis haben sich ja mittlerweile zu einer Entschuldigung bei den Indianern durchgerungen. Wir können den Film also unvoreingenommen geniessen. Ein gewisser Lars van Trier dürfte uns grössere Sorgen bereiten…

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