Schwanken zwischen Grösse und Lächerlichkeit

CAPTAIN SALVATION
USA 1927
Mit Lars Hanson, Pauline Starke, Marceline Day, Ernest Torrence, u.a.
Regie: John S. Robertson
Dauer: 87 min

Ein junger Theologe mit Meeressehnsucht gewährt einer gestrandeten Hure Zuflucht, wird von der christlichen Dorfgemeinschaft dafür geächtet, heuert darauf auf einem Schoner als Matrose an, erlebt die Hölle auf hoher See, kehrt geläutert zurück und kreuzt fortan als predigender Seefahrer die Meere.

Das ist, aufs Wesentliche reduziert, die Handlung von Captain Salvation. Die Zusammenfassung weckt wüste Befürchtungen, die sich jedoch dank einer einfühlsamen und klugen Konzeption fast alle alsn gegenstandslos erweisen. Fast, denn am Schluss folgt knüppeldick, was vorher sorgsam vermieden wurde.

Captain Salvation ist, das muss zunächst gesagt werden, ein unentschiedenes Werk, eine seltsame Mischung aus Abenteuerschnurre und Erbauungsfilm. Die Vorlage stammt von Frederick William Wallace, einem Schotten, der zunächst als Seefahrts-Journalist, dann als Seefahrts-Historiker arbeitete und schliesslich als freier Schriftsteller Bücher mit mehrheitlich maritimem Inhalt veröffentlichte.
Den Verantwortlichen bei MGM, allen voran Drehbuchautor Jack Cunningham und Regisseur Roberts gelang es, nicht zuletzt dank einer klug gewählten, erstklassigen Besetzung und mit realistischer Erzählweise, die Klippen der Lächerlichkeit meist geschickt zu umschiffen. Es gibt ein paar Momente, wo dies misslingt; sie sind dem schwedischen Schauspieler Lars Hanson anzulasten, der sein ansonsten hervorragendes Spiel an zwei, drei Stellen über Gebühr forciert und damit wahrscheinlich schon damals Verwunderung hervorgerufen haben dürfte. Und, wie gesagt, der Schluss trupmft mit einer ungeniessbar dick aufgetragenen Heilsbotschaft auf.

Die erste Hälfte des Film ist zudem etwas zäh geraten, was an den leicht langweiligen Figuren liegt, die im Hafenstädtchen Maple Harbor ihr gesegnetes Tagwerk vollbringen. Erst mit dem Erscheinen der Gefallenen in der Mitte des Films (eine hervorragende Pauline Starke) und dem Auftritt des fabelhaften Ernest Torrence als abscheulicher Kapitän gewinnt der Film an Fahrt und innerer Spannung.
Als unser Theologe (Anson heisst er, fast wie sein Darsteller Hanson) auf dem Schoner „Panther“ im Glauben anheuert, die Fahrt führe nach Rio und sich die verstossene Schiffbrüchige ihm anschliesst, wird’s spannend.

Schon bald entdeckt man, dass man sich auf einem Gefangenenschiff verdingt hat, wo die übelsten Sitten herrschen und die „Fracht“ grausam misshandelt wird. Man lehnt sich auf und erntet Peitschenschläge. Die Frau, dank Ansons leuchtendem Vorbild bereit, ihr loses Leben in den Griff zu kriegen, wird vom schmierigen Kommandanten bedrängt und zum Beischlaf gezwungen, worauf sie sich umbringt und unser Seemann ausrastet.

Ja, ich weiss: Ich bin schon wieder in den ironischen Ton gefallen. Die Handlung macht’s einem wahrlich nicht leicht, dies zu vermeiden. Doch erneut muss ich das Steuer herumreissen und einen weiteren Vorzug des Filmes preisen, nämlich seine Cinématografie. Kameramann William H. Daniels gelingen, auch hier wieder im zweiten Teil, beeindruckende, hervorragend komponierte Bilder von der Hölle auf Erden.

Und wenn ich schon beim Preisen bin: Philip Carlis Filmmusik bringt die Stärken dieses Film zusätzlich zum Leuchten (und verdeckt die Schwächen ein wenig). Seine Patitur begleitet, kommentiert, antizipiert, geht dabei sehr angenehm ins Ohr ohne sich in den Vordergrund zu spielen. So muss Stummfilmmusik sein!
7/10


Die DVD: Die Bildqualität ist gut bis sehr gut, mit sehr guten Kontrasten.

Musikbegleitung von Philip Carli, Weiteres siehe oben (im Artikel).

Reginalcode: 0

Bestellung : Der Film stammt aus dem DVD-R Sortiment von Warner Archive Classics. Eine der wenigen und im Moment preisgünstigsten Möglichkeiten, ihn nach Europa zu bestellen bietet Turner Classics.
Für Preisvergleiche, evtl. preisgünstigere Angebote und andere Fragen im Zusammenhang mit DVD-Bestellungen aus dem Ausland siehe auch die Tipps zur DVD-Bestellung im Ausland.

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