Tonfilm-Seitensprung: Wo ist das Haus vom Nikolaus?

JOULUTARINA
(dt.: Wunder einer Winternacht)
Finnland 2007
Mit Hannu-Pekka Björkman, Otto Gustavsson, Kari Väänänen u.a.
Regie: Juha Wuolijoki
Dauer: 77 min

Jede(r) kennt sie aus dem Kinder-Fernsehprogramm der 80er-Jahre, die schönen alten tschechischen und ostdeutschen Märchenfilme, welche ohne Hollywoodglanz und -gloria auskamen und gerade deshalb so erfrischend wirkten.
In dieser Tradition – ob bewusst oder unbewusst – entstand dieser finnische Weihnachtsfilm, der dieses Jahr auf dem deutschsprachigen Weihnachts-DVD-Markt gross angesagt ist. Er erzählt den Werdegang des Nikolaus, der in dieser Version als Waisenkind in Lappland aufgewachsen sein soll, bei einem Tischler in die Lehre ging und später dessen Werkstatt übernahm.

Nach dem frühen Tod von Niklas‘ Familie wird der kleine Junge von Familie zu Familie gereicht; die Dorfgemeinschaft beschliesst, er solle jedes Jahr in die Obhut einer anderen Familie gelangen. Jeden Heiligabend muss er umziehen; zum Abschied schnitzt er für die Kinder seiner jeweils „alten“ Familie Holzspielsachen. Mit der Zeit werden es immer mehr Geschenke. Als der Tischler Isaaki Niklas zu sich nimmt, verfeinert dieser dort sein Handwerk, und bald unterstützt ihn der alte Handwerker in seiner weihnachtlichen Schnitzwut.

In teilweise sehr schönen Bildern erzählt Regisseur Juha Wuolijoki die alte Legende. Wunder einer Winternacht zeichnet sich durch tolle Landschaftsaufnahmen aus. Man muss dem Regisseur und seinem Kameramann Mika Orasmaa wirklich ein Auge für Naturschönheit, für wirkungsvolle Figurenarrangements und für geschmackvolle Farbkompositionen konstatieren: Der Film ist ein Augenschmaus. Leider weiss der Regisseur darüberhinaus nichts mit den Bildern anzufangen. Sie erzählen nicht, sie bilden lediglich ab. Den Rest erledigt der Dialog.

Zunächst verzichtet der Film, wie jene eingangs erwähnten Märchenverfilmungen, auf jegliche Hollywood-Überzuckerung. Doch nach der ersten Hälfte macht er erste Konzessionen, die sich mit der ursprünglichen Intention beissen, die Geschichte in realistischen Bildern zu erzählen: Ein knallrotes Nikolauskostüm kommt zum Einsatz und beherrscht fortan das Bild – obwohl es zu den eher gedämpften Farben des Films wie die Faust aufs Auge passt. Warum muss das Ding unbedingt knallrot sein? Natürlich damit der Film auch in den USA gespielt werden kann. Wenn Niklas am Schluss mit Rentierschlitten und „Ho-Ho-Ho“ durch die Lüfte segelt, dann fühlt man sich leicht auf die Schippe genommen; in erster Linie deshalb, weil das Versprechen der ersten Hälfte nicht eingehalten wird. In zweiter Linie, weil deutlich ist, dass hier die Geschichte des amerikanischen Santa Claus erzählt wird.
Rang eins auf der Kinderfilmliste hin oder her: Der angesagteste Weihnachtsfilm der Saison war für mich trotz seiner gelungenen ersten Hälfte eine Enttäuschung.
6/10

Und mit diesem Beitrag wüsche ich allen regelmässigen und unregelmässigen Besucher dieses Blogs FRÖHLICHE WEIHNACHTEN!

Der Film ist bei amazon.de erhältlich.

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2 Kommentare

  1. Lustig (oder eher logisch), dass Du den erwähnst – ich habe Capras Film soeben mit meiner Familie geguckt, resp. ihn meinen Kindern zum ersten Mal vorgeführt. Waren wieder mal alle restlos begeistert.

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