Lamento eines Filmbloggers

Wunsch: jeden Tag einen Film gucken.
Realität: Ich schaffe es, wöchentlich höchstens zwei Filme zu gucken – meist am Wochenende.

Tja, die Zeit! Sie eilt, sie fliegt – am Ende des Tages fragt man sich, wo sie denn nur hin ist.
Was ich den ganzen Tag tue (im Wechsel mit meiner Frau): Arbeiten; die Tochter zur Ballettstunde fahren; den Sohn zum Violinunterricht fahren; dem Sohn bei den Aufgaben helfen; der Tochter bei den Aufgaben helfen; die Meerschweinchen versorgen; die Kinder versorgen; putzen; einkaufen; meiner Frau zuhören; meinen Kindern zuhören; meiner Schwiegermutter zuhören; den Meerschweinchen zuhö…äh, nein, das denn doch nicht; meine Mutter im Krankenhaus besuchen; zur Chorprobe fahren. Schlafen.

Möchte ich das alles missen? Nein. Unsere Welt ist nur schlecht eingerichtet. Ich kritisiere die Länge der Tage: Weshalb sind die nicht um zwei Stunden länger? Zudem bin ich unzufrieden mit meinem Schlafbedürfnis: Vier Stunden sollten eigentlich reichen. Damit ich mir die ganzen Filme ansehen kann, die ich mir vorgenommen habe. Damit ich all die Texte schreiben kann, welche die gesehenen Filme erfordern. (Die schreibe ich jetzt immer, Sandwiches kauend, in der Mittagspause.)

Gott hat die Welt erschaffen, und sie war gut – bis die Freizeit erfunden wurde. Die hatte er nicht eingeplant. Teufelswerk!

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18 Kommentare

  1. Herrlich! Kann ich so unterschreiben. Auch ich würde gerne täglich einen Film sehen und danach darüber schreiben. Im Durchschnitt schaffe ich allerdings nur 1 bis 2 Filme pro Woche. Wie du möchte ich die Familie aber auch nicht missen – und noch ist die Tochter ja nicht sonderlich anspruchsvoll. Mal sehen, wie sich das in Zukunft noch so auf meinen Filmkonsum auswirkt… 😉

  2. Keine Panik, das ist nur das normale Blogger-Syndrom. Die anderen scheinen immer mehr Zeit zu haben als man selbst. Mehr Zeit zum sehen, mehr Zeit zum schreiben.
    Abgesehen von wenigen begnadeten Schnellschreibern, die dabei auch noch Qualität liefern, scheint es mir eine optische Täuschung zu sein.

    Da man (fast) jeden Tag auf einem der Blogs, die man regelmäßig verfolgt, neue Einträge bemerkt, hat man den trügerischen Eindruck, rings um einen herum bewege sich alles viel schneller.

    Zudem hat man durch die Teilnahme an einem Bloggerumfeld nicht nur die eigenen Eingebungen auf der „noch-zu-sehen-Liste“, sondern wird auch noch mit – vielfach sehr interessanten – Anregungen bedacht. Dem kann man unmöglich allem genüge tun.

    Produktiver Druck in allen Ehren, aber sobald man als Hobbyblogger nur noch das Gefühl hat, allem hinterherzuhetzten, sollte man konsequent dagegen halt. Irgendwenn brennt sonst die Schreiblust aus. Wieviele Blogs sind hoffnungsvoll gestartet und nach einiger Zeit an sich selbst gescheitert, da sie den eigenen überambitionierten Vorgaben nicht mehr folgen konnten und dann ganz die Lust verloren haben.

    Einfach dem eigenen natürlichen Tempo folgen und sich nicht irre machen lassen. Dein Blog hat einen sehr guten Rhythmus.

    1. @bullion:
      Erfahrungsgemäss wirkt sich das Grösserwerden der Kinder eher positiv auf die Häufigkeit des Filmkonsums aus 😉

      @Sieben Berge:
      Danke für die tröstenden Worte! „Dem eigenen Tempo folgen“ ist ein Rat, den ich mir an die Wand hängen sollte, den Stress mache ich mir nämlich selbst, u.a. damit, dass ich trotz bereits überfülltem „to watch-Regal“ Filme bestelle und die Reihe der zu sehenden Filme dadurch immer noch weiter verlängere.
      Natürlich ist es mein Problem, wenn ich mich durch dieses Regal unter Druck setze. Ich habe schon versucht, das gelassener anzugehen, aber dann gucke ich hinein und eine unbändige Lust auf diesen und jenen Film überkommt mich. Und diese Lust ist fast so schlimm wie Druck, vor allem, wenn die Zeit fehlt.

      Noch etwas kommt erschwerend hinzu: Meine Gattin schaut auch gern Filme, am liebsten „leichte“, unbeschwerte Sachen (aufgrund ihrer belastenden Tätigkeit voll und ganz verständlich) – das läuft aber meinen cinéastischen Interessen zum Teil zuwider – und mit Stummfilmen kann sie wenig anfangen. So wird das Filmeschauen zu einer Gratwanderung zwischen Zeitmangel und Hausfrieden.

      Eigentlich ein Wunder, dass ich überhaupt zwei Filme pro Woche schaffe… Je länger ich darüber nachdenke, desto klarer sehe ich, dass ich dies zum grossen Teil der Grosszügigkeit meiner Partnerin zu verdanken habe, die auch mal verzichtet oder mein Zeug mitguckt.

      Ich sollte mal wieder Blumen besorgen…

  3. Treppenhaus, das von den Mietern im oberen Stock als Aschenbecher benutzt wird, putzen; Kalbsbraten à l’orange für Gäste zubereiten, Laminatboden legen, letzte Weihnachtseinkäufe hinter sich bringen, sich vor dem Zahnarztbesuch fürchten, Mutter umbringen, Meerschweinchen ins Altersheim verfrachten, in anderen Blogs dumme Kommentare hinterlassen —

    MERRY CHRISTMAS!

  4. Eine Mutter, ja – und eine Nachbarin, die aussieht wie ein Meerschweinchen, wenn sie von ihrem Balkon aus in unser Küchenfenster zu starren versucht. 😉 Ich sollte ihr gelegentlich eine Weihnachtskarte schicken, auf der das Innere unserer Küche detailliert abgebildet ist…

  5. „Wir haben alle nur 24 Stunden am Tag. Nicht mehr, und selten weniger.“ (Dashiell Hammett, wenn mich mein Gedächtnis nicht trügt)

    Tröste dich: Ich sitze auch ohne Meerschweinchen, die Geige spielen und Ballettstunden nehmen, auf einem Stapel ungesehener DVDs. Der ist immerhin überschaubar, ein eigenes Regal braucht es dafür nicht.

  6. Mir geht es da nicht anders. Ich bin noch jung, habe keine Kinder, bin nicht verheiratet und trage demnach auch nicht so eine Verantwortung. Und trotzdem fällt es mir etwas schwer, den Blog am Leben zu halten. Selbst ein Text pro Woche scheint manchmal eine Herausforderung. Klingt letztlich aber schlimmer als es ist. Ich liebe das Blogging.

  7. Same here.

    Bin nun auch das erste mal ins Straucheln geraten und sitze nicht nur auf einem unüberschaubaren Berg aus DVDs und Videos, sondern auch auf einem Berg ungeschriebener Rezensionen, der zwar überschaubar ist, aber groß genug. Nun muss ich Kompromisse mit mir selbst schließen und vorerst kürzere Texte schreiben, bis die Liste des Aufzuholenden nicht mehr ganz so groß ist, und gegebenenfalls auf meine geplanten Jahresrückblicke in den Kategorien Musik und Film verzichten (zumindest was das Kinojahr 2010 betrifft, macht das fast gar nichts .. habe 70 % dessen, was ich WIRKLICH sehen wollte, bislang nicht gesehen, was das Ranking verfälscht. Dafür aber Schund wie Ridley Scotts „Robin Hood“ oder „Fall 39“, so macht das überhaupt keinen Spaß). Aber tröstlich zu sehen, wie wenig allein man mit so was ist.

    1. Ach, da isser ja wieder!
      Das freut mich! Ich hatte mir schon Sorgen gemacht, wo Du bleibst. Aber da Weihnachtszeit ist, habe ich den Suchdienst noch aus dem Spiel gelassen… 😉

      Du gehst noch ins KINO? Das lasse ich mittlerweile ganz bleiben, aus genau dem von Dir oben beschriebenen Grund: Zuviel Schund verdirbt den Spass! Ich ärgere mich – wegen Zeitmangels – jeweils schwarz, wenn ich wegen eines miesen Films ins Kino gepilgert bin. Auf die Kritiken kann ich leider überhaupt nicht gehen, auch die Mundpropaganda stimmt für mich in den wenigsten Fällen.

      Da lasse ich lieber fröhlich den DVD-Berg zu Hause anwachsen und schmeisse eine neue Scheibe ‚rein, wenn der Film Mist ist.

      1. Pausen wie diese wird es sicher weiterhin geben, vieles ist eben doch unvorhersehbar und ich neige dazu, mich zu überschätzen. Diesmal waren es mehrtägiger Geburstagsbesuch und ein Referat, das weit weniger Zeit am Stück in Anspruch genommen hätte, wenn ich etwa drei Wochen früher damit begonnen hätte. Zeit ist Teufelswerk, fürwahr, manchmal neige ich aber durchaus dazu, mich selbst in die Rolle des Leibhaftigen zu stürzen – soviel Selbstreflexion und Ehrlichkeit muss sein.

        Ins Kino gehe ich verhältnismäßig selten – meistens liegt’s aber am Geld, oft freilich auch am mittelmäßigen Angebot. Selbst in einer Großstadt wie Hamburg ist es nicht garantiert, alles sehen zu können, was auf der persönlichen Agenda steht .. „Enter the Void“ etwa lief überhaupt nicht in Hamburg, „Mother“ nur so kurz, dass es mir kaum möglich war, rechtzeitig zu reagieren. Und die Videothek um die Ecke führt auch selten das, was ich im Kino verpasst habe – dafür werden einem nützliche Tipps wie „Ey, haste ‚Friendship‘ gesehen? Richtig guter deutscher Film mit Matthias Schweighöfer über zwei Ossis in Amerika, echt lustig“ auf den Weg gegeben. Es ist wahrlich eine Crux. In den letzten Tagen/Wochen war ich öfter im Kino, qualitativ leider ohne Erfolg, aber man nimmt ja, was man so bekommt – denn eigentlich gehe ich ja wahnsinnig gern ins Kino. Immerhin kann ich mich wenigstens in Sachen Film einmal genüsslich zum konservativen „Früher war alles besser“-Rhetoriker aufschwingen.

        Im Zweifelsfalle wird’s bei mir auch die DVD (oder – Old School – die Video-Cassette)

  8. Komisch, zum Jahreswechsel beginnen immer die Depressionen. Ich ärgere mich auch schon wieder, was ich mir da eigentlich aufgeladen habe. Aber andererseits hält die Auseinandersetzung mit einem Film das Interesse wach und man verfällt nicht in bloßen Konsum. Trotzdem geht mir das Ansehen und der Spaß am Film vor. Zu allem etwas zu schreiben, das wäre zu viel verlangt. Wenn man es trotzdem schafft: Prima!
    Eine Watchliste? Ich habe über 1500 Filme zu stehen, die ich gerne als nächstes sehen möchte und ich habe eine Suchliste mit konstant gut 2500 Titeln, die aber längst nicht alle digital verfügbar sind. Macht mich das verrückt? Nein! Ich habe doch Zeit. Irgendwann.
    So viele Tage, gerade in letzter Zeit, versinke ich abends lieber bald in sanften Schlummer, als mich noch mit der Flimmerkiste abzuquälen. Das bringt die Arbeit als Multiskiller mit sich und da wird eben auch mal verlangt, daß man sich binnen weniger Tagen einen großen Wissenskomplex draufschafft. An anderen kehrt dann die Routine zurück und man hat Freiräume auszufüllen. An solchen Tagen schlafe ich allerdings auch tatsächlich mal nur 4 Stunden und bin zufrieden damit.
    Was ich aber weiß ist, daß die Freizeit eben untergeordnet und damit kaum planbar ist. Darum versuche ich es gar nicht erst. Ich lasse mich treiben und fühle mich mit dem wohl, was mir bleibt. Manchmal dürstet es auch mir nach größeren Zeitfenstern und ich finde das gut, denn so weiß ich diese zu schätzen. Erfahrungsgemäß schafft man meist sogar ähnlich viel, wie ohne übermässigen Druck im Leben. Im Gegenteil ist das Erlebnis viel intensiver, wenn jeder Moment knapp ist.
    Wir müssen uns viel bewußter sein, was uns alles geschenkt wird, in welchem Luxus wir schwelgen. Arbeit, Familie, Filme und die ganzen Kleinigkeiten sollten uns beruhigen, nicht stressen, denn wir haben das alles. So viel, daß uns ein Tag nicht genügt. Was mehr wollen wir denn? Den Tag, an dem das alles vorbei ist? Wo wir nicht mehr nach mehr verlangen, weil wir können, sondern weil wir nichts anderes haben?
    In diesem Sinne: Lass dich nicht hetzen. 🙂

    1. Danke für diese weisen Worte.
      Du hast natürlich absolut Recht, rechter geht’s gar nicht.
      Mein Text war ja auch eher ironisch gedacht – ich versuche, nach Deiner Philosophie zu leben, nur gelingt mir das manchmal nicht. Zum Frust wird’s für mich aber eigentlich nie (ich hoffe, für meine Umwelt auch nicht…!).
      Ich staune aber, wie Du trotz knapp bemessener Zeit doch so tolle Berichte zustand kriegst (neid!).

  9. Ich weiß, aber auch hinter der Ironie steckt ja immer ein Gedanke. Wenn ich nun dein eigentliches Wohlergehen aufgedeckt habe, ist es doch umso besser. 😉

    Wie ich meine Berichte (die Tolligkeit lasse ich mal dahingestellt^^) zustande bekomme, weiß ich manchmal selber nicht. Ich bin allerdings geschult, schnelle Entschlüsse zu treffen, an denen ich festhalten kann und habe einen Text meist schon inhaltlich zusammengerafft, wenn der Abspann läuft. Laut einem Übungsprogramm schreibe ich mit bis zu 400 Anschlägen/Minute fehlerfrei Vorlagen ab, insofern läßt sich die rein technische Seite wohl einfach erklären.

    Für Mittagspausentexte sind deine Gedanken aber doch auch sehr ausgereift.

    1. Ich benötige stets mehrere Mittagspausen – natürlich nicht am selben Tag 😉
      Danke für Dein Lob, das beflügelt mich.
      Im Moment habe ich Ferien und bin dabei, einige Texte auf Vorrat zu speichern…

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