Filme in Kürze…

Eine Anregung, die ich vom Blog Tief in den Wäldern erhalten habe: Zukünftig werde ich unter dieser Rubrik kurze Kommentare abgeben über Filme, welche ich „so in letzter Zeit“ gesehen habe, ob stumm oder klingend spielt dabei keine Rolle.

CITY OF EMBER
Gil Kenan (USA 2008)

Ember ist eine Stadt unter der Erde, welche die letzten Menschen beherbergt. Vor mehreren hundert Jahren haben sich einige Auserwählte vor einer nuklearen Katastrophe hierher geflüchtet – inzwischen weiss niemand mehr etwas von der Aussenwelt.
Doch auch hier zeichnet sich eine Katastrophe ab: Der grosse Generator, welcher diese wundersame Welt mit Strom versorgt, wird bald den Geist aufgeben. Der Bürgermeister (Bill Murray) verharmlost das heraufziehende Unheil aus Hilflosigkeit. Zwei junge Bewohner (Harry Treadaway und Saoirse Ronan) kommen dem Geheimnis von Ember auf die Spur, das im Laufe der Jahrhunderte verloren gegangen ist. Und mit dem Geheimnis tut sich ein Weg nach draussen auf.
Ein starbesetztes, durchaus spannendes Fantasyspektakel (neben Murray tauchen auch noch Tim Robbins und Martin Landau auf, letzterer grandios besetzt), das zwar furchtbar ernsthaft daherkommt, aber jeglichen Tiefgang vermissen lässt. Die Bauten im Retro-Look können sich allerdings sehen lassen.
6,5/10

APOLLO 13
Ron Howard (USA 1995)

So schlimm, wie ich den Film in Erinnerung hatte, ist er gar nicht. (Ein weiterer Beweis dafür, dass die eigene Filmrezeption sich mit den Jahren verändert).
Die Ereignisse um die unglückliche Apollo 13-Mission wurden minuziös rekonstruiert (Drehbuch: Al Reinert) und filmisch sehr gut umgesetzt. Die Enge in der Kommandokapsel, die Hektik auf der Bodenstation, die psychische Verfassung der Angehörigen: Das alles wird von Ron Howard in adäquate Bilder umgesetzt. Ein Spielfilm, der die ihm zugrunde liegende wahre Geschichte glaubhaft wiedergibt.
7,5/10

ZELIG
Woody Allen (USA 1983)

Und hier das Gegenteil: Ein Dokumentarfilm über Ereignisse, die nie stattgefunden haben.
Als ich den Film bei seiner Erstaufführung zum ersten Mal sah, war ich absolut hin und weg – nicht nur wegen seiner überaus geschickten Machart. Der Film erzählt die Geschichte des Leonard Zelig, eines totalen Anpassers, der sein Äusseres verändern kann, indem er es dem seines Gegenübers angleicht. Wenn er mit Ärzten spricht, wird er selbst einer, wenn er mit Rabbinern zusammen ist, wächst ihm ein Bart etc.
Beim Wiedersehen mit Zelig geschah, was selten geschieht, wenn ich einen Film anschaue, den ich früher grossartig fand: Ich fand ihn noch immer grossartig!
Zelig
ist wohl Allens bestes Werk, kein Vergleich mit den eher lauen Filmen, die er heute zum Teil abliefert. Die Art, wie er hier a.) eine irrwitzige Geschichte erzählt, b.) deren Ernst ständig hinter wunderbar dämlichen Gags versteckt, um ihn dann langsam immer deutlicher durchscheinen zu lassen, c.) den Dokumentarfilm und die Wochenschau der 30er-Jahre gleichzeitig parodiert und täuschend fälscht und schliesslich d.) jene Epoche aufleben lässt, das ist im Kino bis heute einzigartig geblieben.
Zelig ist Allens aussergewöhnlichster Film und einer der aussergewöhnlichsten Filme der Achzigerjahre – und wer ihn noch nicht kennt: Sofort nachholen! Man kann ihn nicht erklären, man muss ihn sehen.
10/10

DIE AUSTERNPRINZESSIN
Ernst Lubitsch (Deutschand 1919)

Hochoriginelle und beschwingte deutsche Slapstick-Komödie um eine Industriellentochter (Ossi Oswalda), die unbedingt einen Prinzen heiraten will. Ein längerer Kommentar über diese köstliche kleine Komödie folgt demnächst auf diesem Blog…
7,5/10


 

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4 Kommentare

  1. Zu APOLLO 13: Hm, ich empfand ihn als halbdokumentarisch abgefilmtes Heldenepos, so wie es die Amis lieben (7/10). Aber insgesamt, in seiner verhältnismäßigen Nüchternheit, deutlich besser als solch grässlicher vor Testosteron und Pathos triefenden Schwulst wie ARMAGEDDON (3/10).

    Zu ZELIG: Dem ist nicht viel hinzuzufügen, nur dass die 80er rückblickend viel mehr großes Kino zu bieten haben, als man diesem zu unrecht verunglimpften Jahrzehnt allgemein nachsagt und ZELIG ist hier nur ein Beispiel unter vielen.

    Wirklich schlimm wurde es erst in den Neunzigern und zappenduster in den Nullern…

    Ein Hoch auf den Kulturpessimismus! 😉

    1. APOLLO 13: Ich hatte mit meiner Schulklasse eben die Mondlandung behandelt und Apollo 13 als Nebenthema eingebaut. Aufgrund der Fakten, die ich Zuge meiner Vorbereitungen gewonnen hatte, gefiel mir der Film dann besser als damals in den 90er-Jahren, als ihn „nüchtern“ gesehen hatte. Und die Kids waren von der Bebilderung des Schulstoffs begeistert.
      Gesinnung hin oder her, mir gefiel die Machart des Films, vor allem der Stellenwert und die Sorgfalt, die dem Visuellen zuteil wird (das war auch der Grund, weshalb ihn die Kinder so toll fanden).

      Aber ich gebe Dir im Grossen und Ganzen Recht: Was in den 90ern und in den Nullern im Allgemeinen aus den USA kam… zum heulen. Mit Ausnehmen, ja, aber so grob gesehen…

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