Worüber schreibt ein Schweizer Stummfilmblogger?

Muss ich mich wirklich rechtfertigen?
Bislang hat sich niemand beschwert.

Und doch: Wenn ich ins deutsche Stummfilmforum reinschaue, fällt mir auf, dass dort vornehmlich deutsche Stummfilme thematisiert und diskutiert werden. Im amerikanischen Pendant, im Nitrateville-Forum, dreht sich fast alles um den amerikanischen Stummfilm.

Ich bin Schweizer. Ich betreibe einen Stummfilmblog. Also müsste ich über schweizerische Stummfilme schreiben.
Problem erkannt?

Den schweizerischen Stummfilm gibt es nicht – oder besser: Nicht auf DVD. Natürlich wurden auch hierzulande Stummfilme gedreht. Aber die sind verschwunden und vergessen. Die Produktion damals war sowieso nicht üppig.

Auf welches Herstellungsland hat sich mein Blog demnach zu konzentrieren? Als Schweizer bin ich in dieser Wahl glücklicherweise frei.

Die Filme müssen auf DVD erhältlich sein, diese Vorgabe habe ich mir gestellt. Ich muss aber kein schlechtes Gewissen haben, wenn ich dem amerikanischen Film, den ich sehr schätze, den Vorrang gebe.

Weshalb auch?
Nur weil sich einige hiesige Kulurschaffende und -interessierte darin gefallen, die Amis Kulturimperialisten zu schimpfen, muss ich ja nicht ins selbe Horn blasen, um dazuzugehören – und aus demselben Grund auch mal dem südkarpatischen Stummfilm eine Chance einräumen, schliesslich ist man ja für Minderheiten.

Nein, ich stehe dazu: Der amerikanische Film mit seiner erzählerischen Tradition und Konvention gefällt mir, sagt mir zu, und ich werde hier immer wieder auch US-Stummfilme besprechen.
Neben anderem natürlich. Ich sage ja nicht, die Amis seien die einzigen, die Filme machen konnten.
Und wenn ich einen südkarpatischen Film finde, und der mir gefällt, werde ich auch den hier bringen (nennt mir einen und ich prüfe ihn).
Nur: aus Prinzip tue ich das nicht. Und aus demselben Grund blende ich den amerikanischen Film nicht aus.
Michael

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7 Kommentare

  1. Nimm solche Pauschalurteile nicht ernst! Wenn man die Filmgeschichte genauer durchforscht, ändert sich die Situation (auch die der Rezipienten!) von Jahrzehnt zu Jahrezehnt. Gerade der Stummfilm bot noch vielen Ländern die Möglichkeit, zur „Filmnation Number One“ aufzusteigen – was Bevorzugungen rechtfertigt. Der Stummfilm kann auch nicht dafür verantwortlich gemacht werden, dass uns die USA im neuen Millenium so gern mit RomComs überhäufen, von denen man sich wünscht, sie liessen sich in Silent Movies umwandeln.

    P.S.: Ich lasse mich bei meinen Besprechungen ebenfalls von Lust und Laune leiten, tue mich eher schwer mit dem Zerfetzen eines wahrhaft schlechten Films.

  2. Nö, ich nehme sie nicht ernst.
    Ab und zu ärgere ich mich halt über soviel Ignoranz. Wenn die Ideologie das Denken beherrscht und sich vor den Realitätssinn schiebt, hört bei mir das Verständnis auf.

  3. Gerade DAS finde ich ja bei dir so interessant. Das du eben nicht nur deutsche oder nur amerikanische Stummfilme vorstellst, sondern versuchst, aus allen Ecken welche aufzutreiben und bekannt zu machen.

    Also: Komm nicht auf dumme Ideen und mach weiter wie bisher 🙂

    1. Ja, lustig nicht?
      Die arte-edition hat übrigens einen weiteren „schweizerischen Stummfilm“ herausgebracht, „Kindergesichter“ von Jaques Feyder, d.h. auch er wurde in der Schweiz gedreht (aber von Frankreich produziert).

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