THE FIRST AUTO (1927)

USA 1927
Mit Russell Simpson, Charles Emmett Mack, Patsy Ruth Miller, Barney Oldfield, William Demarest, Gibson Gowland, u.a.
Regie: Roy Del Ruth

The First Auto – der Filmtitel bezieht sich nicht, wie man zunächst denken könnte,  auf irgendeinen Kraftfahrzeug-Neukauf, von denen es zum Beispiel im Slapstick-Genre nur so wimmelt. Gemeint ist hier die Aera des Kraftwagens schlechthin. The First Auto erzählt eine Geschichte aus der Zeit, als das Auto noch neu war. Hauptdarsteller ist, wie der Titel schon sagt, das Auto.

Autofanatiker werden an diesem in der Warner Archive Collection erschienen Stummfilm bestimmt ihre helle Freude haben. Zur Zeit des Filmdrehs war die Neuzeit der Autos noch nicht so weit weg, ein paar der Ur-Modelle waren bestimmt noch irgendwo aufzutreiben und wurden möglicherweise in diesem Film verweigt. Beweise für diese Vermutung konnte ich leider nirgends finden, da die Produktionsdetails zu vielen Stummfilme heute im Dunkeln liegen. Möglich wär’s – und wenn es nicht so ist, so wurden die alten Autos immerhin mit viel Detailliebe nachgebaut.

Der Rote Faden, der im Verlauf des Films zahllreiche verschiedene Automodelle vorbeiparadieren lässt, spinnt sich um den passionierten Pferdezüchter Hank Armstrong (Russell Simpson), welcher dem allmählichen Aufkommen des “pferdelosen Wagens” zunächst mit Skepsis, dann mit Ablehnung und schliesslich in hilfloser Verzweiflung gegenübersteht. Das “neue Auto” droht sein geliebtes Gewerbe auszulöschen. Und damit nicht genug: Sein Sohn Bob (Charles Emmett Mack) ist Feuer und Flamme für das stinkende und lärmende neue Teufelsding. Vater und Sohn entfremden sich im Lauf der Jahrzehnte, die der Film umspannt.

Die Handlung ist einfach, aber dank geschickter Erzählweise und einem grossartigen Russell Simpson in der Hauptrolle geht sie zu Herzen. Man merkt allerdings, dass sie nicht das Hauptaugenmerk der Macher war; an manchen Stellen hinkt die Dramaturgie etwas und das Tempo lahmt immer mal wieder. Diese kleinen Mängel werden aber mehr als wettgemacht, zum einen durch das Zurschaustellen der bereits erwähnten frühen Autotypen, zum anderen durch einen Reigen scharf gezeichneter Nebenfiguren, prägnante, ulkige Typen, die aus einem Film von Fellini zu stammen scheinen. Der bekannteste von ihnen ist William Demarest in einem seiner frühesten Filmauftritte.

The First Auto schwankt zwischen Komödie und Drama und schafft diesen Spagat erstaunlich gut. Gerade die Sequenzen mit den ersten Autos sind zum Teil zu Quietschen komisch, während das Vater-Sohn-Drama, das im Grunde den Widerstreit zwischen Tradition und Moderne abhandelt ohne das damals oft übliche übertriebene Pathos präsentiert wird, so dass der Schritt von der Komik zur Tragik und umgekehrt nicht allzu gross wird.

Bemerkenswert an diesem Film ist zudem der Umstand, dass er mit dem Vitaphone-Verfahren vertont wurde – und dass der Vitaphone-Soundtrack erhalten geblieben ist und auf dieser DVD mit eingespielt wurde. Dies ist einer der seltenen Fälle, wo der heutige Stummfilmfreund miterleben kann, was das Kinopublikum 1927 beim Filmbesuch zu hören gekriegt hat; in diesem Fall eine sehr schöne, von Herman Heller kompilierte und dirigierte Filmmusik, zahlreiche Geräuscheffekte und sogar einige gesprochene Worte. Einige Monate später kam The Jazz Singerin die Kinos – ein Stummfilm mit längeren Gesangssequenzen. Heute gilt er als der erste Tonfilm; er stammte ebenfalls von Warner Bros. und wurde mit dem mit dem Vitaphone-System vertont.
In The First Auto kann man quasi beobachten, wie für den “ersten Tonfilm” geübt wurde.

Unterm Strich würde ich sagen: The First Auto ist eine lohnende DVD-Anschaffung – für Stummfilmfans und Autofreunde.

Drei Randnotitzen zum Ausklang:
Gibson Gowland, der in Erich von Stroheims Greed die Hauptrolle spielte, ist hier in einer winzigen Nebenrolle als Dorfschmied zu sehen.
Der damals gefeierte Rennfahrer Barney Oldfield tritt hier in einer fünfminütigen Rennfahr-Sequenz als er selbst auf – einer seiner insgesamt zehn Auftritte für den Film.
Und: Hauptdarsteller Charles Emmett Mack, damals 27, ein aufsteigender Jungstar, wurde auf dem Weg zu einem Set dieses Films – ausgerechnet – in einen Autounfall verwickelt, der für ihn einen tödlichen Ausgang hatte.
Michael

Die DVD: Die Bildqualität ist sehr gut, das Bild ist scharf und klar, mit sehr guten Kontrasten. Der Film wurde restauriert.

Als Musikbegleitung ist die Vitaphone-Einspielung von 1927 zu hören (siehe oben).

Reginalcode: 0

Bestellung : Der Film stammt aus dem DVD-R Sortiment von Warner Archive Classics. Eine der wenigen und im Moment preisgünstigsten Möglichkeiten, ihn nach Europa zu bestellen bietet Turner Classics. Es lohnt sich auch, bei DeepDiscount reinzuschauen; je nach Angebot ist er dort günstiger.
Für Preisvergleiche, evtl. preisgünstigere Angebote und andere Fragen im Zusammenhang mit DVD-Bestellungen aus dem Ausland siehe auch die Tipps zur DVD-Bestellung im Ausland.

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