SITTIN’ PRETTY (1924)

USA 1924
Regie: Leo McCarey
Mit Charley Chase, James Parrott, Leo Willis u.a.
Dauer: 10 min

Mein Lieblingsfilm der Marx-Brothers war schon immer Duck Soup (1933), vor allem wegen der wundervollen Spiegelszene, in welcher Groucho von seinen Brüdern mit einem imaginären Spiegel genarrt wird.

Aber oh – die Szene stammt ursprünglich aus dem Charley Chase-Film Sittin’ Pretty. Der Vergleich ist verblüffend: Bei Chase kommt fast exakt dasselbe vor – dieselben Gags, ja, z.T. sogar dieselben Bewegungen! Sie ist nur kürzer.

Die Marxens hatten die Sequenz genau kopiert, zusätzlich ausgebaut und verfeinert. Interessant daran ist, dass der Regisseur Leo McCarey sowohl bei Sittin’ Pretty als auch bei Duck Soup Regie führte!

Doch nun zu Sittin’ Pretty: Die erwähnte Spiegelsequenz ist das Zentrum des Films; der ganze Rest dient eigentlich nur dazu, sie herzuleiten. Dieser Umstand  wird allerdings hervorragend von einem absolut unvorhersehbaren und wunderschön aufgebauten Storyverlauf kaschiert.

Zunächst sehen wir Jimmy Jump (Charley Chase) beim Haus seiner Geliebten (Beth Darlington) vorfahren, einer Polizistentochter. Sofort macht sich ein Dieb (Leo Willis) an seinem Auto zu schaffen. Jimmy will den Vater seiner Angebeteten rufen, doch der sitzt gerade in der Wanne. Idee: Jimmy soll kurz in die Uniform des Schwiegerpapas in spe schlüpfen und den frechen Räuber vertreiben. Leider hat dieser das störrische Auto inzwischen in Gang gebracht und braust davon, Jimmy auf seinen Fersen.

So, nun befindet sich Jimmy Jump, als Polizist verkleidet, mitten in der Stadt. Der Dieb lässt sich von Jimmys Uniform nicht erschrecken, im Gegenteil, er insistiert auf einer Verhaftung und schleppt den protestierenden Jimmy zum nächsten Polizeiposten.

Kaum eingetreten, formiert sich ein Polizeitrupp, der sich unseren Helden sogleich einverleibt. Charley wird wie ein Stück Treibgut auf Mörderjagd mitgeschleppt und findet sich schon bald dem gesuchten bärtigen Mörder (gespielt von Charleys Bruder James Parrott) gegenüber, mit dem er in die eingangs erwähnte Spiegelszene verwickelt wird.

Der Film läuft ab wie ein Uhrwerk, und man fühlt sich mehr als einmal an Buster Keaton erinnert. Jede Szene führt völlig logisch zur nächsten, die Ereignisse lassen sich, einmal in Gang gesetzt, weder rückgängig machen, noch aufhalten. Charley/ Jimmy wird von ihnen unaufhaltsam in dieses Haus gespült, in dem sich der irre Mörder aufhält, direkt vor diesen Spiegel, vor dem er die Routine abliefern soll, welche die Marx Brothers neun Jahre später kopieren und mit der sie Filmgeschichte schreiben.

Und Charley Chase? Ist heute vergessen. So ungerecht kann Filmgeschichte sein!

Die DVD: Der Film ist auf der 4-DVD-Edition Becoming Charley Chase zu finden.
Die Bildqualität der verschiedenen enthaltenen Kurzfilme ist unterschiedlich, bei Sittin’ Pretty lässt sie etwas zu wünschen übrig (siehe obige  Screenshots). Die Musikbegleitung des Snark Ensembles ist sehr schön und verhilft den Vorzügen dieses Film zu ihrer Geltung.

Die DVD-Box stammt von Allday Entertainment, es gibt sie hier für $39.99 zu kaufen.

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