DR. MABUSE, DER SPIELER (1922)

Deutschland 1922
Mit Rudolf Klein-Rogge, Bernhard Goetzke, Aud Egede Nissen, Paul Richter, Alfred Abel u.a.
Regie: Fritz Lang
Drehbuch: Thea von Harbou
Dauer: 271 min

Einer der längsten Stummfilme überhaupt – und eine der kleinsten Reviws dieses Blogs.

Das hängt damit zusammen, dass ich diesen Film schlichtweg nicht mag. Das kommt vor – ich habe zwar versucht, mich dagegen zu wehren, aber die Abneigung ist mächtiger. Zudem ist über den Film genug geschrieben worden, gehört er doch zu den berühmtesten Stummfilmen überhaupt. Eine Inhaltsangabe erscheint mir unnötig, also lasse ich’s. Wer trotzdem eine braucht, klickt hier.

Dr. Mabuse, der Spieler entstand in einem Deutschland, das im Chaos zu versinken drohte. Der Film bringt den Zeitgeist von damals fast greifbar zum Ausdruck. Wer die Geduld aufbringt, den Film von Anfang bis Ende anzuschauen, hat einen starken Eindruck der damaligen Zeit und ihrer Gefühlslage: Angst, Verzweiflung, Orientierungslosigkeit, Abhängigkeit, Paranoia herrschten in vielen der durch Bürgerkriege und Demagogen gebeutelten deutschen Städten. Fritz Lang und Thea von Harbou vereinten all die Übel der Zeit in einer Figur, dem Superverbrecher Dr. Mabuse (Rudolf Klein-Rogge), der für Angst und Terror sorgt und mit den Schicksalen der Menschen spielt wie mit einem Kartenspiel.

Ein düsterer und gleichzeitig trivialer Film, der seine Trivialitäten hinter kunstgewerblicher Fassade zu kaschieren versucht. So wird mit gemaltem Dekor und mit übertriebener Maske streckenweise immer wieder der Expressionismus bemüht.

Als ethisch denkender Mensch hege ich eine Abneigung gegen derart unmoralisch agierende Figuren wie Mabuse. Hier steht einer im Zentrum, und er füllt den Film komplett aus, immer mal wieder kommt der Verdacht auf, auch die Filmemacher wären der Faszination des Bösen erlegen. Die Eiseskälte und die Ernsthaftigkeit, mit welchen die zum Teil hanebüchene Geschichte angerichtet wird, lässt mich frösteln statt strahlen.
Mit anderen Worten: Ich kann mich nicht erwärmen… Aber probiert’s selbst aus.
Wenn der Film kürzer wäre, könnte ich ihn eher goûtieren. Aber 271 Minuten….ne!
Michael

Die DVD: Die Restauration durch Transit Film und Murnau-Stiftung ist sehr gut, das Bild ist klar und scharf, jedes Detail ist klar erkennbar. Es sind kaum Kratzer zu sehen. Die Tiefenschärfe ist vorbildlich.

Die Musikbegleitung stammt vom kürzlich verstorbenen Aljoscha Zimmermann und vermag, auf ganzer Linie zu begeistern. Zimmermanns Musik wird dem Film auf bewundernswerte Weise gerecht; man erhält das Gefühl, sie sei damals für den Film geschrieben worden.

Extras: Doku über Aljoscha Zimmermanns Musik zum Film, Doku über Mabuse-Erfinder Norbert Jacques, Doku Mabuses Motive; Fotogalerie; Biografien.

Reginalcode: 2

Bestellung: Mabuse gehört zu jenen deutschen Stummfilmen, die auch in Deutschland erschienen sind, und zwar bei Universum, in einer schön aufgemachten 2-DVD-Box. Bestellbar ist sie zu einem guten Preis hier.
Für Preisvergleiche, evtl. preisgünstigere Angebote und andere Fragen im Zusammenhang mit Auslandbestellungen siehe auch die Tipps zur DVD-Bestellung im Ausland.

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